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Die Macht der Dankbarkeit

Aus der November 2010-Ausgabe des Herold der Christlichen Wissenschaft


In Gott find' ich ein kostbar Gut,
Das kennt nicht Furcht, noch Streit,
Das glüht so still, so rein und klar:
Das Gut der Dankbarkeit.

Den ird'schen Pfad es uns erhellt
Mit Wahrheit und mit Licht,
Denn Dankbarkeit beständig bleibt
Vor Gottes Angesicht.

Die Dankbarkeit hebt uns empor
In die Unendlichkeit;
Hier sind wir stark und fühlen uns
Zu jeder Pflicht bereit.

Ich web' ein nahtlos Dankgebet
Dem, der die Welten lenkt,
Mit Freudefäden, weil ich weiß,
Dass Gott mir alles schenkt.

Violet Ker Seymer
Liederbuch der Christlichen
Wissenschaft, Lied Nr. 146
(Original in englischer Sprache)

In dieser Jahreszeit feiern viele Menschen in Nordamerika einen Tag der Danksagung; sie halten inne und erinnern sich an die Segnungen, für die sie dankbar sind, und teilen ihre Dankbarkeit mit Freunden, Nachbarn und Familienmitgliedern. Es ist eine vier Jahrhunderte alte Tradition, die nicht einer speziellen Religionsgemeinschaft entstammt, sondern von Menschen aller Glaubensrichtungen, Rassen und unterschiedlicher ethnischer Herkunft gepflegt wird.

Doch in diesem Jahr mit anhaltenden Konflikten in vielen Teilen der Welt, Millionen von Arbeitslosen und vor Schuldenbergen stehenden Regierungen, Unternehmen und Einzelpersonen scheint es schwer, Gründe zur Dankbarkeit zu finden—oder, was vielleicht noch wichtiger denn je ist, für jeden einzelnen Beweis des Guten dankbar zu sein.

Dankbarkeit spielt immer eine heilende Rolle in unserem Leben, selbst wenn wir schwere Zeiten durchmachen. Sie ist eine machtvolle Eigenschaft, die unermessliche Segnungen bringt, wenn sie großzügig genutzt wird. Die Wirkung unserer Dankbarkeit lässt sich in etwa mit dem Lüften eines stickigen Zimmers vergleichen. Je mehr frische Luft man einlässt, desto besser wird die Atmosphäre. Dankbarkeit erhebt das Denken, ermuntert uns zu neuen Perspektiven und wärmt uns das Herz. Sie verschönert unseren Tag.

Als ich noch jung war, lehrten mich meine Eltern, Dankesbriefe zu schreiben. Als ich älter wurde, begann ich zu verstehen, dass Dankbarkeit auszudrücken mehr ist als eine nette Geste. Es ist äußerst wichtig für eine gesunde Lebensweise. Es ist nicht so sehr für die Person, der man dankt, sondern man beweist seine eigene Integrität. Es ist eine geistig gesunde und verantwortungsvolle Art zu leben.

Dankbarkeit ist Liebe in Aktion. Sie zeigt, dass man nicht immer nur an sich selbst denkt. Es geht um die Güte und Fürsorge, die wir anderen entgegenbringen, um eine selbstlose Tat. Es ist eine Gelegenheit, demjenigen, der gibt, etwas zurückzugeben. Dankbarkeit ist das Öl im Getriebe für glückliche Beziehungen, gesunde Verhaltensweisen und geistige Anschauungen. Dankbarkeit ist eine manifestierte Eigenschaft Gottes — ein vitaler Ausdruck unserer eigenen geistigen Individualität. Es ist nicht eine Pflicht, zu deren Erfüllung wir uns verpflichtet fühlen sollten, sondern eine Gnadentat, an der wir andere bereitwillig teilhaben lassen. Dankbarkeit auszudrücken bewahrt uns davor, in die dunkle Tiefe von Selbstsucht oder übermaßiger Beschäftigung mit Materialismus oder leerem Konsumverbrauch zu versinken.

Den Segen der Dankbarkeit und die Armut von Undankbarkeit findet man auch in Jesu Gleichnis vom verlorenen Sohn. Der Sohn zeigte keine Dankbarkeit für die Segnungen, die er unter dem Schutz seines Vaters genoss. Er dachte nur an sich selbst und wollte das Leben in der Welt voll genießen, seine Zeit auf endlosen Parties verbringen, herumhängen und faulenzen. Ja, er war so undankbar und respektlos, dass er von seinem Vater das Erbteil forderte, das er erst später einmal hätte bekommen sollen. Er war jedoch zu ungeduldig, um darauf zu warten.

Nachdem der Sohn sein freies Leben genossen hatte, trieb ihn seine Gier nach Geld und Vergnügungen in den moralischen und finanziellen Ruin. Erst als es ihm wirklich schlecht ging, kam er zu Sinnen — seinen geistigen Sinnen — und ein Funke von Dankbarkeit für das, was er törichterweise zurückgelassen hatte, flackerte in ihm auf. Er kehrte nach Hause zurück und gab seinem Vater gegenüber demütig zu, wie falsch er gehandelt hatte, und dieser vergab ihm auf der Stelle und er wurde wieder in den Familienkreis aufgenommen. (siehe Lukas 15)

Aus dieser Geschichte können wir eine überzeugende Lehre ziehen: „Sei dankbar!" Wir müssen nicht nur für äußerliche Segnungen dankbar sein wie eine Anstellung (ganz gleich wie bescheiden), ein Dach über dem Kopf, Essen im Kühlschrank oder Kleider auf dem Leib. Noch dankbarer sollten wir sein für geistigen Reichtum wie Liebe, Glück, Weisheit, Gesundheit und die Stärke Gottes, die uns zu vollständigen Wesen macht. Zeitliche Dinge verschwinden schnell, aber die Reichtümer der göttlichen Liebe gehören uns für immer.

Als Gottes Kinder ist unser Leben reichlich ausgestattet mit den Fähigkeiten zu lieben, weise zu handeln und gesund zu bleiben. Das sind Gaben von Gott. Wenn Arbeitskollegen gemein zu uns sind, können wir ihnen Liebe entgegenbringen mit der umfassenden, unbegrenzten Liebe, die von Gott zu uns kommt. Wenn wir einem Berg von Schulden gegenüberstehen, können wir ruhig bleiben und Gott danken für Seinen ständigen Strom der Weisheit, die uns zeigen wird, wie wir unsere Rechnungen begleichen können. Dankbarkeit ist wie wenn wir die Tür zum Kühlschrank öffnen und alle Mahlzeiten vorfinden, die wir für die absehbare Zukunft benötigen. Das Gute, das Gott gibt, ist immer zur Hand. Dankbarkeit öffnet uns die Augen, damit wir dieses Gute sehen können.

Vor einigen Jahren wurde mir auf meiner Arbeitsstelle ein Projekt übertragen, das ich wirklich überhaupt nicht tun wollte. Ich betrachtete es als eine mühsame Arbeit, eine wenig inspirierende Aufgabe, eine enorme, unnötige Verschwendung meiner Zeit und meiner Fähigkeiten.

Nach einer Weile wurde mir klar, dass ich eine ziemlich kritische Einstellung hegte, und ich betete um eine geistigere, heilende Perspektive. Ich bemühte mich ernsthaft, etwas zu finden, wofür ich dankbar sein konnte. Ich sagte mir, dass mein Leben mehr war als nur die vor mir liegende Aufgabe. Es ging darum, Gottes Eigenschaften der Liebe und Freude ehrlich und beständig auszudrücken, die unabhängig davon waren, was ich mit meinen Händen und Fingern tat.

Meine Einstellung begann sich zu ändern, als ich Gott für meine geistigen Fähigkeiten dankte — dass ich die Fähigkeit besaß zu denken, immer wachsam zu sein und ein sinnvolles Leben zu führen. Ich liebte das Leben! Und als sich mein Herz mit einem großzügigeren Geist füllte, verschwand die missmutige Einstellung allmählich. Ich sah einen Weg, wie ich das Projekt schnell zu Ende führen konnte, und ich nahm mit Begeisterung und Freude die nächste Aufgabe in Angriff. Dankbarkeit erleichterte die Arbeit sehr und das Endresultat war viel zufriedenstellender, als wenn ich die ganze Zeit gemurrt und gejammert hätte.

Die Gründerin des Herolds Mary Baker Eddy fragte einmal: „Sind wir wirklich dankbar für das schon empfangene Gute?" Und sie fuhr fort: „Dann werden wir uns die Segnungen, die wir haben, zu Nutze machen und dadurch fähig sein, mehr entgegenzunehmen. Dankbarkeit ist weit mehr als ein Dank in Worten. Taten drücken mehr Dankbarkeit aus als Worte." (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 3) Dankbarkeit ist eine Form geistiger Gesinnung, die uns befähigt, die Segnungen wahrzunehmen und zu erleben, die für die physischen Sinne nicht wahrnehmbar sind. Als Gottes Kinder sind wir reichlich mit Intelligenz und Frieden ausgestattet und mit der Fähigkeit, uns unsere Zufriedenheit zu erhalten. Wo die körperlichen Sinne Mangel sehen, findet die Dankbarkeit Versorgung. Dort, wo für die fünf Sinne Krankheit, Schmerzen und Leiden erscheinen, entdeckt die Dankbarkeit Gesundheit, Freiheit und ein schmerzloses Leben. Dankbarkeit befähigt uns, die Dinge auf geistige Weise zu sehen.

Als junger Mann arbeitete ich auf der Farm meiner Eltern. Und ich litt zeitweilig an Rückenbeschwerden. Um schwere Säcke mit Kartoffeln, zentnerschwere Heuballen und Säcke mit Dünger oder Samen oder was sonst noch geschleppt werden musste, zu tragen, brauchte man unbedingt einen guten starken Rücken. Doch mein Rücken funktionierte nicht mehr so gut. Manchmal humpelte ich mehrere Tage und konnte kaum etwas heben.

Einmal versuchte ich, verhältnismäßig leichte Bündel Feuerholz in die Garage zu tragen, doch ich schaffte es nicht. Zum ersten Mal begann ich ernsthaft um Erleichterung zu beten. Ich fing an darüber nachzudenken, wo echte Stärke und Fähigkeiten herkommen. Mir wurde klar, dass ich mich bei der Verrichtung meiner Arbeit auf reine Muskel-und Willenskraft verlassen hatte. Ich musste ernsthaft damit beginnen, Gott als die einzige Quelle meiner Kraft anzuerkennen und das erforderte Dankbarkeit — selbst wenn ich noch Schmerzen hatte und überhaupt nichts heben konnte.

Ich betete, um besser zu verstehen, dass die Weisheit und Intelligenz des einen Gemüts, das Gott ist, mir die Kraft gab, meine mir übertragenen Aufgaben geschickt und weise zu erledigen. Dabei half mir die folgende Stelle aus Wissenschaft und Gesundheit: „Rechte Motive geben dem Gedanken Schwingen und dem Reden und Handeln Stärke und Freiheit." (S. 454) Und ich folgerte: Wenn es mein Motiv war, Gott zu verherrlichen und Seine Weisheit bei meiner Arbeit zu beweisen, dann konnte ich mir durch das, was ich tat, keinen Schaden zufügen.

Nach ein paar Tagen dieses Gebets richtete sich mein Rücken ein. Ich konnte wieder lange Stunden arbeiten, ohne Schmerzen zu verspüren. Ja, ich kann mich nicht erinnern, dass ich in den seitdem vergangenen dreißig Jahren jemals wieder irgendwelche Rückenbeschwerden gehabt hätte. Was ich gelernt habe, war, dass Dankbarkeit den physischen Körper heilt, wenn das Bewusstsein, das den Körper beherrscht, mit der Liebe, dem Frieden und dem Trost angefüllt ist, die zu uns kommen, wenn wir Gott an erste Stelle setzen.

Es ist leichter zu erkennen, warum Dankbarkeit für den Erfolg beim geistigen Heilen so wichtig ist, wenn man den Fluch ihres Gegenteils — der Undankbarkeit — betrachtet. Undankbarkeit ist ein Leugnen des von Gott kommenden Guten, ein Affront gegen die Spiritualität, ein Widerstand gegen die vorhandenen Segnungen. Sie deutet auf Gleichgültigkeit hin, auf Ichbezogenheit, Selbstmitleid, Bequemlichkeit, materielle Gesinnung. Sie ist ein hässlicher Zustand des sterblichen Gemüts, ein widerlicher Eindringling, schwer und niederdrückend.

Auf der anderen Seite erleuchtet die Dankbarkeit den Weg zu geistigem Erfolg. Sie stellt die Hoffnung wieder her, erhellt unser Denken, öffnet das Bewusstsein für die geistige Wirklichkeit, sieht das Gute, das sich für den materiellen Sinn als unerreichbar erweist, und heilt Gemüt und Körper durch göttlich erleuchtete Ausblicke.

Dankbarkeit erkennt Gottes Güte und die Versorgung, die die Rechnungen bezahlt, Konflikte löst und Hoffnung erneuert. Man kann es in etwa damit vergleichen, zuzusehen, wie aus einer artesischen Quelle Grundwasser hervorsprudelt. Ein Beobachter weiß vielleicht nicht, wo das Wasser herkommt, welche Strecke es zurückgelegt hat oder wie groß das Reservoir unter der Erde ist, doch dass die Quelle existiert, kann keiner abstreiten. Das von Gott kommende Gute ist genauso — eine unendliche Quelle der Versorgung, die jedes menschliche Bedürfnis stillt. Dankbarkeit öffnet das Denken, damit wir erkennen, was schon die ganze Zeit da gewesen ist.

In der Bibelgeschichte von den Broten und den Fischen demonstrierte Jesus den Wert der Dankbarkeit. Viertausend hungrige Männer samt Frauen und Kindern mussten gespeist werden. Was tat Jesus? Er „nahm die sieben Brote und die Fische, dankte, brach sie und gab sie seinen jüngern, und die Jünger gaben sie dem Volk." (Matthäus 15) Er dankte! Er rannte nicht ziellos umher, fuchtelte mit den Händen in der Luft herum und rief: „Was solen wir tun? Wir haben nichts zu essen und da sind so viele hungrige Leute!" Nein, er blieb ruhig. Er begann die Menge zu speisen, indem er Gott dankte.

Jesus verstand so vollständig Gott als den Versorger von uns allen, dass er anscheinend keine Zweifel hegte, dass die göttliche Liebe bereits für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind gesorgt hatte — noch bevor die Speise zu sehen war. Er erkannte, dass die „artesische Quelle" der göttlichen Liebe alle menschlichen Bedürfnisse stillt. Die Menschenmenge wurde satt und es blieben noch Körbe voll Speise übrig. Und es hatte alles damit begonnen, Gott zu danken — mit der höchsten Form von Dankbarkeit und einem Beispiel für uns alle, dem wir heute folgen können.

Der Wert und der Nutzen von Dankbarkeit kann gar nicht überschätzt werden. Wie ein Bergsteiger Seile und Pickel braucht, um hohe Granitgipfel zu erklimmen, so braucht der geistige Kletterer Dankbarkeit, um auf dem Pfad des Geistes emporzusteigen und die grenzenlosen Reichtümer der göttlichen Liebe zu erblicken, die bereits in unserem Sein enthalten sind. Dankbarkeit ist mehr als eine menschliche Anerkennung von Gottes Segnungen. Sie ist der Beweis, dass wir diese Segnungen akzeptieren und ihr Vorhandensein nicht anzweifeln. Angesichts der zwingenden Nöte heute überall in der Welt gibt es keine bessere Zeit, die reichliche Fürsorge der göttlichen Liebe zu erkennen, die all diese Bedürfnisse stillt, und dafür dankbar zu sein.


Evan Mehlenbacher ist Praktiker und Lehrer der Christlichen Wissenschaft. Er lebt in Richland, Washington, USA.

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Ich betrachte die Herolde und den Sentinel als den „gedruckten Paulus“, weil sie die Botschaft der universellen Verfügbarkeit der Wahrheit in die ganze Welt tragen. Ich muß aber hinzufügen, dass für den Christlichen Wissenschaftler in Übersee der Sentinel und der Herold weit mehr sind als Botschafter der Wahrheit; sie sind buchstäblich das Brot für den jeweiligen Tag und speisen die Christlichen Wissenschaftler mit der „Gnade“, die sie täglich durch das Gebet des Herrn suchen.

Howard Palfrey Jones, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, November 1969 

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