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Original im Internet

Gott die Zügel übergeben

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 8. August 2022

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 8. August 2022 im Internet.


Als Jugendliche nahm ich Reitstunden. Wenn das Pferd trabte, musste ich seinem Takt gemäß aufstehen bzw. mich vom Sattel erheben. Obwohl meine Reitlehrerin immer wieder sagte, ich solle einfach das Pferd die Arbeit tun lassen, mich entspannen und dem natürlichen Rhythmus der Bewegungen des Pferdes folgen, fiel es mir sehr schwer. Ich mühte mich ab, kämpfte und verausgabte mich, aber nichts half.

Dann träumte ich eines Nachts, dass ich ritt, und im Traum konnte ich den mühelosen Fluss und Gleichklang fühlen, in dem das Pferd und ich uns bewegten. Es war wundervoll. Am nächsten Tag konnte ich nicht erwarten, es noch einmal zu probieren, und ich machte alles zum ersten Mal richtig. Von da an war das Reiten ein Vergnügen und kein frustrierender Kampf mehr. Ich habe daraus gelernt, dass es nichts bringt, ein Ziel mit Gewalt erreichen zu wollen.

Die Christliche Wissenschaft wird manchmal als Selbstheilungsmethode betrachtet, die auf reiner Willenskraft – einer Aktivität des menschlichen Gemüts – beruht. Doch das ist weit von der Wahrheit entfernt.

Mary Baker Eddy schreibt im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft: „Die Christliche Wissenschaft bringt den menschlichen Willen zum Schweigen, beschwichtigt die Furcht durch Wahrheit und Liebe und veranschaulicht das mühelose Wirken der göttlichen Energie beim Heilen der Kranken“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 445).

Ohne das „mühelose Wirken“ Gottes, des Geistes, ist das Heilen von Krankheit nicht möglich. Die Tätigkeit der göttlichen Wahrheit enthält alle Macht, das menschliche Denken auf eine andere Grundlage zu heben. Diese Änderung heilt und verändert unsere Erfahrung. Menschliche Willenskraft hingegen stört eine Heilung.

Die menschliche Natur ist geneigt, die Zügel in die Hand nehmen und Ereignisse und Ergebnisse steuern zu wollen. Das kann auch die Suche nach körperlicher Heilung einschließen. Doch wenn ein Leiden anhält und die Heilung ausbleibt, wird offensichtlich, dass eine andere Herangehensweise vonnöten ist. Dazu ist die Bereitschaft erforderlich, sich Gott zu ergeben und Seiner Führung zu vertrauen. Das kann uns wie eine riesige Hürde vorkommen, wenn wir uns darauf versteift haben, die Kontrolle zu übernehmen und das Wie und Was einer erforderlichen Heilung steuern zu wollen. Ja, dieser Versuch, eine Heilung „in die Hand zu nehmen“, kann genau das sein, was im Denken berichtigt werden muss, wie ich einmal lernen musste.

Eine Heilung erzwingen zu wollen, muss der ruhigen Gewissheit und dem vollständigen Vertrauen auf das Wirken der Wahrheit im Bewusstsein weichen.

Ich litt an einer Entzündung, die wie in einem Kreislauf immer wieder auftrat. Ich hatte darüber gebetet, wie ich es in der Christlichen Wissenschaft gelernt hatte. Doch meine Bemühungen waren mehr intellektuell als echtes Gebet. Ich las in der Bibel und Mary Baker Eddys Schriften, machte mir Notizen und verbrachte Stunden damit, heilende Ideen in diesen Büchern zu erforschen. Ich war sogar stolz auf meinen Einsatz und meine große Disziplin. Doch es zeigte sich keine Besserung.

So ging es über Monate weiter. Gleichzeitig verschlimmerte sich das Problem. Ich war erschöpft. All mein intensiver Einsatz hatte zu nichts geführt. Ich versuchte, die Heilung durch menschliche Aktivität und Argumentation zu erzwingen, anstatt sie in Gott, Geist, zu suchen, wo kein aggressives Drängen nötig ist, weil Geist unendliche, unaufhörliche Liebe ist. Was könnte der Tätigkeit der unendlichen Liebe im Weg stehen? Gottes Liebe drückt das mühelose Wirken des unendlichen, vollkommenen Gemüts und des Menschen als Ebenbild von Gemüt, Gott, aus.

Am Ende wandte ich mich demütig und von ganzem Herzen an Gott. Ich wurde still, empfänglich und vertraute vor allem auf Gottes Bereitschaft und Fähigkeit, mich zu heilen. Ich hielt mich beständig für Gottes Botschaften der Liebe offen. Ich fügte mich und ließ das menschliche Kämpfen und Streben los, jedoch nicht durch Fatalismus, sondern eher, als übergebe ich das Problem einem liebevollen Elternteil. Nun waren meine Aufmerksamkeit und meine Bestrebungen darauf gerichtet, still zu sein und Gott zu vertrauen und zuzuhören.

Ein Satz von Mrs. Eddy half mir dabei: „Die beste geistige Art, auf christusgleiche Weise das Denken der Menschen zu heben und ihnen die göttliche Wahrheit zu vermitteln, ist beharrende Kraft, Stillesein und Stärke; und wenn wir uns dieses geistige Ideal zu eigen gemacht haben, wird es zum Vorbild für das menschliche Handeln“ (Rückblick und Einblick, S. 93).

Diese Worte erhoben und beruhigten mich und brachten die Furcht zum Schweigen. Sofort merkte ich, dass sich ein innerer Wandel vollzog. Ich wurde seltener wütend und auch Genervtsein und Frust nahmen ab. Ich fühlte den Frieden Gottes tiefer. Dann kam mir ganz sanft immer wieder folgende Stelle aus Wissenschaft und Gesundheit in den Sinn: „Das physische Heilen durch die Christliche Wissenschaft ist heute, wie zur Zeit Jesu, das Ergebnis der Tätigkeit des göttlichen Prinzips, vor dem Sünde und Krankheit ihre Wirklichkeit im menschlichen Bewusstsein verlieren und so natürlich und unvermeidlich verschwinden, wie Dunkelheit dem Licht und Sünde der Umwandlung Raum gibt“ (S. xi).

Ich erkannte, dass das Licht des Christus, der Wahrheit, ewiglich im menschlichen Bewusstsein aufdämmert und beständig das Denken vergeistigt. Und wie der Sonnenaufgang vollzog es sich glatt, mühelos, friedvoll. Es bescherte mir endlose Inspiration. Ich erlebte es und verstand, dass es keinen Kampf erfordert, Gottes Widerspiegelung, das unmittelbare Ebenbild des Gemüts und dessen zu sein, was Gemüt bereits weiß. Ich musste dies einfach nur erkennen, als göttliches Gesetz akzeptieren und im Denken daran festhalten.

Als ich das tat, konnte ich von ganzem Herzen bekräftigen, dass Wahrheit absolute Autorität und Kontrolle über mein Bewusstsein und somit meinen Körper hat, der eine Manifestation des Denkens ist. Ich hielt treu daran fest, und Furcht, Spekulation, Zweifel und Mutlosigkeit verloren ihre Herrschaft über mein Denken. Ich hörte auf, mich zu bemühen, geistig und gesund zu „werden“, und ruhte stattdessen in dem Wissen, dass ich immer schon die ruhige, vollkommene, geistige Idee Gottes gewesen war.

Ich war frei, und damit war auch all der mentale und seelische Aufruhr, der mich zuvor erfüllt hatte, vorbei. Mein geistiges Gleichgewicht war intakt und mein Herz floss über von Dankbarkeit Gott gegenüber. Dieses Problem trat nie wieder auf.

Eine Heilung erzwingen zu wollen, muss der ruhigen Gewissheit und dem vollständigen Vertrauen auf das Wirken der Wahrheit im Bewusstsein weichen. Wenn wir uns der Macht der Wahrheit fügen, übergeben wir die Zügel – den Kampf, Stolz und menschlichen Einsatz für ein bestimmtes Ziel – und finden Trost und Kraft in Gottes Macht und Bereitschaft zu heilen. Dadurch erhalten wir eine neue, klarere Vision der Wirklichkeit, die nur Wahrheit vermitteln kann.

Eine Heilung tritt nie aufgrund von Willenskraft oder Selbstbehauptung ein. Sie ist immer ein Erwachen durch Christus, Wahrheit, zu der Tatsache, was wir als Gottes Kinder bereits sind. Wenn wir uns demütig der Güte und liebevollen Fürsorge unseres geliebten Vaters fügen, stellen wir fest, dass Er immer bereit ist, Seine geliebten Kinder mit müheloser, wissenschaftlicher christlicher Heilung zu segnen.

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– (Mary Baker Eddy, Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes, S. 353)

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