Von meinem Sitzplatz ganz hinten konnte ich sehen, wie die Anwesenden den Gottesdienstraum betraten und sich setzten. Meine Zweigkirche Christi, Wissenschaftler, hat einen ziemlich großen Gottesdienstraum, und wir haben eine recht umfangreiche Gemeinde. Daher konnte ich Personen der verschiedensten Hintergründe, Ethnien usw. sehen. Allerdings hatten sie alle eines gemeinsam: Sie gehörten zur gleichen Altersgruppe. Wo waren die jüngeren Leute? Es schien, dass es niemanden aus der Generation der Millennials oder der Generation Z gab.
Mich hat immer ermutigt, dass Kirche im Glossar von Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (Mary Baker Eddy, S. 583) geistig unter anderem als „die Struktur der Wahrheit und der Liebe; alles, was auf dem göttlichen Prinzip beruht und von ihm ausgeht“ definiert wird. Und mir ist klar geworden, dass zu Struktur das Verb strukturieren gehört – etwas aktiv aufbauen. Wir können daraus schließen, dass die Struktur nicht gänzlich abgeschlossen ist, sondern aktiv immer weiter entsteht. Ich sehe diesen Teil der Definition daher als Anzeichen dafür, dass Kirche sich als geistige Idee ständig vergrößert, erweitert und entfaltet. In Gemüt, Gott, ist die Idee bereits und ewiglich vollständig, doch sie „erblüht“ in unserem individuellen und kollektiven Verständnis und Erleben, so wie eine Rosenknospe eine vollständige Idee ist, sich aber Blatt für Blatt entfalten muss, um ihre gesamte Schönheit und ihren Duft zu offenbaren.
Ich argumentierte, dass Kirche eine aktive Idee ist; sie ist eine der „richtigen Ideen“, die in der Antwort auf die Frage „Was ist der Mensch?“ in Wissenschaft und Gesundheit genannt wird (S. 475): „... die zusammengesetzte Idee Gottes, die alle richtigen Ideen einschließt ...“ Somit ist Kirche aus geistiger Sicht nicht etwas, das wir aufsuchen oder anstreben, denn sie ist bereits ein fester Bestandteil unseres Seins. Wir alle schließen die richtige Idee von Kirche in uns, genau wie wir jeweils Gott als Wahrheit, Liebe und Prinzip in unserer wahren Identität als „das geistige Bild und Gleichnis Gottes; die vollständige Darstellung des Gemüts“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 591) widerspiegeln.
Ich dachte an die Schülerinnen und Schüler in der Sonntagsschule an jenem Morgen. Da die Sonntagsschule unten in unserem Gebäude ist, sehen wir die Schülerinnen und Schüler oft erst nach dem Gottesdienst, doch am letzten Sonntag im Monat singen sie immer das letzte Lied mit uns. Es ist jedes Mal solch eine Freude, diese lebhaften Kinder zu sehen, und wir sind uns bewusst, dass sie ein aktiver Teil unserer Kirche sind. Doch ich fragte mich, ob sie an den Gottesdiensten teilnehmen werden, wenn sie die Sonntagsschule im Alter von zwanzig Jahren verlassen. Werden wir in einigen Jahren mehr Personen aus der jüngeren Generation im Gottesdienst haben?
Ich erkannte, dass beständiges Gebet für unsere Sonntagsschulen als unverzichtbarer Bestandteil der geistigen Idee von Kirche vonnöten ist, um zu helfen, diese Erwartung zu erfüllen – nicht nur in der Zukunft, sondern auch heute. Jede Schülerin und jeder Schüler, angefangen bei den Jüngsten, stellt diese zusammengesetzte Idee, den Menschen, dar. Sie alle schließen bereits das richtige Verständnis von Kirche in ihrer Identität als Gottes Bild und Gleichnis in sich. Und es ist richtig zu erwarten, dass dieses Verständnis im Leben einer und eines jeden von ihnen unabhängig von ihrem Alter sichtbar wird. Wir alle, mit welcher Generation wir menschlich auch assoziiert werden, sind ewig – alterslos – als die geistige Idee Gottes, und somit ist die Liebe zur Kirche nicht mit einer Altersgruppe verbunden.
Ich dachte weiter über dieses Konzept nach und bekräftigte aktiv die geistige Tatsache, dass die wahre Kirche mit alterslosen Ideen Gottes angefüllt sein muss, da sie eine ewige Struktur ist und keine materielle Organisation.
Es trifft zwar zu, dass wir uns nicht auf ein Alter versteifen oder vom Alter davon abhalten lassen dürfen, die Beiträge jeder Person anzuerkennen, doch es ist natürlich für uns, die Fülle von Gottes Schöpfung zu erkennen, die sich darin zeigt, dass die verschiedenen Generationen freudig in der Kirche mitarbeiten. Der zweite Teil der Definition von Kirche im Glossar ist: „... diejenige Institution, die den Beweis ihrer Nützlichkeit erbringt und die die Menschheit erhebt, das schlafende Verständnis aus materiellen Annahmen zum Erfassen geistiger Ideen und zur Demonstration der göttlichen Wissenschaft erweckt und dadurch Teufel oder Irrtum austreibt und die Kranken heilt.“ Es leuchtet ein, dass die Mitarbeit in der Kirche Zeit und Talent von uns allen erfordert, niemanden ausschließt und Inklusion mit sich bringt, weil alle wertgeschätzt werden. Und sie erfordert eine fortschrittliche Einstellung und keine liebevolle Nostalgie.
Unsere Vision der Kirche erfordert die Erkenntnis, dass das Himmelreich hier und jetzt vorhanden ist, wie Jesus es gelehrt hat, während wir gleichzeitig erwartungsvoll nach all dem Guten Ausschau halten, das die wahre Vorstellung von dem zum Ausdruck bringt, was Kirche für unser Umfeld und die Welt tun kann.
Und so bekräftigte ich während des gesamten Gottesdienstes, dass die Kirche bereits alle Qualitäten von Leben, Gott, widerspiegelt, also auch alle, die mit der Jugend assoziiert sind, wie Elan, Lebendigkeit, Freude, Frische, Inspiration, Kraft, Stärke, Fortschritt, Fortdauer und Erneuerung. Diese Qualitäten haben nichts mit Alter zu tun, sondern repräsentieren ausschließlich Leben, Gott. Sie sind ewig, todlos und können durch falsche Gradmesser wie Zeit nicht begrenzt werden.
An jenem Morgen machte ich mir die geistige Tatsache zu eigen, dass Frische und Inspiration bereits ein aktiver Teil von Kirche und daher der Kirchenorgane sind, und dieses Wissen änderte meine Sichtweise vollständig. Wann immer Abnahme und Mangel vorhanden zu sein scheinen, können wir unsere Perspektive so ändern, dass wir die geistige Tatsache akzeptieren – und sogar darauf beharren –, dass Kirche als die Struktur der Wahrheit und der Liebe aufgrund des ewigen Auftrags des Gemüts (siehe Wissenschaft und Gesundheit, S. 520) eine zeitlose und beständige Erweiterung in Form von geistigem Wachstum in sich schließt.
