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Original im Internet

Da muss irgendwie mehr sein!

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 9. September 2019


Stellen Sie sich einen fensterlosen, nackten Raum vor. Ecken, Boden und Wände sind völlig unbeleuchtet. Hier lebt jemand – und er hat noch nie woanders gelebt.

Nur eine Sache weicht von der allgemeinen Farblosigkeit ab, nämlich ein kleiner Tisch mit zwei Stühlen genau in der Mitte des Raums. Auf dem Tisch liegt ein Schachbrett mit schönen Schachfiguren, und dieser Bereich ist das einzige, was in Licht getaucht ist. Nur die Schachgarnitur wird beleuchtet. Mehr bekommt der Bewohner nicht zu sehen.

Stellen Sie sich nun vor, dass einmal in der Woche eine andere Person durch eine versteckte Tür tritt und sich an den Tisch setzt. Der Bewohner spielt seit seiner Jugend mit dem Besucher Schach. Man kann sich denken, wie wichtig das Schachspiel im Laufe der Jahre für unseren Bewohner geworden ist! Da es das einzige ist, was er sieht und kennt, hängt sein gesamtes Weltbild davon ab, was sich auf diesem Brett abspielt. Was also den Springern, den Bauern und der Dame passiert, ist ihm zweifellos unendlich wichtig.

Nehmen Sie an, dass der Gegner des Bewohners zwischen zwei Zügen flüstert: „Mein Freund, ich muss dir etwas sagen. Die Existenz besteht nicht nur aus diesem Schachspiel. Es gibt eine riesige, helle, vielfältige, komplexe Welt außerhalb dieses Raums.“

„Hmmm ... ja“, sagt der Bewohner, „manchmal ahne ich, dass da irgendwie irgendwo mehr sein muss. Doch wenn ich mich umschaue, liegt auf der Hand, dass nur das wichtig ist, was sich auf dem Schachbrett zuträgt. Es ist absolut nichts wichtiger, wesentlicher und von größerer Bedeutung für uns beide, als die Strategie von dem, was auf diesen schwarzen und weißen Feldern passiert.“

Natürlich wird alles geradezu magisch neu und wundervoll für den Bewohner, wenn er aus seinem düsteren Raum ins Tageslicht geführt wird. Und nach nur ein paar Stunden in der Unermesslichkeit der Welt tritt das, was im Laufe der Jahre auf dem Schachbrett passierte, weit in den Hintergrund.

Kennen Sie diese kleinen Intuitionen, dass hinter unserer Existenz mehr stecken muss als nur das, was Sie täglich bei Ihren Aktivitäten um sich sehen? Ahnen Sie, dass es jenseits dessen, was Ihre Augen Sie sehen lassen, noch viel mehr sein könnte?

Ich habe solche Gefühle und kleinen Intuitionen häufig. Eine weitere und klarere Sichtweise der Existenz enthält für mich tiefe und jetzt fassbare geistige Facetten unseres Daseins.

Ähnlich wie unser schachspielender Bewohner die geflüsterten Worte seines Freundes hörte, die von einer größeren, helleren Welt sprachen, hören wir die Worte Gottes, der göttlichen Wahrheit, in unseren Herzen und Gedanken, und das wirkt sich wundervoll erhellend aus. Sie machen uns mit der wirklichen Welt bekannt – der einen und einzigen wundervollen, unendlichen Welt des Geistes, der Liebe und der Güte, einer hellen Geistigkeit und unerreichten göttlichen Intelligenz.

Wie die Schachgarnitur im kleinen Lichtfleck mag uns das physische Universum hin und wieder so vorkommen, als ob es alles ist, was es gibt, und das macht es schwer, sich etwas anderes überhaupt vorzustellen. Doch glücklicherweise gibt es mehr – so viel mehr, und zwar genau jetzt! Wie Jesus es ausdrückte: „Das Himmelreich ist nahe gekommen“ (Matthäus 10:7). Jesu Theologie in diesem Satz war und ist auch heute eine Abweichung von den herkömmlichen philosophischen und religiösen Ansichten.

Das Himmelreich kommt nicht erst später. Nicht in ferner Zukunft. Gottes Reich ist hier und jetzt fassbar, erkennbar, beweisbar, bewohnbar. Statt dass der Tod der Zugang zu einer Welt himmlischen Glücks ist, erklärte Jesus für alle seine Nachfolger nachvollziehbar diese gute Nachricht: „Dein Reich komme“ (Matthäus 6:10) – oder, wie Mary Baker Eddy diese Zeile geistig auslegt: „Dein Reich ist gekommen; Du bist immer-gegenwärtig“ (Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift, S. 16). Ist gekommen! Statt den Himmel für die Sterblichkeit zu verlassen – und ständig mit Verwundbarkeit und Frust zu leben –, leben wir jetzt geistig und vollkommen in der Unendlichkeit Gottes, der Unendlichkeit der göttlichen Liebe.

Wenn man darüber nachdenkt, gibt es keinen anderen Ort, denn Gott ist überall. Gedanke für Gedanke, Schritt für Schritt, Gebet für Gebet, Heilung für Heilung können wir also diese unbegrenzte, gegenwärtige geistige Natur der wahren Existenz erkennen und beweisen. Wir können deutliche Beweise in unserem Leben sehen, wenn wir die geistigen Tatsachen im Bewusstsein wahrnehmen und sie in unseren Gebeten und unserem Leben ausdrücken. Das ist die treue Arbeit der Nachfolger Jesu, der Schüler der Christus-Wissenschaft, die er lehrte.

Wir haben in unseren Gebeten immer die Gelegenheit, mit kindlicher Bereitschaft von einer mesmerisierenden „Schach-Welt“ aufzuschauen, die nur durch einengende Grenzen definiert wird. Und zu unserer Überraschung stellen wir schon bald fest, dass wir viel mehr erhalten haben – und zwar unendlich mehr! Von den Begrenzungen und dem Kontext einfacher Sterblichkeit betrachtet können Worte das alles kaum beschreiben.

Die schlichten schwarzen Buchstaben, die das Wort Gewitter ausmachen, können genauso wenig den Geruch von Regen, den herrlichen Donner und die dicken Regentropfen auf der staubigen Erde beschreiben, wie die gedruckten Worte: „Alles ist Gott und Gott ist Liebe“ die absolute Unermesslichkeit und Schönheit der unendlichen Liebe, Gottes, beschreiben können. Doch durch beständiges Gebet können Sie die Natur und Gegenwart der göttlichen Liebe entdecken und fühlbar erleben.

„Dieses Reich Gottes ist ‚inwendig in euch‘ – es ist hier in Reichweite für das Bewusstsein des Menschen, und die geistige Idee offenbart es“, lesen wir in Wissenschaft und Gesundheit (S. 576).

Was erleben wir, wenn das menschliche Bewusstsein die flüsternden Worte der Liebe hört, die die geistige Idee, das Reich Gottes, als gegenwärtig und intakt offenbaren? Klärung, Reformation, Umwandlungen des Denkens und dauerhafte Heilung.

Als Jesu Jünger ihn zum Beispiel nach einem Mann fragten, der noch nie hatte sehen können, zeigte sich, dass sie die Existenz nach wie vor nur aus der begrenzten Sicht des materiellen Lebens betrachteten. Aus dieser eingeengten Perspektive dachten sie natürlich, dass jemand einen Fehler begangen haben und so das Leid des Mannes hervorgerufen haben musste. Also fragten sie: „Meister, wer hat gesündigt, er oder seine Eltern, dass er blind geboren ist?“ Doch Jesus antwortete: „Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern an ihm sollten die Taten Gottes sichtbar werden“ (Johannes 9:2, 3).

Anhand Jesu Antwort erkennen wir, dass er nicht von dem Augenschein materieller Verwundbarkeit und Begrenzung beeindruckt war. Sein Bewusstsein war erfüllt von der Herrlichkeit einer höheren Sichtweise – der Unendlichkeit der gegenwärtigen, wundervollen Werke Gottes. Jesus erkannte dieses unendliche Reich Gottes ganz deutlich, und diese geistige Wahrheit heilte den Mann, sodass er zum ersten Mal in seinem Leben sehen konnte. Mrs. Eddy drückte es so aus: „Das sichtbare Universum und der materielle Mensch sind dürftige Fälschungen des unsichtbaren Universums und des geistigen Menschen. Ewige Dinge (Wahrheiten) sind Gottes Gedanken, wie sie im geistigen Reich des Wirklichen existieren“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 337).

Dadurch, dass ich meine Existenz auf diese Weise wahrnehme, habe ich festgestellt, dass meine Perspektive – mein ganzes Weltverständnis – größer wird. Ja, hier im riesigen, geistigen Reich des Wahren gibt es eine unendliche Menge ewiger Wirklichkeiten, Widerspiegelungen von Gottes herrlichen und wundervollen Gedanken.

Es ist so ermutigend zu wissen, dass wir alle aufstehen und uns von der engen Perspektive einer begrenzten materiellen Existenz abwenden und in das umfassende, gesegnete Licht geistiger Wahrheit und göttlicher Wirklichkeit begeben können.

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Der Herold ermutigt jeden von uns, das geistig Gute zu entdecken — den geistigen Sinn zu betätigen. Wir sehen damit klarer die geistigen Tatsachen unserer Beziehung zu Gott und entdecken gleichermaßen auch Gelegenheiten, sie der Welt zu verkünden und anzuwenden: mit anderen Worten, die Aufgabe des Herolds zu erfüllen.

Michael Pabst, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Februar 1997 

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