Zu meinen Lieblingsbeschäftigungen gehört das Beten. Für mich bedeutet Beten, Gott zu verherrlichen, dem Beispiel der Psalmen zu folgen und Gottes Namen zu erheben (siehe Psalm 34:4). Diese Ausdrucksweise lässt mich schmunzeln, denn dann stelle ich mir vor, Gottes Namen auf ein Schild zu schreiben und in die Luft zu halten, um ihn für alle sichtbar zu machen. Ich bin ehrlich wissbegierig über und interessiert an Gott, und Gebet ist eine Möglichkeit, die Freude zum Ausdruck zu bringen, die mit der Erforschung von Gott und Seiner Schöpfung einhergeht.
Was ich an der Christlichen Wissenschaft liebe, ist, dass sie nicht nur eine Religion bzw. spezifische christliche Glaubensrichtung ist, sondern das universale Gesetz Gottes – das absolut verlässliche Gesetz und System zum Heilen, das Christus Jesus bewiesen hat. Fast neunzehnhundert Jahre später entdeckte Mary Baker Eddy dieses zeitlose göttliche Gesetz zusammen mit der Tatsache, dass es nicht nur eine auf Jesu Zeit beschränkte „phänomenale Zurschaustellung“ ist (siehe Mary Baker Eddy, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 150). Und die Tatsache, dass die Christliche Wissenschaft ein Gesetz ist – man könnte sogar sagen, das Gesetz –, bedeutet nicht, dass sie trocken, langweilig oder auf Aufgaben orientiert ist. In der Bibel lesen wir, dass Gott Liebe ist, also ist die Christliche Wissenschaft buchstäblich das Gesetz der Liebe. Wie kann Beten da nicht Freude bringen?
Allerdings scheint unser Gebet manchmal nicht von Freude erfüllt zu sein. Wenn ich an meine Erfahrungen und die von anderen zurückdenke, dann fällt mir auf, dass Gebet sich nicht freudig anfühlt, wenn ich versuche, etwas damit zu erreichen.
Das mag oberflächlich betrachtet seltsam klingen – beten wir nicht, um Gutes für uns und andere zu bewirken? Doch Gebet, wie Jesus es gelehrt hat, ist keine Transaktion, sondern eine Möglichkeit, die Gegenwart und Macht Gottes hier und jetzt zu erfahren und zu fühlen. Fassen wir einige Aussagen von Jesus zusammen bzw. verbinden wir sie, dann erhalten wir so etwas: Unser Vater weiß, was wir brauchen, bevor wir Ihn bitten, also brauchen wir keine wortreichen oder ausführlichen Gebete, die Außenstehende zufriedenstellen. Es reicht, wenn wir einfach im Stillen zu Ihm gehen, Ihn als unseren Vater-Mutter-Gott anbeten und bestätigen, dass Sein Wille gut und über alles erhaben ist. Ich sage gern, dass nicht ich Gebet nutze, sondern Gebet mir zeigt, wie Gott mich oder diejenigen nutzt, für die ich bete, um Ihn zu repräsentieren und zu verherrlichen.
Hierzu ein Beispiel: Ich war als Praktiker der Christlichen Wissenschaft in einem Sommerlager tätig und fühlte mich auf einmal körperlich unwohl. Im Verlauf des Tages betete ich für mich selbst, doch das Unwohlsein und andere Symptome nahmen weiter zu. Ich fühlte mich zunehmend unter Druck, schnell wieder auf die Beine zu kommen, denn am nächsten Morgen sollte ich eine inspirierende Ansprache halten. Zudem dachte ich ganz allgemein, dass ich die heilende Wirksamkeit der Christlichen Wissenschaft und die Freude demonstrieren musste, sie zu praktizieren.
Man könnte sagen, dass ich mich unter Druck fühlte, die Christliche Wissenschaft unter Beweis zu stellen. Die Christliche Wissenschaft ist in der Tat beweisbar und demonstrierbar und muss gelebt werden – wir reden hier nicht nur über nette Ideen. Doch ich fühlte einen persönlichen Druck zu beweisen, was geistig wahr ist, und meine Gebete wurden im Verlauf des Tages und zum Abend hin zunehmend dringlich und fahrig.
Ich lag im Bett und fühlte nur das wachsende Unwohlsein; ich betete verzweifelt, um fähig zu sein, meine gottgegebene Freiheit zu demonstrieren, als mir der Gedanke kam: „Denke daran, dass das nichts mit dir zu tun hat. Stelle nur Gott in den Mittelpunkt.“ Oh! Ich hatte dort gelegen und für einen Patienten (mich) gebetet, der augenscheinlich persönlich demonstrieren musste, wie gut Gott ist, als ob ich von Gott getrennt war und jetzt etwas zur Schau stellen musste. Doch das hat nichts mit meiner Identität zu tun! Ich bin das Ergebnis von Gott, Geist, und wie alle Menschen vollständig geistig.
Also fing ich an, aus ganzem Herzen Gott zu loben und meine Liebe zu Ihm zum Ausdruck zu bringen, ohne dass damit der Gedanke einherging: „Wenn ich Gott genug lobe, wird es mir besser gehen.“ Ich war ganz und gar von Liebe zu Gott erfüllt.
Auf einmal war ich vollkommen gesund. Es war kein Fall, bei dem man einschläft, während man Gott dankt, und dann geheilt aufwacht – obwohl das auch wundervoll sein kann. Nein, mitten dabei, Gott zu loben, verließ mich alles Unwohlsein, alle Betrübnis löste sich auf, und jedes Gefühl eines persönlichen Drucks verschwand.
Es war interessant, dass es kein Drei-Schritte-Verfahren war, bei dem ich erst geheilt, dann froh und dann frei von Druck war. Vielmehr war ich mitten dabei, Gott zu lieben, und dachte gar nicht an mich selbst. Ich war so mit diesem heiligen, wundervollen Gefühl der Einheit mit Gott angefüllt, dass kein weiterer Eindruck damit verbunden war, ich sei von Gott getrennt. Ich bin Seine Schöpfung und war mir dessen bewusst! Und so wurde Heilung – die Offenbarung von dem, was Gott ist und tut – sichtbar.
Diese Offenbarung ist das Entscheidende. Etwas, das offenbart wird, ist bereits vorhanden. Mit anderen Worten, man legt einen vergrabenen Schatz frei, indem man ein Loch gräbt und den Schatz ans Licht bringt. Das ist etwas ganz anderes als wenn man ein Loch gräbt und dann darauf wartet, dass es sich mit einem Schatz füllt. Der Schatz – das Reich Gottes, die all-harmonische Umgebung von Gottes vollständiger und uneingeschränkter Liebe – ist bereits vorhanden. Und in diesem Reich ist jede und jeder von uns eins mit Gott und Seiner gesamten Schöpfung. Es gibt schlicht und einfach keine Wirklichkeit, keine Existenz und keine Lage, die von Gott, dem Guten, getrennt ist.
Ich habe den Beweis bekommen, dass Gebet in der Tat nichts ist, das ich benutzen muss. Ebenso wenig ist Gebet eine Möglichkeit für einen kranken Menschen, den Weg zurück zu Gesundheit und Gott zu finden. Nein, wir bezeichnen mit Gebet das, womit wir verstehen und uneingeschränkt akzeptieren, dass Gott bei uns ist. Gottes wundervolle und gute Liebe ist unverrückbar und verlässlich, und ich bete gern, indem ich dieser vollkommenen Liebe sichtbar vertraue.
Gebet ist eine Gelegenheit, Gott zu lieben, und während wir uns Ihm zuwenden, erkennen wir freudig, dass Er Seine gesamte Schöpfung liebt, uns alle eingeschlossen.
