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Original im Internet

„Sprechen Sie Französisch?“

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 19. Oktober 2026


Der Tag, an dem ich anfing, mich ernsthaft mit der Christlichen Wissenschaft auseinanderzusetzen, war der Tag, an dem ich begriff, dass ich eventuell meinen College-Abschluss nicht bekommen würde. Es war mein letztes Semester, und ein Studienberater überbrachte mir diese unerwartete Nachricht. Ich hatte die Auflage, eine Fremdsprache zu belegen, nicht erfüllt. Der Berater entschuldigte sich dafür, mich so spät darauf hinzuweisen, sagte mir jedoch, dass das Erfüllen der Auflagen meine eigene Verantwortung war. Ohne Nachweis einer Fremdsprache würde mir der akademische Grad nicht verliehen werden.

Ich war schockiert, dass ich fast vier Jahre lang nichts von dieser Auflage gewusst hatte. Jetzt hatte ich nicht mehr die Zeit, einen Sprachkurs zu absolvieren. Die einzig verfügbare Option war, eine Prüfung in einer Sprache abzulegen, an die ich mich kaum erinnerte. Ich hatte in der Oberstufe Französisch belegt, doch das, was davon hängen geblieben war, konnte bestenfalls als bruchstückhaft bezeichnet werden. Die Aussicht, eine Sprachprüfung auf dem College-Level innerhalb weniger Wochen zu bestehen, kam mir winzig vor.

Ich besorgte mir mehrere Französischbücher und machte mich auf den Weg zum Sprachlabor mit einem einfachen Plan: intensiv lernen und das Beste hoffen. Auf dem Weg kam ich an einem Leseraum der Christlichen Wissenschaft vorbei. Ich hatte nicht regelmäßig an den Gottesdiensten einer Kirche Christi, Wissenschaftler, teilgenommen, doch in diesem Augenblick beschloss ich aufgrund des Anrufs meines Studienberaters und meines Wunsches nach Klarheit, ein paar Minuten mit Beten zu verbringen und auf Ermutigung, Trost oder geistige Führung zu lauschen. Ich sagte mir, dass es nur eine kurze Pause sein würde.

Im Leseraum fiel mir sofort eine Auslage mit Literatur der Christlichen Wissenschaft auf Französisch ins Auge, darunter Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (Science et Santé avec la Clef des Ecritures) von Mary Baker Eddy und der Herold der Christlichen Wissenschaft (Le Héraut de la Science Chrétienne).

Damals wurden die Herolde in der jeweiligen Sprache mit dem englischen Text auf der gegenüberliegenden Seite gedruckt. Ich fing an zu lesen und die beiden Sprachen zu vergleichen und schaffte es schließlich, mehrere Artikel durchzugehen und dabei das Vokabular, den Sprachstil und die Grammatik in mich aufzunehmen. Ich fing auch an, Wissenschaft und Gesundheit auf Französisch zu lesen, angeleitet vom englischen Text auf der gegenüberliegenden Seite.

Nach einer Stunde dieses ruhigen und konzentrierten Studierens änderte ich meine Herangehensweise an die Prüfungsvorbereitung. Ich beschloss, jede verfügbare Lernzeit im Leseraum zu verbringen, nicht nur, um Französisch zu lernen, sondern auch in dem Bestreben, ein besseres Verständnis von der Christlichen Wissenschaft und meinem Lebensweg nach dem College zu erlangen.

Die zweisprachigen Artikel sowie Stellen aus Wissenschaft und Gesundheit stellten eine praktische Vorbereitung auf die Sprachprüfung in Französisch dar, bei der es um das korrekte Übersetzen der beiden Sprachen ging. Und, was noch wichtiger war, ich fing an zu erkennen, dass die tägliche Praxis der Christlichen Wissenschaft auch ein aktives Übersetzungs- bzw. Übertragungsverfahren involviert – nicht von einer Sprache in die andere, sondern eines Standpunkts in einen anderen: von der materiellen Einschätzung der Dinge in eine geistige.

Als ich weiter auf diese Art studierte, erlangte ich ein besseres Verständnis meiner Beziehung zu Gott – eine Beziehung, die auf göttlicher Beständigkeit und Fürsorge und nicht auf Unsicherheit aufbaut. Das erforderte eine Änderung der Sicht auf mein Leben als materiell und begrenzt, hin zu der Erkenntnis, dass es geistig und vollständig ist, da ich Gott als Sein Ausdruck widerspiegele. Diese Änderung erforderte geistiges Wachstum, indem ich mein Denken von der Illusion vom Leben in Materie, gekennzeichnet durch Enttäuschungen und verpasste Gelegenheiten und Termine, in ein wahreres Verständnis unserer geistigen Natur übertrug – harmonisch, ewig und mit Fülle gesegnet statt durch Begrenzung konfrontiert.

Wir lesen in Wissenschaft und Gesundheit (S. 209), dass diese geistige Umwandlung durch die „Übertragung des Menschen und des Universums zurück in den Geist“ stattfindet. (Der Satz lautet vollständig: „Die zusammengesetzten Mineralien oder die gesamten Substanzen, die die Erde bilden, die Beziehungen, welche die Elementarmassen zueinander haben, die Größen, Entfernungen und Umdrehungen der Himmelskörper haben keine wirkliche Bedeutung, wenn wir bedenken, dass sie alle der geistigen Tatsache durch die Übertragung des Menschen und des Universums zurück in den Geist Raum geben müssen.“)

Nachdem ich mehrere Wochen lang in den Leseraum gegangen war, um zu lernen, merkte ich, dass ich mir nicht nur Sorgen wegen der Prüfung machte, sondern auch darüber, was nach meinem Studium kommen würde. Ich konnte keinen klaren Berufsweg erkennen und hatte auch keine Jobangebote, und mein Studium der Geisteswissenschaften schien nur begrenzt praktisch nützlich zu sein. Wie konnte ich das, was ich wusste, in etwas verwandeln, das der Welt nützlich wäre? Ich betete, um mich mit dieser Sorge und den schlechten Aussichten auseinanderzusetzen, indem ich mein Denken änderte – indem ich ein falsches, materielles Konzept vom Menschen und vom Universum zurück in den Geist übertrug und dann von einem verbesserten Verständnis von Gottes immer-gegenwärtiger Liebe und Versorgung für alle aus betete. Wie könnte sich jeglicher Glaube an persönliche Unzulänglichkeit oder persönlichen Mangel in dieser neuen Sichtweise halten?

Als die Zeit für die Französischprüfung gekommen war, wandte ich völlig ruhig alles an, was ich im Leseraum gelernt hatte – sowohl französische Grammatik und den Wortschatz als auch die wachsende geistige Fähigkeit, Gott zu verstehen. Ich war so dankbar, die Prüfung zu bestehen und einen Monat später pünktlich meinen Abschluss zu machen!

Zehn Tage nach Verlassen der Uni bewarb ich mich um eine Stelle bei einer internationalen Entwicklungsorganisation, die Wasser- und Bewässerungslösungen in Entwicklungsregionen weltweit installierte. Ich wurde zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen, und die Person, die mich interviewte, sagte mir, dass eine Stelle im Nordwesten von Haiti frei sei. Es gab jedoch eine Voraussetzung: „Sprechen Sie Französisch?“

Ich antwortete, dass ich tatsächlich ein gewisses Maß an Französisch sprach – und nicht lange danach arbeitete ich in Haiti. Diese erste Berufserfahrung, wie schon meine Zeit im Leseraum, stellte eine feste Grundlage für meine anhaltende professionelle Entwicklung und auch mein weiteres Wachstum in der Christlichen Wissenschaft dar.

Das Verfahren, den Menschen und das Universum zurück in den Geist zu übertragen, macht geistiges Verständnis verfügbar für uns alle, und dieses Verständnis lässt sich auf alle Aspekte unseres Lebens anwenden und an andere weitergeben. Wissenschaft und Gesundheit enthält auch folgende Aussage (S. 209–210): „Der geistige Sinn ist eine bewusste, beständige Fähigkeit Gott zu verstehen. Er zeigt die Überlegenheit eines Glaubens durch Werke über einen Glauben in Worten. Seine Ideen werden nur mit ‚neuen Sprachen‘ ausgedrückt; und diese werden interpretiert durch die Übersetzung des geistigen Originals in die Sprache, die das menschliche Denken begreifen kann.“

Ich habe in meinem Studium und meiner Praxis der Christlichen Wissenschaft gelernt, dass wir nie von Gott getrennt sind. Wir können jedes Problem mit dem vergleichen, was wir über Geist wissen – was schon immer wahr war –, und uns darauf verlassen, dass Gott, Wahrheit, in unserem Alltag auf eine praktische Weise zu uns spricht, die wir verstehen können.

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