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Original im Internet

Der Erlösung würdig?

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 15. Juni 2026


Eine Frau betrat weinend das Praxis-Büro eines Praktikers der Christlichen Wissenschaft. Er vermutete, eine Prostituierte vor sich zu haben, und erfuhr später, dass sein Eindruck stimmte. Während sie sich fasste, wartete er still und betete um die Erkenntnis, wie ihr am besten geholfen werden konnte. Als sie schließlich sprechen konnte, sagte sie: „Ich weiß, dass ich im Büro eines so heiligen Mannes wie Ihnen nichts zu suchen habe.“ Er antwortete entschieden und aus tiefstem Herzen: „Ich brauche den Christus genauso dringend wie Sie. Der einzige Unterschied zwischen uns beiden ist, dass ich mir dessen bewusst bin.“

Wenn wir wie dieser Praktiker anerkennen, dass wir Erlösung ebenso brauchen wie andere, sagen wir damit nicht, dass wir Sünden verbergen, die für andere nicht sichtbar sind. Doch bei unserem Bestreben, in unserem Leben nur gottähnliche Eigenschaften zum Ausdruck zu bringen, ist es ganz natürlich, uns der Bereiche bewusst zu sein, in denen wir dieses Ziel noch nicht erreicht haben. Und wir können uns sehr deutlich der Faktoren bewusst sein, die uns davon abhalten, das Gute zum Ausdruck zu bringen, das wir anstreben, ob aufgrund unserer Lebensumstände oder auch durch einen Mangel, das Gefühl, dass es zu viel verlangt ist, ständig gut zu sein, oder durch Trägheit.

Doch wir können auch verstehen, dass wir alle wahrhaft von Gott, Geist, erschaffen sind und Ihn zum Ausdruck bringen und dass die wahre Natur, das wahre Sein eines jeden Menschen geistig und nicht materiell ist. Wir können erkennen, dass nicht nur unsere Fähigkeit, das Böse zu überwinden, sondern auch unsere Würdigkeit, vom Bösen befreit zu werden, gottgegeben und immer gegenwärtig sind. Und wir können wissen, dass dies ebenso auf alle anderen Menschen zutrifft, wer sie auch sein und in welchen Umständen sie sich auch befinden mögen.

Diese Art, andere wahrzunehmen, wurde am besten durch Christus Jesus verdeutlicht. Er veranschaulichte Gottes Güte in allem, was er sagte und tat. Er arbeitete unermüdlich für die Erlösung seiner Mitmenschen, befreite Personen von der Sklaverei der Sünde, heilte die Kranken und erweckte die Toten zum Leben. Und er hat seine Arbeit nicht auf diejenigen beschränkt, die die Gesellschaft als würdig betrachtete.

Wir lesen immer wieder in der Bibel, dass Jesus mitfühlend auf Menschen reagierte, die andere vielleicht als unwürdig erachtet hätten – ja, die sich augenscheinlich auch selbst unwürdig fühlten (siehe beispielsweise Lukas 7:36–48). In jedem Fall heilte er diejenigen, die ihn um Heilung baten, ob die Gesellschaft sie gemäß den gegebenen Richtlinien als würdig betrachtete oder auch nicht. Und er sagte über sich selbst (Matthäus 9:13): „Ich bin nicht gekommen, um Gerechte zu rufen, sondern Sünder zur Buße.“ Das bedeutet, dass niemand außerhalb der Reichweite der heilenden Macht des Christus ist.

Die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, Mary Baker Eddy, definiert Christus in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 583) als „die göttliche Offenbarwerdung Gottes, die zum Fleisch kommt, um den fleischgewordenen Irrtum zu zerstören“. „Irrtum“ bezieht sich auf alles, was Gott, dem All-Guten, unähnlich ist. Somit ist der unkörperliche Christus das, was uns alle vom Irrtum erlöst – von Sünde, schlechten Charaktereigenschaften, Angst, Mangel, Krankheit, Unfällen und sonstigem Bösen. Jesu Mission bestand darin, uns zu zeigen, was Christus ist und was er für uns tut – nicht nur zu seiner Zeit, sondern in Ewigkeit. Gott ist immer gegenwärtig, also muss Christus, Seine göttliche Manifestation, ebenfalls immer gegenwärtig sein. Aus diesem Grund können wir nie außerhalb der Reichweite des Christus sein.

Vielleicht fühlen wir uns in irgendeiner Weise unwürdig – nicht der Liebe, einer Heilung, eines Erfolgs würdig – und meinen, dass wir fehl am Platz sind oder übergangen wurden. Christus versichert uns allen, dass wir niemals außerhalb der Liebe Gottes sind. Wir alle sind würdig, von Christus berührt zu werden, und spüren diese Berührung, wenn wir empfänglich dafür sind. Das wahre Selbst einer und eines jeden von uns in Gottes Schöpfung drückt Ihn auf einzigartige Weise aus, und das macht uns alle zu einem notwendigen Bestandteil für Gottes vollständigen Ausdruck. Kein einziger Mensch ist überflüssig; jeder hat unendlich hohen Wert.

Das war die Grundlage, auf der der Praktiker anfing, die Sorge der Frau, sie könnte in den Augen Gottes, der Liebe, unwürdig erscheinen, zu lindern. Er versicherte ihr, dass Christus hier und jetzt zugegen war, um sie aus dem Leben zu erretten, aus dem sie so verzweifelt ausbrechen wollte. Als sie ging, beschloss sie, die Treppe zu nehmen, da sie sich schämte, in ihrer Aufmachung in einem Geschäftsgebäude gesehen zu werden. Auf der letzten Treppenstufe stolperte sie und wurde von einem Mann aufgefangen, der gerade nach oben gehen wollte. Er sah sie an und sagte: „Sie sehen aus, als könnten Sie einen Job gebrauchen. Ich bin der Besitzer des Lokals ein paar Häuser weiter, und eine Kellnerin hat gerade gekündigt. Könnten Sie sofort anfangen? Wir haben die nötige Kleidung für Sie im Hinterzimmer.“

Die Frau nahm dankbar an und ließ ihren alten Lebenswandel dauerhaft hinter sich. Sie fing an, die Christliche Wissenschaft zu studieren, und trat der örtlichen Zweigkirche der Christlichen Wissenschaft bei.

Die Erlösung, die Jesus uns vorgelebt hat, ist uneingeschränkt. Wenn wir erlöst werden, erkennen wir, dass uns kein einziges Element des Irrtums anhaften kann. Und wir alle müssen und werden uns irgendwann so erkennen, wie Gott uns kennt: für alle Zeiten frei von Gedanken oder Erlebnissen der Krankheit, der Sünde und des Todes. Wenn wir die Erlösung annehmen, die Jesu Beispiel uns bietet, und danach streben, so zu leben, dass wir das Gute zum Ausdruck bringen, das uns von Natur aus und ewiglich gehört, dann können die Sünden der Vergangenheit einer Heilung von heute nicht im Weg stehen. Die Macht der Liebe hebt uns aus Sünde und Leiden heraus und ebnet uns einen Weg, auf dem wir unserem Umfeld und der Welt zunehmend von Nutzen sein können.

Lisa Rennie Sytsma
Stellvertretende Chefredakteurin

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