Ich bin schon mein ganzes Leben lang Christliche Wissenschaftlerin, und ich kann mich an keine Zeit erinnern, in der ich nicht davon überzeugt war, dass dies der Weg zur Befreiung von allem Übel ist. Doch obwohl ich mich bemühte, gut zu sein und stets das Richtige zu tun, empfand ich mein Leben als immer schwieriger und frustrierender. Beten kam mir wie eine Pflichtübung vor und schien mich nicht weiterzubringen. Wenn ich die wöchentlichen Bibellektionen aus dem Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft las, kamen mir die seit Langem geliebten Wahrheitsinhalte aus der Bibel und dem Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, zwar sehr vertraut vor, schienen aber für mein Leben keine große Relevanz zu haben.
Eines Tages, als ich mir Audioaufnahmen von Artikeln auf JSH-Online anhörte, stieß ich auf einen, der mich besonders fesselte. Die Autorin, eine Praktikerin der Christlichen Wissenschaft, war inspiriert, voller Freude und sie war sich der Güte Gottes sicher. Ich wollte unbedingt sehen, was sie sah! Ich rief sie an, und sie erklärte sich bereit, mit mir zu beten, um mich in meinem Wunsch zu unterstützen, die Christliche Wissenschaft und ihre Relevanz für mein Leben besser zu verstehen. Damit begann eine höchst erstaunliche Entdeckungsreise.
Es gab vieles, was ich in meinem Denken loslassen musste. Bis zu diesem Zeitpunkt hatte ich geglaubt, ein intellektuelles Verständnis der Christlichen Wissenschaft zu benötigen. Ich dachte, es wäre so wie beim Lernen in der Schule: Du lernst den ganzen Stoff auswendig, sagst ihn bei Bedarf auf – und voilà! – schon bist du geheilt. Natürlich hatte das bei mir noch nie wirklich so funktioniert, aber ich dachte mir, dass ich einfach noch nicht genug gelernt hatte.
Die Praktikerin bat mich, zu beobachten, wie oft an meinem Tag etwas gut lief, und Gott für diese Erlebnisse zu danken. Aber ich fragte mich, was Gott damit zu tun hatte, wie gut etwas lief. Wenn etwas gut lief, lag es nicht daran, dass ich umsichtig war oder Glück hatte? Doch je klarer mir wurde, dass Gott gut ist und dass alles Gute von Gott kommt, desto aufrichtiger wurde meine Dankbarkeit für all das Gute, das ich sah. Ich nahm Gottes Gegenwart bewusster wahr und entdeckte, dass Gott wirklich überall ist.
Mir wurde klar, dass ich Gottes Gegenwart nicht gespürt hatte, weil ich dachte, ich dürfe nicht auf meine Gefühle hören, von denen ich glaubte, sie hingen nur mit den körperlichen Sinnen zusammen. Als ich jedoch das Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft erforschte, erkannte ich, dass wir als Kinder Gottes über einen geistigen Sinn verfügen, der uns hilft, Gott, Geist, wahrzunehmen und zu verstehen – Seine Gegenwart und Liebe zu fühlen. In Wissenschaft und Gesundheit heißt es (S. 298): „Der geistige Sinn, der den materiellen Sinnen widerspricht, schließt Intuition, Hoffnung, Glauben, Verständnis, Erfüllung, Wirklichkeit ein.“
Besonders fasziniert hat mich das Wort Intuition im Zusammenhang mit dem geistigen Sinn. Je mehr ich auf die „rechte“ Intuition hörte, von der Mrs. Eddy sagt (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 152), dass sie „euch sicher heimleitet“, desto stärker konnte ich tatsächlich Gottes leitende Gegenwart fühlen. Und ich habe festgestellt, dass mich dieses Gefühl sicherer leitet, als es intellektuelle Schlussfolgerungen jemals getan haben.
Ich hatte auch immer geglaubt, dass es zwei Arten von Wirklichkeit gäbe: eine menschliche, sterbliche, in der ich derzeit lebte, und eine geistige, vollkommene, die ich erlangen würde, wenn ich Gott gut genug zum Ausdruck brächte oder in der Lage wäre, meinen Körper irgendwie zu „vergeistigen“. Dann stieß ich eines Tages in Wissenschaft und Gesundheit (S. 369) auf diese Aussage über Jesus: „Er verstand, dass der Mensch, dessen Leben Gott ist, unsterblich ist, und er wusste, dass der Mensch nicht zwei Leben hat, von denen das eine zerstört und das andere unzerstörbar gemacht werden muss.“ Damit wurde mir klar, dass ich vielleicht meine Sichtweise auf die Wirklichkeit neu justieren musste!
Dieses Umdenken warf viele Fragen auf, die die Praktikerin geduldig beantwortete. Ich war erstaunt, dass die Antworten immer einfach waren, selbst wenn meine Fragen so komplex erschienen, dass ich mich in ihnen völlig verstrickte. Aber ich lernte, dass es unsere Sicht klar hält, wenn wir aus Gottes Perspektive schlussfolgern, statt uns darauf zu verlassen, wie die Dinge den physischen Sinnen erscheinen.
Ich lernte mehr über geistig wissenschaftliches Beten. In Wissenschaft und Gesundheit heißt es (S. 2): „Gebet kann die Wissenschaft des Seins nicht ändern, aber es dient dazu, uns mit ihr in Einklang zu bringen.“ Ich erkannte, dass wir nicht beten, um etwas Schlechtes in etwas Gutes zu verwandeln, sondern um unser Bewusstsein so sehr mit Gottes Sichtweise auf Sein Universum erfüllen und von ihr beflügeln zu lassen, dass wir keine andere Wirklichkeit mehr kennen können. Das erfordert möglicherweise, viele alte, nutzlose Ansichten und Meinungen loszulassen.
Eine Sache, die ich loslassen musste, war das Bedürfnis, alles unter Kontrolle zu haben. Ich war „willensstark“ und daran gewöhnt, mein Leben selbst in die Hand zu nehmen. Auf Gott zu vertrauen, dass Er mir alles, was ich brauchte, bis ins kleinste Detail bereitstellen kann und wird, war eine große Herausforderung. Aber ich musste zugeben, dass nichts, was ich in der Vergangenheit zu kontrollieren versucht hatte, besonders gut gelaufen war. Alles war ziemlich frustrierend gewesen. Könnte es sein, dass man Gott, dem Vater und der Mutter von allem, wirklich vertrauen kann, dass Er das Universum – mich eingeschlossen – regiert?
Ich erinnere mich noch gut an ein Erlebnis, das mir dies verdeutlichte. Meine Familie und ich waren auf einer Autofahrt und machten eine kurze Pause, um Mittag zu essen. Zu dieser Zeit litt ich unter unregelmäßigen und starken Menstruationsblutungen. An diesem Tag setzte meine Periode ein, genau in dem Moment, als ich aus dem Auto stieg. Da ich nichts zur Hand hatte, um mich darum zu kümmern, geriet ich zunächst in Panik, beschloss dann aber, darauf zu vertrauen, dass Gott alles unter Kontrolle hatte.
Wie sich herausstellte, hatten wir ganz in der Nähe eines Supermarkts geparkt, der genau die Dinge führte, die ich brauchte. Gott, unendliche Liebe, hatte meinen Bedarf bereits gestillt, und das war ein Beweis für die Wahrheit dieser Aussage aus Wissenschaft und Gesundheit (S. 494): „Die göttliche Liebe hat immer jeden menschlichen Bedarf gestillt und wird ihn immer stillen.“ Ich erkannte, dass dies nicht nur Worte waren, die in einem Buch geschrieben oder an der Wand meiner Kirche angebracht waren, sondern dass sie tatsächlich wahr und nachweisbar waren. Kurz darauf normalisierte sich mein Menstruationszyklus.
Ich bete immer noch jeden Tag, um tiefer zu verstehen, dass ich mein ganzes Leben Gott, der göttlichen Liebe, anvertrauen kann. Es ist so befreiend und entspannend, wenn ich das tue! Dieses neue Verständnis von Gott hat meinen Charakter sanfter gemacht. Es hat mein Leben freudiger gemacht; außerdem hat es dazu geführt, dass sich die Lehren der Christlichen Wissenschaft in jedem Aspekt meines Lebens lebendig und praktisch anfühlen.
