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Spiritualität & Heilen

Schon sein ganzes Leben lang hat der Praktiker und Lehrer der Christlichen Wissenschaft, Michael Seek, ein aktives Interesse am Weltgeschehen gehabt — von der Politik über die Wirtschaft zum Sport. In einem Alter, als andere Kinder Märchen lasen, las er Artikel aus dem Christian Science Monitor, die seine Mutter ihm ins Deutsche übersetzt hatte. Als Teenager abonnierte er verschiedene Zeitungen, wurde Herausgeber einer Schülerzeitung, war Mitbegründer eines Jugendmagazins für junge Christliche Wissenschaftler, das über 20 Jahre Bestand hatte. Später studierte er Journalismus in den Vereinigten Staaten und Deutschland und gegenwärtig ist er der Chefredakteur des Herold der Christlichen Wissenschaft. Herr Seek begann unser Gespräch mit dem Bericht über ein spezielles geistiges Konzept, das ihm von früher Jugend an viel bedeutet hat.

Lauschen Sie auf die Botschaft des Christus, und Sie bekommen, ganz gleich, welcher Aufgabe Sie gerade gegenüberstehen:

Immer eine Antwort

Aus der August 2010-Ausgabe des Herold der Christlichen Wissenschaft


Michael Seek: Schon als Kind interessierte ich mich für den Christus. Meine Sonntagsschullehrer und meine Eltern, die beide Christian Science Praktiker waren, gaben mir eine Reihe von Erklärungen. Heute, nach vielen Jahren, sehe ich, dass diese Antworten wirklich Sinn machten. Allerdings verstand ich damals nur einzelne Teile, was mich unglücklich machte, weil es so schien, als würden sie wie schöne Theorien klingen.

Dann, eines Tages in der Oberschule, ging ich von unserer Wohnung in West-Berlin in den Osten der Stadt. Solange die Mauer zwischen Ost und West existierte, musste man einen Kontrollpunkt passieren, um in den anderen Teil der Stadt zu gelangen. Zusammen mit einem erfahrenen Praktiker der Christlichen Wissenschaft sollte ich Kirchenfreunde im Osten besuchen. Er war vor mir in der Schlange und ich beobachtete, dass die ostdeutschen Zöllner ihm in einer unfreundlichen und aggressiven Art Fragen stellten. (Natürlich mussten wir die Tatsache verbergen, dass wir eine Gruppe Christlicher Wissenschaftler im Osten besuchen würden). Der Praktiker flüsterte mir zu: „Der Christus wird dir sagen, was du sagen kannst." Ich weiß nicht warum, aber dies öffnete mir die Augen. Alle meine Zweifel, aiie meine Fragen, wie der Christus kommunizieren würde, waren vorbei. Ich fühlte mich einfach glücklich und geborgen. Und ich hatte folgenden Gedanken: Obwohl dies tatsächlich eine angespannte Situation in diesem Kontrollpunkt hier war, fühle ich mich so ruhig, fast entspannt, als würde ich in einem bequemen Stuhl sitzen. Und dachte: „Jetzt bin ich einmal gespannt, was mir der Christus sagen wird. Also, es liegt nicht an mir, was ich zu sagen habe."

Da die Kontrollen den Herold der Christlichen Wissenschaft in der Tasche meines Freundes gefunden hatten, fragten sie ihn augenblicklich nach den Gründen für seinen Besuch. Und irgendwie fühlte ich — ich konnte ihn nicht direkt hören — dass er gute Antworten geben würde, ohne zu lügen oder zu betrügen.

Dann wurde ich aufgerufen. Ich war für alles bereit — aber ich hatte keine Vorstellung, was ich sagen würde. Hier war die erste Frage der Wache: „Herr Seek, Sie tragen ein sehr schönes T-Shirt. Haben Sie es in West-Berlin gekauft?" „Ja", sagte ich. Einige weitere Fragen in dieser Richtung folgten. Keine anderen Fragen, nur oberflächlicher, unwichtiger Gesprächsstoff und dann konnte ich den Kontrollpunkt verlassen. Sie haben noch nicht einmal die Vierteljahreshefte in meiner Tasche gesehen, die ich unseren ostdeutschen Freunden mitbringen wollte.

Als wir uns jenseits des Kontrollpunkts wieder trafen, sagte ich zu meinem Freund, dem Praktiker: „Hey, der Christus ist wirklich spaßig. So eine unerwartete Wendung — keine komplizierten Fragen, nichts, was uns in Schwierigkeiten hätte bringen können." Und mein Freund antwortete: „Ich glaube, jetzt verstehst du, was der Christus ist: eine starke Botschaft für unsere täglichen Aktivitäten, weit davon entfernt, was geplant werden könnte. Und häufig voller Überraschungen,"

Und wissen Sie was? Dies war der Moment, von dem an ich den Christus wirklich liebte. Er ist immer eine zuverlässige Botschaft, sehr präzise und jeder Situation angemessenb – und, ja, voller Überraschungen. Mir macht es Freude, meine Freunde, meine Kollegen, meine Familie mit kleinen Geschenken zu überraschen, weil ich Überraschungen liebe. So ist der Christus meinem Denken und Handeln sehr, sehr nahe.

Lassen Sie uns den Begriff Christus weiter betrachten. Mal für einen Laien: „Was bedeutet er?"

Nun, wissen Sie, ich habe viele Freunde, die unterschiedlichen Glaubensrichtungen angehören und die ihren Glauben sehr ernst nehmen. Wir haben gegenseitigen Respekt für das Verständnis des jeweils anderen. Um es einmal klar zu sagen, niemand von denen denkt über Gott nach, als wäre Er ein weiser alter Mann, der auf einer Wolke sitzt. Sie haben bedeutende, wertvolle Vorstellungen von Gott. Und sie freuen sich darüber, was ich über Mary Baker Eddys Definition von Gott als Seele, Leben, Geist, Wahrheit, Liebe, Prinzip, Gemüt sagen kann. Ich erlebe eine gegenseitige Anerkennung, wie schön Gott erklärt und verstanden werden kann. Aber oft drängt sich die Frage auf: Wie wirkt sich Gott in den alltäglichen Entscheidungen aus, die ich zu treffen habe? Was hat Gott, der Geist ist, mit dem Geld zu tun, was ich verdiene und das letztlich in meinem Portmonee landet?

Mary Baker Eddy macht es klar, dass es eine Kommunikation gibt, die von der göttlichen Quelle zum menschlichen Verständnis führt. Sie sagte: „Christus ist die wahre Idee, die das Gute verkündet, die göttliche Botschaft von Gott an die Menschen, die zum menschlichen Bewusstsein spricht." (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, Seite 332) Für mich sind die entscheidenden Worte hier „sprechen" und „zum menschlichen Bewusstsein." Eine Stimme ist per definitionem etwas, was man hört. Wäre die Stimme still, wäre es überhaupt keine Stimme. Ich würde dann nichts hören. Und „zum menschlichen Bewusstsein" bedeutet sehr persönlich, direkt zu mir. Zu mir, in meiner gegenwärtigen Situation, egal ob ich glücklich, ängstlich, aktiv, müde, tatendurstig oder scheu bin. Egal ob ich religiös orientiert bin oder ob mein Leben recht stark auf der Materie beruht. Die Stimme ist immer laut und stark und klar genug, dass ich sie hören kann. Wenn ich zärtliche Worte der Ermutigung in einer verzweifelten Situation suche, wird sie mich in der geeigneten Weise ansprechen. Und wenn ich etwas brauche, was die Bibel Züchtigung nennt, dann wird das genau so geschehen. Und diese Stimme kommt zu mir in Worten, die ich verstehe. Letztlich kann nicht passieren, dass man sagt:, Oh, pardon, ich habe Gottes Wort nicht verstanden.' Wenn ich nur deutsch spreche, dann wird diese Botschaft zu mir nicht auf Französisch kommen, und kein Englisch sprechender Mensch muss fürchten, die Botschaft zu verpassen, weil sie ihn vielleicht nur in Spanisch erreicht. Das wird nicht geschehen. Ich kann nur sagen, was für ein Geschenk für die Menschheit es ist, dass diese göttliche Botschaft von jedem menschlichen Bewusstsein verstanden wird.

Wenn ich die Zeitungen lese, habe ich den Gedanken, dass gerade, wenn über Diktatoren oder Verbrecher oder über Menschen berichtet wird, die einfach in ihrem Beruf versagt haben, und ihnen nahe stehenden Menschen vielleicht nicht wagen, etwas dagegen zu sagen, dass es der Christus tut, direkt, überzeugend und so lange, wie es erforderlich ist.

Etwas, was wir von Jesu Leben und Wirken lernen können ist, dass es einen Unterschied gibt zwischen Tatsachen und Meinungen.

Es gibt Menschen, die den Herold vielleicht zum ersten Mal lesen. Vielleicht ist dies ihre erste Berührung mit der Christlichen Wissenschaft. Können Sie erklären, wie Jesus in dieses Bild passt, wie Mary Baker Eddy zwischen Jesus und dem Christus unterschieden hat und warum es für Christliche Wissenschaftler typisch ist, ihn als Christus Jesus zu bezeichnen?

Wenn Leute mich persönlich kennen, vielleicht seit Jahren, werden sie wahrscheinlich vertrauen, was ich über den Christus sage. Aber meine Bekanntheit ist auf eine überschaubare Anzahl von Menschen, Verwandten, Freunden, Patienten, Studenten, Kollegen begrenzt. Das ist schön, aber es reicht garantiert nicht aus. Und das gilt natürlich für die meisten Menschen. Um zu beweisen, dass diese universale göttliche Botschaft sich wirklich auf alltägliche Aktivitäten und Entscheidungen bezieht, muss es ein absolut sicheres Beispiel geben, auf das sich Millionen von Menschen beziehen können: eine Person, gut bekannt, weit respektiert und mit einer Anzahl von Beispielen, die sein Leben zu einem Modell für jeden macht. Diese Person ist Jesus.

Etwas, was wir von seinem Leben und Wirken lernen können ist, dass es einen Unterschied gibt zwischen Tatsachen und Meinungen. Zum Beispiel verstehe ich tatsächlich die wahre, gottgegebene, reine und ewige Identität des Menschen. Allerdings schleicht sich eine Meinung ein, wenn ich oder irgendjemand anders denkt, dieser Mensch sei krank, schwach, alt, ärgerlich. Der Christus, so könnte man sagen, berichtet uns die Tatsachen über denjenigen, trotz der unterschiedlichen Meinungen vieler Menschen. Beispielsweise finden wir im Matthäus-Evangelium in der Bibel einen Bericht über einen Mann mit einer verdorrten Hand. Stellen Sie sich einmal vor, wie viele Meinungen es dort gegeben haben mag: diese Hand ist unheilbar; es ist zu spät, um noch geheilt zu werden; da haben schon andere Heilmethoden versagt, und, als weiteren Punkt, der es für die Menschen noch verwirrender machte: es war ein Sabbat, an dem Arbeiten nicht gestattet war.

Hat Jesus alle diese Meinungen, eine nach der anderen, aufgegriffen? Nein. Fürchtete er, die Meinungen der anderen zu verletzen? Nein. Setzte er seine Meinung über die der anderen? Nein. Er ignorierte alle Meinungen und stellte einfach die geistige, ewige Tatsche über die Identität des Menschen und seine Vollkommenheit heraus, indem er sagte: „Strecke deine Hand aus." Und das Ergebnis? Sie wurde wieder hergestellt. (Matthäus 12) Selbst in einem wörtlichen Sinne zeigte Jesus den Anwesenden die Tatsache – eine gesunde Hand. Und im gleichen Augenblick zeigte er, dass alle vorherigen Meinungen nutzlos waren.

Jesus verkörperte den Christus, oft im Widerspruch zu allgemein akzeptierten Meinungen, und präsentierte stattdessen die göttlichen Tatschen in jeder Situation. Und auch heute noch ist sein Beispiel überzeugend. Das Verständnis dieser Einheit des individuellen Menschen Jesus mit seiner göttlichen Natur, dem Christus, steht Millionen von Menschen durch die Bibel zur Verfügung. Mary Baker Eddy macht es klar, dass wir Jesu Demonstrationen unendliche Dankbarkeit schulden, und sie ermutigte jeden von uns, den Christus in unserem Leben gegenwärtig sein zu lassen. Und dies tun wir, wann immer wir Meinungen über irgendetwas hinter uns lassen, über Politiker, die Wirtschaft, verschiedene Gruppen, und selbst den Körper, und durch korrekte geistige Tatsachen ersetzen.

Also, Herr Seek, lassen Sie uns noch einmal zu Ihrer Erzählung zurückgehen und aufgreifen, wovon Sie gesprochen haben. Sie hatten also vor einiger Zeit diese grundlegende geistige Erkenntnis über den Christus ...

Ja, ich erkannte während eines Zwischenfalls am Grenzübergang von West-nach Ost-Berlin, wie wichtig es ist, unsere eigenen Entscheidungen und unsere Vorstellungen auf den Christus zu bauen, den Mary Baker Eddy so beschrieb: „... die göttliche Idee Gottes außerhalb des Fleisches." (WuG, S. 482) Zunächst einmal kann einem das viel Zeit sparen. Beispielsweise an dem Tag an der Grenze waren all die Fragen über „Was würde geschehen, wenn ...", „Was sollte ich im Falle von ... tun?" verschwunden. Und dennoch fühlte ich mich sicher. Ich wusste, dass es eine gute Antwort geben würde, eine hilfreiche Lösung. Und ich baue auf dieses Vertrauen, ich verlasse mich auf diese Einsicht, täglich.

Zu Beginn meiner öffentlichen Heilpraxis wurde ich von einer Gruppe christlich-wissenschaftlicher Sonntagsschüler eingeladen, um zu ihnen zu sprechen. Es ging an diesem Abend um die Christian Science Praxis. Es sollten zwei Treffen an zwei aufeinanderfolgenden Donnerstagen stattfinden. Am ersten Donnerstag wurde ich gefragt: „Was würdest du tun, wenn ein Patient mit der Mitteilung anruft, dass er oder sie einen Herzanfall habe. Was würdest du sagen?"

Meine ehrliche Antwort war: „Das weiß ich heute nicht. Ich habe über eine solche Frage noch nie nachgedacht. Aber wenn sie kommt, werde ich dem Christus vertrauen." Aus den Gesichtern dieser jungen Leute konnte ich ihre Gedanken beinahe hören. Sie waren enttäuscht, vielleicht glaubten sie, dass ich ihnen eine hilfreiche Antwort vorenthalten wollte. Jemand sagte: „Das hört sich ganz schön schwach an."

Und ich sagte: „Und doch ist es eine starke Antwort."

Also, dies war Donnerstagabend. Am Samstag früh läutete mein Telefon. Eine Frau bat mich zu beten, weil ihr Mann einen Herzinfarkt erlitten hatte. Sie fragte, ob ich helfen könne. „Natürlich," sagte ich. Und ich teilte einige Ideen mit ihr, und während ich zu ihr sprach, lauschte ich auf diese Stimme, die direkt zu mir sprach. Was ich gehört hatte, war so tröstlich und es unterstrich Gottes Forderung, dass wir leben sollen, und es war gewiss eine starke heilende Botschaft.

Sie rief noch zweimal an diesem Tag an und am Abend war der Mann aufgestanden, fühlte sich wohl und am nächsten Tag war alles in Ordnung.

So konnte ich am folgenden Donnerstag der Gruppe Sonntagsschüler erzählen, wie sich ihre Frage der Vorwoche beantwortet hatte, und dass sie sich alle an diesem wunderbaren Beispiel, wie der Christus wirklich alle Nöte stillt, erfreuen können. Wissen Sie, diese Tatsache ist heute so wichtig. Bei all den finanziellen Herausforderungen auf der Welt, bei Terrorismus, Unterdrückung, Gewalt, bei der andauernden Herabsetzung von Frauen in so vielen Ländern, ist es leicht, sich verloren, hilflos und frustriert zu fühlen. Und dennoch umfasst der Christus viel, viel mehr und am allerwichtigsten: Er kommuniziert zu uns viel mehr, als wir mit den physischen Sinnen erkennen können.

Was können die Menschen tun, um den Christus besser zu erkennen?

Selbst diese Antwort wird jedem Einzelnen durch den Christus gegeben. Aber ich glaube, es gibt einige hilfreiche Grundlagen, die es leichter machen:

Demütigsein. Wenn wir dem Gebet des Herrn folgen, akzeptieren wir die Aussage: „Dein Wille geschehe." Und wir können nicht einfach hinzufügen: „... aber bitte mach es so, dass dein Wille nach meinen Erwartungen erfüllt wird."

Still sein. Ich war einmal in einer Sitzung mit ungefähr sieben Leuten und es musste eine wichtige Entscheidung getroffen werden. Alle Teilnehmer hatten unterschiedliche Meinungen, sowohl für wie gegen das Projekt. Sehr interessant, sehr verwirrend, sehr zeitraubend. So viele Meinungen und so viele unklare Konsequenzen. Plötzlich sagte jemand: „können wir nicht mal einen Augenblick still sein?" Wir waren es und nach einer Minute oder so sagte ich: „wir können die ganze Sache verschieben, weil es nicht der richtige Moment ist, selbst wenn die Idee an sich großartig erscheint." Dies war die Lösung und ein Jahr später wurde die ganze Sache in kurzer Zeit, mit weniger Bedenken und mit einem großen Erfolg entschieden und durchgeführt.

Bereit sein. Manchmal mag der Gedanke kommen: „Dies ist ein großes Thema. Das wird viel Gebet erfordern und viel Geduld, bis wir das Licht am Ende des Tunnels sehen." Und wahrscheinlich werden viele Menschen zustimmen und sagen: „Ja, ich verstehe genau, was du meinst." Aber ein Punkt ist klar: Der Christus ist nicht wie das Tonband einer Telefonwarteschleife, das immer die gleiche Botschaft spielt: „Bitte warten Sie, bitte warten Sie." Es mag Situationen geben, wo Warten genau richtig ist. Aber es gibt viel mehr Fälle, wo eine schnelle und verlässliche Antwort möglich ist. Sind wir bereit, diese Botschaft zu akzeptieren?

Mutig sein. Das heißt nicht, tollkühn zu sein. Ich erinnere mich an eine Schülerin in meiner Christian Science Schülervereinigung, die einmal vorhatte, ihren Beruf zu wechseln. Sie hatte die Wahl zwischen zwei Möglichkeiten. Eines Tages kam sie in mein Büro und zeigte mir eine lange Liste mit vierzig oder fünfzig Punkten, die entweder für oder gegen die zwei möglichen neuen Arbeitsstellen sprachen. Ich empfand solches Mitgefühl für sie. So viel Arbeit, die sie sich gemacht hatte, so viele Möglichkeiten, und noch immer keine Entscheidung. Da sie mich ganz gut kennt, konnte ich freimütig sagen: „Ich bewundere dich, wie viel Zeit du verwendet hast, diese Liste zu schreiben. Und ich frage mich, wie viel mehr Zeit nötig ist, bist du zu einer Entscheidung kommst." Im ersten Moment fühlte sie sich ein wenig angegriffen und fragte: „Was hättest du denn getan?" Ich sagte: „Ich hätte mir nur halb so viel Zeit genommen und stattdessen dem Christus gelauscht." Sie hätten ihr Gesicht sehen sollen! Es wandelte sich augenblicklich von Furcht zu Freude, von Ernsthaftigkeit zu Glückseligkeit. Und sie sagte: „Jetzt weiß ich, welchen Job ich annehme. Vielen Dank für deine Hilfe!"

Ist es nicht großartig, dass wir eine zuverlässige Quelle für intelligente, nützliche Führung haben, die uns zeigt, was gebraucht wird? Diese göttliche Quelle hilft uns in Familiensituationen, bei der Lösung finanzieller Fragen, im Geschäftsleben, in der Kirchenarbeit oder einfach, wenn wir Auto fahren oder eine Reise planen. Und gewiss auch dann, wenn eine physische Heilung erforderlich ist. Wir können uns zurücklehnen und dankbar sein, dass es diesen permanenten, geistigen, unfehlbaren Einfluss gibt, der genau weiß, und zwar besser als wir selbst, was wir brauchen.

Da ich an Politik und Journalismus sehr interessiert bin, ist Mary Baker Eddys Buch Kanzel und Presse von besonderem Interesse für mich. Ein Zeitungsartikel, der in diesem Buch nachgedruckt wurde, berichtet von Interviews mit einigen der frühen Christlichen Wissenschaftlern über ihren Glauben. Jemand sagte: „Die Macht Christi lag in der Menschheit seit langer Zeit (im Englischen eher mit schlafend beschrieben) und fügte hinzu, „und es war Mrs. Eddys Mission, sie wieder zu beleben. Bei unserer Arbeit nehmen wir den Christus als Beispiel, indem wir uns aufmachen, Gutes zu tun und die Kranken zu heilen. Christus hat uns geboten, sein Werk zu tun, und er bezeichnet es als einen sehr wesentlichen Faktor, an ihn zu glauben." (Seite 72)

Gutes zu tun, die Krankheit zu heilen, den Nachbam zu trösten, einen Freund zu unterstützen und zu ermutigen, auch das kann alles innerhalb von Sekunden geschehen. Wir brauchen nicht Monate und Jahre, bis wir uns entscheiden. All diese Qualitäten, die die Welt heute braucht, sind augenblicklich vorhanden.

Ich schmunzel manchmal, wenn ich das Wort schlafend in diesem Zusammenhang lese. Es erinnert mich an ein Mobiltelefon. Es kann stundenlang „schlafen." Es ist kein Licht an, ich höre keinen Ton, das Display ist dunkel, so als hätte man es abgeschaltet. Und dann kommt ein Anruf. Das Telefon läutet, die Beleuchtung geht an, die Farben auf dem Display erscheinen, sie zeigen ein schönes Hintergrundbild, das ich gespeichert habe. Und manchmal sehe ich auch die Telefonnummer des Anrufers. All dies geschieht innerhalb weniger als einer Sekunde. Es ist kein großer Vorgang dabei – aber es ist Aktivität.

Gutes zu tun, eine Krankheit zu heilen, den Nachbarn zu trösten, einen Freund zu unterstützen und zu ermutigen, auch das kann alles innerhalb von Sekunden geschehen. Wir brauchen nicht Monate und Jahre, bis wir uns entscheiden. All diese Qualitäten, die die Welt heute braucht, sind augenblicklich vorhanden. Sie mögen latent sein, aber sie existieren. Und sie existieren im Herzen eines jeden Menschen. Nicht nur in denen von Christlichen Wissenschaftlern. Und diese Tatsache umfasst inteligente, schnelle Lösungen, wenn jemand in Not oder in Gefahr ist.

Dafür ein Beispiel: Ich wohnte einmal in einem sechsstöckigen Wohnhaus. Ein Fahrstuhl führte in die verschiedenen Etagen und jedes Stockwerk hatte drei Wohnungen. Die Türen hatten keine Namensschilde und wann immer man den Fahrstuhl benutzte, traf man nur selten Mitbewohner. Insgesamt gab es 18 Wohnungen mit ähnlichen Türen und alle hatten die gleiche Farbe. Nichts unterschied sie voneinander. Eines Morgens klopfte jemand heftig an meine Tür. Ich beeilte mich, sie zu öffnen, und es stand eine Frau mit Tränen in den Augen vor mir, die vor Furcht zitterte. Ohne etwas zu sagen schob sie mich zur Seite, kam herein und schloss die Tür. Es war leicht zu erkennen, dass ihr etwas Schreckliches geschehen sein musste. Ich lud sie ein, sich zu setzen, und bot ihr etwas zu trinken an. Ich bat sie mir zu erzählen, was geschehen war. Sie berichtete von etwas Grausamen, was ihr in den letzten 30 Minuten in ihrer Wohnung geschehen war. Irgendwie war sie heraus gerannt, die Treppe hoch gelaufen und hatte an meine Tür geklopft.

Ich fragte sie, warum sie gerade an meine Tür gekommen sei. „Kennen Sie mich denn?" fragte ich. „Wissen Sie, was mein Beruf ist?" Sie wusste es nicht. Sie sagte, sie sei voller Furcht gewesen, ohne klaren Gedanken, und dann sagte sie: „Ich fühlte, dass ich hinter dieser Tür Hilfe bekommen würde." So erzählte ich ihr etwas über meine Arbeit als Praktiker, über die Macht von Gebet und den Schutz, den wir erleben, weil wir unter Gottes Liebe leben.

Später berichtete sie, dass sie im ersten Stockwerk des gleichen Hauses wohnte. Ich hatte sie nie zuvor gesehen und weiß heute noch nicht einmal ihren Namen. Aber ein paar Tage später kam sie zurück, dankte mir für das wunderschöne Gespräch, das wir über Gott hatten. Sehen Sie, sie hat überhaupt nichts vom Christus gewusst, sie hatte, wie es schien, keinen klaren Gedanken, was sie tun sollte. Und dennoch fühlte sie die Macht des Christus, genau an die Tür zu gehen, wo ihr gewiss Hilfe zuteil würde. Ich nehme an, dass die anderen Wohnungen alle leer waren, weil die Leute zur Arbeit waren. So konnte man sehen, dass die heilende, beschützende, uns führende Botschaft immertätig ist, immer laut genug ist, um Verzweiflung und Furcht zu durchdringen. Und der Christus, dieser göttliche Einfluss im menschlichen Bewusstsein, urteilt nicht nach Glaubensrichtungen, Bereitschaft oder Erziehung. Er berührt und führt das menschliche Herz und lässt Menschen genau das Richtige tun. lch glaube, wir schulden Mary Baker Eddy unendliche Dankbarkeit, dass sie diesen Einfluss wiederentdeckt hat. Er ist ein Geschenk an die ganze Welt.


Michael Seek ist Praktiker und Lehrer der Christlichen Wissenschaft. Er ist zugleich der Chefredakteur dieser Zeitschrift und lebt in Berlin.

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„Die allumfassende Wirksamkeit und Verfügbarkeit der Wahrheit zu verkünden“. ...
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Mary Metzner Trammell, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Januar 1996

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