Was für ein Versprechen: „Vor dir [Gott] ist Freude in Fülle, Wonne zu deiner Rechten ewiglich.“ Diese Versicherung lesen wir im 16. Psalm (Vers 11) in der Bibel. Aus geistiger Perspektive leuchtet das Versprechen „Wonne ... ewiglich“ völlig ein. Gott, Geist, hat alles erschaffen, was wirklich ist, und zwar geistig und gut. Da Geist unbegrenzt ist, ist auch die Schöpfung des Geistes unbegrenzt. Und alles darin Enthaltene ist erfreulich – in Ewigkeit.
Allerdings fällt es dem menschlichen Gemüt schwer, dieses Versprechen wirklich zu verstehen. Der Volksmund sagt: „Alle guten Dinge müssen ein Ende haben.“ Wir denken an die guten Dinge der Vergangenheit zurück und freuen uns auf das Gute, das die Zukunft bringen mag. Doch ob uns gefällt, was hier und jetzt passiert, oder nicht – alles Materielle ist vergänglich.
Irgendwann kommen wir an die unumgängliche Weggabelung. Die eine Richtung führt zu den tiefen geistigen Freuden, die für den Psalmisten so klar spürbar waren. Die andere Richtung zeigt einen verführerischen Weg, der tief in die Materie hineinführt und auf dem wir Vergnügungen, Glück und Befriedigung durch die materiellen Sinne suchen. Allerdings kommt ein Festhalten an dem Glauben, dass wir bleibendes Vergnügen in Materie erlangen werden, dem Versuch nahe, in einem Traum zu verweilen, während der Wecker klingelt. Denn der Wecker klingelt unaufhörlich! Wir alle haben einen natürlichen geistigen Sinn, der sich nach allem sehnt und nach allem verlangt, was geistig und gut ist.
Warum versuchen wir dann so angestrengt weiterzuschlafen (metaphorisch ausgedrückt), wenn unser geistiger Sinn uns auffordert, das Versprechen der Bibel von nie endendem Guten anzunehmen?
Vielleicht liegt es daran, dass geistiges Gutes uns weit entfernt und abstrakt vorkommen kann, statt als etwas Handfestes, das wir wirklich fühlen und genießen können. Doch wir können zumindest die Symbole des wahren, geistigen Guten sehen und fühlen, das bereits hier und jetzt bei uns ist. Das Lachen einer geliebten Person, ein Sonnenuntergang, der sich in einem Bergsee spiegelt, eine besonders geliebte Melodie – sie alle sind Hieroglyphen des wahren, ewigen Guten. Eine Hieroglyphe ist allerdings nicht die Sache selbst. Das Lachen hört auf, der Sonnenuntergang vergeht, die Melodie kommt zum Ende. Doch Gottes Güte – wirklich, gegenwärtig und ewig – endet nie; sie ist für alle Zeiten neu und frisch. Wir können dieses wirkliche und dauerhafte Gute zunehmend selbst erleben, indem wir es an der richtigen Stelle suchen.
Dieser richtige Ort ist das Himmelreich. Jesus trug seinen Nachfolgern auf, zuerst nach diesem Reich zu trachten, denn genau dort findet sich alles Gute. Klingt das schwer oder furchteinflößend? Das sollte es nicht. Jesus versichert uns ferner, dass das Reich Gottes bereits hier ist, und zwar in uns. Um es in uns zu finden, müssen wir nur bereit sein, den Materialismus und Glauben an die Materie aufzugeben, die es vor uns verbergen.
Vielleicht können wir etwas von dem reichen Mann lernen, der Jesus gefragt hat, was er tun muss, um das ewige Leben zu erhalten (siehe Markus 10:17–23). Der Mann schien seinen Reichtum nicht durch etwas Unehrenhaftes erlangt zu haben, noch schien er ein Sünder im herkömmlichen Sinn zu sein, also jemand, der vorsätzlich schlechte Dinge getan hat. Er sagte Jesus, dass er Gottes Gesetz schon sein Leben lang befolgte, und Jesus widersprach ihm nicht. Dennoch wies er auf eine und nur eine Sache hin, die dem Mann mangelte: Er sollte alles verkaufen, was er hatte, das Geld den Armen geben und dann Christus folgen. Das Markusevangelium berichtet, dass der Mann betrübt davonging, „denn er war sehr reich“.
Jesus sagte nicht jedem, der ihm nachfolgte, dass er alles verkaufen sollte, was er hatte. Der materielle Reichtum selbst scheint hier nicht das Problem gewesen zu sein, sondern das Vertrauen des Mannes auf seinen materiellen Reichtum. Vertraute er auf die Materie oder auf Gott, Geist, um froh und wohlauf zu sein?
Nach außen hin war der Mann Gott und Seinem Gesetz treu. Doch er schien zu erwarten, dass diese äußerliche Treue ausreichte, um Zugang zur göttlichen Herrschaft der Harmonie zu erlangen. Jesus forderte offenbar, dass der äußerliche Gehorsam des Mannes von einer inneren Überzeugung von und Freude über die Tatsache begleitet sein musste, dass Gott ihn wahrhaft mit allem versorgte, was er jemals benötigen könnte, einschließlich wahrer Freuden, die nie enden.
„Christen erfreuen sich stiller Schönheit und Fülle, verborgen vor der Welt, aber Gott bekannt“, schreibt Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 15). Jesus verlangte nicht von dem reichen Mann, dass er etwas wahrhaft Gutes oder Notwendiges aufgab. Schließlich enthielt Jesu Versprechen die Zusage, dass uns das Gute, das wir hier und jetzt brauchen, zufallen wird, wenn wir zuerst nach dem geistig Guten trachten (siehe Matthäus 6:33). Vielmehr hätte der Gehorsam Jesu Anweisungen gegenüber dem Mann geholfen, die Ketten zu sprengen, die ihn an ein begrenztes, materielles Verständnis vom Guten banden, sodass er sich in Gottes Universum grenzenloser Freude frei bewegen konnte.
Mrs. Eddys Beschreibung der stillen Schönheit und Fülle geht so weiter: „Selbstvergessenheit, Reinheit und Warmherzigkeit sind ständiges Gebet. Betätigung, nicht Bekenntnis, Verständnis, nicht Annahme, erreichen das Ohr und die rechte Hand der Allmacht und rufen zweifellos unendliche Segnungen herab.“ Und wenn sie hinzufügt (ebd., S. 15, 16): „Ein großes Opfer materieller Dinge muss diesem fortgeschrittenen geistigen Verständnis vorausgehen“, dann verlangt sie nicht von uns, Märtyrer zu sein, sondern erklärt uns, dass wir auf diese Weise zu dem Guten erwachen, das wir wahrhaft anstreben.
So viele haben festgestellt, dass ihre Gesundheit, ihre Zufriedenheit und ihre Fähigkeit, andere zu segnen, zu- und nicht abnimmt, wenn sie sich vom Materialismus zu Gott wenden. Gott liebt jeden Menschen in der Tat zärtlich und uneingeschränkt. Lassen Sie uns die Bereitschaft haben, mit unserem Herzen, unseren Gedanken und unserem Verhalten darauf zu vertrauen, dass „Wonne zu [Seiner] Rechten ewiglich“ vorhanden ist, wie die Bibel uns versichert.
Lisa Rennie Sytsma
Chefredakteurin
