Die meisten von uns betrachten eine geschlossene Tür als ein Ende. Sie kann uns wie eine Ablehnung, Begrenzung oder verlorene Chance erscheinen. Wir ergreifen instinktiv die Klinke in der Hoffnung, dass wir damit die Tür irgendwie wieder öffnen können.
Doch Christus Jesus hat gelehrt, dass beim Beten der erste Schritt nicht das Öffnen, sondern das Schließen einer Tür ist. Er sagte (Matthäus 6:6): „Wenn du betest, geh in dein Zimmer und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater im Verborgenen; und dein Vater, der ins Verborgene sieht, wird dich öffentlich belohnen.“ Welche Tür sollen wir hier zumachen?
Sicherlich nicht die Tür zu Gott. Die göttliche Liebe ist nie abwesend, und es wäre nie möglich, uns aus Gottes Gegenwart auszuschließen. Vielmehr fordert Jesus uns auf, die Tür zum Lärm des materiellen Sinnes, zu den unaufhörlichen Stimmen der Angst, der Ablenkung, des Eigenwillens, der allgemeinen Meinung und der besorgten Argumentierung zu schließen. Er legt uns nahe, der Behauptung der Welt den Rücken zu kehren, alles, was die körperlichen Sinne uns mitteilen, sei wirklich.
Jede Heilung beginnt mit dieser still getroffenen Entscheidung.
Schließen Sie die Tür – vor den Nachrichten, die melden, das Böse sei unvermeidlich, vor dem Körper, der unbedingt das letzte Wort haben will, vor Entmutigung, die flüstert, dass sich nie etwas ändert. Und dann geschieht etwas Bemerkenswertes. Das, was wie ein geschlossener Raum aussieht, wird zu einer offenen Welt. Christus drückt es in der Offenbarung des Johannes so aus (3:8): „Sieh, ich habe vor dir eine offene Tür gegeben, und niemand kann sie zuschließen.“
Lied Nr. 64 im Liederbuch der Christlichen Wissenschaft lädt uns ein, durch diese Tür zu treten. Die zweite Strophe lautet:
Ich komm’ zum offnen Tore des Gemütes
und weiß, hier, wo ich steh’, ist heil’ger Grund;
ich fühle, alles atmet Freude, Ruhe;
die Lieblichkeit der Liebe tut sich kund.
(Violet Hay, Orig. und Übers. © CSBD)
Das Zimmer, auf das Jesus sich bezieht, ist kein in sich geschlossener Raum, sondern eine Offenbarung. Die Tür zum göttlichen Gemüt, Gott, ist die Tür des Lebens. Sie ist nie verschlossen, nie drängen sich andere davor, nie hängt ein Schild dran: „Bitte später wiederkommen.“ An ihrer Schwelle betteln wir nicht um Gottes Aufmerksamkeit, sondern werden Seiner immer gegenwärtigen Regierung gewahr. Dort entdecken wir das, was wir seit eh und je sind: Gottes unsterbliche, geistige Idee, ewiglich von Ihm geliebt und aufrechterhalten.
Diese Entdeckung ändert unser Verständnis von dem, was Gebet ist. Es ist nicht länger ein verzweifelter Versuch, Angst und Schmerzen zu besiegen, sondern die stille Rückkehr zu dem, was schon immer wahr war: die sehr gute Schöpfung, die Gott erschaffen hat und in alle Ewigkeit bewahrt.
Gebet ist kein Versuch, Gott dazu zu bewegen, etwas zu tun, sondern die Stille, in der wir das erkennen, was Gemüt bereits weiß. Wir geben nicht Gott unseren Plan, sondern vertrauen uns Seiner Weisheit an.
Jesus, der den Christus, Gottes ewige heilende Gegenwart, vollumfänglich zum Ausdruck gebracht hat, betete und lebte auf diese Art und Weise. Der verschlossene Zugang zu seinem Grab konnte den Zugang zum Leben nicht verschließen. Die Auferstehung bewies, dass kein Stein uns einsperren kann, und kein Grab kann uns von etwas abhalten.
Der Lärm des materiellen Sinnes vergeht, und was bleibt, ist das, was schon immer da war.
Jeder Tag bietet uns diese Wahl. Wir können die Tür des materiellen Sinnes offenlassen, sodass Angst und die mit ihr einhergehenden Prognosen uneingeladen Zutritt erlangen, oder wir können sie verschließen und durch die offene Tür des Gemüts treten, so wie Jesus dies bei seiner Auferstehung tat. Die erste führt zu einer Reaktion, die zweite zu einer Offenbarung.
Vielleicht ist das der Grund, warum Jesus uns sagte, wir sollen beim Beten als Erstes die Tür schließen. Das ist nicht das Ende, sondern der Anfang von Freiheit. Wenn wir die Tür zum sterblichen Glauben geschlossen haben, können wir die Tür sehen, die sich nie schließt – das offene Tor des Gemüts, wo sich die Lieblichkeit der Liebe kundtut.
Und da Christus sie geöffnet hat, kann niemand sie schließen.
Keith Wommack
Mitglied des Vorstands der Christlichen Wissenschaft
