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Original im Internet

Die Macht, Wut nicht nachzugeben

Aus der Oktober 2022-Ausgabe des Herolds der Christlichen Wissenschaft

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 14. März 2022 im Internet.


Als in einem Telefonat mit einer Angehörigen unlängst Wut gegenüber anderen Familienmitgliedern aufkam, blieb ich ruhig und gelassen. Doch es hat Zeiten gegeben, in denen ich die Situation anders gehandhabt hätte, wo ich wütend geworden wäre und genau aufgezählt hätte, wer recht hatte und wer nicht. Diesmal betete ich und fragte Gott, wie ich meiner Angehörigen helfen könnte. Sanfte, liebevolle Antworten zeigten sich, auf die ich selbst nicht gekommen wäre. Ich äußerte eine dieser Ideen, und das Telefonat endete friedvoll, wodurch meine Angehörige und ich gesegnet wurden.

Wut scheint die Macht zu haben, die Beteiligten aufzustören, indem sie die Aufmerksamkeit der anderen erregt und die Kontrolle übernimmt. Doch Wut ist in Wirklichkeit ein Verlust der Kontrolle, denn sie verhindert, dass man klar denkt – und sie verringert oft die Fähigkeit der anderen ebenfalls. Wut mag sich gerechtfertigt und sogar befriedigend anfühlen, doch sie hat oft einen Nachgeschmack von Bitterkeit, Traurigkeit und Reue.

Was können wir also machen, wenn wir den Weg aus wütenden Gedanken heraus nicht finden? Für mich ist Gebet der einzige Ausweg. Wenn ich eine Weile zugelassen habe, dass Wut in meinem Denken Fuß fasst, kann es sich so anfühlen, als sei sie ein Teil von mir. Doch Gebet hat die Macht, zu ändern, wie wir über uns und andere denken.

Wir können unsere wahre Identität in dem Verständnis unserer Beziehung zu Gott, Wahrheit und Liebe, finden. Als Seine Nachkommen sind wir der Ausdruck von Wahrheit und Liebe, und das zeigt sich in friedvollem und harmonischem Denken und liebevollem Umgang mit anderen. Doch wenn wir uns mit Wahrheit und Liebe identifizieren, heißt das nicht, dass unsere Individualität in unserer Einheit mit Gott verlorengeht. Unser Ausdruck dieser Eigenschaften ist einzigartig und völlig geistig; er ist unberührt von materiellen Umständen. Unsere Individualität spiegelt Eigenschaften des einen Gottes wie Geduld und Großzügigkeit in inspirierten Lösungen und Freundlichkeit jedermann gegenüber wider. Anzuerkennen, dass Gott die Quelle unserer geistigen Individualität – und der aller Menschen – ist, heilt unharmonische Situationen.

Als Wut meine Persönlichkeit einzunehmen schien, fühlte es sich an wie ein täglicher Kampf mit Menschen meiner Umgebung. Ich betete darüber, und der erste Gedanke, der mir kam, war: „Ergebe dich nicht.“ Ich schlug das Wort ergeben nach und stieß auf diesen Satz in Vermischte Schriften 1883–1896 von Mary Baker Eddy: „Wisset dies: Ihr könnt die verderblichen Einwirkungen der Sünde auf euch nicht überwinden, wenn ihr euch in irgendeiner Weise der Sünde ergebt, denn früher oder später werdet ihr eurer eigenen Sünde sowie auch der anderer zum Opfer fallen“ (S. 115). Vor diesem Hintergrund fühlte ich mich befähigt, mich der Wut anderen gegenüber nicht zu ergeben, sondern sie in meinem Denken zu handhaben.

Anfangs schien ich nicht fähig zu sein, die Wutausbrüche der anderen gelassen zu überstehen. Doch mir ist klar geworden, dass Wut aus meiner Erfahrung verschwindet, wenn ich meine Individualität verteidige, indem ich Wut in meinem eigenen Denken identifiziere und ausräume – dann verschwindet sie auch aus anderen. Wenn ein Dreckspritzer auf unserem Kragen landet, ist es besser, den Schmutz vorsichtig abzuheben, statt ihn abzureiben, denn sonst dringt er in den Stoff ein. Ich habe darum gebetet, klarer zu erkennen, dass Wut keine Macht ist; die göttliche Liebe ist die einzige Macht und Gegenwart, und mein Ausdruck der Liebe befähigt mich, hässliche, wütende Gedanken zu entfernen.

Dieses Beseitigen von Eigenschaften, die nicht dorthin gehören, zeigt Mitgefühl mit uns und anderen. Die Umwandlung des Charakters erfordert Einsatz, doch Liebe und Geduld geben uns den Mut, nicht nachzulassen.

Christus Jesus konfrontierte einmal eine aufgebrachte Menschenmenge, die eine Frau wegen Ehebruch steinigen wollte. Er war allen Beteiligten – der Frau und der Menschenmenge – gegenüber mitfühlend und verurteilte niemanden. Er entfernte ruhig und gebetvoll die Wut von der Situation, bis nur die Frau zurückblieb, und er sagte ihr sanft: „Geh hin und sündige nicht mehr!“ (Johannes 8:11). Jesu Anerkennen der unbefleckten Identität eines jeden als Widerspiegelung Gottes heilte Sünde und löste Wut auf.

Ich habe festgestellt, dass ich dies durch Gebet ebenfalls kann, indem ich Gott bitte, mir jeden Menschen als Seinen leuchtenden Ausdruck zu zeigen. Diese Art von Gebet ändert mein Denken jedes Mal – manchmal, ohne dass ein Wort nötig ist, und manchmal mithilfe sanfter Worte, die helfen, mir und anderen zu zeigen, was wir als Kinder Gottes sind. Ja, ich habe mehrere Fälle wie das oben erwähnte Telefonat erlebt, und nicht nur eine Person hat Freiheit von Wut erlangen können und sich für die Ideen bedankt, die ich geäußert hatte.

Wenn wir die Individualität eines jeden als von Gott, Liebe, kommend anerkennen, wird Frieden für alle Beteiligten wiederhergestellt und aufrechterhalten – und die Welt wird dies spüren.

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– (Mary Baker Eddy, Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes, S. 353)

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