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Original im Internet

Die vierte Wand des Unglaubens durchbrechen

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 26. August 2019


Im Theater bedeutet „die vierte Wand durchbrechen“, dass man die Illusion der Trennung zwischen Publikum und Schauspielern beseitigt. Eine Bühnenkulisse hat im Allgemeinen drei Wände und dann eine unsichtbare „vierte Wand“ zwischen den Schauspielern und den Zuschauern. Diese „Wand“ scheint die beiden Gruppen zu trennen, doch natürlich existiert dort keine wirkliche Barriere. Diese scheinbare Trennung ist nur fiktiv und kann jederzeit aufgehoben werden.

Ich dachte unlängst daran, als ich überlegte, woran es liegt, dass wir manchmal von der Heilung getrennt zu sein scheinen, die wir beim Beten anstreben. „Was könnte eine scheinbare Barriere zwischen uns und der Demonstration der Christus-Wissenschaft sein, den Gesetzen Gottes, die Christus Jesus praktizierte? Ist das scheinbare Hindernis, dies zu demonstrieren, so durchlässig wie die vierte Wand im Theater?“, fragte ich mich. Wäre die Furcht, dass Heilung nicht möglich ist, der üblichen Erwartung ähnlich, dass Schauspieler und Zuschauer nicht miteinander interagieren?

Während jeder mit Gottes Hilfe daran arbeiten kann, alle Widerstände gegen christliches Heilen zu überwinden, auf die wir stoßen, ist meiner Meinung nach ein wichtiger Faktor der Unglaube in der heutigen Gesellschaft, der auf subtile Weise in unser Denken eindringen kann. Das Gute ist, dass diese mentale Wand durchbrochen werden kann, wenn wir erkennen, dass nichts den Christus – die Wahrheit, die heilt – wirklich behindern kann. Anders gesagt ist somit nicht einmal diese fiktive Wand vorhanden.

In einem Artikel mit der Überschrift „Unglaube und Glaube“ im Herold vom Dezember 1910 unterscheidet William P. McKenzie zwischen Unglauben und Zweifel. Man könnte sagen, dass Unglaube absolutes Misstrauen und das Abweisen eines Konzepts ist. Beim Unglauben wäre das Argument, dass die zugrundeliegende Prämisse einer Idee verkehrt ist. Doch Zweifel ist subtiler. McKenzie drückt es so aus: „Nicht durch den Unglauben, der die dargebotene Wahrheit zurückweist, wird der geistige Fortschritt am meisten gehindert, sondern durch die der Wahrheit entgegengesetzten Vorstellungen, welche das menschliche Bewusstsein erfüllen. In einem auf diese Weise voreingenommenen Bewusstsein hat die Wahrheit keinen Raum.“

Dann stellt sich die Frage, wofür wir am empfänglichsten sind: für Gottes heilende Wahrheit oder für Dinge, die uns davon ablenken wollen? Die Wahrheit, die heilt, ist das Verständnis, dass Gott, Geist, alles ist, dass man zu Allem nichts hinzufügen kann; außer Gott und dem Ausdruck von Gottes Sein existiert nichts – nichts als geistige Schöpfung, einschließlich des geistigen Menschen, der wahren Identität aller Männer, Frauen und Kinder. „Der Ausgangspunkt der göttlichen Wissenschaft ist, dass Gott, Geist, Alles-in-allem ist und dass es keine andere Macht und kein anderes Gemüt gibt – dass Gott Liebe ist und dass Er daher das göttliche Prinzip ist“, erklärt Mary Baker Eddy in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 275). Wenn wir dieser Aussage folgen, sind wir fähig, die heilende Macht zu demonstrieren, die Christus Jesus von seinen Nachfolgern erwartete.

Doch, so habe ich festgestellt, können wir ernsthaft beten und studieren, um mehr über die göttliche Wahrheit zu lernen, wir können ein christliches Leben anstreben und uns bemühen, die Wissenschaft des Christus – die Christliche Wissenschaft – umzusetzen, und trotzdem im tiefsten Herzen nicht absolut bejahen, dass Gott, Geist, alles ist. Alles. Und dass nichts – nichts – außer Gott, dem Guten, wirklich ist. Wenn wir zugeben, dass Geist alles ist, dann bestätigen wir, dass die Materie nicht die Substanz der Schöpfung oder Existenz ist; dass sie uns nicht wirklich schaden oder heilen kann. Doch es kann unbeabsichtigt so aussehen, als steckten wir im Morast des Unglaubens fest, umgeben von Ideen, die dem göttlichen Geist entgegenstehen, durchdrungen von dem Trommelschlag des Materialismus, der von den jeweils gängigen weltlichen Theorien vorgegeben wird.

Wir lesen in Wissenschaft und Gesundheit: „Die bewirkende Ursache und die Grundlage aller Krankheit ist Furcht, Unwissenheit oder Sünde“ (S. 411). Für mich ist eine wichtige zugrundeliegende Furcht, die sich als Disharmonie und Krankheit darstellt, die tiefe Sorge, dass Gott, Geist, vielleicht eine Menge ist, aber sicher nicht alles – dass in dem, was die materiellen Sinne uns vormachen, nämlich dass es eine andere Gegenwart oder Macht außer Ihm gibt, doch ein Funken Wahrheit sind könnte.

Aber wir können uns vor dieser Täuschung schützen und jeden Hauch des Zweifels vertreiben und somit die substanzlose vierte Wand durchbrechen, die uns vorgaukelt, dass wir von einer höheren Demonstration der göttlichen Wahrheit getrennt sind. Dazu müssen wir in gewissem Grad die vollständige, gesamte, uneingeschränkte, absolute Ganzheit Gottes, des Geistes, und die beständige Allgegenwart des Christus, Gottes Botschaften des Guten an alle, anerkennen und verstehen. Der Apostel Paulus sagte über Christus: „Er ist unser Friede, der ... den Zaun … abgebrochen hat“ (Epheser 2:14).

Und in Jesaja sagt uns Gott direkt: „Ich bin der Herr, und sonst keiner mehr“ (45:5). Die Bibel bestätigt diese geistige Tatsache nicht nur, sondern zeigt zahllose Beweise durch die Werke, die im Alten und Neuen Testament wiedergegeben werden – allen zuvorderst Christi Jesu Heilungen. Jesus verabreichte keine Medikamente und wich auch nicht vor beunruhigenden körperlichen Zuständen zurück. Er wäre nicht fähig gewesen, Sünde, Krankheit und sogar den Tod verlässlich zu überwinden, wenn er sich gefragt hätte, ob eine andere Gewalt oder Macht außer Gott, dem Guten, gegenwärtig oder in Kraft wäre.

Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, folgte dem Pfad, den Jesus vorgezeigt hatte, durch die heilige Offenbarung, dass es keine Substanz und keinen Zustand außer dem göttlichen Gemüt und seiner Schöpfung gibt, weil Gott, Geist, alles ist. Das sterbliche Gemüt – eine angebliche Mentalität, die nicht von Gott kommt – kann uns wie eine Kraft vorkommen, die dem unendlichen, allgegenwärtigen Guten entgegenwirkt. Doch Mrs. Eddy durchschaute diesen Klamauk, diese Fälschung des einen wahren Gemüts. Sie erlangte das Verständnis, dass die materiellen Sinne keine verlässlichen Boten der Wahrheit sind und dass wir von dem Verständnis und der Demonstration der wahren Natur der Wirklichkeit, der des Geistes, weggelockt werden, wenn wir ihnen vertrauen. Um uns zu helfen, unser Denken, unser Verständnis und unsere Praxis der Christlichen Wissenschaft zu verteidigen, weist sie uns an: „Bestehe mit Nachdruck auf der großen Tatsache, die alles umfasst: dass Gott, Geist, alles ist und dass es keinen außer Ihm gibt“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 421).

Die Welt ist von materiellem Denken und Handeln durchsetzt, und es kann schwierig, wenn nicht gar unmöglich erscheinen anzuerkennen, dass allein Gott, Geist, Gemüt, wirklich ist. Wenn wir unseren Glauben stärken müssen, dass Geist alles ist, können wir uns an die göttliche Wissenschaft wenden, um ein festes Fundament zu haben. Schließlich ist die göttliche Wissenschaft eine Wissenschaft, also enthält sie Beweise, und Nachweise von Heilungen durch die Christliche Wissenschaft sind seit über 125 Jahren dokumentiert. „Die Wissenschaft – die göttliche Wissenschaft – legt die erhabenen und ewigen Wahrheiten Gottes und des Menschen als des göttlichen Gemüts und der Idee dieses Gemüts dar“, schreibt Mrs. Eddy in ihrem Buch Nein und Ja (S. 27).

Ich habe festgestellt, dass ich der Suggestion, es gebe eine Schöpfung außer der von Gott, Geist, besser standhalten kann, wenn ich bestrebt bin, diese „ewigen Wahrheiten“ besser zu verstehen. Wenn ich dies tue, habe ich mehr Erfolg beim Heilen.

Als mich einmal jemand bat, aufgrund eines schwierigen körperlichen Problems für ihn zu beten, erwiderte ich: „Sehr gern“, wie immer bei solch einer Bitte. Doch ich gebe zu, dass sich in diesem Fall kurz eine vierte Wand aus Furcht und Unglauben aufstellen wollte. Was, wenn ich nicht fähig wäre, diese Heilung bis zum Ende zu verfolgen?

Dann machte ich mir Gottes Allheit bewusst und dachte daran, dass Wahrheit, Gott – nicht ich – der Heiler ist. Dadurch fühlte sich die „Wand“ nicht so undurchdringlich an. Dann bat ich im Gebet den göttlichen Geist um die Inspiration und Zusicherung, die ich brauchte, um ganz gewiss zu sein, dass dieser Mann, diese wertvolle Idee der göttlichen Liebe, absolut vollkommen, gesund und sicher war.

Ich fühlte mich bewogen, folgende Stelle aus Wissenschaft und Gesundheit nachzulesen: „Furcht hat das Sein und seine Tätigkeit niemals zum Stillstand gebracht. Blut, Herz, Lungen, Gehirn usw. haben nichts mit Leben, Gott, zu tun. Jede Funktion des wirklichen Menschen wird vom göttlichen Gemüt regiert. ... Alles, was wirklich existiert, ist das göttliche Gemüt und seine Idee, und in diesem Gemüt zeigt sich das gesamte Sein als harmonisch und ewig. Diese Tatsache zu erkennen und anzuerkennen, sich dieser Macht zu ergeben und den Führungen der Wahrheit zu folgen, das ist der gerade und schmale Weg“ (S. 151).

Diese Stelle versicherte mir, dass Furcht keine Autorität über diesen Mann, mich oder sonst jemanden hat. Furcht konnte nicht der Zeremonienmeister sein. Jeder Aspekt unseres wahren Seins wird vom göttlichen Gemüt, Gott, regiert und ist daher geordnet, harmonisch, beständig, stark und frei. Meine Aufgabe war, mich mental dieser geistigen Tatsache zu ergeben, mit jeder Faser meines Daseins zu bestätigen, dass dies die einzige Wirklichkeit ist und dass Gott und die Manifestation Seiner Güte alles ist, was wahrhaft existiert – alles.

Ich habe gelegentlich Heilungen in dieser Zeitschrift gelesen, die beschreiben, wie die Verfasser beim Beten einen erheblichen Schub an Überzeugung gespürt haben, dass ein bestimmter Wahrheitsgedanke, den sie bekräftigten, wirklich wahr ist. Und dass daraufhin eine Heilung erfolgte. Als ich mit den oben angeführten und weiteren Wahrheitsgedanken betete, fühlte ich diese tiefe geistige Bestätigung von Gottes Allheit. Später berichtete der Patient, dass alles in Ordnung sei; alles war wieder völlig normal.

Keine scheinbare vierte Wand kann uns wahrhaft von der immer-aktiven Liebe Gottes trennen, die sich als Harmonie und im Christus-Heilen ausdrückt. Paulus sagt: „Ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Fürstentümer noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Hohes noch Tiefes noch irgendeine andere Kreatur, uns von der Liebe Gottes zu scheiden vermag, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn“ (Römer 8:38–39).

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Michael Pabst, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Februar 1997 

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