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Original im Internet

Die drei großen Gebote?

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 4. Mai 2026


Als ich mich vor Jahren zum ersten Mal eingehend mit dem beschäftigt habe, was Jesus als die beiden großen Gebote bezeichnet hat (siehe Matthäus 22:35–40), kam mir der Gedanke, dass etwas mit der Zählung nicht stimmte. Hatte der Meister-Christ nicht drei Gebote gegeben – Gott lieben, seinen Nächsten lieben und sich selbst lieben?

Viele Menschen bestätigen bereitwillig, dass die ersten beiden wichtig sind, und bemühen sich sogar, sie zu befolgen. Doch sich selbst lieben? Ist das nicht Eigennutz? Egozentrik? Wie soll das denn eine Voraussetzung für ein wahrhaft gutes Leben sein?

Jesu strikte Forderung, Gott zu lieben, einander zu lieben und uns selbst zu lieben, mag einer selbstkritischen Einstellung ebenso unrealistisch erscheinen wie einem selbstsüchtigen Denken. Und doch sind diese drei größten Handlungsaufforderungen nicht nur gegenseitig bindend, sondern die Erfüllung eines jeweiligen Gebots hängt von der Erfüllung aller drei ab. Denn wenn wir bestrebt sind, Gott von ganzem Herzen, ganzer Seele und ganzem Gemüt zu lieben, müssen wir wissen, wer Gott ist. Und Gott zu kennen heißt, Ihn zu lieben – was wiederum mit dem Wunsch einhergeht, unsere eigene gottgegebene Identität und Natur als Sein Kind zu entdecken. Daraus entfaltet sich unsere natürliche Fähigkeit, unsere Mitmenschen zu lieben.

Jesus lehrte, dass Liebe keine Belohnung ist, die Gott je nachdem, ob wir uns dessen als würdig erweisen, verteilt. Gottes Liebe ist so rein, so reichhaltig, so gegenwärtig – bei ihr geht es darum, dass Gott die Liebe selbst ist und die „Gnadengabe“ (Römer 5:15) Seiner Liebe allen gegeben hat, die Er ins Leben gerufen hat. Doch diese Liebe muss erkannt, akzeptiert und in unserem Leben umgesetzt werden, damit wir uns und andere wahrhaft lieben können.

Da könnte bei uns die Frage aufkommen: Wenn Christus Jesus der Erretter und Wegweiser der Menschen ist, wie hat er sich selbst geliebt? 

Interessanterweise hat Jesus nichts darüber gesagt, sich selbst zu lieben, außer in seiner Lehre über Gott und wie man die Bedürfnisse anderer stillt. Die Heilungen, die er im Namen seines Vaters vollbrachte, brachten die Menschen dazu, auf das zu hören, was er zu sagen hatte – und wissen zu wollen, warum solche augenscheinlichen Wundertaten geschehen konnten. Die ersten Worte über sich selbst, die uns wiedergegeben wurden, hat er im Alter von zwölf Jahren gesprochen (Lukas 2:49): „Wusstet ihr nicht, dass ich in dem sein muss, was meinem Vater gehört?“ Und als er später von Johannes dem Täufer getauft wurde, öffnete sich der Himmel, und Gott sagte über Jesus (Matthäus 3:17): „Dieser ist mein geliebter Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“

Damals hatte Jesus noch nicht die Heilungen, moralischen Erlösungen, Speisungen der Menschenmengen und die Auferweckungen vollbracht, von denen wir heute Kenntnis haben. Und doch sagte Gott unmissverständlich vor vielen Zeugen – von denen die meisten zu Johannes dem Täufer gekommen waren, um von ihren Sünden gereinigt zu werden –, dass Jesus Sein geliebter und gutgeheißener Sohn war. Aber hat Gott nur Jesus geliebt? Jesus war der höchste Beweis für Gottes Liebe zu allen, und man könnte sagen, dass Gott „Wohlgefallen“ an jedem Menschen in dessen wahrer Identität hat – damals, heute und immer.

Später, gegen Ende von Jesu Mission, hörten Petrus, Jakobus und Johannes fast dieselben Worte, als ihr Lehrer vor ihnen auf dem Berg verklärt wurde (Lukas 9:35): „Dieser ist mein geliebter Sohn; ihn hört!“ In mehreren Bibelübersetzungen wird ihn hört mit auf ihn sollt ihr hören wiedergegeben. Nicht lange danach wurden die Empfängerinnen und Empfänger dieser himmlischen Botschaft über Jesus wie nie zuvor dazu angehalten, dieser Segnung ihres Meisters nicht nur zuzustimmen, sondern ihren eigenen Status als Gottes Kind zu akzeptieren – und auf den Christus, die geistige Idee von Gott, der göttlichen Liebe, zu hören, nämlich die mitfühlenden Heilungen zu bewirken, die Jesus vollbracht hatte.

Die Liebe Gottes führt nicht zu Egozentrik, sondern erweckt uns zu der Erkenntnis unserer wahren, gottgegebenen Identität im Licht der unendlichen Liebe, die niemanden auslässt. Unseren Status als Gottes geliebte Töchter und Söhne zu akzeptieren, wäre unmöglich, wenn wir einzig und allein menschlich wären. Doch der eine Mensch, der sich in nichts irrte, versprach allen, die auf seinem Weg folgten – die diese Wirklichkeit der Liebe zu Gott, zu ihren Mitmenschen und zu ihrem wahren Selbst verstanden und demonstrierten –, dass sie die Werke tun würden, die er tat.

Als Zwilling in einer Kleinstadt betrachtete ich mich in jungen Jahren oft als die Hälfte eines Ganzen. Obwohl meine Schwester und ich an unterschiedlichen Colleges studierten, fühlte ich mich fast unsichtbar und wurde zurückhaltend und selbstkritisch. Der Wendepunkt kam, als ich das Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, von vorne bis hinten durchlas. Als die überragenden Wahrheitsinhalte dieses Buches, das sich auf die Lehren Jesu gründet, in meinem Denken Wurzeln schlugen, verstand ich, dass Gott mich nicht nur erschaffen hat, sondern auch kennt und liebt. Und das gilt für alle Menschen. Nachdem ich Gottes Liebe zu mir (und allen) entdeckt hatte, wurde ich zuversichtlicher; ich bekam bessere Noten und konnte sogar immer wieder Personen aus meinem Freundes- und Bekanntenkreis durch Gebet helfen.

Wie ich feststellte, handeln wir nicht eigennützig und schließen andere auch nicht aus, wenn wir lernen, uns selbst zu lieben. Geistig verstanden ist es die Grundlage dafür, umfassender zu lieben. Es ist unmöglich, nur eines dieser Gebote zu befolgen, ohne auch die anderen zu erfüllen, da die Liebe, die Gott ist, und auch die Liebe von Gott von Natur aus sowohl unbegrenzt als auch immer-gegenwärtig ist. Und die Allheit unseres Vater-Mutter-Gottes versichert uns, dass jeder Mensch aus Liebe entspringt und in Wahrheit gar nicht anders kann, als liebenswert und liebevoll zu sein.

Ethel A. Baker
auf Einladung der Redaktion

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