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Original im Internet

Das Talent, das heilt

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 5. November 2020


Eine Fabel handelt davon, dass eine kleine Spinne versehentlich in ein Uhrwerk gesperrt wird. Ihr Zustand scheint aussichtslos. Doch sie tut das, was Spinnen tun: Sie spinnt ein Netz. Die Uhr bleibt stehen, wird zur Reinigung geöffnet, und die Spinne kann entkommen. Sie kommt frei, weil sie das besondere Talent der Spinnen genutzt hat.

Wir haben ebenfalls ein Talent. Jeder hat es. Es ist das mächtigste Talent von allen. Es gibt absolut nichts, was es nicht erreichen kann, doch es muss weiterentwickelt werden: das Talent zu lieben.

Der Mensch hat dieses Talent, weil er von Gott erschaffen ist, der Liebe ist. Lieben ist so natürlich für uns wie Spinnennetze für Spinnen sind. Ein Baby liebt, wenn es nach Ihrer Kette greift und Sie anlächelt. Ein Schuljunge liebt, wenn er seinem Hund etwas vom Essen abgibt. Eltern lieben, wenn sie über das Wohl ihrer Kinder nachdenken.

Doch Liebe geht noch weiter in die Tiefe und hat eine größere Reichweite. Reine Liebe ist vollständig selbstlos und denkt auf intelligente Weise mit, weil Liebe auch Gemüt ist. Wenn wir diese selbstlose Liebe weiterentwickeln, stellen wir fest, dass wir spontan heilen.

Nur selbstlose Liebe erweckt eine christlich-wissenschaftliche Behandlung zum Leben. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, erklärt: „Durch die wahrheitsgemäßen Argumente, die du anwendest, und besonders durch den Geist von Wahrheit und Liebe, den du hegst, wirst du die Kranken heilen“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 418).

Selbstlose Liebe hat keinerlei persönlichen Bezug. Sie ist die Widerspiegelung der göttlichen Liebe, die nur die Allheit der Liebe kennt, also keine Sünde, keine Pein, keine Krankheit und keinen Tod. Solch eine Liebe wird auf zwei Ebenen ausgedrückt – auf der moralisch-ethischen und der geistigen.

Auf der moralischen bzw. ethischen Ebene müssen wir ausreichend selbstlose Liebe haben, um auf die ausgesprochene und unausgesprochene Bitte um Hilfe einzugehen, so unbequem das für uns auch sein mag.

„Es hat mich jemand berührt“, sagte Christus Jesus (Lukas 8:46), als er auf dem Weg, um Jairus’ Tochter zu heilen, das unausgesprochene Flehen einer kranken Frau im Menschengedränge spürte. Er reagierte auf den stillen Ruf der unbekannten Frau, bevor er seinen Weg fortsetzte, um einen aus menschlicher Sicht viel dringenderen und wichtigeren Fall zu heilen.

Praktikerinnen und Praktiker besuchen aus selbstloser Liebe auf moralischer und ethischer Ebene die Fälle, die eines Besuchs bedürfen, sie gehen die zweite Meile mit, geben sorgfältige Behandlungen und sind geduldig mit den Ungeduldigen. Diese selbstlose Liebe bringt der Menschheit durch den Christus die Liebe des Vaters auf eine Weise nahe, die diese anerkennen kann.

Doch was ist mit selbstloser Liebe auf einer tieferen, geistigeren Ebene? „Ich heilige mich selbst für sie“, sagte Jesus, als er für seine Jünger betete, „damit auch sie geheiligt seien in der Wahrheit“ (Johannes 17:19). Mrs. Eddy weist auf den Bedarf einer ähnlichen Selbstverleugnung hin: „Das wahre Verständnis vom christlich-wissenschaftlichen Gemüts-Heilen ist niemals aus Überheblichkeit, Rivalität oder der Vergötterung des eigenen Ich hervorgegangen.“ Und weiter: „Die Wege des Christentums haben sich nicht geändert. Sanftmut, Selbstlosigkeit und Liebe sind die Pfade Seines Zeugnisses und die Fußstapfen Seiner Herde“ (Grundzüge der Göttlichen Wissenschaft, S. 17).

Beten wir darum, genug zu lieben, um diese Anweisungen zu befolgen? Sie weisen uns den Weg, doch wir müssen ihn selbst gehen. Liebe stellt tiefe und anhaltende Forderungen an uns, dieses Talent so weiterzuentwickeln, dass wir damit heilen können. Wenn wir diesen Forderungen nachkommen, fühlen wir den unübertroffenen Lohn des Segens unseres Vaters.

So zu lieben bedeutet, tief in die Metaphysik der Christlichen Wissenschaft einzudringen, die Bibel und Mrs. Eddys Schriften zu erforschen, ihr in ihrer Entdeckung zu folgen und an der Liebe und Dankbarkeit teilzuhaben, die sie in diesen Zeilen ihres Gedichts „Das neue Jahrhundert“ zum Ausdruck bringt:

O Gott! wie groß, wie gut Du bist,
heilst in der Menschheit Herz den Zwist,
sondierst die Wund’, fügst Balsam zu –
ein Leben, das vollkommen, stark, voll Ruh.
(Poems, S. 22)

Zu lieben bedeutet, alles aufzugeben – egal was es kostet und wie schwer es ist –, was in uns dem heilenden Christus unähnlich ist, und unser wahres und christliches Selbst zu behaupten, wie sehr der Teufel unseren Einsatz auch verspotten und behindern mag. Solch eine Liebe heilt. Sie heilt uns und andere.

Die selbstlose Liebe, die wir einem Patienten zeigen, befähigt uns, dessen Bedürfnisse zu erkennen. Sie sind nicht immer das, als was sie erscheinen. Der Patient mag selbst nicht immer verstehen, was er braucht.

Eine Praktikerin erhielt eines Abends einen Anruf von einem verängstigten jungen Mann, dessen Frau plötzlich erkrankt war und ihre Gliedmaßen nicht mehr bewegen konnte. Die Praktikerin war bereits mit sehr wichtiger Arbeit beschäftigt, und da das Paar recht weit weg wohnte, empfahl sie, jemanden vor Ort um Hilfe zu bitten. Doch das war nicht möglich, und genau da erkannte die Praktikerin, dass dem Lieben keine Grenze gesetzt ist. Sie nahm den Fall bereitwillig an.

Sie begann, indem sie die körperlichen Symptome verneinte und durch das vollkommene Konzept der geistigen Tätigkeit aller Ideen Gottes ersetzte. Doch als ihre Liebe tiefer eindrang, wurde ihr das wahre Bedürfnis bewusst. Sie erinnerte sich, dass dieser junge Mann immer, wenn er ihr schrieb, erwähnte, welch eine Stütze ihm seine Frau war. Ihr kam die plötzliche Erkenntnis, dass eine Stütze das Gewicht von etwas trägt und schließlich unter der Belastung zusammenbrechen könnte. Als sie die gegenteilige Tatsache – die Wahrheit der Situation – betrachtete, erkannte sie, dass ihr die Idee einer Partnerschaft zugrunde liegt.

Sie arbeitete bis tief in die Nacht hinein, um in ihrem eigenen Denken die wundervolle geistige Tatsache zu festigen, dass die Kinder von Gott einander ebenbürtig sind und somit als Partner zusammenwirken. Am Morgen war sie nicht überrascht, wohl aber demütig dankbar zu hören, dass die junge Frau gesund war und ihren normalen Aufgaben nachging.

Wenn wir unser Talent für selbstlose Liebe weiterentwickeln, wird das geistige Wahrnehmungsvermögen akuter und Heilung verlässlicher.

Selbstlose Liebe gibt nie dem Patienten die Schuld, wenn etwas nicht geheilt wird. Sie schützt nie einen undankbaren Patienten vor, sondern macht sich an die Arbeit in der Erkenntnis, dass es Undankbarkeit nicht gibt.

Selbstlose Liebe rühmt sich niemals ihrer Heilungen und leidet auch nicht an verletztem Stolz oder Entmutigung, wenn die Heilung sich nicht zügig zeigt. Sie schreibt nichts vor, gibt keine Ratschläge und stellt keine Forderungen. Andererseits hat sie keine Angst, andere zu verstimmen, indem sie notwendige Warnungen erteilt. Sie sondiert die Wunde und gibt Trost, nicht auf persönliche Weise, die verletzen könnte, sondern durch Widerspiegelung der Liebe, die Gott ist.

Wir können dieses wertvolle Talent – dieses Talent zu lieben, das die göttliche Liebe einem jeden verleiht – nutzen und zu unserem vollsten geistigen Verständnis ausbauen. Und mit liebevoller Erwartung können wir darauf vertrauen, dass geistiges Verständnis jeden Tag tiefer eindringt.

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Ich betrachte die Herolde und den Sentinel als den „gedruckten Paulus“, weil sie die Botschaft der universellen Verfügbarkeit der Wahrheit in die ganze Welt tragen. Ich muß aber hinzufügen, dass für den Christlichen Wissenschaftler in Übersee der Sentinel und der Herold weit mehr sind als Botschafter der Wahrheit; sie sind buchstäblich das Brot für den jeweiligen Tag und speisen die Christlichen Wissenschaftler mit der „Gnade“, die sie täglich durch das Gebet des Herrn suchen.

Howard Palfrey Jones, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, November 1969 

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