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Original im Internet

Selbstrechtfertigung im richtigen Licht betrachtet

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 6. September 2021


Als Studentin fand ich, dass einige meiner Beziehungen besser laufen könnten. Auch Gespräche mit engen Familienmitgliedern fühlten sich oft nicht so fröhlich oder produktiv an, wie dies hätte möglich sein können. In der Hoffnung, Besserung herbeizuführen, versuchte ich, mich zu verteidigen, indem ich erklärte, wie es mir mit ein paar persönlichen Problemen ging, die ich bewältigen musste. Rückblickend ist mir klar, dass es so klang, als gäbe ich anderen die Schuld. Ich stellte mich nicht den Problemen, über die ich hätte beten können, sondern verlängerte das Gefühl von Belastung und weitete sie auf die Menschen in meinem Umfeld aus. Doch damals war mir das nicht bewusst, und ich fragte mich, wieso ich bei meiner Kommunikation mit Familie und Freunden immer wieder an Grenzen stieß.

Als ich eines Tages in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy las, stach mir der Begriff Selbstrechtfertigung ins Auge. Die Stelle implizierte, dass Selbstrechtfertigung eine Sünde ist – eine Handlung oder Denkweise, die uns von Gott fortzuführen scheint.

Ich war schockiert. Warum ist Selbstrechtfertigung falsch? Müssen wir uns nicht gelegentlich verteidigen oder erklären?

Als ich um eine Antwort betete, stieß ich auf die Erinnerungen von einer frühen Schülerin Mrs. Eddys, die sich ähnlich gefühlt hatte, bis sie erkannte, dass es eine Form von Rache ist, sich selbst zu rechtfertigen, ein Vorgang, den die Christliche Wissenschaft als unzulässig bezeichnet (siehe Wissenschaft und Gesundheit, S. 22). Janette Weller schrieb: „Es schien mir, dass ich es nicht aushalten konnte, falsch eingeschätzt oder missverstanden zu werden. Das intensive Verlangen nach Selbstrechtfertigung hielt viele Monate an, [bis] mir plötzlich in einem Sonntagsgottesdienst der Gedanke kam, dass meine Rechtfertigung die Verurteilung eines anderen bedeutete, und meinem Bewusstsein ging ein Licht auf. Sofort gelangte ich zu der Überzeugung, dass ein Wunsch nach Selbstrechtfertigung die höchste Form von Rache war, die man haben könnte“ (We Knew Mary Baker Eddy, Expanded Edition, Vol. II [Wir kannten Mary Baker Eddy, Erweiterte Ausgabe, Bd. 2, S. 54).

Selbstrechtfertigung kommt in Mrs. Eddys veröffentlichten Schriften sechs Mal vor. An einer Stelle schreibt sie: „Lasst uns in geduldigem Gehorsam gegen einen geduldigen Gott daran arbeiten, mit dem universalen Lösungsmittel der Liebe das harte Gestein des Irrtums – Eigenwillen, Selbstrechtfertigung und Eigenliebe – aufzulösen, das gegen die Geistigkeit ankämpft und das Gesetz der Sünde und des Todes ist“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 242).

Ich erkannte, dass die Rechtfertigung eines falschen oder egoistischen Verhaltens – selbst wenn es nur darum geht, verspätet zu einer Besprechung gekommen zu sein – in Wirklichkeit der Versuch ist, den Irrtum zu rechtfertigen, statt uns als Gottes Widerspiegelung oder Ebenbild zu sehen, obwohl die Bibel uns so beschreibt. Damit akzeptieren wir, dass etwas Gott Unähnliches existieren und eine Identität haben kann. Es dient dem Selbst, nicht Gott – dem einzig wahren Ego –, und leugnet unsere wahre Identität als Gottes vollkommene Widerspiegelung.

Wenn wir uns stattdessen im Gebet als die fehlerfreie Schöpfung der göttlichen Liebe erkennen, verstehen wir, dass es unnötig ist zu versuchen, den Irrtum zu rechtfertigen oder zu einer Wirklichkeit zu machen. Die Befürchtung, ein von Gott getrenntes irriges menschliches Wesen zu sein – oder das Gesicht zu verlieren –, fällt von uns ab, und dadurch werden wir liebevoller.

In jungen Jahren warfen bestimmte Worte oder Taten schmerzhafte Erinnerungen auf, die große Angst in mir auslösten – das, was man heute einen Panikanfall nennen würde. Ohne es zu merken, ließ ich mein Leid manchmal an nahestehenden Menschen aus und behandelte sie nicht so liebevoll, wie ich das sonst getan hätte. Ich war wütend auf die andere Person, denn in diesen Momenten hatte ich den Eindruck, dass meine seelische Pein ihre Schuld war. Doch durch dieses neue Verständnis von der falschen Grundlage von Selbstrechtfertigung erkannte ich, dass diese Pein niemandes Schuld war und dass ich um ein besseres Verständnis davon beten musste, was ich als Ausdruck Gottes wirklich war.

Ich verstand in meinem Gebet, dass ich mein Vorgehen rationalisiert hatte, indem ich einigen Personen erklärt hatte, dass es einen Grund für all das gab – dass es in meiner Vergangenheit einen Auslöser dafür gab, dass ich mich nicht wie ich selbst fühlte. Da ich diesen Irrtum entschuldigte, hatte ich zugelassen, dass er vorhielt, und die Selbstrechtfertigung gab den anderen das Gefühl, sich falsch verhalten, einer Sache beschuldigt zu werden oder hilflos zu sein, die Situation zu verbessern. Und die Lüge wurde aufrechterhalten. Wenn wir akzeptieren, dass Irrtum (das, was nicht von Gott erschaffen oder hervorgerufen wurde) eine Ursache hat, akzeptieren wir auch, dass er Wirklichkeit hat. Das verzögert unsere Erkenntnis, dass der Irrtum nichts mit unserer geistigen Identität zu tun hat.

Es war Demut vonnöten, um aufzuwachen und zu erkennen, dass die Art, wie ich mich fühlte, nicht wirklich war, da sie keinen Platz in der göttlichen Wahrheit hatte. Als ich weiter darüber betete, erkannte ich, dass ich in Wahrheit ein besseres Verständnis meiner Beziehung zu Gott brauchte. Es hatte nichts damit zu tun, was andere sagten oder taten. Ich konnte auch nicht von anderen beeinflusst werden, wenn ich verstand und akzeptierte, dass Gott mich regiert. Mir wurde klar, dass es keine Entschuldigung dafür gibt, nicht mit vollständiger, sprudelnder Liebe zu sprechen. Ich betete darum zu erkennen, wie Gott, Liebe, mich sah, und erlangte ein umfassenderes Verständnis Seiner Liebe zu mir und allen. Es wurde offensichtlich, dass Liebe nichts außer Güte kennt.

Diese Änderung in meinem Denken verbesserte nicht nur meine Beziehungen erheblich, sondern führte zu einer vollständigen und abgeschlossenen Heilung der Angst, an der ich gelitten hatte. Diese Heilung ist etliche Jahre her. Wer hätte gedacht, dass das Beseitigen von Selbstrechtfertigung aus meinem Denken solch große Auswirkungen haben würde?

Als Jugendliche habe ich immer zugestimmt, wenn ein Trainer oder eine Tanzlehrerin sagte: „Keine Ausflüchte.“ Aber jetzt verstehe ich, wieso das so wichtig ist. Als Gottes geliebtes, geistiges, nach Seinem Ebenbild erschaffenes Kind ist jeder von uns frei von Fehlern und egoistischem Verhalten. Mit diesem Wissen können wir ganz natürlich ehrlich, bescheiden, sanftmütig und selbstlos sprechen.

Wir alle sind fähig zu verstehen, dass Liebe das Gesetz ist, das Wort und Tat regiert. Die göttliche Liebe löst jedes Verhaltensmuster des Irrtums auf und zeigt uns unsere wahre Natur. Es ist natürlich für uns als Gottes Widerspiegelung, so liebevoll mit anderen kommunizieren, wie Gott mit uns kommuniziert. Selbstrechtfertigung – eine falsche Darstellung unserer Identität – loszulassen öffnet den Weg für Heilung und fördert liebevolle Kommunikation und anhaltende, gesunde Beziehungen.

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– (Mary Baker Eddy, Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes, S. 353)

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