Meine Frau und ich sind auf einem Campingplatz in Montana am Missouri River und genießen die schöne Aussicht. Ein Mann, dessen Wohnwagen neben unserem steht, schlendert herüber, und wir kommen ins Gespräch. Ich erwähne, dass ich Praktiker der Christlichen Wissenschaft bin, jemand, der geistiges Heilen praktiziert. Sofort hellt sich seine Miene auf. „Ich praktiziere geistiges Heilen“, sagt er enthusiastisch. Er möchte mehr über meinen Glauben erfahren. „Warum praktizieren Sie die Christliche Wissenschaft?“, fragt er. „Was ist das Besondere an der Lehre?“
„Ich praktiziere die Christliche Wissenschaft, weil sie mich lehrt, in einem Universum des Geistes statt in der Materie zu leben“, erzähle ich ihm froh. Zu meiner Überraschung macht er eine wegwischende Handbewegung über die Landschaft und sagt triumphierend: „Ganz meiner Meinung – Materie ist nicht die Wirklichkeit. Da ist noch so viel mehr.“ Allerdings möchte er wissen, was die Christliche Wissenschaft über Materie lehrt, da die Materie doch so wirklich aussieht.
„Es hängt alles von unserer Sichtweise ab“, sage ich. Ich erkläre ihm, dass Materie eine begrenzte Sicht auf den unendlichen Geist ist – wenn man die Existenz der Materie akzeptiert, ist es, als würde man auf den Horizont schauen und ihn als den Endpunkt betrachten. Doch wir wissen, dass hinter dem, was mit dem Auge erkennbar ist, noch mehr Land und Wasser sind. Dieselbe Regel gilt für unser Verständnis des Universums. Die Materie ist eine sehr begrenzte Sicht auf das, was in Gottes Gemüt als unendliche geistige Substanz existiert.
Man kann eine 7 auf ein Blatt Papier schreiben, doch die Substanz dieser Zahl liegt nicht in der Tinte auf Papier. Sie ist eine Idee im Gemüt Gottes, und das befindet sich im Reich des Geistes. Die Zahl auf Papier löst sich irgendwann auf, doch die Idee, die sie ausdrückt, besteht in alle Ewigkeit.
Dieses Konzept lässt sich auf Gottes gesamtes Universum beziehen. Es ist nicht materiell. Es ist geistig, und um das zu verstehen, müssen wir über das hinaussehen, was der körperliche Sinn ohne Verstand als endliche Materie bezeichnet, und zwar auf das, was der geistige Sinn als unendlichen Geist wahrnimmt. In dem Maße, wie wir über das Zeitliche auf das Ewige schauen, sehen wir, dass es nur das Ewige gibt. Es gibt kein begrenztes materielles Reich. Es gibt nur Gottes Universum des unendlichen Geistes.
Ich erzähle dem Mann, dass Christus Jesus meisterhaft über die Materie hinaussehen und Geist wahrnehmen konnte. Als er Tausende hungriger Menschen vor sich hatte, trug Jesus seinen Jüngern auf, sie zu speisen. Die Jünger verstanden nicht, wie das möglich sein sollte. Die körperlichen Sinne sahen nur eine begrenzte Menge an Nahrung. Jesus erkannte die unendliche Fülle des Geistes. Und das, was wie eine unzulängliche Menge an Fisch und Brot aussah, erwies sich in Wirklichkeit als eine Fülle Nahrung, mit der nicht nur alle satt wurden, sondern von der sogar noch Reste übrigblieben.
Aus Jesu geistiger Sicht – für den geistigen Sinn – existierte kein Mangel. Er machte es sich zur Regel, beim Lehren und Heilen über die Materie mit ihrem Mangel, ihrer Begrenzung, ihrer Sünde, ihrer Krankheit und ihrem Tod hinaus auf Geist zu sehen, wodurch er dort, wo andere Krankheit sahen, Gesundheit erkannte. Und wo andere Tod sahen, nahm er Leben wahr. Er erwartete dasselbe auch von seinen Jüngern.
Ich erkläre meinem interessierten Zuhörer, dass die Christliche Wissenschaft über den trügerischen Anschein der Materie hinaus auf die Wirklichkeit des Geistes blickt. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, schreibt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 335): „Die Wirklichkeit ist geistig, harmonisch, unveränderlich, unsterblich, göttlich, ewig.“ Wirklichkeit kann weder zerstört werden, noch ist sie zeitlich begrenzt. Sie ist unsterblicher Geist. Sie ist mehr als die körperlichen Sinne aufnehmen können. Sie lässt nicht nach, löst sich nicht auf, altert nicht, verfällt nicht und verschwindet auch nicht, wie materielle Dinge dies tun. Gottes Wirklichkeit besteht in Ewigkeit. Wenn wir unser mentales Auge auf die Wirklichkeiten des Geistes gerichtet halten und diese aus tiefstem Herzen anstreben, nimmt eine materielle Wahrnehmung der Dinge so ab wie die Sicht im Rückspiegel, wenn man auf der Autobahn fährt. Eine endliche Sicht des Universums weicht der unendlichen. Probleme, die dem materiellen Sinn wirklich erscheinen, lösen sich im geistigen Sinn auf. Heilung findet statt.
Ich erzähle dem Mann kurz von ein paar körperlichen Heilungen, um ihm zu verdeutlichen, wie das vor sich geht. Auf eine Heilung möchte ich hier näher eingehen. Sie trug sich vor mehreren Jahren zu, als meine Frau ohne Vorwarnung so krank wurde, dass ihr Leben bedroht schien. Sie brach plötzlich in meinen Armen zusammen und bewegte sich nicht mehr. Ich konnte weder Atmung noch Puls wahrnehmen und befürchtete das Schlimmste. Nach ein paar Augenblicken der Panik wurde ich ruhig, als mir einfiel, was die Christliche Wissenschaft darüber sagt, dass wir über den Anschein der materiellen Sinne hinaussehen müssen. Jesus wies uns an (Johannes 7:24): „Richtet nicht nach dem Schein, sondern richtet ein gerechtes Gericht.“ Ich musste sie korrekt „richten“ – so sehen, wie Gott sie sieht, nämlich aus geistiger Perspektive.
Als ich betete, um sie als ein geistiges Wesen zu erkennen, das ewiglich in Gott lebt, wurde ich ruhiger. Ich wusste, dass sich zwischen ihr und Gott nichts geändert hatte – dass sie dasselbe geistige Kind Gottes war wie immer. Ich wusste, dass Gott ihr Leben war, und daher war ihr Leben so sicher und unberührt wie immer. Ich fand Frieden in meinen Gebeten und war von deren Wahrheit überzeugt, doch nach ungefähr einer Viertelstunde merkte ich, dass der Körper meiner Frau in meinen Armen an Wärme verlor.
Ich weigerte mich, einen Verlust als Möglichkeit hinzunehmen, und bat Gott erneut um Hilfe. Die Bitte wurde durch folgende Frage erwidert: „Glaubst du das, was du betest – glaubst du, dass es ihr gut geht, selbst wenn die materiellen Sinne das Gegenteil berichten?“ Als ich über meine Antwort nachdachte, merkte ich, dass ich immer noch ein Anzeichen ihres Befindens in der Materie zu finden versuchte, und wenn ich weiter ihren Körper prüfte, um sie dort zu erreichen, konnte ich sie möglicherweise aus den Augen verlieren, denn die Substanz ihres Daseins befand sich ebenso wenig im Körper, wie eine Sieben auf einem Blatt Papier existiert. Ich musste daran denken, dass die Individualität meiner Frau in Geist und nicht der Materie existiert, und in Geist finde ich sie am Leben und bei Wohlbefinden. Es gab keinen anderen Ort, auf den ich schauen konnte. Ich beantwortete diese entscheidende Frage mit Zuversicht: „Ich bin überzeugt, dass meine Frau geistig ist und dass alles in Ordnung ist, egal was die materiellen Sinne mir berichten.“
Als ich ein körperliches Konzept von ihr aufgab und erkannte, dass sie sich vollständig in Geist befand, wurde mir die herrlichste Aussicht auf Leben in Geist offenbart. Das Gefühl eines physischen Körpers in meinen Armen löste sich auf. Ich nahm sie als eine Schöpfung Gottes wahr, die in Geist gedieh. Mein Denken erhob sich und sang in den Höhen des Himmels, in denen wir von himmlischem Licht umgeben waren. Jede Spur der Angst verschwand. Ich fühlte einen alles durchdringenden Frieden.
Ein paar Minuten später ging ein Zucken durch das Handgelenk meiner Frau, wodurch meine Aufmerksamkeit wieder auf ihren Körper gelenkt wurde. Mein Herz füllte sich mit Freude, als ich erkannte, dass das, was ich geistig wahrnahm, und das, was ich menschlich erlebte, miteinander in Einklang kamen. Das Endliche ergab sich dem Unendlichen. Meine Frau erholte sich vollständig. Seitdem sind dreizehn Jahre vergangen, und wir sind glücklich und machen gemeinsam Fortschritt.
Als meine Frau und ich später über den Vorfall sprachen, war ich fasziniert zu hören, dass sie ebenso mit geistiger Wahrheit gefolgert und argumentiert hatte, wie ich. Sie wusste, dass ein Problem geheilt werden musste, war aber nicht um ihr Leben besorgt. Sie wusste ohne jeden Zweifel, dass sie lebte und dass ihr Leben fortdauern würde.
Für mich bestätigten ihre Worte das, was die Christliche Wissenschaft über die Wirklichkeit und die Art lehrt, wie wir geistiges Heilen erleben: Man kann sich nicht auf die körperlichen Sinne verlassen, denn der Darstellung der materiellen Sinne fehlt das, was in Gottes Universum, dem Universum des unendlichen Geistes, vorhanden ist. Als ich dachte, dass meine Frau nicht mehr bei mir war, war sie nicht fortgegangen. Sie lebte wie immer in Geist. Aus der Sicht des Lebens, Gottes, hatte sich nichts für sie geändert. Nur meine Sicht hatte sich geändert.
Wie ich meinem neuen Bekannten sagte, gibt es viele Gründe, die Christliche Wissenschaft zu praktizieren, doch für mich ist der wichtigste ihre Erklärung von dem, was die Wirklichkeit ist. Geist ist Wirklichkeit. Materie ist es nicht. Die Erfahrung zeigt, dass das, was wie Materie aussieht, begleitet von all den Begrenzungen, die damit in Verbindung gebracht werden, in dem Maße in ihr natürliches Nichts zerfällt, wie wir die Wirklichkeiten des Geistes verstehen und akzeptieren.
Mrs. Eddy scheibt in ihrem Buch Vermischte Schriften 1883–1896 über dieses Aufgeben dessen, was uns materiell erscheint, zugunsten des Geistigen (S. 217–218): „Für den materiellen Sinn ist alles Materie; vergeistige aber das menschliche Denken, und unsere Überzeugungen ändern sich, denn der geistige Sinn gewinnt nun eine neue Sicht, in der die Natur Geist wird; und Geist ist Gott, und Gott ist das Gute.“ In Gottes Universum des unendlichen Geistes findet sich keine Materie. Das, was wir als Materie bezeichnen, ist eine Fiktion; es ist die Unkenntnis von dem, was Geist ist. Geist ist der Umfang und die Substanz aller Existenz.
Ich erzähle meinem wissbegierigen Nachbarn von einem Buch, in dem erklärt wird, wie man über die begrenzten Sichtweisen der Materie hinaus auf die unendlichen Möglichkeiten des Geistes sehen kann: Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, dem Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft.
„Studieren Sie dieses Buch zusammen mit der Bibel, und Ihre Praxis des geistigen Heilens wird einen Segen daraus erlangen“, versichere ich ihm. „Es wird Ihnen zeigen, wie Sie so heilen können, wie Christus Jesus es seine Nachfolger gelehrt hat.“
In seinem Gesicht breitet sich ein strahlendes Lächeln aus, während er das Buch, das ich ihm schenke, an sich drückt. Ich bringe Dankbarkeit für unsere gute Unterhaltung über ein Thema zum Ausdruck, das uns beiden am Herzen liegt, und wir trennen uns mit großem gegenseitigem Wohlwollen.
