Mein Vater, meine Onkel und mein Großvater hatten alle eine Universität der Ivy League in den Vereinigten Staaten besucht und erwarteten, dass ich das ebenfalls tun würde. Ja, als Kleinkind hatte ich sogar ein Lätzchen mit den Insignien dieser Uni. Meine ganze Kindheit hindurch hieß es immer wieder, dass ich zu den Absolventen der Ivy League gehören würde. Doch am Ende reichten meine Abschlussnoten in der Schule nicht aus, um angenommen zu werden, und ich war am Boden zerstört. Natürlich waren meine Eltern enttäuscht, und es nagte an mir, ihre Erwartungen nicht erfüllt zu haben.
Ich studierte an einem anderen College, doch mir war alles egal; ich war oft betrunken, nahm Drogen, musste mehrere Seminare wiederholen und schaffte am Ende nur mit Mühe und Not den Abschluss. Anschließend konnte ich keine Arbeitsstelle finden, und so zog ich zurück zu meinen Eltern. Ich empfand weiterhin ein lähmendes Gefühl des Bedauerns, dass ich das Ziel, zur Ivy League zu gehören, nicht erreicht hatte.
Inmitten dieser Verzweiflung begann ich, wieder die Christliche Wissenschaft zu studieren, nachdem ich mich auf dem College von ihr abgewandt hatte. Nun erfuhr ich, dass das Bedauern, das ich so lange empfunden hatte, geheilt werden konnte. Was für eine wundervolle Entdeckung!
Ich fand es in meinen Gebeten hilfreich zu verstehen, dass es in Wirklichkeit nur das Jetzt gibt. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, schreibt (Die Erste Kirche Christi, Wissenschaftler, und Verschiedenes, S. 12): „Uns gehört keine Vergangenheit und keine Zukunft; wir besitzen nur das Jetzt.“ Und sie sagt uns in Rückblick und Einblick (S. 21): „Es ist gut zu wissen, lieber Leser, dass unsere materielle, sterbliche Geschichte nur ein Bericht über Träume ist, nicht über das wirkliche Sein des Menschen; und für den Traum ist kein Platz in der Wissenschaft des Seins.“ Wir lesen im Prediger in der Bibel (3:15): „Was geschieht, das ist früher schon geschehen, und was geschehen wird, ist auch früher schon geschehen; und Gott sucht wieder auf, was vergangen ist.“
Außerdem half mir diese Stelle aus den Erinnerungen von Martha Wilcox, einer Mitarbeiterin in Mrs. Eddys Haushalt (Wir kannten Mary Baker Eddy, S. 125): „[Mrs. Eddy] machte mir klar, dass mein Begriff von einer Person mental ist – ein mentales Bild, das in meinem sogenannten sterblichen Gemüt entsteht und niemals außerhalb meines Gemüts oder getrennt davon ist.“ Das hieß für mich, dass eine unangenehme Erfahrung in unserer Vergangenheit nie eine Macht ist, die außerhalb unseres Denkens existiert oder von ihm getrennt ist; sie ist eine falsche, aggressive Suggestion, mit der man in der Gegenwart fertigwerden kann. Wir können diese Suggestionen immer berichtigen, indem wir unsere Sichtweise ändern, ob es um eine Person, ein Erlebnis oder uns selbst geht.
Ich fing an zu verstehen, dass wir uns als Gottes geistige Nachkommen weigern können, den Glauben an eine sterbliche Vergangenheit zu akzeptieren; wir haben die Freiheit, ausschließlich unsere Gegenwart zu behaupten: die Wirklichkeit von Gott, Geist, und Seinem geistigen Universum. Wir können jedes Kind Gottes (uns eingeschlossen) lieben und dankbar für Gottes geistiges Universum und die harmonischen Beziehungen zwischen Seinen Nachkommen sein, denn alle sind nach Seinem Bild und Gleichnis erschaffen. Und wir können eine positive Lösung jedes Problems erwarten.
Kurz nachdem ich mein Studium der Christlichen Wissenschaft wiederaufgenommen hatte, luden mich meine Eltern zu einer Party ein, wo mir ein Mann vorschlug, ehrenamtlich in einer Schule in Haiti mitzuarbeiten. Das tat ich und verbrachte ein wundervolles Jahr dort. Anschließend bewarb ich mich an einer Uni der Ivy League für ein weiterführendes Studium. Erst erschien mir dieses Vorhaben als aussichtslos angesichts meiner mangelhaften akademischen Leistungen, doch ich wurde als Gasthörer angenommen.
Eines Tages las ich während der Mittagspause im Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, von Mary Baker Eddy. Dann kehrte ich sehr inspiriert zum Campus zurück, wo ich der Leiterin des Immatrikulationsamts begegnete. Ihr fiel meine inspirierte Stimmung auf, und sie sagte: „Ich werde Sie in einen Studiengang aufnehmen.“
All mein Bedauern, dass es mir nicht früher gelungen war, an der Ivy League zu studieren, hatte sich aufgelöst, und ich war dankbar zu erkennen, dass Gott die ganze Zeit für mich gesorgt hatte. Durch mein Verständnis, dass ich zur Schöpfung Gottes, des einen unendlichen Gemüts, gehöre und nur Ihn widerspiegele, konnte ich ausgezeichnete Leistungen erbringen und meinen Abschluss an dieser Universität machen.
Welche Form ein Bedauern auch annehmen mag, wir können es heilen, indem wir begreifen, dass es nur das Jetzt gibt, und uns vorbehaltlos an Gott wenden und Seiner Führung und Fürsorge vertrauen.
