Die Bibel enthält viele Hinweise auf Engel. Die von Engeln verkündete und von Hirten und Weisen gleichermaßen gefeierte Geburt Jesu ist in der jetzigen Jahreszeit von besonderer Bedeutung. Wir lesen im Lukasevangelium, wie die Hirten in der Nähe von Bethlehem vor über zweitausend Jahren erfuhren, was gerade passiert war. In einer ganz normalen Nacht kam „ein Engel des Herrn“ zu ihnen, als sie über ihre Herde wachten, und verkündete die Geburt des Heilands (siehe Lukas 2:8–18).
Was uns heute wie eine einzelne Engelsbotschaft erscheinen mag, bestand in Wirklichkeit aus einer Reihe von Botschaften; jede bereitete das Denken der Zuhörerschaft auf die jeweils nächste Neuigkeit vor. Der Engel hat den Hirten nicht im übertragenen Sinne auf die Schulter getippt und gesagt: „Überraschung! Jesus ist zur Welt gekommen!“ Vielmehr wurden die freudige Bekanntmachung und die damit verbundenen Anweisungen nach und nach überbracht. Jede bereitete den Weg für einen weiteren Aspekt der Botschaft, bis der Umfang der Mitteilung in all ihrer wundervollen Herrlichkeit deutlich war.
Nachdem der Engel seine Gegenwart und Herrlichkeit kenntlich gemacht hatte, sagte er den Hirten als Erstes, sie sollten sich nicht fürchten. Dann erklärte er, dass er große Freude verkündete, und anschließend kam die große Neuigkeit: Der Heiland war in der Stadt Davids geboren worden! Als Nächstes sagte der Engel ihnen, wie sie den neugeborenen Christus Jesus erkennen würden. Und schließlich lobte „die Menge der himmlischen Heerscharen“ Gott und signalisierte der Menschheit den großen Segen dieses Ereignisses.
Es war alles in einer Botschaft enthalten, wurde dem menschlichen Bewusstsein jedoch Schritt für Schritt klar, sodass die Zuhörer die ganze Tragweite verstehen konnten. Besonders herausragend ist die erste Anweisung als Antwort auf die Angst der Hirten: „Fürchtet euch nicht!“ Der Engel sprach diesen menschlichen Bedarf direkt liebevoll an und vertrieb die Angst mit der triumphierenden Mitteilung: „Ich verkünde euch große Freude.“ Engelsbotschaften vermitteln immer genau das, was gebraucht wird.
Das mit Heerschar übersetzte griechische Wort im Originaltext bedeutet „Armee” oder “aktive Streitkräfte“ und der griechische Ausdruck hinter himmlische Heerscharen könnte als „eine Einheit an Engeln“ verstanden werden. Weiterhin bedeutet das griechische Wort, das im Deutschen als Engel wiedergegeben wird, „Botschafter, bevollmächtigter Vertreter, jemand, der gesandt wird“, daher auch „Engel, Botschafter Gottes“. Der Verkünder von Jesu Geburt war also eine Heerschar der Engel – eine Armee an Botschaften von Gott. Könnte etwas heiliger sein als das?
Mary Baker Eddy, die Gründerin der Kirche Christi, Wissenschaftler, definiert Engel in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 581) als „Gottes Gedanken, die zum Menschen kommen; geistige Intuitionen, rein und vollkommen; die Inspiration der Güte, Reinheit und Unsterblichkeit, die allem Bösen, aller Sinnlichkeit und aller Sterblichkeit entgegenwirkt“. Und genau das haben die Hirten sicher in ihrem Herzen auch empfunden. Diese Definition verdeutlicht die beiden Rollen, die Engelsbotschaften innehaben: Sie überbringen Gottes reine Gedanken und geistige Intuitionen klar und deutlich und bekämpfen alles Übel, das vorhanden zu sein scheint. Was für eine Vollständigkeit! Gedanken sind nicht sichtbar, aber sie sind fühlbar. Und sie sind zu erkennen. Gottes reine, inspirierende, unsterbliche Gedanken werden uns zielgerichtet mitgeteilt, und diese heilenden Gedanken gehen perfekt auf das ein, womit wir gerade kämpfen.
Außerdem wird die Botschaft nicht nur auf die jeweiligen Bedürfnisse der Person zugeschnitten, sondern auch die Entfaltung ist passgenau. Einige Engelsbotschaften sind laut und nachdrücklich, andere sind still und sanft. Welche Form sie auch immer annehmen, wir können sicher sein, dass sie von einer „himmlischen Heerschar“ begleitet werden und uns trösten und leiten und dass diese Botschaften von Gott auf eine für uns wahrnehmbare Weise überbracht werden. Engelsbotschaften sind aktive Beweise von Gottes aufmerksamer Fürsorge für Seine geliebten Kinder.
Eine der Freuden, die das Studium der Christlichen Wissenschaft mit sich bringt, ist die Verbesserung unserer Fähigkeit, diese Engelsbotschaften zu erkennen und auf sie zu reagieren, wenn wir nach Klarheit suchen oder nicht weiterwissen. In solchen Zeiten können Versprechen von Gott wie dieses in der Bibel hilfreich sein (Jesaja 65:24): „Bevor sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.“
Und wenn wir selbst genau hinhören, bahnen sich Engelsbotschaften bzw. „Gottes Gedanken“ einen Weg in unser empfangsbereites Bewusstsein. Besonders in schwierigen Zeiten kann es passieren, dass eine einzige Engelsbotschaft den Bedarf nicht vollständig deckt. Dann können wir darauf vertrauen, dass wir eine weitere Engelsbotschaft erhalten und dann eine weitere und dann eine weitere und dann wieder eine. Diese Engelsbotschaften mögen auf den ersten Blick keinen Bezug zueinander haben. Vielleicht sind sie nicht einmal sofort zu erkennen. Doch wenn sie aufeinander aufbauen, indem sie nach und nach in unserem Bewusstsein aufgehen, erleben wir ein erstes Aufflackern von Hoffnung, Kraft und Heilung. Es gibt Zeiten, in denen wir eine klare, kraftvoll überbrachte Botschaft von Gott brauchen, damit wir aufgerüttelt werden. Doch es gibt auch Zeiten, in denen wir diese zärtlichen, ermunternden Botschaften Stück für Stück erhalten müssen, damit wir wie damals die Hirten fähig sind, die frohe Botschaft von Gott vollständig aufzunehmen.
Wir können diese zärtlichen Botschaften als eine Spur von „Engels-Brotkrumen“ betrachten, die uns nach und nach zu einem Ort vollkommener Sicherheit, Gewissheit und Heilung führt. Die Botschaften des Mitgefühls und der Erneuerung von Gott kommen erst stufenweise und werden dann klarer und deutlicher; jede baut auf der vorherigen auf, bis wir gar nicht anders können als die Vollständigkeit und Tiefe von Gottes Fürsorge zu erkennen. Und wenn wir das tun, können wir bestätigen, dass Mary Baker Eddy Recht hatte, als sie in Vermischte Schriften 1883–1896 über Engel sagte (S. 306): „Wir erkennen ihre Gegenwart an der Liebe, die sie in unserem Herzen wecken.“
Wenn wir empfänglich für Gottes Gedanken, diese Engels-Brotkrumen, sind, wird deutlich, wie wichtig folgende Anweisung in Wissenschaft und Gesundheit ist (S. 299): „Wenn wir ernsthaft auf diese geistigen Führer achten, bleiben sie bei uns und wir beherbergen ‚ohne [unser] Wissen Engel‘.“ Es reicht nicht, die Engels-Brotkrumen, die guten Gedanken von Gott, zu erkennen. Wir müssen sie auch bei uns verweilen lassen, indem wir sie – ernsthaft – befolgen. Das bedeutet, dass wir ihnen unsere vollständige Aufmerksamkeit, unsere konsequente und erwartungsvolle Dankbarkeit schenken und offen für ihre sanfte Berührung in unserem Herzen sein müssen. Es bedeutet eine tiefe und demütige Bereitschaft, alles in unserem Denken aufzugeben, das nicht heilig und gut ist, und aktiv den heilenden Christus in unser Herz und unser Leben einzulassen. Ernsthaft auf etwas zu achten bedeutet, gehorsam zu sein, denselben Gehorsam zu üben, den die Hirten vor Zeiten an den Tag legten, als sie bis nach Bethlehem liefen, um sich der Geburt Jesu zu erfreuen.
Wie diese Hirten heißen wir Gottes Engelsbotschaften willkommen, die uns der Gegenwart des rettenden Christus versichern. Ob sie laut und deutlich oder still, augenblicklich oder allmählich kommen, diese Botschaften sind eindeutig, überzeugend, tröstlich und heilend. Welch eine Freude ist es, die Engelsbotschaften von Gott zu erwarten, aufzunehmen und ihnen zu gehorchen, denn sie führen uns immer liebevoll voran und aufwärts.
Jennifer McLaughlin
Mitglied des Treuhänderrats der Verlagsgesellschaft der Christlichen Wissenschaft