In der Apostelgeschichte gibt es einen Bericht, den ich meiner Erinnerung nach noch nie in einer Bibellektion der Christlichen Wissenschaft gesehen habe. Ich kann mich auch nicht erinnern, ihn in einer Mittwoch-Zeugnisversammlung gehört zu haben. Ja, als ich mich darauf vorbereitete, diesen Artikel zu schreiben, konnte ich im Archiv der Zeitschriften der Christlichen Wissenschaft nur einige wenige kurze Verweise darauf finden. Es geht um ein Ehepaar, das stirbt und begraben wird – nicht gerade eine Geschichte, die man in der Kirche unbedingt hören möchte. Daher kam es mir seltsam vor, als ich einmal in einer schweren Zeit, in der ich dann auch noch Schüttelfrost bekam, früh morgens genau zu dieser Geschichte geführt wurde. Doch sie heilte mich rasch und vollständig. Sie erreichte mich auf eine Weise, die zweitausend Jahre später meinen Bedarf sehr konkret deckte, selbst wenn Lukas (der Verfasser des Lukasevangeliums und der Apostelgeschichte) eine völlig andere Botschaft im Sinn gehabt haben mochte.
In den Monaten, die seitdem vergangen sind, hat diese Erfahrung mir geholfen, umfassender zu verstehen, dass die geistige Bedeutung der Bibel die einzige Botschaft ist, die zählt, selbst – besonders! – in Fällen, wo die Darstellung düster und beunruhigend zu sein scheint. Die geistige Bedeutung der Bibel ist das, was Gott uns kommuniziert und was uns zeigt, wie wir geheilt werden können.
Als ich an jenem Morgen vor Schüttelfrost zitterte und allgemein über die Zukunft besorgt war, sehnte ich mich danach, mehr von Gottes Gnade zu fühlen. Da ich die Bibel als das Wort Gottes verstehe, war ich sicher, dass ich Seine Gnade darin finden würde. Also schlug ich meine Bibel auf und landete bei Apostelgeschichte, Kapitel 5. Am Anfang des Kapitels wird der größere Bericht über die Apostel kurz unterbrochen und wir erfahren von dem Ehepaar Hananias und Saphira. Das Leben der beiden nimmt ein jähes Ende, als sie einen Teil des Erlöses vom Verkauf eines Grundstücks zurückbehalten, obwohl sie behauptet hatten, sie hätten der Kirche den gesamten Betrag gespendet. Ich fragte mich, wie mich ausgerechnet diese Geschichte heilen sollte, wo sie doch keinerlei Bezug auf meine Situation hatte, doch ich vertraute darauf, dass Gott mir etwas Wichtiges mitteilte.
Vor dieser Geschichte, in den Kapiteln drei und vier, lesen wir, wie Petrus und Johannes einen Lahmen an der Tür des Tempels mit Namen „die Schöne“ geheilt haben und anschließend verhaftet und angeklagt wurden. Und gleichzeitig vergrößerte sich die Anzahl der Nachfolgerinnen und Nachfolger Jesu immer weiter.
Gegen Ende von Kapitel 4 lesen wir (Vers 32, 33): „Die Menge der Gläubigen aber war ein Herz und eine Seele“ und „Große Gnade war auf ihnen allen.“ Die Gläubigen fingen an, ihr Land und ihre Häuser zu verkaufen, und gaben den Erlös den Aposteln, um die neue christliche Bewegung zu unterstützen. Sie gaben alles für Christus auf. Die Idee, ihre Besitztümer zu „verkaufen“, übersetzte sich mir in meinem Denken als die Fähigkeit, alles zu verkaufen, was ich nicht brauchte – alle Zweifel oder Ängste darüber loszulassen, wie mein persönliches Problem gelöst werden würde, und die ganze Situation Gott zu übergeben.
Und dann berichtet Apostelgeschichte 5 von der Unehrlichkeit dieses Ehepaars und wie Petrus sie aufdeckte. Das ursprüngliche Ziel der Geschichte mag gewesen sein, vor Unehrlichkeit zu warnen, doch in mir sprach sie etwas völlig anderes an. Ich musste sofort daran denken, dass Jesus sagt (Lukas 8:17): „Es ist nichts verborgen, was nicht offenbar werden wird, auch nichts geheim, was nicht bekannt werden und an den Tag kommen wird.“ Für mich lag die geistige Bedeutung der von Petrus gemachten Entdeckung darin, dass meine Bedürfnisse nicht vor Gott verborgen waren. Er kannte sie bereits, so wie Er das immer tut. Jesus sagt im Matthäusevangelium (6:8): „Euer Vater weiß, was ihr braucht, bevor ihr ihn darum bittet.“ Ich kämpfte nicht auf mich allein gestellt. Gott wartete nicht fern ab und desinteressiert darauf, dass ich zu Ihm kam, Er half mir aktiv aus dem Problem heraus. Er wusste genau, was ich brauchte, in diesem Augenblick und in Zukunft.
In der Geschichte sterben beide daraufhin – das war nicht die heilende Botschaft, die ich erwartete! Doch inzwischen folgte ich der Geschichte nicht mehr nach dem Buchstaben. Vielmehr symbolisierten Hananias und Saphira alle meine Sorgen, und plötzlich war ich sicher, dass diese Sorgen hinausgetragen und begraben werden würden (siehe Apostelgeschichte 5:6) – Gott würde sie vollständig und gründlich bereinigen, und obwohl ich die Einzelheiten noch nicht kannte, brauchte ich mir dahingehend keine Gedanken mehr zu machen.
Und damit hörte der Schüttelfrost vollständig auf.
An jenem Morgen wurde mir das klar, was Mary Baker Eddy in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift so ausdrückt (S. 320): „Die einzig wichtige Auslegung der Heiligen Schrift ist die geistige.“ Und eine Predigt von Mrs. Eddy mit für mich hilfreichen Ideen wurde unter anderem folgendermaßen zusammengefasst (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 169): „Die wörtliche Wiedergabe mache die Heilige Schrift wertlos, ja, sie sei oft der Grund für Unglauben und Hoffnungslosigkeit. Die metaphysische Darlegung bedeute Gesundheit, Frieden und Hoffnung für alle. Das buchstäbliche oder sinnengebundene Lesen sei das Lesen des fleischlichen Gemüts, das eine Feindschaft wider Gott, Geist, ist.“
Die geistige Bedeutung der Heiligen Schrift ist die „neue Sprache“, die „nachfolgende Zeichen“ – Heilung – mit sich bringt (siehe Markus 16:17, 20). Würden wir die Geschichte von Hananias und Saphira ohne weitere Auslegung lesen, dann ginge es darin nur um Sünde und Strafe, und sie würde wohl eher zu „Unglauben und Hoffnungslosigkeit“ führen. Doch die geistige Bedeutung der Geschichte, die sich mir öffnete – dass Gott alles weiß, dass wir Ihm alles übergeben können und dass Er unsere Probleme so vollständig und gründlich lösen wird, dass alle Zweifel an Seiner gütigen Fürsorge verschwinden –, ist eine machtvolle Botschaft im Angesicht jeder Art von Problem.
Wenn Sie das nächste Mal die Bibel aufschlagen und lesen, wie einem Riesen mit seinem eigenen Schwert der Kopf abgeschlagen wird oder wie ein Turm fällt und Sünder erschlägt, dann blättern Sie nicht gleich weiter. Lauschen Sie darauf, was Gott Ihnen wirklich dazu sagt – verstehen Sie die neue Sprache in Bezug auf diese Stellen. Die „dunklen“ Geschichten der Bibel können, wenn sie dem Buchstaben nach gelesen werden, verwirrend sein und der Vorstellung von einem Gott widersprechen, der Liebe ist und den Jesu Leben, Weisheit und Werke und die von Mrs. Eddy entdeckte Wissenschaft uns offenbaren. Doch wenn wir diese Stellen geistig auslegen, enthalten sie wichtige Botschaften, und sie können uns verstehen helfen, wie der Glaube an das Böse, das sich angesichts von Krankheit oder Sünde vielleicht wie eine konkrete Wirklichkeit anfühlt, für alle Zeiten begraben werden kann.
David S. Hauck
