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Original im Internet

Für Junge Leute

Wer geht vor? Ich oder Gott?

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 21. Mai 2019


Gehörst du zu den Ich-gehe-vor-Leuten? Wenn man mir diese Frage als 15- bis 25-Jährigem gestellt hätte, wäre die Antwort nein gewesen. Schließlich liebte ich Gott – sehr sogar! Ich versuchte, Gott an erste Stelle zu setzen. Doch auf subtile Weise ging es immer noch sehr darum, was ich wollte. Ich tat nichts wirklich Schlimmes. Doch hier und da probierte ich, mit Sachen durchzukommen, die nicht wirklich gut waren, einfach weil ich dachte, es wäre lustig. Und keiner kam dabei zu Schaden, also warum nicht?

Im College nahm ich eines Abends an einer solchen unerlaubten, wenn auch „harmlosen“ Aktivität teil. Wir spielten Fangen in einem Gebäude, wo es nicht erlaubt war, doch wir waren sicher, dass wir weglaufen konnten, falls eine Sicherheitsperson auftauchen sollte. Ich sprang auf jemanden zu, um ihn zu fassen, und stieß mit dem Knie gegen eine spitze Metallecke. Ich versuchte aufzustehen, konnte das Knie aber kaum belasten, und es tat sehr weh. Ich verabschiedete mich aus dem Spiel und humpelte langsam zu meinem Wohnheim zurück.

Noch schlimmer war, dass ich gerade dabei war, ein Stück für die jährliche Tanzproduktion zu choreografieren – was für eine tolle Gelegenheit! Doch jetzt konnte ich kaum laufen, geschweige denn, tanzen. Und ich wusste nicht, ob ich über die Verletzung beten konnte, denn schließlich war das ja passiert, als ich etwas Verbotenes tat. Konnte ich wirklich beten, wenn ich Gott nicht an erste Stelle gesetzt hatte?

Meine Schuldgefühle, mein Frust und der mangelnde Fortschritt, was die Verletzung anging, hielten mehrere Wochen an, während ich in der Tanzstunde auf der Bank saß und halbherzig betete. Und dann schaffte ein Freund bei den Bodenübungen einen perfekten Sprung. Ich war beeindruckt von der Eleganz, Kraft und Schönheit, die dieser Sprung ausdrückte. Auf einmal begriff ich: Meine Gratulation ging nicht an den Sprung, sondern an den Freund. Ich würde nie den Sprung fragen, wie er so hoch gekommen war, sondern meinen Freund bezüglich seiner Technik. Dieser Freund ist ein wundervoller Tänzer, daher ergibt sich der Sprung einfach und natürlich.

Mir wurde klar, dass es bei meiner Beziehung zu Gott ebenso war. Gott existiert, und ich bin das Ergebnis Seiner Existenz. Er ist der einzige Urheber. In dieser Analogie war Gott der Springer und ich war der Sprung. Ich war das Ergebnis und der Ausdruck von Gottes Wesenheit. Obwohl ich die Stelle damals noch nicht kannte, hatte ich das entdeckt, was Mary Baker Eddy auf S. 250 von Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift schreibt: „Der Mensch ist nicht Gott, aber wie ein Lichtstrahl, der von der Sonne kommt, spiegelt der Mensch, die Auswirkung Gottes, Gott wider.“

Ich begriff, dass nichts mich daran hindern konnte zu laufen – und zu tanzen –, wenn ich als „Sprung“ aus Gottes Existenz entsprang. Ich stand auf und machte die Bodenübungen mit den anderen. Anschließend ging ich ohne Schmerzen oder Behinderung zurück zu meinem Zimmer. Es war die letzte Stunde jener Woche. In der folgenden Woche nahm ich normal am Training teil, und der Lehrer sagte mir, dass ich zwar drei Wochen ausgesetzt hatte, meine Leistungen aber so gut waren, als hätte ich die Schrittfolgen schon fünf Wochen trainiert. Ich war nicht nur genesen, sondern besser als vorher!

Ich war natürlich sehr dankbar für die Heilung meines Knies, doch die Erfahrung wirkte sich erheblich und dauerhaft auf mein ganzes Leben aus. Außerdem war ich von der subtilen Ich-gehe-vor-Mentalität geheilt. Die Erkenntnis im Tanzunterricht gründete sich auf ein tieferes Verständnis des Vorrangs – der Vorherrschaft und Einzigartigkeit – Gottes und der Tatsache, dass Gottes Ausdruck nicht von Seiner Natur abweichen kann. Die Heilung illustrierte meine ungebrochene Beziehung zu Gott und dass ich allein von Ihm abhängig bin. Einige Dinge, die Ihm unähnlich waren – darunter die Schmerzen und ein Faible für Dinge, die nicht in Ordnung waren – fielen einfach von mir ab.

Seit dieser Erfahrung finde ich es viel befriedigender, ehrlicher, großzügiger und eins mit allem zu sein, was Gott ist, statt etwas zu wollen, bei dem ich nicht erwischt werden darf. Und ich wachse weiter in meinem Verständnis davon, was es wirklich bedeutet, für Gott zu leben, statt für mich selbst. Da wir alle das Ergebnis von Gottes Existenz sind, ist es das Natürlichste, Schönste in der Welt, Ihn an erste Stelle zu setzen.

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Unsere Herolde sind mitfühlend und beglückend. Da sie mit der Stimme der Wahrheit sprechen, dienen sie zur Heilung der Völker. Sie verheißen und verkünden Glück und Freiheit, weil sie der ganzen Menschheit Gottes Gegenwart vor Augen führen.

– Otto Bertschi, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1968 

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