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Original im Internet

„Hallo, Bruder“

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 14. Mai 2019


„Hallo, Bruder“, waren die letzten Worte eines Ordners, der Gläubige bei einer der beiden neuseeländischen Moscheen begrüßte, die im März tödlich angegriffen wurden. Laut Zeitungsberichten sah er den Täter mit der Waffe in der Hand näherkommen, und seine Reaktion war diese Botschaft der Liebe.

Diese Nachricht traf mich aus mehreren Gründen tief. Erstens natürlich wegen des Horrors, dass der Täter so etwas tun konnte. Dann kam die Anteilnahme mit den Familien der Dutzenden Gläubigen, die getötet wurden, und der weiteren Dutzenden Verletzten.

Was dann passierte, veranlasste mich zu handeln. Erst hatte ich gar nicht verstanden, dass es Angriffe auf Moscheen gewesen waren. Als ich es dann begriff, schämte ich mich meiner Gefühle der Erleichterung, dass es keine Kirche oder Synagoge gewesen war.

Ich musste mich der plötzlichen Erkenntnis stellen, dass ich selbst Vorurteile hatte. Vielleicht nicht viele, aber auch wenige Vorurteile sind zu viel.

Ich erkannte, dass ich eine wichtige Aufgabe hatte, nämlich wirksamer für die Menschheit zu beten und der Art von Vorurteilen entgegenzutreten, die zu noch mehr Hass und gar Gewalt führt, wenn man sie hegt, statt sie auszuräumen. Ich musste meine Liebe erweitern, um alle Menschen darin zu umfassen, und universaler lieben. Wenn der Ordner in der Moschee einen Bruder in einem von Hass angetriebenen Mann sehen konnte, dann kann ich einen Bruder in jemandem sehen, der einer völlig anderen Glaubensrichtung folgt.

Mary Baker Eddy, die Gründerin des Herolds, schreibt in ihrem Buch Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Liebe ist unparteiisch und universal in ihrer Anwendbarkeit und in ihren Gaben“ (S. 13). Mrs. Eddy verwendet „Liebe“ hier als Synonym für Gott, der unendliche Liebe ist.

Dieser Gedanke war der Grundstein meiner Gebete darum, Liebe umfassender auszudrücken. Er machte mir bewusst, dass meine Liebe so wachsen musste – und konnte –, dass alle Menschen überall mit darin einbezogen waren.

Als ich Gott um Hilfe bat, dies mit Verständnis zu tun, fiel mir ein, dass die Bibel wichtige Anweisungen über das Lieben enthält. Christus Jesus lehrte uns beispielsweise, dass wir Feinde sowie Menschen anderer Glaubensinhalte lieben sollen. Die Frage ist, wie.

Mir kam beim Beten sofort die Antwort: Es gibt nur einen Gott. Ja, es gibt klare Unterschiede zwischen dem Christentum und anderen Glaubensrichtungen wie dem Islam, doch egal wie wir Ihn ansprechen – Gott, Jehova, Allah –, die geistige Tatsache bleibt bestehen, dass Gott alles ist. Und das Wesen Gottes ist Liebe. Wen oder was liebt Gott? Seine gesamte Schöpfung – uns alle. Gott sieht und liebt uns als Seine Kinder, und das schließt alle ein.

Gottes Kinder zu sein hat auch noch andere Implikationen. Kurz gesagt sind wir alle die Kinder unseres Vater-Mutter-Gottes, der jeden von uns genau gleich liebt. Gott kennt oder liebt uns nicht als Sterbliche, die von hasserfüllten oder intoleranten Ansichten motiviert sind, sondern als geistigen Ausdruck Seiner Liebe. Das macht uns alle zu Brüdern und Schwestern. Statt zu denken: „Ich muss ‚die anderen‘ lieben“, können wir erkennen, dass es keine ‚anderen‘ gibt, denn wir haben nur Brüder und Schwestern. Wir sind geistig verwandt; Mitglieder einer universalen Familie, die Söhne und Töchter der göttlichen Liebe.

Da wir die Kinder der Liebe sind, ist die Fähigkeit zu lieben in unserer geistigen DNA enthalten – unsere grundlegende Natur als Gottes Nachkommen. Es liegt in unserer Natur zu lieben. Wenn wir das im tiefsten Innern verstehen, stellen wir fest, dass die Hürden nicht unüberwindlich sind. Wir können von Natur aus nicht zulassen, dass Ignoranz und Vorurteile uns davon abhalten, andere zu lieben.

Ich stelle das bei mir selbst fest – ich empfinde eine ehrlichere, tiefere Liebe zu allen, die von den Anschlägen auf die Moscheen berührt wurden. Obwohl mir meine ursprüngliche Selbsterkenntnis peinlich ist, bin ich dankbar, dass dieses subtile Vorurteil aufgedeckt und ausgeräumt wurde. Ich bitte Gott um Vergebung und Hilfe dabei, alle Menschen als meine geliebte Familie zu erkennen.

Dieser Vorgang, bewusst auch den Hauch einer Ablehnung, Abneigung oder gar ein echtes Vorurteil durch Liebe zu ersetzen, ist aus meiner Sicht der wahre Weg, Gewalttaten auf der Welt auszuräumen. Wenn wir dies tun, können auch wir Menschen, die anders erscheinen als wir, liebevoll mit den Worten begrüßen: „Hallo, Bruder.“

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Unsere Herolde sind mitfühlend und beglückend. Da sie mit der Stimme der Wahrheit sprechen, dienen sie zur Heilung der Völker. Sie verheißen und verkünden Glück und Freiheit, weil sie der ganzen Menschheit Gottes Gegenwart vor Augen führen.

– Otto Bertschi, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1968 

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