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Das Gebet des Herrn oder Möchten Sie auch Flügel haben?

Aus der März 1998-Ausgabe des Herold der Christlichen Wissenschaft


Bei einer Fahrt durch eine traumhafte Sommerlandschaft flatterte plötzlich ein kleiner Singvogel aufgeregt vor meinem langsam rollenden Auto her. „Du Dummchen!" dachte ich, „wie einfach wäre es für dich, nur ein wenig höher zu steigen, und schon fühltest du dich nicht mehr verfolgt." Als ob er es gehört hätte, flog er augenblicklich höher und entwich damit seiner Bedrängnis.

Könnten wir Menschen nicht auch manchmal Flügel brauchen, um uns über unsere Sorgen und Nöte zu erheben? Nun, wir haben zwar keine Federn, doch Flügel allemal. Für mich sind es die Gedankenflügel des hingebungsvollen und ganz innigen Gebetes des Herrn, die uns heraustragen können aus Sorge, Angst und Schmerz.

Jesus formulierte dieses Gebet, als er von einem seiner Jünger gebeten wurde: „Herr, lehre uns beten." Lk 11:1. Die Jünger erkannten sehr wohl die überragenden Wirkungen dieser Gebete, die in seinen sogenannten Wundern, dem Heilen der Kranken und Sündigen und dem Erwecken der Toten, sichtbar wurden. Diese umwandelnde Kraft des Gebetes ist stets verfügbar und heute so wirkungsvoll wie vor nahezu zweitausend Jahren, wenn wir sie nach bestimmten wissenschaftlichen Regeln anwenden, die uns die Entdeckerin der Wissenschaft des Christentums, Mary Baker Eddy, gab.

Für Jesus, und damit auch für uns, seine Nachfolger, ist Gott der Erste, der Allerhabene, der Wichtigste, der unendliche Geist. Mit Gott beginnt das Gebet. Da „Name" für „Wesen" steht, können wir sagen: „Dein Wesen werde geheiligt!" Gottes Wesen ist uns vertraut, wenn wir es in Seiner gesamten Schöpfung unentwegt ausgedrückt und widergespiegelt sehen als das Gute. Und wie sollen wir es heiligen? Von der Wortwurzel „heil" aus betrachtet, kann das heißen, alles, also Gott und Seine ganze Schöpfung mit ihren unzählbaren Ideen, heil, ganz, vollkommen zu sehen. So wird Gott ganz natürlich der "eine Anbetungswürdige" Wissenschaft und Gesundheit, S. 16., wie Mrs. Eddy in ihrer geistigen Auslegung des Gebets sagt.

Ebenso unerschöpflich ist auch die Aufgabe für uns, die sich aus der Bitte ergibt: „Dein Reich komme." Dem fügt Mrs. Eddy hinzu: „Dein Reich ist gekommen; Du bist immer-gegenwärtig." Ebd. Welch großartige und ungeahnte Möglichkeiten warten da auf uns, dieses Reich Gottes willkommen zu heißen! Ähnlich geht es uns auch mit der letzten Bitte: „Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden", zu der Mrs. Eddy hinzufügt: „Befähige uns zu wissen, dass Gott — wie im Himmel, so auf Erden — allmächtig, aller haben ist." Ebd., S. 17. Mary Baker Eddy definiert GOTT so: „Der große Ich bin; der All-Wissende, der All-Sehende, der All-Wirkende, der All-Weise, der All-Liebende und Ewige; Prinzip; GEMÜT; Seele; Geist; Leben; Wahrheit; Liebe; alle Substanz; Intelligenz." Ebd., S. 587. Wenn wir Gott so verstehen, sollte es da schwer sein, sich vertrauensvoll Seinem Willen zu fügen?

Hier mag jemand einwenden: „Wenn ich täglich dieselben Worte wiederhole, wird es dann nicht doch nur ein Plappern und Herunterleiern?" Aus eigener Erfahrung kann ich nur bestätigen: Nicht wenn die Worte dieses Gebets tief empfunden und mit dem Herzen gesprochen werden. Dann leuchtet es täglich immer wieder anders auf, wie es ein kostbarer Brilliant tut, der ständig in den unterschiedlichsten Farben leuchtet und glitzert.

Zwei Worte aus diesem Gebet strahlen für mich besonders auf und sollen deshalb erst an dieser Stelle behandelt werden. Es ist das „Unser Vater", mit dem Jesus beginnt. Konnte er anschaulicher, klarer und präziser seine innige, zärtliche, tiefe Beziehung zu dem höchsten Wesen, nämlich zu Gott, ausdrücken als mit diesem Wort, das unter uns Menschen die engste Verbindung bezeichnet ebenso wie „Mutter"? Um es vorwegzunehmen, Mrs. Eddy fügt Jesu Anrede in ihrer schon erwähnten geistigen Auslegung auch „Mutter" hinzu. Es heißt da: „Unser Vater im Himmel! Unser Vater-Mutter Gott, all-harmonisch". Mit diesem „Unser" macht er klar, dass er keine Sonderstellung einnimmt. Umfassend sah er die Idee „Mensch" in der Sohnschaft Gottes eingebettet. Gleichzeitig schweißt dieses „Unser Vater" die gesamte Menschheit zu Brüdern und Schwestern zusammen.

Sind wir uns überhaupt der ganzen Größe der Tatsache bewusst, was es bedeutet, uns im Lichte der Kindschaft Gottes zu sehen und Gott „unseren" Vater nennen zu dürfen? Gehen wir nun hin, speisen die Hungrigen oder wandeln die Sünder um, um nur einige Beispiele zu nennen? Jesus fühlte sich so innig mit Gott verbunden, dass er sagen konnte. „Der Vater hat den Sohn lieb und zeigt ihm alles, was er tut, und wird ihm noch größere Werke zeigen." Joh 5:20. Sicher steht die Menschheit erst am Anfang ihres Wissens um ihre Gotteskindschaft. Wenn es sich jedoch für alle vertiefen wird, kann es eines Tages größere Kräfte freisetzen als das Wissen um die Atomspaltung. Dieses Gebet birgt unendliche Ansatzpunkte zu weiterem Verständnis, wenn wir nur ehrlichen Herzens lauschen.

Eine der bemerkenswertesten Antworten erhielt ich während meines Examens an der Universität.

Eine der bemerkenswertesten Antworten erhielt ich vor Jahren während meines Examens an der Universität. Durch von mir nicht zu beeinflussende Umstände war meine Zeit für die schriftliche Examensarbeit auf die Hälfte reduziert worden. So musste ich Tag und Nacht daran fast pausenlos arbeiten. Plötzlich fühlte ich mich eines Morgens sehr krank. Ich begann, so gut ich es vermochte, zu beten, verlor aber bald das Bewusstsein. Erst abends kam ich durch heftiges Schütteln meines Vaters wieder zu mir. Ich sah Entsetzen und zugleich ein tiefes Erbarmen in seinem Gesicht. Er wollte sofort einen Notarzt rufen. (Mein Vater war kein Christlicher Wissenschaftler.) Doch ich schüttelte den Kopf und bat ihn schriftlich, da ich keinen Ton herausbrachte, einen Praktiker anzurufen und ihn zu bitten, im Sinne von Christian Science für mich zu arbeiten und zu beten. Mein Vater machte sich sofort auf den Weg zu einer weiter entfernten Telefonzelle. Als ich seine schweren Schritte im Haus verhallen hörte, war es mir, als ob er in seiner überquellenden, väterlichen Liebe zu mir sagte: „Für deine Heilung gäbe ich gern ein Bein oder einen Arm her." Eine ungeahnte Rührung und Dankbarkeit für seine Opferbereitschaft durchzog mich einen Augenblick. Doch sofort fragte ich: „Ja, aber warum kann solche große, wundervolle Liebe nicht heilen?" Spontan kam die Antwort — noch ehe Vater am Telefon sein konnte: „Das ist nur eine menschliche, begrenzte Liebe. Die Liebe unseres göttlichen Vaters dagegen ist geistig, allmächtig und kräftig genug, den Irrtum zu zerschlagen." Diesen Unterschied hatte ich zwar immer geahnt und gefühlt. In diesem Augenblick jedoch kam die Offenbarung der unendlichen, göttlichen Liebe mit solcher Macht und einem alles erfüllenden Licht über mich, dass ich augenblicklich frei war. Als mein Vater zurückkehrte, sah er eine vollkommen gesunde und glückliche Tochter vor sich. Wieder der Sprache mächtig, erzählte ich ihm voll tiefer Freude und Dankbarkeit von der eben erlebten, herrlichen Erleuchtung, in der ich die geistige Liebe unseres Vater-Mutter Gottes erkannt hatte, die höher ist als alle menschliche Zuneigung.

Ist es verwunderlich, dass ich Gebet, und u. a. das Gebet des Herrn, als Gedankenflügel betrachte, die uns hinaustragen über alle menschliche Enge, Furcht und Not zu immer höheren und umfassenderen Erkenntnissen von der alles menschliche Dunkel durchdringenden, göttlichen Liebe? Erheben wir uns auf den Flügeln des Gebets!

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Die Mission des Herold

Ich betrachte die Herolde und den Sentinel als den „gedruckten Paulus“, weil sie die Botschaft der universellen Verfügbarkeit der Wahrheit in die ganze Welt tragen. Ich muß aber hinzufügen, dass für den Christlichen Wissenschaftler in Übersee der Sentinel und der Herold weit mehr sind als Botschafter der Wahrheit; sie sind buchstäblich das Brot für den jeweiligen Tag und speisen die Christlichen Wissenschaftler mit der „Gnade“, die sie täglich durch das Gebet des Herrn suchen.

Howard Palfrey Jones, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, November 1969 

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