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Original im Internet

Welche Darstellung glauben wir?

Aus der August 2021-Ausgabe des Herold der Christlichen Wissenschaft

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 10. Mai 2021 im Internet.


Wir wissen alle, dass Ereignisse und Menschen sehr unterschiedlich dargestellt werden können. Konflikte und Krisen in aller Welt haben uns gezeigt, wie gefährlich es ist, eine bestimmte Darstellung kategorisch zu akzeptieren oder zu vertreten, ohne das Richtige vom Falschen zu trennen.

Bei meinen Gebeten darum, eigene Vorbehalte zu erkennen und zu überwinden, kam mir eine Bibelgeschichte über einen Gelähmten in den Sinn. Wie im Markusevangelium (2:1–12) wiedergegeben, wurde der Mann zu Jesus gebracht, um geheilt zu werden. Er musste getragen werden, und seine Freunde haben das offenbar bereitwillig getan. Jesus befand sich in einem voll besetzten Haus, daher deckten die Freunde des Mannes das Dach auf, um den Mann direkt zu Jesus bringen zu können. Das Ergebnis: Jesus vergab dem Mann seine Sünden und heilte ihn von der Lähmung.

Die Bibel gibt uns ein wenig Kontext für die Heilung: „Als Jesus ihren Glauben sah“ – den des Mannes und seiner Freunde –, „sprach er zu dem Gelähmten: ‚Mein Sohn, deine Sünden sind dir vergeben.‘“ Und wenig später fügte er hinzu: „Steh auf, nimm deine Matte und geh nach Hause!“ Und das tat der Mann.

Wir sehen aus diesem Bericht die Macht des Vertrauens in eine Darstellung, die über die Beschreibung eines dauerhaft kranken Menschen hinausgeht. Da, wo wir eine materielle, begrenzte Sichtweise von dem Mann sehen mögen, sah Jesus eine ganze Fülle von gottgegebenen Informationen über ihn. Jesus nahm die wahre, geistige Identität des Mannes wahr: von Gott, Geist, nach Seinem vollkommenen Bild und Gleichnis erschaffen. Auch wir können genauer und geistiger auf die wahre Natur des Menschen sehen und dadurch die typische, materielle Berichterstattung durchschauen.

Wir können heilen, wenn wir eine höhere mentale Warte einnehmen.

Forschungen haben ergeben, dass man den ersten Eindruck einer Person innerhalb einer Zehntelsekunde gewinnt. Wenn wir über diese rasend schnelle Bewertung nicht hinauskommen, limitieren wir diese Person möglicherweise – und uns selbst. Dieser erste Eindruck beschränkt sich meist auf Geschlecht, Hautfarbe, Lebensstandard usw. Doch damit betrachten wir Menschen auf materieller, statt geistiger Grundlage.

Als ich in der Oberstufe war, wurde eine neue Klasse gebildet, und sehr schnell formte sich eine kleine Gruppe von Freunden. Eine Mitschülerin war aus einem damaligen Entwicklungsland. Die anderen in der Gruppe schlugen vor, dass wir beide nebeneinandersitzen sollten, und wir waren einverstanden. Doch ein, zwei Tage später kam mir der Gedanke, dass die anderen das vorgeschlagen hatten, weil sie nicht neben uns sitzen wollten. Es gab nicht den geringsten Anhaltspunkt dafür – wir waren alle befreundet –, doch plötzlich betrachtete ich das Mädchen, die anderen und mich selbst mit anderen Augen. Meine Freundschaft mit dem Mädchen litt darunter und drohte, völlig zu zerbrechen.

Ein paar Tage später sagte sie mir unverblümt, dass ich mich diskriminierend verhielt. Das war eine sehr unangenehme Mitteilung. So wollte ich auf keinen Fall sein! Meine eigenen unbegründeten Vorstellungen und meine beschränkte Meinung von einer Teenagerin aus dem Ausland drohten, uns allen zu schaden. Das entsprach nicht dem, was ich in der Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft über Gott gelernt hatte: Dass Gott den Menschen nach Seinem Ebenbild erschaffen hat. Das schließt jeden ein, egal, wo auf der Welt jemand geboren wurde. Hatte eine Ausländerin weniger Anrecht auf meine Freundschaft? Natürlich nicht! Meine Abneigung verschwand so schnell, wie sie entstanden war, und alle in der Gruppe blieben während unserer restlichen Schulzeit und darüber hinaus befreundet.

Es ist nicht egal, was wir als wahr akzeptieren, wenn wir andere betrachten. Und es ist ebenso wenig egal, was wir akzeptieren, wenn wir uns selbst betrachten. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, schreibt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Jesus sah in der Wissenschaft den vollkommenen Menschen, der ihm da erschien, wo den Sterblichen der sündige sterbliche Mensch erscheint. In diesem vollkommenen Menschen sah der Erlöser Gottes eigenes Gleichnis, und diese korrekte Anschauung vom Menschen heilte die Kranken“ (S. 476–477).

Jesus erkannte die Vollkommenheit in sich und den anderen – er betrachtete die wahre Natur der Menschen nicht als sterblich, Krankheit ausgesetzt, arm oder sündig. Von diesem Standpunkt als dem vollkommenen Sohn Gottes konnte er die Vollkommenheit in anderen wahrnehmen, und diese Sichtweise heilte.

Wir tragen nicht den Titel „Gottes Sohn“, doch auch wir sind die Nachkommen unseres Vater-Mutter-Gottes, des Geistes. Und als Gottes Nachkommen spiegeln wir Seine Vollkommenheit wider und können uns und unsere Mitmenschen in diesem korrekten Licht wahrnehmen. Ja, wenn wir unseren eigenen Status als Gottes Kind verstehen, sind wir fähig, denselben Status auch in anderen wahrzunehmen.

Wir können jede materielle Darstellung von uns selbst und anderen durchschauen. Jesus zeigte uns, dass Lähmung nicht der göttlichen Wahrheit über den Mann in der Bibelgeschichte oder sonst jemanden entspricht. Gott hat jeden von uns als ewiglich vollständig und vollkommen und nicht fehlerhaft erschaffen. Eine Beschreibung von Krankheit und Sünde zu durchschauen ist nicht unbedingt einfach. Doch zu dem Verständnis dessen zu gelangen, was Gott erschaffen hat, und an Gottes Wirklichkeit festzuhalten, kann die Fessel der Krankheit lösen, Sünde aufdecken und letztendlich die wahre, vollkommene Güte eines jeden als dem Kind Gottes offenbaren. Wir können heilen, wenn wir die materielle Beschreibung aufgeben und eine höhere mentale Warte einnehmen.

Es ist allen Menschen möglich, über oberflächliche Eindrücke und enggefasste materielle Einschätzungen hinauszugehen, und wie ich bei meiner Schulfreundin gelernt habe, ist die Erkenntnis, dass eine materielle Sichtweise begrenzt ist und nicht ausreicht, der erste Schritt. Als Erstes uns selbst als Gottes vollkommenes Kind zu erkennen, hilft uns, diese Sichtweise so zu erweitern, dass sie auch unsere Mitmenschen einschließt. Wir können Schritt für Schritt unsere Sicht von Gottes Schöpfung als Seine vollkommene, vollständige Widerspiegelung erweitern, in der nichts enthalten sein kann, was nicht von Gott ist. Damit werden wir friedvoller mit anderen zusammenleben, und Freundschaft, Fairness, Gerechtigkeit, Gesundheit und Heilung werden folgen.

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– (Mary Baker Eddy, Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes, S. 353)

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