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Original im Internet

Toxische Politik muss nicht sein

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 29. August 2019


Der politische Diskurs allüberall scheint toxisch zu sein – von den endlosen Auseinandersetzungen in Großbritannien für und wider den Brexit über das Gerangel um den legitimen Präsidenten von Venezuela bis hin zu den polarisierten Meinungen in der amerikanischen Innenpolitik über den besten Weg voran.

Es hat oft den Anschein, als ob Empörung der Preis ist, den wir zahlen müssen, wenn wir aktiv am Geschehen teilnehmen wollen. Daher könnte die Frage aufkommen: „Wie lasse ich die wichtigen Dinge an mich heran und halte gleichzeitig meine Wut in Schach?“

Mein Ausgangspunkt war die Überlegung, wie ich Menschen betrachte, die mir fremde Positionen einnehmen. In dieser Hinsicht erregte ein Kommentar einer ehemaligen US-Botschafterin bei den Vereinten Nationen anlässlich ihres Rücktritts Aufmerksamkeit. Bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung in New York City sagte Nikki Haley: „In unserem toxischen politischen Leben habe ich Leute beider Parteien sagen hören, dass ihre Gegner Feinde oder schlechte Menschen seien. ... Wir haben ernste politische Differenzen hier im Land. Doch unsere Gegner sind nicht schlecht, sie sind nur Gegner“ (CNN.com, „Nikki Haley: ‚Our opponents are not evil, they‘re just our opponents‘“ ([Unsere Gegner sind nicht schlecht, sie sind nur Gegner“], 19. Oktober 2018).

Verfolgt man diesen Gedanken weiter, so gibt es eine grundlegende geistige Sichtweise von den Menschen, die es uns unmöglich macht, andere, auch Politiker, als Feinde zu betrachten. Welche negativen Eigenschaften wir auch mit Leuten verbinden, aus dieser Sichtweise erkennen wir, dass sie weder unumstößlich noch überhaupt Teil ihres wahren Charakters sind. Es ist eine geistige Tatsache, dass jeder Mensch, ob wir ihn persönlich oder nur aus den Medien kennen, in Wirklichkeit geistig ist und von Gott, der Quelle alles Guten, erschaffen wurde. Wir wurden dazu erschaffen, die göttliche Natur auszudrücken – Gottes eigene geistige Widerspiegelung zu sein.

Und da der Mensch als Gottes geistige Widerspiegelung die Wirklichkeit ist, stellt das, was diese Identität nicht wiedergibt, nicht den Sohn oder Tochter Gottes dar, auch wenn wir versucht sein mögen, diese Darstellung zu fürchten oder zu hassen. Ebenso lässt jede Sichtweise von uns selbst als jemand, der sich leicht provozieren, aufregen oder gar zu Hass anstacheln lässt, keinen korrekten Blickwinkel auf unser wahres Sein zu.

Das bedeutet nicht, dass wir schlechtes Verhalten ignorieren, dulden oder gar annehmen. Vielmehr zeigt es, dass wir die Furcht infrage stellen, wir könnten Ereignissen ausgeliefert sein, die außerhalb unserer Kontrolle sind, zum Beispiel die subtile Einflüsterung dessen, was man als die schlimmste Tatsachenverdrehung schlechthin bezeichnen könnte: die Mentalität, die Leben und Gemüt als materiell und unweigerlich Gutem und Bösem ausgesetzt wahrnimmt.

Die Bibel nennt diese Mentalität fleischliches Gemüt, und jede Behauptung, das Böse sei mächtiger als das Gute, muss ja wohl eine „Tatsachenverdrehung“ sein, denn die Bibel verheißt uns, dass Gott alles ansah, „was er gemacht hatte, und sieh, es war sehr gut“ (1. Mose 1:31). Statt die irrige Sichtweise des fleischlichen Gemüts zu akzeptieren, können wir darum beten, die fortwährende Gegenwart und Macht des Guten zu sehen – von Gott stets erschaut. Wenn wir dies tun, erkennen wir nach und nach, dass das Böse nicht die Macht hat, die es zu haben scheint.

Mir wurde das bewusst, als ich mit jemandem zu tun hatte, dessen Handlungen mich so tief bestürzten, dass es mir unmöglich erschien, ihn als Gottes Schöpfung zu sehen – als jemanden, der dazu erschaffen war, Gottes Güte zu verherrlichen. Doch ich betete beharrlich mit einer zentralen Beobachtung über Christus Jesus in den Lehren der Christlichen Wissenschaft. Mary Baker Eddy schreibt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Jesus sah in der Wissenschaft den vollkommenen Menschen, der ihm da erschien, wo den Sterblichen der sündige sterbliche Mensch erscheint“ (S. 476–477).

Durch seine außergewöhnliche Bilanz an Heilungen von Krankheit und Sünde bewies Jesus, dass das Gute bewerkstelligt werden kann, indem man an der wahren Sichtweise unseres Mitmenschen als Gottes Ausdruck festhält. Als ich demütig daran arbeitete, ließen meine Furcht und Ressentiments diesem Mann gegenüber nach, und die Situation löste sich schnell auf.

Eignet sich diese Herangehensweise nicht auch für die Politik? Statt sich in die toxische mentale Atmosphäre hineinziehen zu lassen, einen Kandidaten zu hassen, dessen Worte und Taten uns zu einer solchen Reaktion verleiten, können wir helfen, die Atmosphäre zu heilen. Wir können innehalten und beten, und bei diesem Gebet können wir identifizieren, was uns die Existenz eines uninspirierten Menschen einreden möchte, und unsere Überzeugung von dieser falschen, materiellen Sichtweise hinterfragen. Das zu tun bedeutet nicht, dass man schwierigen Situationen aus dem Weg geht. Eine geistigere Sichtweise entschärft Furcht, indem sie unser Denken dazu erweckt, das bereits vorhandene Gute zu bezeugen – und überzeugter zu sein, dass es nie vergehen wird. Sie hilft uns, das mentale Gleichgewicht und Selbstvertrauen zu wahren, durch das wir inspiriert beten können, um den Fluss von Ideen zu unterstützen, die die Bedürfnisse der Menschheit stillen. Und sie bestärkt den Mut, der erforderlich ist, um die praktischen Schritte zu tun, zu denen Gott uns inspiriert.

Ob wir in einer Wahl für die Kandidaten stimmen, die am Ende gewinnen oder nicht (wo immer wir leben und egal was auf dem Spiel zu stehen scheint), wir können an unserem Ziel festhalten, die geistige Sicht auf alle Menschen einzunehmen. Auf diese Weise werfen wir unsere Worte und Taten in die Waagschale von Gottes Gesetzen und Güte, wo sie als Stimme gegen die Verbreitung von Spaltung, Hass und Furcht gezählt werden.

Tony Lobl
Stellvertretender Chefredakteur

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Michael Pabst, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Februar 1997 

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