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Original im Internet

Die korrekte Frage beantworten

Aus der Juni 2019-Ausgabe des Herold der Christlichen Wissenschaft

Dieser Artikel erschien ursprünglich am 19. März 2019 im Internet.


„Auf verkehrte Fragen gibt es keine richtigen Antworten.“

Dieses der berühmten amerikanischen Autorin Ursula K. Le Guin zugesprochene Zitat kann bei Problemen in unserem Leben ein wichtiger Anhaltspunkt sein.

Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, wusste sehr genau, wie wichtig es ist, die richtige Frage zu beantworten. Sie erzählte den Schülern ihrer letzten Klasse eine Geschichte, die zeigt, dass man das Denken auf die Wirklichkeit gründen muss. Ihr Schüler George Wendell Adams erinnert sich: „Sie sagte, ein Mann hatte einen Fuchs. Er bohrte ein Loch in seine Haustür und steckte den Schwanz des Fuchses von innen durch das Loch. Schon bald versammelte sich eine Menschenmenge vor seinem Haus, und er ging hinaus, um sie zu fragen, was sie wollten. Sie antworteten, dass sie überlegten, wie der Fuchs es geschafft hatte, durch ein so kleines Loch zu gelangen. Das, erklärte Mrs. Eddy, ist menschliche Philosophie, die immer versucht, Dinge zu verstehen, die nie passiert sind“ (We Knew Mary Baker Eddy, Expanded Edition, Volume I [Wir kannten Mary Baker Eddy, erweiterte Ausgabe, Band 1], S. 284–285).

Kurz gesagt, Dinge verstehen zu wollen, die es gar nicht gibt, kommt dem Versuch gleich, Antworten auf verkehrte Fragen zu finden, und das kann nie zu befriedigenden Lösungen führen.

Mrs. Eddy schreibt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Sind die Gedanken göttlich oder menschlich? Das ist die wichtige Frage“ (S. 462). Gedanken, die göttlich sind, versichern uns, dass Gott uns beschützt und immer für unsere Gesundheit und unser Wohl sorgt. Menschliche Gedanken, die dazu neigen, unsere Erfahrungen als von Gott getrennt und in der Sterblichkeit gefangen zu kennzeichnen, ziehen Schlüsse aus einer irrigen Grundlage und weisen uns deshalb in die falsche Richtung.

Jesus hat mehrmals in seiner Missionstätigkeit bewiesen, wie viel Macht die Beantwortung der richtigen Frage mitbringt. Einmal begegneten er und seine Jünger einem Mann, der von Geburt an blind war. Einige Bibelkommentare erklären, dass die Menschen damals allgemein annahmen, körperliche Leiden seien direkte Auswirkungen vormals begangener Sünden. Da der Mann schon immer blind gewesen war, fragten sich die Jünger ernstlich, wer die Schuld an seiner Behinderung hatte: Lag sie an den Eltern oder hatte er irgendwie vor seiner Geburt gesündigt? „Meister, wer hat gesündigt, er oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“, fragten sie. „Jesus antwortete: ‚Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern an ihm sollten die Taten Gottes sichtbar werden‘“ (Johannes 9:2, 3).

Statt eine verkehrte Frage zu beantworten, die auf einer irrigen Prämisse beruhte, nämlich dass der Mensch ein sterblicher Sünder ist, gab Jesus eine sorgfältige, heilende Antwort, indem er die Unterhaltung auf das sündlose Wesen des Menschen hob, dessen Ursache und Schöpfer Gott ist. Mit dieser Antwort änderte Jesus das Augenmerk liebevoll von einer sterblichen Grundlage von Sünde, Schuldzuweisung und Strafe zu der Erkenntnis von der wahren geistigen Natur des Menschen. Dieses Wesen umfasst einen geistigen Sinn des Sehens, das dauerhaft und vollkommen ist, und Jesus heilte die Blindheit des Menschen augenblicklich. Diese machtvolle körperliche Heilung beruhte darauf, dass Jesus den Mann so erkannte, wie Gott ihn erschaffen hatte. Er rückte das Augenmerk der Jünger fort von dem verzerrten sterblichen Bild eines kranken Körpers auf die geistige Natur von Gott und Seinem Bild und Gleichnis, dem Menschen, der uns alle einschließt. Jesus demonstrierte, wie wichtig es ist, keine sündige Ursache für die Missstände der Menschheit suchen zu wollen. Auf der Basis von Gott als der einzigen Ursache leugnete er die Wahrheit solcher Missstände und bewies, dass sie gar keine Ursache haben.

Jesus hat mehrmals bewiesen, wie viel Macht die Beantwortung der richtigen Frage mitbringt.

Ein andermal befand sich Jesus in einer gefährlicheren und brisanteren Situation, als er sich einer Gruppe jüdischer Geistlicher stellen musste, die ihn bei der Auslegung der jüdischen Gesetze in die Falle locken wollten (siehe Johannes 8:1–11). Sie stellten eine Frau vor ihn, die beim Ehebruch ertappt worden war. Darauf stand nach jüdischem Gesetz die Todesstrafe durch Steinigung. Da sie vermutlich inzwischen einige Lehren von Jesus kannten, nahmen sie an, dass er die Steinigung nie befürworten würde und sie ihm somit einen Gesetzesbruch vorwerfen konnten – eine sehr ernste Übertretung. Die Frage, die sie stellten, war: „Mose aber hat uns im Gesetz geboten, solche zu steinigen. Du nun, was sagst du?“

Trotz dieser brisanten Situation ließ sich Jesus nicht zu einer voreiligen Antwort verleiten. Wir lesen in der Bibel, dass er sich niederbückte und mit dem Finger auf die Erde schrieb. Nachdem sie mehrmals nachgehakt hatten, stand er auf und sagte: „Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein auf sie.“ Jesu Antwort warf eine neue Frage auf: Müssen wir nicht alle ein Leben im aufrichtigen Gehorsam gegen Gott führen? Nach dieser Antwort verzogen sich die Ankläger. Die Frau wurde nicht nur vor dem Tod bewahrt, sondern auch aufgefordert: „Geh hin und sündige nicht mehr!“ Jesus wies darauf hin, dass wir alle Vergebung und Gottes Liebe – und neue Chancen – verdienen.

In beiden Fällen bewies Jesus, dass die Antwort auf die richtige Frage heilt und rettet und dass eine Spekulation über das Wann, Wie oder Warum eines Problems wie Krankheit der Versuch ist, die verkehrte Frage zu beantworten. Ich konnte das einmal selbst erleben, was dazu führte, dass eine schlechte Beziehung geheilt wurde.

Wenn Beziehungsprobleme auftreten, können wir versucht sein, die Charakterfehler und das unangemessene Verhalten aller beteiligten Personen, uns eingeschlossen, zu sehen und daraus Schlüsse für die Schuld zu ziehen, während die Lösung darin liegt, ein höheres Verständnis von Liebe zu erlangen und zu demonstrieren. Gott ist die Liebe selbst, und wenn wir unser eigenes Denken und Handeln einem reineren und universaleren Verständnis von Gottes Liebe unterwerfen, werden unsere Beziehungen zu anderen geheilt. Dieses Verständnis von Liebe entfernt Hass, Ressentiments und Eigensinn aus unserem Denken; es hilft uns, unsere guten Eigenschaften und die der anderen zu sehen, Eigenschaften, die ihren Ursprung in Gott haben.

Wenn wir ein Problem haben, können wir die richtigen Fragen stellen, zum Beispiel: „Was weiß Gott über diese Situation?“

In den letzten Semestern meines Studiums hatte ich einen ernsten Konflikt mit einer Frau aus der Univerwaltung. Sie war dafür bekannt, schwierig zu sein. Nach einer bösen Auseinandersetzung stürmte ich wütend und frustriert aus ihrem Büro. In solch einer Situation mag es natürlich erscheinen zu fragen: „Wie kann ich diese sturköpfige Person überzeugen?“, „Wieso macht sie es allen so schwer?“ oder „Was hat sie nur gegen mich?“ Doch das sind alles verkehrte Fragen! Nachdem ich mir Fragen dieser Art mehrere Minuten lang gestellt hatte, wandte ich mein Denken still Gott zu und überließ die Situation demütig Seiner Liebe zu mir und der Frau.

Am nächsten Tag ging ich mit dem ehrlichen Wunsch zurück, ihr nicht nur Liebe zu zeigen, sondern sie auch im wahren Licht als Widerspiegelung von Gottes Liebe zu sehen. Als ich ihr Büro betrat, begrüßte sie mich mit einem großen Lächeln. Es war, als ob unsere Auseinandersetzung nie stattgefunden hätte, und die Angelegenheit wurde schnell und harmonisch erledigt. Ich muss zugeben, dass mich diese völlige Kehrtwendung überraschte. Ich hatte eine Heilung erwartet, doch ich war sehr beeindruckt, wie schnell und umfassend sie vonstatten ging. Während meiner verbleibenden Zeit an der Universität kamen diese Beamtin und ich wunderbar miteinander aus.

Wenn wir ein Problem oder gleich eine ganze Lawine davon haben, können wir aufhören, die verkehrten Fragen zu stellen – die zu Schuldzuweisung und Frust führen – und anfangen, die richtigen Fragen zu stellen, zum Beispiel: „Was weiß Gott über diese Situation?“

Die richtige Antwort darauf bringt Heilung.

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Unsere Herolde sind mitfühlend und beglückend. Da sie mit der Stimme der Wahrheit sprechen, dienen sie zur Heilung der Völker. Sie verheißen und verkünden Glück und Freiheit, weil sie der ganzen Menschheit Gottes Gegenwart vor Augen führen.

– Otto Bertschi, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Oktober 1968 

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