Die Wellen waren riesig. Ich war mit meiner Familie auf der Insel Kauai in Hawaii auf einer 28 km langen Kajaktour im Ozean. Einige Monate zuvor hatte meine Tochter die gleiche Tour gemacht, als das Meer so ruhig war wie das friedliche Wasser eines Sees. Doch an jenem Tag blies der Wind so scharf, dass der Wellengang sehr eindrucksvoll, ja geradezu furchterregend war. Einige der Kajaks unserer Gruppe waren sogar schon gekentert und es war schwierig, wieder einzusteigen.
Noch nie in meinem Leben habe ich mit solchem Nachdruck und so ausdauernd gebetet. Beim Paddeln erklärte ich einerseits die Allgegenwart Gottes, andererseits war ich voller Dankbarkeit und Bewunderung für die Macht der Wellen, die überwältigende Aussicht auf die Küste und auch für die Tiere, die unseren Weg kreuzten.
Folgende Bibelstelle hatte ich ständig im Bewusstsein: „Wohin soll ich gehen vor deinem Geist, und wohin soll ich fliehen vor deinem Angesicht? Stiege ich zum Himmel hinauf, bist du da. Bettete ich mich ins Totenreich, sieh, auch dort bist du. Nähme ich Flügel der Morgenröte und bliebe am äußersten Meer, dann würde mich doch deine Hand dort führen und deine Rechte mich halten.“ (Psalm 139:7-10) Das hat sich mir nie deutlicher bewiesen als auf den ersten 20 Kilometern unseres Ausflugs.
Nein, der Wind ließ nicht nach, doch er drehte auf die Richtung, in der wir unterwegs waren. Manchmal schien es, als ob eine unsichtbare Hand unsere Kajaks mit aller Kraft unserem Ziel buchstäblich entgegenschob, sodass wir unsere Tour sicher beendeten, und das sogar zwei Stunden früher als geplant! Die letzten acht Kilometer unserer Tour waren ruhig und wir konnten uns des Anblicks von Delfinen und Wasserschildkröten, die um uns herum schwammen, erfreuen.
Wenn ich bete wie an diesem Tag, denke ich oft an Mary Baker Eddys Definition von Gott. Sie schreibt: „Gott. Der große Ich bin; der All-Wissende, All-Sehende, All-Wirkende, All-Weise, All-Liebende und Ewige; Prinzip; Gemüt“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 587). Ferner erklärt sie, dass Gemüt, dessen Symbol die Kugel ist, die Quelle aller Bewegung ist und dass nichts das unaufhörliche und harmonische Wirken von Gemüt aufhalten kann. (Siehe Wissenschaft und Gesundheit, S. 240, 283.)
Gottes Gesetz, das Gesetz der Liebe, befreit uns von jeder Begrenzung und jedem unharmonischen Zustand, sogar von Sünde und Krankheit.
Ich stelle mir immer vor, dass diese göttliche Kugel sich unablässig dreht und uns dabei ständig die geistige und vollkommene Schöpfung Gottes offenbart. Diese Schöpfung ist für uns hier und jetzt sichtbar und wird regiert vom göttlichen Prinzip, dem einen und einzigen Gesetzgeber, dessen Gesetze gut, weise, intelligent, gerecht und harmonisch und zudem die einzigen Gesetze sind, die jeden Aspekt unseres Lebens regieren.
Wenn wir uns dieser geistigen Schöpfung wie auch unseres Platzes darin bewusst sind, ist es leichter, die sogenannten materiellen Gesetze anzuzweifeln, die das sterbliche Gemüt (die Bibel nennt es im Römerbrief 8:7 „die Gesinnung des Fleisches“) uns ständig auferlegen will. Diese Gesetze behaupten genau das Gegenteil der geistigen Schöpfung: nämlich dass wir nicht unter der liebevollen Herrschaft Gottes stünden, dass wir Opfer körperlicher oder umweltbedingter Kräfte außerhalb Seiner Herrschaft oder unsere Leistungen durch wirtschaftliche oder soziale Kräfte wie Alter, Geschlecht oder ethnische Herkunft eingeschränkt seien. Doch Gottes Gesetz, das Gesetz der Liebe, befreit uns von jeder Begrenzung und jedem unharmonischen Zustand, sogar von Sünde und Krankheit.
Die Bibelstelle „Seid still und erkennt, dass ich Gott bin“ (Psalm 46:11) war mir immer hilfreich, wenn ich mit allerlei Herausforderungen zu tun hatte. Die Aufforderung teilt sich für mich in zwei gleich wichtige Punkte auf.
Der erste, „Seid still“, legt nahe, ruhig zu bleiben und nicht weiter darüber zu spekulieren, was geschehen wird. Ich gebe zu, dass das manchmal schwierig ist, doch wenn wir Gottes Wesen auch nur ein wenig verstehen, können wir darauf vertrauen, dass Er uns helfen kann und wird.
Eine geistige Stille zu bewahren und felsenfesten Glauben in das göttliche Gemüt zu haben ist aktives Gebet.
Die Forderung „Seid still“ heißt indes nicht, dass wir nichts tun sollen. Eine geistige Stille zu bewahren und felsenfesten Glauben an das göttliche Gemüt zu haben ist aktives Gebet.
Der zweite Teil dieser Passage in dem Psalm, „erkennt, dass ich Gott bin“, drängt uns dazu, mit Überzeugung anzuerkennen, dass Gott das Gute, die einzige Gegenwart und Macht, das einzige Gemüt, der einzige Gesetzgeber ist und dass Irrtum oder Böses, egal wie eindrucksvoll es erscheint, keine Macht hat. Wenn wir verstehen, dass Irrtum, sei es Furcht, Schmerz, Depression, Krankheit, einfach ein falscher Glaube ist, können wir diesen Glauben berichtigen und ihn durch die Wahrheit über Gott und den wirklichen, geistigen Menschen ersetzen. Dann verschwindet die Furcht und Probleme werden gelöst. Wir erfahren geistige Erneuerung, wir sind geheilt.
Eines Tages, als ich mich für den Weg zur Arbeit fertigmachte, bemerkte ich, dass ich einen kleinen Knoten im Unterleib hatte. Ich begann sofort zu beten, mit meinen Gedanken still zu sein und über die geistigen Qualitäten nachzudenken, die ich als Kind Gottes ausdrücke.
An jenem Tag musste ich im Büro per Telefon ein Interview für ein Radioprogramm des spanischen Herold der Christlichen Wissenschaft aufzeichnen. Eine Frau erzählte darin über eine Heilung ihrer Enkeltochter, als diese erst ein paar Monate alt war.
Ihre Tochter hatte sie angerufen und berichtet, dass das Baby einen Knoten in der Brust habe und es dem Arzt zufolge operiert werden müsse. Diese Frau hatte die Furcht der Tochter so liebevoll angesprochen und ihr geholfen zu verstehen, dass das Baby rein und unschuldig ist und dass es deshalb nicht leiden konnte; dass das Baby heil ist, weil es das Bild und Gleichnis Gottes ist, und dass Gott Seinen Kindern niemals etwas Böses oder eine Krankheit schickt. Die Frau erklärte diese Wahrheiten mit solcher Überzeugung und Intensität, dass ich schmunzeln musste und Gott dankte, denn sie hatte mich unwissentlich in meinen Gebeten für mich selbst unterstützt.
So war ich überhaupt nicht überrascht, dass der Knoten am nächsten Morgen völlig verschwunden war.
Ich frage mich oft: „An wen sonst sollte ich mich wenden, wenn nicht an Dich, Vater?“ Er ist wahrlich der Herr der Antworten, der Herr der Lösungen, der Herr der Inspiration. Wir können still sein und erkennen, dass diese göttliche Liebe alles ist, was wir brauchen.
