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Original im Internet

Legasthenie geheilt

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 19. Oktober 2026


Jahre nach meinem Schulabschluss zeigte mir meine Mutter ein Blatt Papier, das sie die ganze Zeit aufbewahrt hatte, um sich an eine Heilung zu erinnern, die ich durch Gebet in der Christlichen Wissenschaft hatte.

Es war eine zerknitterte Mitteilung, in der meine Lehrerin der zweiten Klasse geschrieben hatte, ich sei ein fröhliches und gehorsames Kind, würde aber immer nur eine mittelmäßige Schülerin bleiben. Ich war beim Lesen die Langsamste der Klasse.

Auch im Laufe der Jahre blieb ich weiterhin die Langsamste. Ich hatte Schwierigkeiten, Wörter und Buchstaben zu erkennen, weil sie sich vor meinen Augen zu bewegen schienen. Besonders schlimm war es bei den kleinen Buchstaben b und d; die flippten ständig hin und her.

Ich hatte niemandem davon erzählt, weil mich niemand danach gefragt hatte, und ich wusste nicht, dass es den anderen Kindern nicht auch so ging. Ich dachte einfach, sie würden die Wörter schneller erkennen, bevor sich etwas an ihnen veränderte. Möglicherweise wussten die Lehrer damals noch nicht, dass man auf Legasthenie testen sollte. Alle, mich eingeschlossen, dachten einfach, ich sei „langsam“.

Mir war auch nicht bewusst gewesen, dass meine Eltern während der vierten und fünften Klasse gemeinsam mit einer Praktikerin der Christlichen Wissenschaft darüber gebetet hatten. In diesen Jahren unterstützten sie mich sehr – sie halfen mir immer dabei, meine Bücher und Unterlagen für die Hausaufgaben zusammenzustellen, und überprüften, ob ich auch wirklich alle Aufgaben erledigt hatte.

Dank ihrer Unterstützung erinnere ich mich nur daran, wie gerne ich zur Schule ging. Besonders viel Freude bereitete mir die Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft. Auch wenn ich nicht besonders gut darin war, laut vorzulesen, wenn ich darum gebeten wurde, konnte ich die Bibelstellen hervorragend auswendig lernen.

Obwohl ich es damals noch nicht wusste, war meine Sonntagsschullehrerin in der fünften Klasse auch die Praktikerin der Christlichen Wissenschaft, die mit meinen Eltern betete. An einem Sonntag sagte sie mir, dass das Thema der Bibellektion für die nächste Woche aus dem Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft „Gemüt“ sei. Sie ermutigte mich, mir jeden Morgen, wenn ich die Lektion las, zu sagen: „Weil Gott Gemüt ist, ist der Mensch intelligent!“

Ich wusste, was sie meinte. Ich hatte gelernt, dass Gemüt ein Synonym für Gott ist. Ich wusste, dass im ersten Kapitel des ersten Buches Mose (Verse 26 und 27) in der Bibel steht, dass Gott den Menschen, Mann und Frau, nach Seinem Bild und Gleichnis geschaffen hat. Wenn Gott also Gemüt ist, dann spiegeln wir alle in Wirklichkeit die göttliche Intelligenz wider. Ich wusste, dass meine Lehrerin mir dabei half zu erkennen, dass ich als Widerspiegelung des Gemüts von Natur aus intelligent war.

Jeden Tag der Woche hielt ich meine Bibel und Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy auf meinem Schoß – in denen Mama mir wie immer geholfen hatte, die Lektion zu stecken – und versuchte, einen Abschnitt der Lektion zu lesen. Wenn ich fertig war, betete ich leise: „Danke, Gott. Weil Du Gemüt bist, bin ich intelligent.“

In meiner Schulklasse gab es eine „Freie Lesezeit“, in der sich jede Schülerin und jeder Schüler ein beliebiges Buch aus der Bücherecke unseres Klassenzimmers aussuchen durfte. An der Wand hing eine große Tabelle mit unseren Namen und einer Zeile neben jedem Namen, in die wir für jedes gelesene Buch einen goldenen Stern kleben konnten. Zu diesem Zeitpunkt hatten die meisten Schülerinnen und Schüler schon viele Sterne. Ich hatte nur wenige.

An jenem Freitag zogen mich die bunten kleinen Bücher besonders an. Nachdem ich ein Buch fertiggelesen hatte, klebte ich einen Stern hin. Ich las ein weiteres und lernte ein neues Wort. Als ich gerade einen Stern für dieses Buch aufkleben wollte, rief mich meine Lehrerin an ihren Schreibtisch. Sie fragte mich, warum ich Sterne aufklebte. Mir war klar, dass sie hinterfragte, ob ich diese Bücher wirklich gelesen hatte. Aber das machte mir nichts aus. Ich erzählte ihr gerne, was ich gelesen hatte. Sie war sehr überrascht.

Im Frühjahr kam der Lehrer der Förderklasse für begabte Schüler der sechsten Klasse auf mich zu. Er sagte, er habe gehört, wie viele Bücher ich lese und wie gut ich bei allen Aufgaben und Tests abschneide. Er fragte mich, ob ich im kommenden Jahr gerne in seiner Klasse sein möchte, und ich stimmte zu.

Es dauerte eine Weile, bis mir auffiel, dass sich die Wörter und Buchstaben nicht mehr so bewegten wie früher. Es hat mir nie an Intelligenz oder Sehkraft gemangelt – ich hatte lediglich Schwierigkeiten, die Buchstaben und ihre Bedeutungen miteinander in Verbindung zu bringen. Als ich jedoch verstand und darauf vertraute, dass Gott uns alle vollkommen erschaffen hat, stillte dies meine Bedürfnisse und zeigte mir meine Fähigkeiten.

Ich bin dankbar, dass mich das Studium der Christlichen Wissenschaft gelehrt hat, „dass Gemüt Körper und Gehirn beherrscht“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 79). Ich habe die Schule abgeschlossen, mein Studium beendet und einen Master-Abschluss erworben – alles mit höchster Auszeichnung. Und immer noch liebe ich es zu lesen.

Chestnut Booth
Godfrey, Illinois, Vereinigte Staaten

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