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Auf der Suche nach Respekt

Aus der November 2008-Ausgabe des Herold der Christlichen Wissenschaft


Ich hatte mir die Frauenzeitschrift eigentlich nur gekauft, weil die Titelseite einen Artikel über das Thema „Respekt“ versprach. Zu der Zeit war es mir eigentümlicherweise ein Bedürfnis, mehr Respekt in meiner Umgebung wahrzunehmen und voraussetzen zu können. Es ging mir nicht darum, dass mir aus einem Gefühl der Minderwertigkeit oder der vermeintlichen Größe mehr Respekt entgegengebracht werden sollte. Ich nahm nur seit einiger Zeit so viele Defizite in meiner Umgebung wahr – die Fotografin, die bei einer Preisverleihung durch Herumrennen auf der Bühne zu viel Aufmerksamkeit auf sich zog und somit demjenigen, der den Preis erhielt, entzog; die überfüllte Fußgängerzone, in der kein einziger von seinem geraden Marsch-Kurs abwich und eher ein Rempeln in Kauf genommen wurde, um danach einfach mal schimpfen zu können; das Verhalten von Schülern und Lehrern im Umgang miteinander, usw.

Fast gleichzeitig fielen mir Bücher und Nachrichten in die Hände, z. B. über Frieden (80 % darin handelte jedoch vom Kriegsverhalten) oder darüber, wie Finanzmittel in der Welt bewusst ungerecht verteilt werden; unzählige Auseinandersetzungen auf allen Ebenen. Schrie das alles nicht nach mehr Respekt sowohl im Umgang miteinander als auch im Umgang mit unserer Umwelt?

Der Artikel in der Frauenzeitschrift sah das ähnlich. Am Ende des Artikels fühlte ich mich in der Suche nach und in der Notwendigkeit von Respekt bestätigt, doch es fehlte mir noch ein Leitfaden zum Umsetzen.

Den fand ich in den zehn Geboten. Klingt das etwas religiös orthodox? Nicht, wenn man sich die Mühe macht, diese Leitfäden, die Gott den Kindern Israel (warum also nicht auch mir) an die Hand gegeben hat, etwas näher zu betrachten und auf die eigene Situation zu übersetzen. Ich hatte mit den zehn Geboten noch nie wahnsinnig viel anfangen können. Sie klangen plausibel, aber auch fast selbstverständlich. In der Sonntagschule lernten alle Schüler sie auswending und besprachen sie sicherlich auch, aber für mich klangen sie lange Zeit immer noch recht trocken.

Die Geschichte dahinter jedoch ist spannend. Dass Gott nicht lange zögerte, als Mose vor Frust über das respektlose Verhalten der Kinder Israel, die nicht länger warten wollten, diese Anleitung zum Miteinander zerschlug. Gott gab Mose ein zweites Mal Tafeln mit den zehn Geboten mit. Da kehrte bei Mose Ruhe ein und das Volk wurde einsichtig.

Eine zweite Chance geben und Ruhe, Einsicht, Vertrauen und Verlässlichkeit leben, das konnte ich mir bei meiner Suche nach mehr Respekt selbst vor Augen halten. Das fand ich auch in jedem einzelnen Gebot beinhaltet. Indem ich unter diesen Aspekten die zehn Gebote betrachtete, konnte ich Gott und meinen Mitmenschen mehr Achtung entgegenbringen, indem ich mich versöhnlicher und großzügiger verhielt.

Wenn Gott bedingungslos liebt, warum sollte es mir schwer fallen, es lhm gleich zu tun? Wenn ich diese Sehnsucht nach mehr Respekt in mir spüre, dann muss ich selbst anfangen, Respekt in meinem Herzen zu pflegen.

Auf diese Gebote bzw. Gesetze ist Verlass. Mit Gott als Gesetzgeber kann ich mich als Seine lhn widerspiegelnde ldee begreifen und damit Sein Gesetz widerspiegeln, ja die Fülle der Gesetze erleben!

Sich gegenseitig Respekt zu zollen heißt nicht, honigsüß allem zuzustimmen, was jemand anderes tut oder nicht tut. Es heißt, in jedem Moment die Gesetzesvollmacht Gottes anzuerkennen und von eigener Meinung und Einschätzung zurückzutreten. Indem ich Gott in erster Linie Respekt zolle, lausche ich auf das, was ein konstruktiver Beitrag für eine bestimmte Situation sein mag. Es heißt, mehr Liebe zu leben.

Wenn Gott bedingungslos liebt, warum sollte es mir schwer fallen, es lhm gleich zu tun? Wenn ich diese Sehnsucht nach mehr Respekt in mir spüre, dann muss ich selbst anfangen, Respekt in meinem Herzen zu pflegen. Dadurch bin ich empfänglicher für zuversichtlich stimmende, hoffnungsvolle Zeichen des Respekts in meiner Umgebung.

Die zehn Gebote gelten für jeden! Gott hat sie uns allen gegeben, weder nur einer bestimmten Gruppe von Menschen noch mit dem Zusatz, dass Er ganz genau schaut, ob wir sie auch ja fein einhalten. Gott kennt keine Strafe. Er ist die bedingungslose Liebe selbst. Indem ich mich auf Gott und Seine umfassende Liebe in meinem Bestreben einlasse, mehr Respekt zu finden, habe ich den ersten Schritt zur Realisierung schon getan, Die Quelle des Gesetzes für Respekt ist Gott selbst. Die Suche nach mehr Respekt heißt also, auf der Suche nach mehr Gottähnlichkeit zu sein. Was ich zum Erkennen brauche, ist ein liebender, nicht ein abschätzender, verurteilender Blick.

Es macht mir nichts mehr aus, lächelnd in der Fußgängerzone Slalom zu laufen. Die Fotografin mag sich nicht bewusst gewesen sein, viel zu sehr imBild zu erscheinen. Ich spüre Nachsicht und auch echte Durchsicht – durch die Sicht aus Gottes liebenden und liebevollen Augen auf mich und meine Mitmenschen, weltweit.

„Lasst uns die Rechte des Gewissens und die Freiheit der Kinder Gottes achten und so unsere, Lindigkeit kund sein allen Menschen'.“

(Die Einheit des Guten, S. 5:23). [Mäßigung; Mäßigkeit; Beruhigung; Behutsamkeit; Maßhalten]

Die Bedeutung der Gebote, wie ich sie heute, in diesem Moment des Schreibens, sehe:

1. Gott ist Alles-in-allem, allwissend, allüberall, Liebe.

2. Hab keine falschen Vorstellungen von der Grenzenlosigkeit der Vollkommenheit des göttlich Guten!

3. Zufall, Glück, Normalität etc. sind keine Namen für das göttliche Prinzip, für die unermesslichen Möglichkeiten des Geistes, also erkenne den wahren Ursprung aller Wirksamkeit an.

4. Einatmen und Ausatmen – Inspiration erfassen und zunutze machen und das in regelmäßig fließenden Abständen.

5. Mach dir klar, woher du kommst und wer für deinen Ursprung verantwortlich ist. Nutze das, was dir auf den Weg mitgegeben worden ist. Ehre das Empfangene und strecke dich auf diesen Grundlagen weit, weit aus.

6. Wertschätze das Leben, die Vielfalt, die Ordnung und Versorgung.

7. Wertschätze das, was dir gegeben ist.

8. Wertschätze das, was du hast, genauso wie das, was andere haben, und sieh die göttliche Balance der Versorgung überall.

9. Wertschätze deinen Nächsten wie dich selbst.

10. Bleibe im Hause des Herrn, im Himmelreich, immerdar!

Die zehn Gebote

1. Ich bin der Herr, dein Gott, der ich dich aus Ägyptenland, aus der Knechtschaft, geführt habe. Du sollst keine anderen Götter haben neben mir.

2. Du sollst dir kein Bildnis noch irgendein Gleichnis machen, weder von dem, was oben im Himmel, noch von dem, was unten auf Erden, noch von dem, was im Wasser unter der Erde ist: Bete sie nicht an und diene ihnen nicht!

3. Du sollst den Namen des Herrn, deines Gottes, nicht missbrauchen; denn der Herr wird den nicht ungestraft lassen, der seinen Namen missbraucht.

4. Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligst. Sechs Tage sollst du arbeiten und alle deine Werke tun. Aber am siebten Tage ist der Sabbat des Herrn, deines Gottes.

5. Du sollst deinen Vater und deine Mutter ehren, auf dass du lange lebest in dem Lande, das dir der Herr, dein Gott, geben wird.

6. Du sollst nicht töten.

7. Du sollst nicht ehebrechen.

8. Du sollst nicht stehlen.

9. Du sollst nicht falsch Zeugnis reden wider deinen Nächsten.

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Haus. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Weib, Knecht, Magd, Rind, Esel, noch alles, was dein Nächster hat.


Doris Ulich findet für den privaten und beruflichen Alltag Hinweise und Anregungen in der Bibel, die ihr inspirierte Entscheidungen erleichtern. Sie lebt in Bamberg, praktiziert aber die Christliche Wissenschaft wo immer sie sich aufhält.

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Die Mission des Herold

Die Mission des Herolds der Christlichen Wissenschaft ist, wie Mrs. Eddy sagt, „die universelle Wirksamkeit und Verfügbarkeit der Wahrheit zu verkünden“. In einem Wörterbuch wird das Wort „Herold“ wie folgt erklärt: „Ein Vorläufer — ein vorausgesandter Bote, der das Herannahen dessen verkündet, was nachfolgt“. Diese Definition gibt dem Namen Herold eine besondere Bedeutung und deutet überdies auf unsere Verpflichtung hin, die Verpflichtung eines jeden von uns, darauf zu achten, daß unsere Herolde die ihnen anvertraute Aufgabe erfüllen, eine Aufgabe, die untrennbar von dem Christus ist und die zuerst von Jesus verkündet wurde (Mark. 16:15): „Gehet hin in alle Welt und prediget das Evangelium aller Kreatur.“

Mary Sands Lee, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1956

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