Wie die Bibel berichtet (1. Könige 17:1–16), reiste der Prophet Elia in einer Hungersnot nach Zarpat. Gott hatte ihm gesagt, dass ihn dort eine Witwe versorgen würde. Als Elia der Witwe begegnete, sagte sie ihm, dass sie gerade genug zu essen hatte, um etwas für sich und ihren Sohn zuzubereiten und dann zu sterben – anderen etwas abgeben konnte sie nicht. Und trotz all dieses Mangels und der Verzweiflung antwortete er: „Fürchte dich nicht! Geh hin und mach es, wie du gesagt hast. Doch backe mir zuerst etwas Kleines davon und bringe es mir heraus; dir aber und deinem Sohn sollst du danach auch etwas machen. Denn so spricht der Herr, der Gott Israels: ‚Das Mehl im Topf soll nicht verbraucht werden, und dem Ölkrug soll nichts mangeln bis zu dem Tag, an dem es der Herr auf der Erde regnen lassen wird.‘“
Ich habe mich oft gefragt, was sie wohl gedacht haben muss, als sie das hörte. Vielleicht meinte sie, er habe sie nicht verstanden oder sei einfach hochgradig selbstsüchtig? Und als Phönizierin verehrte sie vermutlich Baal, wodurch sie wohl eher nicht empfänglich für Anweisungen von einem hebräischen Propheten war. Dennoch backte sie ihm etwas, und dann vermehrte sich die Nahrung wirklich. Die Bibel teilt uns mit, dass Elia, die Witwe und ihr Haushalt viele Tage zu essen hatten und dass ihnen die Nahrung während der ganzen restlichen Hungersnot nicht ausging.
Ich habe auch darüber nachgedacht, warum Elia überhaupt nach Zarpat gereist ist. Gott hatte ihn in ein Land geschickt, das als feindliches Territorium betrachtet werden konnte, denn das war das Gebiet von Königin Isebel, die die Anbetung von Baal in Israel förderte und später drohte, Elia zu töten, weil er sich gegen diese Anbetung sträubte.
Ich habe mich gefragt: Wäre ich nach Zarpat gereist und wäre ich bereit gewesen, etwas Kleines für Elia zu backen – beides Handlungen tiefen Glaubens und absoluten Gottvertrauens? Wie oft habe ich schon gedacht, dass ein Problem zu groß, zu eingefleischt oder zu beängstigend für Gott war! Angst kann uns so blind machen, dass wir nicht mehr sehen, was wahr ist. Aber Elia hat es gesehen und ist nach Zarpat gegangen, und die Witwe hat sich seiner Vision von Gottes Güte und Allmacht anvertraut.
Wie erklären wir uns ihre Erfahrung, da die Situation so unmöglich und die Lösung der Intuition entgegengesetzt erschien? Wir wissen, dass zumindest Elia Gottvertrauen hatte und mit ziemlicher Sicherheit betete, doch Mary Baker Eddy schreibt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, dass das nicht ausreicht (S. 16): „Das höchste Gebet ist nicht einfach ein Gebet des Glaubens; es ist Demonstration.“
Der Segen, der Elia und die Witwe mit der nötigen Nahrung versorgte, war ein natürliches Ergebnis von Gottes Versorgung, doch das ist nicht die einzige Weise, auf die Gott sie segnete. Es war auch ein Segen für sie, diese Demonstration der immer-gegenwärtigen Gegenwart des göttlich Guten, des göttlichen Prinzips, zu erleben. In der Christlichen Wissenschaft bedeutet Demonstration, den Beweis zu erbringen, dass das Gute die Essenz unseres Seins ausmacht. Nichts ist stark genug, um uns von diesem immer gegenwärtigen Guten zu trennen. Es ist unser dauerhaftes, gottgegebenes Zuhause.
Wenn wir erkennen, dass das Gute die Wahrheit unserer Existenz ist, fangen wir an, das zu sehen und zu hören, was Gott uns zu tun, zu sagen und sogar als Reiseziel aufträgt – genauso, wie Elia nach Zarpat gegangen ist. In dieser Begebenheit reichte Gottes Segen trotz Angst und Mangel über kulturelle Grenzen und Religionszugehörigkeit hinaus. Seine Macht wurde in einem Land bewiesen, das einige für einen äußerst unwahrscheinlichen Ort für Gottes Botschaft hielten. Doch Elia demonstrierte, dass er beschützt war, während er Gottes Auftrag erfüllte, so wie wir alle sicher sind, wenn wir unseren gottgegebenen Daseinszweck erfüllen. Gott, Liebe, wird immer einen Weg für uns bereiten und uns bei der Erfüllung unserer Aufgaben beschützen. Ein Psalmist beschreibt Ihn so (Psalm 23:5): „Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.“
Ich habe diese Art von Verfolgung selbst auf höchst ungewöhnliche Weise erlebt. Nach meinem Schulabschluss ging ich eine Beziehung zu einem Mann ein, der sich als gewalttätig herausstellte. Eines Abends artete eine Unterhaltung im Auto in einen Streit aus, und mein Freund geriet in Wut. Das wurde dadurch noch verschlimmert, dass er Halluzinogene genommen hatte, bevor er losgefahren war, um mich abzuholen. Nachdem er eine Weile gefahren war, hielt er an und fing an, mich zu verprügeln. Während dieser Konfrontation, die mehr als eine Stunde dauerte, zog er eine Pistole aus dem Handschuhfach und hielt sie mir an den Kopf. Er sagte, er wolle mich erschießen und sich dann im Auto eine steile Böschung hinabstürzen. Ich hatte riesige Angst, fing dann aber an zu beten. Obwohl ich damals keine Religion oder Spiritualität praktizierte, war mein Instinkt zu beten von Gott gekommen und gründete sich auf die vielen Erkenntnisse, die ich aus dem Besuch einer Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft mitgenommen hatte.
Plötzlich wurden Gedanken an meine Mutter und an Gott, Liebe, als die Mutter aller in mein Denken geflutet. Trotz meiner großen Angst und der Schmerzen betete ich zu dieser Mutter, Liebe, und bat sie um Hilfe. Innerhalb weniger Minuten legte mein Freund die Waffe hin, und kurz darauf stellte er sein unberechenbares Verhalten ein und brachte mich nach Hause.
Später erfuhr ich, dass meine Mutter zum Zeitpunkt meiner Gefahr plötzlich aus dem Schlaf erwacht war. Sie war eine hingebungsvolle Christliche Wissenschaftlerin und immer bereit, „etwas Kleines zu backen“ – Gottes Anweisungen zu befolgen. Tief besorgt betete sie laut und las immer wieder Mrs. Eddys Gedicht „Der Mutter Abendgebet“ (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 389), bis sie Frieden empfand. Dasselbe unfehlbare Prinzip, Gott, sprach auch zu uns beiden im Auto, und aufgrund dessen erhielt ich meine Freiheit zurück. Wir erlangten alle unsere Freiheit. Nicht lange danach beendete ich die Beziehung, und die Verletzungen heilten schnell.
Metaphorisch gesprochen sind wir an dem Tag alle nach Zarpat gegangen, nicht, um zu hungern oder von Feinden übermannt zu werden, sondern um die Herrlichkeit Gottes zu sehen und mitzuerleben, wie Seine Güte deutlich wurde. Wenn ich in Versuchung bin zu glauben, dass Gott eine Situation nicht handhaben kann, dann denke ich an die Geschichte der Witwe aus Zarpat und folgende Worte aus Wissenschaft und Gesundheit (S. 135): „‚Ob Gott uns in der Wüste einen Tisch bereiten kann?‘ Was kann Gott denn nicht tun?“
