Dass ich eingeladen wurde, auf einer Konferenz in den Niederlanden die ersten Ergebnisse meiner Doktorarbeit vorzustellen, fühlte sich wie ein wichtiger Schritt in meiner Karriere an. Ich arbeitete drei Wochen lang intensiv an meiner Präsentation, doch je näher der Termin rückte, desto angespannter fühlte ich mich.
Eigentlich dachte ich, dass ich gute Präsentationen bauen kann, aber am Abend vor meiner Reise in die Niederlande war ich nervös. Ich konnte sehen, dass die Präsentation schwer nachzuvollziehen, zu lang, war und keinen roten Faden hatte. Ich hatte solche Angst, meine Zuhörerschaft nicht zu beeindrucken, dass ich mich total verzettelt hatte – von klarer Struktur war weit und breit nichts zu sehen.
Als sich Panik in mir ausbreitete, wurde mir klar, dass ich weg vom Computer musste. Ich hatte nur noch wenig Zeit, um Verbesserungen vorzunehmen, und fühlte mich seelisch ausgelaugt – klare Anzeichen, dass es an der Zeit war zu beten. Als Christliche Wissenschaftlerin habe ich erlebt, dass ich in solchen Situationen immer Ruhe und Orientierung finde, wenn ich mich an Gott wende. Ich war sicher, dass es diesmal nicht anders sein würde.
Als ich anfing, auf Gottes Stimme zu lauschen, wurde mir schnell klar, dass ich mich in meine eigene Vorstellung verstrickt hatte, dass ich eine gute Sprecherin bin und gute Präsentationen gebe, also mich selbst als die Quelle dieses Talents betrachtete. Ich merkte, dass Gott mich jetzt einlud zu erkennen, wie viel größer und reicher das Leben ist, wenn ich es nicht aus meiner kleinen persönlichen Perspektive betrachtete.
Im zweiten Buch Mose in der Bibel (4:1–12, 28–31) wird berichtet, dass Mose seine Fähigkeit anzweifelte, überzeugend zu sprechen und die Israeliten aus der Sklaverei zu führen. Sich selbst als die Quelle zu sehen entspricht zu denken, dass Mose selbst diese Fähigkeit gehabt hatte, und es ist erleichternd, dass wir durch die Christliche Wissenschaft erfahren, dass tatsächlich Gott die Quelle und Mose der Ausdruck war. Als Mose sich auf Gott verließ, konnte er die Israeliten erfolgreich aus der Gefangenschaft führen. Das half mir zu verstehen, dass uns jede Vorstellung von uns selbst, die entweder an Stolz oder an Selbstabwertung gebunden ist, davon abhält, den vollständigen Ausdruck Gottes in unserem Leben zu erkennen.
Als ich darüber nachdachte, fühlte ich mich empfänglicher und fing an, mein Motiv für die Vorstellung meiner Forschungen auf dieser Konferenz neu zu durchleuchten. Ich konnte sehen, dass der wahre Grund für meine Anwesenheit darin lag, göttliche Liebe, Gott, zum Ausdruck zu bringen, und nicht, die Anwesenden zu beeindrucken. So bat ich Gott, mir bei der Überarbeitung meines Vortrags zu helfen, damit er denen, die ihn hörten, von Nutzen sein konnte.
Mit dem Vertrauen, dass Gott, unendliches Gemüt, göttliche Intelligenz, die belebende Kraft meiner Karriere ist, sah ich, dass meine Forschungen für meine Doktorarbeit und alle anderen Schritte auf diesem Weg durch diese Kraft vorbereitet und ausgeführt werden. Gott würde immer am Steuer meines Lebens sein, nicht ich. Also öffnete ich ein neues PowerPoint-Dokument und sagte: „Okay, Gott. Das hier ist Deine Angelegenheit. Sag mir, was ich hier einfügen soll.“
Dann ging ich in meiner Wohnung auf und ab und wartete. Ich sagte mir, dass ich bei jeder einzelnen Folie lauschen würde, bis mir Gottes Antwort kam, und wenn ich die ganze Nacht auf und ab gehen musste.
Nach ein paar Schritten kamen mir Ideen für die ersten beiden Folien, und mir fiel ein kreativer neuer Anfang ein. Ich setzte mich, schrieb alles hin und ging dann wieder auf und ab, bis mir die nächste Idee kam. Innerhalb von zwanzig Minuten hatte ich eine abgeschlossene Präsentation, die interaktiv war und meine Forschung sehr klar darstellte. Außerdem hatte ich den Kerngedanken, einen nachvollziehbaren roten Faden sowie einen Anfang und ein Ende. Als ich die Präsentation durchging, hatte sie die genaue Länge, die bei der Konferenz vorgeschrieben war.
Ich war von Ehrfurcht erfüllt und spürte in mir so viel Freude und Demut.
Die Präsentation auf der Konferenz lief unglaublich gut, und ich habe sie seitdem als Muster für andere Präsentationen genutzt. Und diese Erfahrung hat mir die wesentliche Wahrheit bewusstgemacht, dass Gott die einzige Quelle unserer Intelligenz und Kreativität ist. Wenn wir verstehen, dass Gott die Quelle ist, werden akademische und alle anderen Aktivitäten erfüllender, kreativer, interessanter und müheloser.
Diese Erfahrung erinnert mich an etwas, das mir eine Praktikerin der Christlichen Wissenschaft einmal gesagt hat: Stell dir vor, du sitzt im Auto in einer Großstadt, umgeben von Wolkenkratzern. Du willst unbedingt an einen bestimmten Ort gelangen, aber es ist schwer, den Weg dahin zu erkennen. Stell dir jetzt vor, du telefonierst mit einer guten Freundin, die oben auf einem der Gebäude steht und den Weg zu deinem Ziel genau erkennen kann. Und so kommen die Anweisungen: „Bieg hier rechts ab und dann links.“ Das macht im Moment aus deinem Blickwinkel vielleicht keinen Sinn, aber du weißt, dass deine Freundin alles im Blick hat und dich auf dem besten, schnellsten Weg ans Ziel führen kann.
Bei der Freundin handelt es sich um Gott, und je nachdem, wie sehr du der Sicht deiner Freundin vertraust, kommst du schnell oder langsam ans Ziel.
Demut ist machtvoll, denn sie gestattet uns, eine begrenzte Sichtweise aufzugeben und göttliche Anweisungen zu akzeptieren. Statt zu meinen, dass wir neue Talente entwickeln oder „jemand“ werden müssen, stellen wir fest, dass wir längst ein vollständiger und fähiger Jemand sind, denn so hat die göttliche Liebe uns gemacht.
