Eine britische Fernsehserie mit dem Titel Who do you think you are? [Wofür halten Sie sich?] verfolgt den Stammbaum von Familien zurück, manchmal bis hin zu William dem Eroberer oder König Henry VIII. Die Beliebtheit der Serie verdeutlicht den Wunsch vieler zu wissen, wer sie sind und woher sie kommen.
Als ich vor Jahren eine eigene Karriere aufgegeben hatte und meine Tage mit meinem ersten Kind zu Hause verbrachte, stellte sich mir die Frage, wer ich eigentlich bin. Ich war von meiner Familie und meinem Freundeskreis fortgezogen und schien einen Teil meiner Identität verloren zu haben – jedenfalls kam es mir so vor.
Ungefähr zur selben Zeit entwickelte ich ein großes Interesse an der Christlichen Wissenschaft. Ich war sicher, dass die Antwort auf die Frage nach meiner Identität in dieser Lehre enthalten sein musste, und so fing ich an, das Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, zu lesen. Als ich an folgende Stelle kam, hatte ich die Antwort gefunden (S. 63): „In der Wissenschaft ist der Mensch der Sprössling des Geistes. Das Schöne, das Gute und das Reine sind seine Ahnen. Sein Ursprung liegt nicht wie der der Sterblichen im tierischen Instinkt, noch geht er durch materielle Umstände hindurch, bevor er Intelligenz erlangt. Geist ist seine ursprüngliche und endgültige Quelle des Seins; Gott ist sein Vater, und Leben ist das Gesetz seines Seins.“
Diese Worte schlugen ein wie ein Blitz! Ich war gar nicht der Mensch, für den ich mich gehalten hatte! Ich musste mich als Nachkommin Gottes identifizieren und nicht als sterbliche Mutter, Ehefrau usw. Ich war Gottes Kind und gehörte zu Gott. Das war meine wahre Familienzugehörigkeit, die überhaupt nichts mit Sterblichkeit zu tun hatte. Gott war mein Vater und meine Mutter, und meine Abstammung – mein Ursprung – war geistig. Darüber war ich wirklich froh. Jetzt wusste ich, wer ich bin!
Das war eine große Offenbarung und änderte alle möglichen Vorstellungen, die ich von mir hatte. Unter anderem verstand ich jetzt: Mich selbst klein zu machen oder Schuldgefühle über Ereignisse der Vergangenheit zu haben, hatte nichts mit Demut zu tun. Ich hatte zum Beispiel zur großen Enttäuschung meiner Mutter den Beruf gewechselt. Das Wissen, wer ich geistig in Wahrheit bin, gab mir eine Zuversicht und innere Kraft, die ich davor nicht gekannt hatte. Ich konnte meine Mutter lieben und hörte auf, auf ihre Kritik zu reagieren. Die Spannungen legten sich und unsere Beziehung wurde harmonischer.
Solange wir an falschen materiellen Vorstellungen von uns selbst festhalten, identifizieren wir uns aufgrund einer verzerrten Sichtweise, ähnlich wie wenn man durch das falsche Ende eines Teleskops blickt. Das wird dann die Linse, durch die man die ganze Welt sieht.
Wenn wir jedoch durch die Linse des Geistes schauen, sehen wir uns und unsere Mitmenschen aus geistiger Sicht und nicht aufgrund der äußerlichen Erscheinung. In der Bibel lesen wir, dass Gott einst den Propheten Samuel aussandte, um einen von Isais acht Söhnen zum König zu erwählen (siehe 1. Samuel 16). Samuel war erfolgreich, als er Gottes Anweisung befolgte, in das Herz und nicht auf die äußere Erscheinung zu blicken, und so erkannte er durch geistige Wahrnehmung, dass David der Richtige für den Thron war. David war als „tapferer Mann und ein Kriegsmann“ bekannt, „verständig in seinen Reden und schön, und der Herr [war] mit ihm“.
Aus geistiger Sicht sind wir alle von Gott erwählt, denn wir alle sind Seine Kinder. Und wir sind fähig, zu der Erkenntnis unserer vollen Größe als Kinder Gottes zu erwachen. Es ist inspirierend, dies als unser geistiges Erbe, unser wahres Sein, zu beanspruchen. Und sagte Jesus nicht zu seinen Jüngern (Matthäus 5:14): „Ihr seid das Licht der Welt“?
Warum sollten wir das bezweifeln? Unser Vater-Mutter-Gott liebt uns; er möchte das Allerbeste für Seine Kinder und stellt es bereit. Gottes unendlicher Plan für jede und jeden von uns ist wundervoll und gänzlich gut.
Wir lesen in Wissenschaft und Gesundheit ferner (S. 90): „Sich selbst zuzugestehen, dass der Mensch Gottes eigenes Gleichnis ist, macht den Menschen frei, die unendliche Idee zu erfassen.“ Wenn wir unsere eigene Gottähnlichkeit nicht akzeptieren und uns zugestehen, wie wollen wir sie dann in anderen erkennen? Wie wollen wir eine Transparenz für die göttliche Liebe sein, die in allen Fällen die Heilerin ist, wenn wir nicht uns selbst gegenüber zugeben, wer wir wirklich sind?
Wir mögen nicht vollständig verstehen, wer wir geistig sind, aber wir können es uns zugestehen. Die offene Tür des Denkens lässt die geistige Wirklichkeit des Menschen ein, heißt sie willkommen und nimmt sie uneingeschränkt an. Sie lässt zu, dass der wahre Mensch in unserem Denken anerkannt wird.
Das wiederum versetzt uns in die Lage, Christi Jesu Anweisung zu befolgen (Matthäus 7:12): „So wie ihr von den Menschen behandelt werden wollt, so behandelt ihr sie auch! Das ist das Gesetz und die Botschaft der Propheten.“ Was für eine wunderbare Regel für den Umgang mit anderen, denn sie erfordert nicht nur Freundlichkeit und Liebenswürdigkeit anderen gegenüber, sondern wir müssen diese anderen in ihrem wahren Licht als Kinder Gottes sehen. Unsere Mitmenschen anzuerkennen ist eine selbstlose Art zu leben, und sie spricht Bände über uns selbst.
Als Gottes eigenes Ebenbild ist der Mensch rein, sanft, intelligent und uneingeschränkt gut. Jeder Mensch ist kostbar, achtenswert und wird von Gott, der göttlichen Quelle, der wir alle entstammen, wertgeschätzt. Nicht Gottes Mensch wird verurteilt, sondern die falsche Vorstellung vom Menschen als sterblich. Die göttliche Liebe blickt allen ins Herz und erkennt ihre eigenen Ideen als geistig, unschuldig und fehlerfrei.
Ich hatte unlängst die Gelegenheit, Mrs. Eddys Haus in Swampscott, Massachusetts, zu besuchen, wo sie 1866 von schweren inneren Verletzungen geheilt wurde; diese Heilung hat zu ihrer Entdeckung der Christlichen Wissenschaft geführt. Ich empfand Demut bei diesem Besuch. Mir wurde klar, dass Mrs. Eddy etwas entdeckt – oder vielmehr aufgedeckt – hat, das seit Jesus niemand verstanden hatte, nämlich, dass der Mensch vollständig geistig ist. Wie David war Mrs. Eddy von Gott zu einem heiligen Zweck berufen worden, den sie später so beschrieben hat (Wissenschaft und Gesundheit, S. 107): „Gott hatte mich während vieler Jahre gnädig darauf vorbereitet, diese endgültige Offenbarung des absoluten göttlichen Prinzips des wissenschaftlichen mentalen Heilens zu empfangen.“
In ihrer Autobiografie Rückblick und Einblick schließt sie das Kapitel „Ehe und Elternschaft“ mit dieser tiefgründigen, wissenschaftlichen Wahrheitsaussage (S. 22): „Gott steht über allem. Er allein ist unser Ursprung, unser Ziel und unser Sein. Der wirkliche Mensch ist nicht aus Erde gemacht, noch wird er je durch das Fleisch erschaffen; denn sein Vater und seine Mutter sind der eine Geist, und seine Brüder sind allesamt Kinder des einen Elterngemüts, des ewigen Guten.“
Das Selbstloseste, das wir tun können, ist, unser Denken zu öffnen, eine sterbliche Vorstellung von uns (und anderen) aufzugeben und die Wahrheit unseres geistigen Selbst zuzugeben. Auf diese Weise wird unser Denken ständig und Schritt für Schritt darauf vorbereitet, zu akzeptieren und zu beweisen, wer wir als Gottes herrliche, geistige Nachkommen wirklich sind.
