Als kleiner Junge in einer Sonntagsschule der Anglikanischen Kirche habe ich oft mit den anderen Gemeindemitgliedern folgende Worte von Jesus im Matthäusevangelium aufgesagt (11:28–30): „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; ich will euch erquicken. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seelen. Denn mein Joch ist sanft, und meine Last ist leicht.“ Diese Stelle war in meine Muttersprache übersetzt worden, doch als sie mir sehr vertraut geworden war, fand ich nicht, dass sie einen Stellenwert für mein Leben hatte. Ich wusste nicht, dass diese Worte später mein Leben von Grund auf verändern würden.
Vor einigen Jahren fühlte ich mich von Angst und Trauer überwältigt, weil meine kleine Firma fast kein Geld einnahm, während ich meinem Vermieter und dem Zulieferer Summen schuldete, die sie energisch von mir einforderten. Ich wachte jeden Morgen unruhig und angstvoll auf, und so gewöhnte ich mir an, fast ständig zu beten und um göttliche Gnade zu bitten.
Als ich eines Tages anfing zu beten, schlug ich meine Bibel auf, um wie üblich ein paar Verse zu lesen, und stieß auf die oben zitierte Stelle aus Matthäus, die darüber spricht, dass Christus uns erquickt – uns stärkt. Ich hatte sie seit Jahren nicht gelesen. Diesmal klang sie für mich wie eine Stimme, die mich zur benötigten Hilfe leitete.
Ich nahm damals an einem Online-Workshop von einer Pflegeeinrichtung der Christlichen Wissenschaft in den Vereinigten Staaten teil und lernte darin, dass eine Pflegeperson „freudig, ordentlich, pünktlich, geduldig und voll Vertrauen sein [sollte] – empfänglich für Wahrheit und Liebe“ (Mary Baker Eddy, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 395). Ich wurde jetzt mehr voll Vertrauen und empfänglicher für Wahrheit und Liebe – das sind Namen für Gott –, sodass ich außerdem besser verstand, dass die Macht, die uns retten und unsere Probleme lösen kann, nicht persönlich, sondern geistig ist. Mit anderen Worten, ich musste mich so auf Gott, Geist, verlassen, wie Jesus dies getan hatte. Ich wurde von Glauben, Hoffnung und Erwartung erfüllt und empfänglicher für Gott.
Am folgenden Morgen kam mich eine Cousine mit ihrer kleinen Tochter in Nairobi besuchen. Sie hatte angekündigt, dass sie einige Zeit bei mir bleiben würde, da sie ein paar finanzielle Angelegenheiten regeln musste. Ihre Bemühungen hatten sehr schnell Erfolg, und sie gab mir bereitwillig genug Geld, um meine Mietrückstände zu begleichen und meinen Lieferanten zu bezahlen. Ich nahm das Geld dankbar an. Einige Tage später fand ich eine Zeitarbeitsstelle.
Mein Gottvertrauen wurde stärker, als ich erkannte, dass diese Wende ein Ausdruck Gottes, der göttlichen Liebe, war. Jetzt konnte ich meine Rechnungen und meine Miete pünktlich bezahlen. Als ich aus geistiger Perspektive darüber nachdachte, was passiert war, erkannte ich, dass Gott alle Seine Kinder segnet und dass jede und jeder von uns dazu erschaffen ist, ein Segen und verlässlich zu sein.
Mir kam folgender Gedanke, der mich sogar noch mehr inspirierte: „Ich habe alles, was ich brauche.“ Das wird meiner Ansicht nach in den Worten Mary Baker Eddys zum Ausdruck gebracht, die die Kirche Christi, Wissenschaftler, auf Jesu Lehren aufgebaut hat. Sie schrieb (Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes, S. 166): „Wenn wir willens sind, zu helfen und uns helfen zu lassen, dann ist die göttliche Hilfe nahe.“ Die göttliche Liebe hat alles, was wir brauchen, und zeigt uns dies auf die vielfache – manchmal unerwartete – Weise, auf die Gott uns liebt und versorgt. Mir ist deutlich geworden, dass ich niemals denken darf: „Wenn ich nur dies oder jenes hätte, dann wäre mein Leben wundervoll oder dann wäre ich anderen ein Segen.“ Alles, was ich brauche, um gesegnet oder ein Segen für meine Mitmenschen zu sein, ist, empfänglich für die göttliche Liebe zu sein.
Das wird in der Heiligen Schrift bestätigt. Als Mose zum Beispiel fürchtete, dass die Israeliten ihm nicht folgen würden, fragte ihn Gott: „Was hast du da in deiner Hand?“ Und Mose antwortete „Einen Stab“ (2. Mose 4:2). Er schien zu denken, dass ihm die benötigten Fertigkeiten fehlten, denn er hatte jahrzehntelang als bescheidener Hirte gelebt. Doch er brauchte nicht mehr als das, was er bereits hatte, da er in Wirklichkeit geistig, das unbegrenzte Kind Gottes, des Geistes, war. Und Gott zeigte Mose das illusorische Wesen und die Machtlosigkeit des Bösen unter anderem, indem Er Moses Stab in eine Schlange und dann zurück in einen Stab verwandelte.
Für mich symbolisiert der Stab das Verständnis von Gott, das jederzeit zur Hand ist und durch das Mose darauf vertraute, dass Gott ihm und seinem Volk auf dem Weg zum gelobten Land zu jedem Augenblick alles bereitstellen würde, was sie brauchten. Mose setzte diesen Stab in wichtigen Situationen ein – beispielsweise, als er das Meer zerteilte und einen Felsen dazu brachte, Wasser zu spenden (siehe 2. Mose 14:16–21 und 17:5–6).
Jesus bewies ebenfalls, dass wir jederzeit alles haben, was wir brauchen. Er predigte zu Tausenden in der Wüste und heilte viele (siehe Lukas 9:10–17). Später am selben Tag forderten seine Jünger, er möge die Menschen fortschicken, damit sie sich etwas zu essen kaufen konnten. Doch stattdessen bat der Meister die Jünger, den Menschen etwas zu essen zu geben. Die Jünger sagten ihm, dass sie nichts weiter hatten als fünf Brote und zwei Fische. Aber Jesus wusste, dass es ihnen aufgrund von Gottes unendlicher Versorgung an nichts mangelte.
Er nahm das Essen, segnete es und gab es zurück an seine Jünger, damit sie es an die Menschen austeilen konnten. Sie fingen an, die Brote und Fische zu verteilen, und es scheint, dass sie umso mehr wegzugeben hatten, je mehr sie weggaben. Nachdem alle satt geworden waren, füllten sie zwölf Körbe mit Überresten.
Wir können ganz beruhigt sein in dem Wissen, dass uns als Gottes Kindern nichts mangeln und auch nichts von Seiner Versorgung entgehen kann. Seine Versorgung ist unendlich und beständig, und so sind wir nicht Opfer, sondern Sieger in Seinem Reich.
