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Original im Internet

Werden wir den Erwartungen nicht gerecht?

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 5. Oktober 2026


„Ich bin nicht gut genug.“ „Ich habe den Anschluss verloren.“ „Wieso bilde ich mir ein, das zu können?“ Es ist jedes Mal eine Versuchung, auf solche Zweifel zu hören und dann Zeit und Energie darauf zu verwenden, uns „in Ordnung“ zu bringen. Doch Zweifel dieser Art gründen sich in der Regel auf eine Prämisse unerreichbarer, immer wieder neuer Ideale oder künstlicher Standards. Sie ändern sich je nach Kultur, Vergleich und Umstand, wodurch es unmöglich ist, sie gleichbleibend zu erreichen. Und aufgrund dessen steht unsere Selbsteinschätzung auf wackeligen Füßen.

Wenn wir uns in dieser Beschreibung wiedererkennen, bietet uns die Christliche Wissenschaft etwas, das alles ändert. Sie definiert das „Selbst“ von einem ganz anderen Standpunkt, nämlich, jeden Menschen als Ausdruck Gottes zu betrachten. Wahre Identität wird somit nicht aus persönlichen Eigenschaften und Stärken, sondern aus Gott erlangt. Die Eigenschaften, die wir zum Ausdruck bringen, haben ihren Ursprung in Gott, Liebe, und spiegeln sich in unserer geistigen Individualität wider, die unveränderlich und ewig ist. Damit stellt sich die Frage, was es überhaupt bedeutet, den „Erwartungen nicht gerecht“ zu werden, denn es verdeutlicht, dass das, was wie Mangel oder Begrenzung erscheint, nicht die Wahrheit über unser Sein, sondern eine falsche Sichtweise davon ist.

Der Apostel Paulus schrieb in seinem zweiten Brief an die Christen in Korinth (2. Korinther 9:8): „Gott aber kann machen, dass alle Gnade unter euch so reichlich sei, dass ihr selbst in allen Dingen allezeit volle Genüge habt und außerdem reich seid zu jedem guten Werk.“ Mit anderen Worten kann Gott uns unter allen Umständen und in jeder Situation jede Gunst und jeden Segen verleihen, sodass wir vollständig eigenständig in Ihm sind, egal wie ein Bedarf aussehen mag. Das ist ein völlig anderer Ausgangspunkt für individuelles Wachstum. Sobald wir uns mit Problemen identifizieren, die in Ordnung gebracht werden müssen, wird alles kompliziert. Doch wenn wir mit Gott beginnen und verstehen, was dieser Ausgangspunkt darüber aussagt, wer wir sind, werden die Dinge klar. Wir gehen von Vollständigkeit aus und arbeiten darauf hin, diese Wahrheit in unserem Erleben entfaltet zu sehen.

Die Bibel berichtet von Gideon, einem einfachen Landwirt, der sich unzulänglich fühlt, als Gott ihn dazu aufruft, eine Armee gegen die Midianiter anzuführen, die seine Heimat überfallen haben (siehe Richter 6:11–16). Er ist überrascht, wenn der Engel des Herrn ihn einen streitbaren Helden nennt und ihm dann Gottes Botschaft übermittelt, auszuziehen und sein Volk zu retten. Er selbst sieht sich überhaupt nicht so. Vielmehr erklärt er, dass seine Familie arm ist und dass er der schwächste unter ihnen ist – der kleinste in seiner Gemeinschaft.

Das, was er von Gott hört, steht eindeutig im Gegensatz zu seiner eigenen Sichtweise von sich selbst, doch er beschließt, auf die göttliche Botschaft zu vertrauen. Sein wahres, geistiges Sein als ein starkes, fähiges Kind Gottes ist nichts, was er erreichen muss, sondern es ist bereits in ihm vorhanden und muss nur zum Ausdruck gebracht werden. Als er Gottes Versicherung entsprechend handelt, gerät das Heer der Midianiter in Verwirrung, und Gideons Volk wird gerettet (siehe Kapitel 7 und 8). Der Sieg entsteht nicht durch persönliche Wirksamkeit, sondern durch sein Vertrauen darauf, dass Gott es vermag.

Wenn wir in unserem Wissen von Gott wachsen, fragen wir uns nicht mehr: „Erreiche ich einen bestimmten menschlichen Standard“, sondern: „Was verstehe ich heute besser über Gott und mein wahres Selbst?“ Dieses ruhige Umdenken verändert, wie wir auf jede Forderung eingehen, und hilft uns, Charaktereigenschaften anzugehen, die einer Verbesserung bedürfen, ohne dass wir uns deshalb unzulänglich fühlen.

Wir können uns an das halten, was Jesus darüber gesagt hat, die Quelle seiner Fähigkeit Gott zuzuschreiben (Johannes 14:10): „Die Worte, die ich zu euch rede, die rede ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir wohnt, der tut die Werke.“ Und wie Jesu Erfahrung zeigte, geht es hier nicht einfach um ein Umdenken, das nur uns selbst betrifft, sondern es hat größere Implikationen. Dieselbe geistige Wahrheit, die ein begrenztes, persönliches Gefühl der Trennung von Gott berichtigt, gilt auch für unsere kollektive und globale Identität.

Was ist also, wenn ein Land, ein politisches System oder eine Gesellschaftsgruppe dem Standard nicht gerecht zu werden scheint? Wie können unsere Gebete hier Heilung bewirken? Statt Unzulänglichkeit als Tatsache zu akzeptieren, können wir von der geistigen Prämisse ausgehen, dass Gottes Schöpfung weder Mangel aufweist noch irgendeinem Standard nicht gerecht wird. Gebet ist kein Versuch, eine kaputte Wirklichkeit zu reparieren, sondern zielt darauf ab, klarer zu erkennen, was bereits geistig wahr ist, und zu vertrauen, dass diese klarere Sichtweise positive Auswirkungen hat. Die Heilung kollektiver Unzulänglichkeiten beginnt daher an derselben Stelle wie eine individuelle Heilung – damit, dass wir unser Verständnis von Gott vertiefen und den Menschen als den Ausdruck der Tatsache sehen, dass Gott alles zu tun vermag.

Paulus war sich seiner eigenen Unzulänglichkeiten bewusst, und doch erkannte er, dass er durch sie nicht wirklich definiert wurde. Er sah über solche Begrenzungen hinaus und erkannte, dass sein geistiges Selbst ausreichend war – stark, fähig und genügend in Christus, Wahrheit. Durch sein Vertrauen auf Gottes Gnade konnte er daher sagen (2. Korinther 12:10): „Darum bin ich guten Mutes in Schwachheiten, in Misshandlungen, in Nöten, in Verfolgungen, in Ängsten um Christi willen; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark.“

Gott zu vertrauen zeigt uns, dass „den Erwartungen nicht gerecht zu werden“ kein genauer Maßstab ist. Wenn wir in Liebe verankert sind, bewegen wir uns nicht in Richtung Zuversicht, sondern wir bringen sie hier und jetzt zum Ausdruck.

Larissa Snorek
Stellvertretende Chefredakteurin

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