Skip to main content
Original im Internet

Ich bin gut genug, um geheilt zu werden!

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 2. August 2019


Wenn mein Gebet früher nicht schnell zu Heilung führte, hatte ich oft ziemlich zu kämpfen. Manchmal war ich frustriert und entmutigt, ja sogar irritiert. Nicht, dass ich die Christliche Wissenschaft anzweifelte, doch ich wollte geistige Lösungen für meine Probleme mit Hilfe der Christlichen Wissenschaft noch verlässlicher entdecken – verstehen, wie meine Gebete wirksamere Ergebnisse erbringen könnten.

Eine Heilung in meinem ersten Job bescherte mir einige Antworten. Das Geld war knapp, daher war ich glücklich, als ich eine Beförderung bekam mit dem Versprechen einer Gehaltserhöhung! Mit jeder Gehaltsabrechnung erwartete ich den höheren Betrag, doch Wochen vergingen, ohne dass etwas geschah. Meine erste Freude verwandelte sich in nervöse Ungeduld und Kritik – gesprenkelt mit viel Gebet.

Ich fragte die Assistentin meines Chefs danach, und sie antwortete: „Er sagt, er hat noch keine Zeit gefunden, um deine Unterlagen auszufüllen“, und flüsterte dann, dass er seine eigene Beförderung samt Gehaltserhöhung bereits in die Wege geleitet hatte.

Je länger ich warten musste, desto mehr Fragen hatte ich. Eine davon war: „Was mache ich falsch?“ Ich hatte ernsthaft gebetet in dem Wissen, so dachte ich, dass Gott und nicht ein Mensch – in diesem Fall mein Arbeitgeber – mein Leben regierte. Ich erwartete, dass diese Gebete die Gehaltserhöhung hervorbringen würden. Ungefähr zur selben Zeit hatten meine Frau und ich (unabhängig von dieser Sache) beschlossen, irgendwann umzuziehen – also würde ich in absehbarer Zukunft meine Kündigung einreichen. Ich fragte mich, ob die Gehaltserhöhung vor dem Umzug überhaupt noch in Kraft treten würde.

Eines Tages bat ich Gott in der Mittagspause um Antworten. Ich weiß noch, wie mir der Gedanke kam: „Hier stimmt etwas nicht! Ich halte zwei entgegengesetzte Situationen für wahr. Ich bete, dass Gott mich regiert, und doch bin ich überzeugt, dass mein Chef eine Zusage nicht einhält. Es kann entweder das eine oder das andere wahr sein, nicht beides. Welches ist es? Werde ich von Gott oder einem fehlerhaften Menschen regiert?“

Diese Erkenntnis – dass ich geglaubt hatte, zwei gegensätzliche Sichtweisen stimmten beide – schockierte mich. Ich war baff, dass ich mich die ganze Zeit selbst getäuscht hatte. Ich wusste, dass ich mich jetzt sofort entscheiden musste, was stimmte und was nicht.

Also prüfte ich mein Verständnis von Gott und der Christlichen Wissenschaft. Wusste ich sicher, dass Gott mich regierte? Jetzt in diesem Moment? Oder hatte ich nur gebetet, um Gott zum Einschreiten zu bewegen? Innerhalb von Augenblicken war mir klar, dass meine geistige Identität als Gottes Idee, wie es in der Christlichen Wissenschaft gelehrt wird, die einzige Wirklichkeit ist. Ich erkannte augenblicklich besser, dass die unharmonische Situation bei meiner Arbeit nicht legitim war, nicht wirklich, denn sie hatte nichts mit Gott und Seiner Schöpfung zu tun.

Zum ersten Mal seit Monaten empfand ich Frieden und Gelassenheit – ein Gefühl von Gottes Nähe und Fürsorge und die Überzeugung, dass daran nicht zu rütteln war. Und damit verschwand das vorher so dringliche Problem aus meinem Denken.

Zurück blieben Frieden und das Vertrauen, dass allein Gott herrscht. Nach einer Woche erhöhte mein Arbeitgeber das Gehalt – und legte sogar etwas drauf, um die Verspätung wettzumachen.

Seitdem denke ich immer wieder über diese Heilung nach. Es waren Monate augenscheinlich nicht erhörter Gebete und verletzter Gefühle vergangen, gefolgt von einem plötzlichen geistigen Erwachen in der Mittagspause – und Heilung! Ich wusste, dass ich manches zu lernen hatte. Ich wollte diese Augenblicke des Heilens, wo ich die geistige Wahrheit spürte und erkannte, schneller und mit weniger Angst und dafür mehr Freude erlangen.

Jahre später kamen mir neue Erkenntnisse so klar wie damals in der Mittagspause. Ich studierte dabei eine bereits vertraute Anweisung im Kapitel über die Praxis der Christlichen Wissenschaft in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy. „Vergegenwärtige dir die Gegenwart der Gesundheit und die Tatsache des harmonischen Seins, bis der Körper den normalen Zuständen von Gesundheit und Harmonie entspricht“ (S. 412).

Zwei Worte fielen mir hier besonders ins Auge: vergegenwärtige und bis. Ich dachte: „Vergegenwärtige dir die Wahrheit, bis du geheilt bist.“ Oder bis jemand, für den du betest, geheilt ist.

An diesem Tag wurden mir drei Dinge klar – wichtige Antworten auf Fragen, mit denen ich lange gerungen hatte.

Erstens und vor allem die Engelsbotschaft, dass ich fähig war, dieser Anweisung zu folgen. Sie sagte mir: „Du hast die geistige Fähigkeit, die Heilung bringende göttliche Wahrheit zu erkennen und zu verstehen.“ Ich wusste, dass die Wahrheit in diesem Kontext die Wahrheit des geistigen Daseins ist, dass wir alle von Gott, der Wahrheit ist, erschaffen und regiert sind. Für mich implizierte das Wort bis, dass Mrs. Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, wusste, dass ich und jeder Leser von Wissenschaft und Gesundheit möglicherweise noch Heilung anstrebte. Mit anderen Worten, sie stellte diese Anweisung bereit, weil ihr klar war, dass jemand „den normalen Zuständen von Gesundheit und Harmonie“ vielleicht noch nicht entspricht. Doch selbst wenn ich noch mit einem Problem zu kämpfen habe, fühlte ich mich aufgefordert – und erkannte, dass sie von mir erwartete –, fähig zu sein, mir die Wahrheit des Seins zu vergegenwärtigen. Und das galt nicht nur für mich.

Wow! Das traf ins Schwarze. Mrs. Eddy musste überzeugt gewesen sein, dass wir das erfüllen können, wenn sie uns das sagte. Das reichte mir; aus ihren Schriften und von vorherigen Heilungserfahrungen wusste ich genug, um ihren Anweisungen zu vertrauen.

Vorher hatte ich Probleme irrigerweise als Hinweis darauf betrachtet, dass es mir grundsätzlich und unabänderlich an dem notwendigen geistigen Verständnis mangelte, um geheilt zu werden. Jetzt begriff ich, dass das nicht stimmte und dass ich stattdessen immer die Gelegenheit und die Fähigkeit hatte, in meiner Erkenntnis und meinem Verständnis zu wachsen, bis ich Heilung fand. Ich war sehr erleichtert und jubelte innerlich vor Freude, augenblicklich befreit von der jahrelangen Befürchtung, ich sei unwürdig und unzulänglich. Mir fiel ein großer Stein vom Herzen.

Zweitens ist mir klar geworden, dass es während der ernsthaften Arbeit an Heilung möglich ist, fröhlich, dankbar und erwartungsvoll zu sein, statt gereizt und empfindlich. Eine Definition von vergegenwärtigen ist „sich etwas klarmachen, deutlich ins Bewusstsein rufen“. Diese Vergeistigung des Denkens, die Heilung bringt, schließt eindeutig Gefühle wie geistige Ehrfurcht, Inspiration, Zuversicht und Frieden ein.

Wenn wir Gottes Liebe und Kontrolle bestätigen, uns für Seine Güte öffnen und die Behauptungen des materiellen Sinnes als falsch zurückweisen, ist es völlig natürlich, zufriedener und weniger frustriert über ein Problem zu sein. „Sich vergegenwärtigen, bis“ heißt für mich, dass wir die Wahrheit, die Realität von dem, was wirklich vor sich geht, täglich besser erkennen. Sorge, Zweifel, Befürchtungen und Irritation fallen zunehmend von unserem geistig erleuchteten Bewusstsein ab, wenn wir immer besser verstehen, dass Gottes Güte die Wirklichkeit ist. Wir können Gutes erwarten – und Hoffnung und Zuversicht –, und wenn wir dies tun, werden wir vollständig geheilt. Ich habe gelernt, dass mehr Zeit oder auch mehr Leiden nicht bewirkt, dass wir eher bereit für Heilung sind oder sie eher verdienen. Gott stellt uns allen jetzt Gesundheit und Erlösung bereit, doch wir müssen uns im Denken dafür öffnen und sie akzeptieren.

Und wir können alles überwinden, was unseren Fortschritt aufzuhalten scheint, darunter Furcht, irriges Verhalten und alle Konzepte, die uns von Geist, Gott, trennen. Wenn wir unsere natürliche geistige Reinheit und Heiligkeit erkennen, passiert es eher.

Drittens können wir uns sicher sein, dass Heilung, ob schnell oder langsam, sicher und unvermeidlich ist. Das Wort bis zeigt uns, dass die Fülle dieser Erkenntnis immer von Früchten begleitet ist. Und wie bei den meisten Dingen muss man beim Vergegenwärtigen und Heilen Durchhaltevermögen zeigen. Je konsequenter wir durchhalten, desto mehr Fortschritt können wir erwarten.

Bei der oben erwähnten Erfahrung mit meinem Arbeitgeber verfolgte ich über Monate keine gerade Linie, sondern ging mal der geistigen Wahrheit nach und ließ mich dann wieder vom Zeugnis der materiellen Sinne ablenken und frustrieren, das der Wahrheit zu widersprechen schien. Doch als ich mich schließlich ehrlich fragte: „Was ist wirklich wahr?“ – und an dieser Wahrheit festhielt –, erlangte ich meine Freiheit sehr schnell.

Heilung ist unvermeidlich, weil die göttliche Wahrheit wahr ist; Wahrheit besiegt jede Lüge. Wenn wir lernen, bei unserer Vergegenwärtigung der geistigen Wahrheitsgedanken konsequenter zu sein und fröhlich durchzuhalten, wächst unsere Überzeugung von der heilenden Macht der Wahrheit wie auch unsere Fähigkeit, sie zu demonstrieren.

Viele Menschen, die die Christliche Wissenschaft studieren, sind mit diesem Satz aus der Bibel vertraut: „[Ihr] werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“ Ich habe diesen Satz jahrelang als „wenn-dann“ verstanden: Wenn du die Wahrheit erkennen kannst, dann wird sie dich heilen. Das führte mich oft zu der Frage: „Aber was ist, wenn ich die Wahrheit nicht erkennen kann?“

Doch die Bibelstelle sagt in Wirklichkeit viel mehr aus. Es ist wichtig, die gesamte Anweisung Christi Jesu zu betrachten: „Da sprach nun Jesus zu den Juden, die an ihn geglaubt hatten: ‚Wenn ihr in meinem Wort bleibt, seid ihr wahrhaftig meine Jünger und werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen‘“ (Johannes 8:31, 32). Das „Wenn“ bezieht sich auf die Frage, ob wir uns dafür entschieden haben, in Jesu Wort zu bleiben. Und alle, die ernstlich bestrebt sind, die Lehren der Wissenschaft des Christus zu leben, und an diese Lehren glauben, haben bereits beschlossen, in seinem Wort zu bleiben. Jesus verspricht uns somit, dass wir die Wahrheit wissen werden und dass sie uns frei machen wird.

Wir alle sind frei, uns stündlich und täglich im Bewusstsein unserer geistigen Identität als die geliebten, gesunden Kinder Gottes zu erfreuen. Wir sind alle frei, uns weiterhin Gottes Liebe zu uns zu vergegenwärtigen in dem Wissen, dass wir Gottes Segnungen erleben werden, wenn wir dies tun.

Dazu sind alle qualifiziert. Wir sind alle „gut genug“ und fähig, uns an Gott zu wenden und Heilung zu erlangen.

Weitere Artikel im Web

  

Die Mission des Herold

Der Herold ermutigt jeden von uns, das geistig Gute zu entdecken — den geistigen Sinn zu betätigen. Wir sehen damit klarer die geistigen Tatsachen unserer Beziehung zu Gott und entdecken gleichermaßen auch Gelegenheiten, sie der Welt zu verkünden und anzuwenden: mit anderen Worten, die Aufgabe des Herolds zu erfüllen.

Michael Pabst, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Februar 1997 

Nähere Informationen über den Herold und seine Mission.