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Original im Internet

Für alle Machtinhaber beten

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 4. Juni 2019


Viele Menschen empfinden es als wichtig, für die Regierung und Personen in Führungspositionen zu beten. Doch wie gehen wir das an? Und können wir angesichts des Umfangs und der Komplexität der anstehenden Probleme wirklich erwarten, dass unsere Gebete wirken?

Hananias, ein früher Christ in Damaskus, muss vor Fragen dieser Art gestanden haben, als Saulus aus Tarsus in die Stadt kam und „mit Drohungen und Morden“ gegen die Anhänger des neuen Glaubens schnaubte (siehe Apostelgeschichte 9:1–20). Der jüdische Hohepriester hatte Saulus die schriftliche Genehmigung gegeben, sie gebunden ins Gefängnis zu bringen.

Hananias und andere Christen beteten zweifellos um Schutz und gingen Saulus möglichst aus dem Weg. Doch der Herr erschien Hananias und sagte: „Steh auf und geh hin in die Gasse, die ‚die Gerade‘ genannt wird, und frage im Haus des Judas nach einem Mann namens Saulus von Tarsus; denn sieh, er betet.“ Hier steht „der Herr“ für Christus, Wahrheit – die Botschaft von Gott an die Menschheit. Gott befahl Hananias, Saulus aufzusuchen.

Hananias wollte das verständlicherweise nicht. Er sagte: „Herr, ich habe von vielen über diesen Mann gehört, wie viel Böses er deinen Heiligen in Jerusalem getan hat.“ Der Herr erwiderte: „Geh hin; denn er ist mir ein auserwähltes Werkzeug, um meinen Namen vor Nationen und vor Könige zu tragen und vor die Kinder Israel.“

Also machte Hananias sich gehorsam auf den Weg. Was hat ihn dazu bewegt? Er muss erkannt haben, dass der Befehl von einer höheren Kraft kam als einer religiösen oder weltlichen Autorität. Die Botschaft des Christus offenbarte ihm, dass Gott regiert und hier und jetzt herrscht.

Diese Botschaft vermittelte Hananias insbesondere, dass Gott nicht nur über ihn und die anderen Christen bestimmte, sondern auch über Saulus, und dass Er in Saulus’ Leben wirkte und seinen Charakter umwandelte. Saulus’ Hintergrund, religiöse Erziehung und langjährige Beziehungen hatten nicht die Macht, ihn an eine Fehlvorstellung von der göttlichen Wahrheit und Liebe zu binden. Christus hatte Saulus bereits mitgeteilt, dass er sich gegen Gott gestellt hatte, und nun berief Christus Hananias dazu, Saulus zu helfen und sein Augenlicht wiederherzustellen, das er auf seiner Reise nach Damaskus verloren hatte. Hananias muss das inspirierte Verständnis von der Erhabenheit von Gottes Regierung und Segen aller Menschen erlangt haben, denn er überwand seine Furcht und ging zu Saulus. Er muss etwas von der Allheit Gottes, des Guten, erkannt haben, in der das Böse weder Platz noch Macht hat.

Durch seinen Gehorsam gegen Gott fand sich Hananias in Autorität gehüllt. Er betete für Saulus, und Saulus empfing den Heiligen Geist – er wurde zu einem höheren Verständnis von Gott und dem Christus erhoben – und erkannte die Wahrheit, die Christus Jesus lebte und lehrte. Unter dem neuen Namen Paulus verbreitete er das Christentum über weite Teile Griechenlands und des römischen Reichs. Seine Briefe inspirieren und instruieren uns bis heute.

Hananias und Saulus waren nicht die einzigen, die beteten. Andere Christen beteten ebenfalls, um das Wort Gottes mit der Menschheit zu teilen, sowie für ihren eigenen Schutz und Erfolg bei der Nachfolge Jesu. Ja, sie ermunterten einander, für alle Machtinhaber zu beten. Wir lesen im 1. Timotheus: „So ermahne ich nun, dass man zuerst vor allem mit Bitten, Gebeten, Fürbitten und Danksagung für alle Menschen eintritt, für die Könige und für alle Obrigkeit, damit wir ein ruhiges und zufriedenes Leben führen können in aller Gottesfurcht und Ehrbarkeit“ (2:1, 2). Diese Aufforderung gilt auch für uns heutzutage.

Für ein zufriedenes Leben zu beten darf nicht Frieden bedeuten, in dem Fehlverhalten toleriert wird. Es muss die Aufforderung sein, liebevoll, aber nicht passiv zu sein, und ein Drängen, sich für die Herrschaft des Christus, der Wahrheit, stark zu machen, in der das Böse keinerlei Macht hat.

Noch sollte das Gebet Gott ansuchen, andere zu dem zu veranlassen, was wir wollen – als Versuch, andere zu kontrollieren. Gebet bedeutet, sich demütig auf Gottes Seite zu stellen und zu bekräftigen, dass es keine andere Seite oder Macht und kein anderes Gemüt gibt außer Ihm. Wir fügen uns also dem Verständnis, dass allein Gott regiert.

Die Gründerin der Christlichen Wissenschaft Mary Baker Eddy wurde einst unrechtmäßig verklagt. Als sie die Notwendigkeit erkannte, einigen Schülern zu zeigen, wie man über den Fall betet, sagte sie: „Beten Sie nicht in Ihrem eigenen Namen; versuchen Sie nicht, andere zu beeinflussen. Sie dürfen nur in der göttlichen Kraft kommen und wissen, dass Gott jetzt und in Zukunft regiert und dass Hypnotismus und bösartige Gemüter Menschen und Regierungen nicht beeinflussen können und es auch nicht tun. Alle Macht liegt in Gott, dem Guten“ (Mary Baker Eddy an die „Wächter“, 2. Januar 1900; L02891, Mary Baker Eddy Bibliothek, © The Mary Baker Eddy Collection).

Die Aufforderung, Dank zu sagen für alle Machtinhaber – oder Obrigkeit, wie Paulus sagte –, heißt nicht, dass wir dankbar sein müssen für mächtige gute oder schlechte Persönlichkeiten. Es geht darum, dankbar zu sein, dass Gott, das göttliche Gemüt, der einzige Machtinhaber ist. Das, was Autorität in dieser Welt zu haben scheint – persönliche Macht, Position, Reichtum oder politische Verbindungen –, hat nur in dem Maß wirkliche Macht, wie es die göttliche Macht zum Ausdruck bringt. Wir sagen Dank dafür, dass Gott die eine und einzige Autorität ist, denn Er ist Alles-in-allem.

Und um die Dinge einen Schritt weiter zu bringen, sollten wir (alle Menschen) außerdem Dank dafür sagen, dass wir als Kinder Gottes Autorität haben. Wir alle wurden als Gottes Kinder zu Seinem Ebenbild gemacht und spiegeln Gottes Macht und Gnade wider. Die Sterblichen (das materielle Verständnis vom Menschen als mit einem von Gott getrennten Leben und Gemüt behaftet) haben keine wirkliche Macht. Wenn wir dieses irrige materielle Verständnis ablegen und den geistigen Sinn vom Leben erlangen, erkennen wir die Wahrheit über den Menschen: Als Gottes Bild und Gleichnis spiegeln wir die Autorität des göttlichen Gemüts wider und handeln entsprechend Seinem Gesetz und heiligen Zweck.

Auf der Grundlage dieser geistigen Tatsachen über Gott und den Menschen können und sollten wir konkret für Machtinhaber beten. Mrs. Eddy forderte ihre Nachfolger auf, für die Regierung aller Länder zu beten. Sie schrieb in Die Christliche Wissenschaft im Gegensatz zum Pantheismus: „Betet für das Gedeihen unseres Landes ...; dass Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden weiterhin seine Regierung kennzeichnen und alle Nationen beherrschen mögen.“ Und sie fügte für die Vereinigten Staaten – das Land, in dem die Kirche Christi, Wissenschaftler, gegründet wurde und wo die meisten ihrer Nachfolger lebten – hinzu: „Betet, dass die göttliche Gegenwart unseren höchsten Beamten und diejenigen, die mit seiner Exekutivgewalt und mit unserem nationalen Gerichtswesen zu tun haben, stets führen und segnen, unserem Kongress Weisheit geben und unsere Nation durch den rechten Arm Seiner Gerechtigkeit stützen möge“ (S. 14). Wir können dies auf unsere Gebete für alle Regierungen abwandeln.

Bei dem Gebet für das Gedeihen unseres eigenen Landes geht es darum, dass Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden die Regierung charakterisieren mögen. Es geht nicht um wirtschaftlichen Reichtum oder nationale Dominanz. Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Frieden sind die wahre Grundlage individuellen und nationalen Gedeihens. Eine Nation ist erfolgreich in dem Maß, wie ihre Beamten und Bürger moralische Integrität zum Ausdruck bringen.

Wenn wir bekräftigen, dass Gott einen Präsidenten, Premierminister oder Kanzler und deren Stab regieren, bitten wir Gott  nicht, eine bestimmte Agenda zu fördern, sondern wir bestätigen, dass diese Personen in ihrer wahren geistigen Identität als Gottes Ausdruck die weise Führung der göttlichen Wahrheit und Liebe erkennen, aufnehmen und befolgen. Unsere Gebete können helfen, die Unwissenheit, Furcht und Zweifel zu vertreiben, die das menschliche Denken vernebeln, und so dazu beitragen, Machtinhabern den Weg zu ebnen, Gottes Führung zu folgen.

Wir können dafür beten, dass Gott einem Kongress oder Parlament (und allen Bereichen der Regierung) Weisheit geben möge. Gottgegebene Weisheit ist die Fähigkeit, zwischen egoistischen und selbstlosen Motiven sowie falschem und richtigem Vorgehen zu unterscheiden. Sie befähigt uns, das Richtige zu wählen. Diese Anerkennung im Gebet, dass das göttliche Gemüt allen Menschen unparteiisch Weisheit verleiht, hilft allen, Seine Führung zu vernehmen und Seinem Weg zu folgen.

Ziel eines solchen Gebets ist, unsere jeweilige Regierung mit dem rechten Arm von Gottes Gerechtigkeit zu stützen. In der Bibel wird der Begriff Arm häufig als Symbol für geistige Macht oder Autorität verwendet. Ein solches Gebet erkennt somit, dass Gott uns alle in der Macht des richtigen Denkens und Handelns stützen und zu richtigen Ergebnissen führen wird.

Gebet für alle Machtinhaber schaut über das sterbliche Bild von Regierung als machthungrige, streitsüchtige Menschen hinaus. Es erhebt das Denken zu der Erkenntnis der geistigen Tatsache, dass Gott, das Gute, das Universum und den Menschen regiert. Unser Kampf hat nichts mit Personen zu tun; er findet zwischen Wahrheit und Irrtum, Geist und Materie statt. Wir können mit dem Verständnis, das die Christliche Wissenschaft uns gibt, dafür Stellung beziehen, dass Gott, Geist, allmächtig ist und dass der falsche materielle Sinn in Bezug auf Macht oder Verständnis getrennt von Ihm weder Wahrheit noch Substanz beinhaltet. Das Gebet für alle Machtinhaber ist ein Gebet zu erkennen, dass alle derselben – der einzigen – Autorität unterstehen, nämlich Geist. Es ist die Erkenntnis, dass Christus gegenwärtig ist, um alle zu führen und zu segnen.

Durch unsere Gebete für diejenigen, die uns regieren, können wir wie Hananias bereit sein, der Führung des Christus zu folgen und selbst diejenigen zu segnen, deren Ansichten von dem, was gut und segenbringend ist, unseren eigenen entgegenstehen. Dasselbe göttliche Prinzip, das Saulus befreite und Hananias beschützte, wirkt auch heute. Wir können Dank sagen, dass jeder wahrhaft der göttlichen Regierung untersteht – und dass das demonstriert werden kann.

Weitere Artikel im Web

  

Die Mission des Herold

Mrs. Eddys göttlich inspirierte Erklärung der Mission des Herolds der Christlichen Wissenschaft, der im Jahre 1903 gegründet wurde, ist zu einem Symbol für die weltumfassenden Tätigkeiten der christlich-wissenschaftlichen Bewegung geworden. Ihre Worte erscheinen als Inschrift an der Vorderseite der Christlich-Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft. Sie lauten: „Die allumfassende Wirksamkeit und Verfügbarkeit der Wahrheit zu verkünden.“ Der Herold ist ein greifbarer Ausdruck des Wunsches unserer Führerin, die unschätzbare Kenntnis der Wissenschaft des Lebens an die ganze Menschheit weiterzugeben. Sie erkannte, dass der Tröster „zur Heilung der Völker“ gekommen war.

– Alfred F. Schneider, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, September 1977

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