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Für Jugendliche

Ist es möglich, nicht über Politik zu streiten?

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 15. Januar 2019


Ich hatte nicht damit gerechnet, den Nachmittag bei einer Freundin mit einer hitzigen politischen Diskussion zu verbringen. Wie war eine freundliche Unterhaltung so schnell aus dem Ruder gelaufen? Und schon schrien wir uns praktisch an, jede überzeugt, dass die Ansicht der anderen völlig verkehrt war.

Was dort vorgefallen war, gefiel mir überhaupt nicht. Ich hatte das Gefühl, dass wir durch politische Diskussionen verändert wurden und plötzlich negativ statt konstruktiv aufeinander reagierten. Wie konnte ich das in den Griff kriegen? Ich erkannte, dass ich beten musste – und zwar nicht darum, dass andere meiner Meinung sein sollten!

Für mich fängt Beten oft damit an, ich-bezogene Gedanken wie: „Ich habe recht!“ und „Ich muss das beste Argument finden“ zum Schweigen zu bringen. So gerechtfertigt es auch erscheinen mag, solch ein ich-bezogenes Denken bringt Aufruhr. Wenn ich es zum Schweigen bringe, kann ich Gott besser hören. Dann wird mein Gebet zu einem Lauschen auf Gott. Ich nehme demütig Gottes inspirierende Ideen darüber auf, wie ich anders über eine problematische Situation denken kann. Durch das Studium der Christlichen Wissenschaft habe ich gelernt, dass ich friedliche, liebevolle Gedanken von Gott erwarten kann, da Gott Liebe ist. Und diese friedlichen, liebevollen Gedanken ersetzen alle Suggestionen von Reibung, Ärger und Disharmonie und machen sie unschädlich.

Als ich diesmal betete, erkannte ich, dass nicht die Meinung meiner Freundin mir zu schaffen machte, sondern der Glaube, dass meine Freundin ein Gemüt – eine Denkweise – hatte, das nicht zu meiner passte. Ich meinte, dass mein Gemüt das Gemüt meiner Freundin von seinem Irrtum überzeugen müsse. Doch ich verstand auch, dass diese Denkweise Gott völlig außen vor ließ. Mir fielen zwei Stellen aus der Bibel ein, die mir halfen, Gott besser zu verstehen. Die erste lautet: „Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist Herr allein“ (5. Mose 6:4). Und die andere sagt über Gott: „Doch er ist der Eine; wer will ihm wehren?“ (Hiob 23:13). Diese Stellen machten mir bewusst, dass es nur ein Gemüt gibt, – das göttliche Gemüt –, da es nur einen Gott gibt. Dieses all-intelligente Gemüt erfüllt allen Raum und jedes Bewusstsein und kommt in seiner Schöpfung zum Ausdruck. Mehrere persönliche Gemüter im Konflikt miteinander zu sehen, war in Wirklichkeit eine völlige Fehleinschätzung der Situation.

Und was bedeutete die geistige Tatsache des einen Gemüts dann für meine Freundin und mich? Statt separate Gemüter zu besitzen, drücken wir beide die Eigenschaften des einen Gemüts aus, darunter Intelligenz und Urteilskraft. Und es bedeutete, dass keine von uns von verkehrten politischen Sichtweisen geblendet werden konnte.

Ich dachte daran, wie Jesus uns die Handhabung unterschiedlicher Sichtweisen vorgemacht hat. An einem Punkt wurde er von Schriftgelehrten – das war ein religiöses Amt – konfrontiert, die Jesu Autorität hinterfragten, die Sünden eines Mannes zu vergeben. Nach ihrer strengen Überzeugung konnte nur Gott Sünden vergeben. Statt sich in eine Debatte verwickeln zu lassen, erhob Jesus das Gespräch und erklärte das Recht dieses Mannes, von körperlichem Leiden und von Sünde frei zu sein. Jesu inspirierte Denkweise heilte den Mann und berührte auch die vielen anwesenden Zeugen: Sie waren alle erstaunt und priesen Gott und sagten: „So etwas haben wir noch nie gesehen“ (Markus 2:12).

Als ich darüber nachdachte, merkte ich, dass es mir um mehr ging, als jemanden von einer anderen politischen Sichtweise zu überzeugen. Mein Ziel war Heilung, und zwar nicht nur in Gesprächen mit meiner Freundin, sondern auch beim allgemeinen politischen Diskurs in meiner Umgebung und meinem Land. Jesus argumentierte logisch und überzeugend, doch die Heilung wurde durch seine Liebe zu dem Gelähmten und seine korrekte Sichtweise von den Schriftgelehrten bewirkt. Er betrachtete die Schriftgelehrten als Menschen, die von Gott regiert wurden, nicht als rechthaberische Männer mit gegenteiligen Meinungen.

Das rüttelte mich sehr wach. Ich musste durch Liebe motiviert werden, nicht durch den Wunsch, Recht zu haben. Um wirklich zu lieben, musste ich jede andere Person unabhängig von ihrer politischen Meinung als Bruder oder Schwester betrachten – als Widerspiegelung desselben göttlichen Gemüts. Das bedeutet nicht, dass wir das gleiche denken müssen, doch wir können trotz der Unterschiede Einheit finden, denn wir haben dieselbe göttliche Quelle der Intelligenz.

Ich fand sehr schnell viele Gelegenheiten, diese Ideen anzuwenden. Die Erkenntnis der Notwendigkeit, mit meiner Liebe zu Gott zu beginnen und andere zu lieben, machte es möglich. Manchmal veranlasste mich diese Liebe dazu, einen Gedanken zu äußern, der der Unterhaltung eine höhere Sichtweise ermöglichte. Manchmal brachte es meinen inneren Aufruhr zum Schweigen und befähigte mich, respektvoll, verständnisvoll und mit Anteilnahme zuzuhören. Meine Unterhaltungen über Politik änderten sich sehr, und eine politische Diskussion hat mich nie wieder so aufgewühlt.

Letztlich wollen wir doch alle Lösungen für die Probleme finden, die für unsere Umgebung, unser Land und die Welt wichtig sind. Warum nicht von der geistigen Tatsache des einen Gemüts ausgehen und dann sehen, wohin das führt?!

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Kim Crooks Korinek, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Mai 2017

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