Sind wir Gemeinheit, Beleidigungen und Drohungen hilflos ausgesetzt?
Nein. Die Christliche Wissenschaft, eine in einer Zeit der Aufbruchstimmung in den Vereinigten Staaten des 19. Jahrhunderts von Mary Baker Eddy gegründete Religion, zeigt, dass Gebet unseren Alltag absolut verändern kann. Die Lehren der Christlichen Wissenschaft stellen eine wissenschaftliche Methode bereit, bei Mobbing in unserem Leben zu beten und es zu durchschauen, ob es in Form von dominantem Verhalten anderer, schwierigen Arbeitsbedingungen, finanziellen Schwierigkeiten, gesundheitlichen Problemen oder anderen Dingen auftritt. Wenn Gebet das Denken zu dem Verständnis von Gottes Geschenk erhebt – der beständigen Gegenwart und Macht der göttlichen Liebe –, zeigen sich die Beweise dieses Geschenks ganz natürlich in unserem Leben.
Jesus sagte (Matthäus 10:7): „Das Himmelreich ist nahe gekommen.“ Und Mrs. Eddy definiert Himmelreich in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 590) als die „Herrschaft der Harmonie in der göttlichen Wissenschaft; das Reich des unfehlbaren, ewigen und allmächtigen Gemüts; die Atmosphäre des Geistes, in der Seele allerhaben ist“. Dieses Reich ist das Reich Gottes, das, wie Jesus ebenfalls sagte, inwendig in uns ist (siehe Lukas 17:21). Wie kann dieses Reich als die Herrschaft der Harmonie in unserem Leben deutlich werden?
Die Menschen gehen im Allgemeinen davon aus, dass sie inwendig eigene Gedanken haben und äußerlich Gutes und Schlechtes erleben. Doch die Bibel impliziert, dass Gott, Geist, Alles-in-allem ist, und wenn die Schöpfung des Geistes völlig geistig ist und alles in sich schließt, dann gibt es wirklich nur ein Reich. Somit gibt es keine Trennung zwischen Gemüt, Gott, und der Idee des göttlichen Gemüts, dem Menschen. Die Christliche Wissenschaft lehrt, dass der Mensch niemals von Gott getrennt ist und dass wir den Frieden in uns tragen, der ein befriedigendes Erleben bereitstellt – dass „die Atmosphäre des Geistes“ in uns das göttlich Gute, das uns vollständig umgibt, ins Leben ruft. Unser Erleben ist das Ergebnis unserer inneren Kommunion mit Gott, die die guten Eigenschaften offenbart, die wir als Gottes Ideen von Natur aus zum Ausdruck bringen.
Die Tyrannei des alten Roms und die ritualistischen religiösen Praktiken seines Zeitalters konnten Jesus nicht davon abbringen, sich immer seiner Einheit mit Gott bewusst zu sein. Genau dieses Bewusstsein befähigte ihn, das Leben anderer auf eine höhere Ebene zu heben. Er heilte genau da, wo politischer, religiöser und physischer Aufruhr dem Fortschritt der Menschheit im Weg zu stehen schien.
Die Erkenntnis der wahren, ewigen Natur des Menschen als geistig und nicht gefallen war die Macht, die Jesu Heilungen zugrunde lag, wie Mrs. Eddy in Wissenschaft und Gesundheit (S. 476–477) deutlich macht: „Jesus sah in der Wissenschaft den vollkommenen Menschen, der ihm da erschien, wo den Sterblichen der sündige sterbliche Mensch erscheint. In diesem vollkommenen Menschen sah der Erlöser Gottes eigenes Gleichnis, und diese korrekte Anschauung vom Menschen heilte die Kranken. Auf diese Weise lehrte Jesus, dass das Reich Gottes intakt und universal ist und dass der Mensch rein und heilig ist.“ Sein ständiges Bewusstsein des immer-gegenwärtigen Reiches Gottes war die Macht, die die Leiden der Menschheit dort heilte, wo Tyrannei, Ungerechtigkeit und Krankheit Vorherrschaft zu haben schienen.
Dieses geistige Verständnis vom Reich Gottes inwendig in uns hat mir immer geholfen, Heilung und eine positive Veränderung zu erleben, wenn ich mit schwierigen Menschen und Umständen am Arbeitsplatz konfrontiert war. Einmal war ich in einem großen Unternehmen jemandem unterstellt, der seine Untergebenen, mich eingeschlossen, oft herablassend und aggressiv behandelte. Monate des Gebets führten zu der klaren Anweisung, ihn in meinem Denken als Kind Gottes und nicht als einen gemeinen Menschen zu identifizieren. Das ging erst langsam vonstatten, indem ich damit anfing, seinen Ausdruck der Intelligenz – einer Eigenschaft des göttlichen Gemüts – zu erkennen, denn er war in seinem Feld respektiert und hochangesehen. Dann erinnerte ich mich, dass ich gehört hatte, dass er in jungen Jahren Ausdauer beim Überwinden von Problemen bewiesen hatte. Immer wenn er sich herablassend verhielt, machte ich mir noch standhafter seine Widerspiegelung geistiger Intelligenz und geistigen Durchhaltevermögens bewusst. Und ich gab weiterhin mein Bestes und erwartete aufrichtig, dass das göttliche Gemüt mir die richtige Reaktion und ein angemessenes Verhalten zeigen würde.
Eines Abends war ich noch im Büro und arbeitete an einem Projekt. Mein Vorgesetzter und ich sprachen über eine Vertragsklausel, die ich nicht recht verstand, und ich machte mir Notizen über seine Anweisungen. Angewidert sagte er: „Ich hasse es, wenn Sie alles hinschreiben, was ich sage. Ich komme mir vor wie Mao Tse-tung!“ Spontan und ganz ohne Arglist und Sarkasmus sagte ich: „Keine Sorge. Wenn Sie aus dem Zimmer raus sind, streiche ich fast alles aus, was Sie gesagt haben.“ Sofort dachte ich: „Ich kann kaum glauben, dass ich so etwas gesagt habe!“
Mein Vorgesetzter war eine Sekunde still und fing dann an, laut zu lachen. Es war deutlich, dass er die Leichtherzigkeit und sogar die Liebe in meiner Bemerkung gefühlt hatte – er wollte gar nicht gemein sein! Von da an hat er mich nie wieder anders als freundlich, respektvoll und anerkennend behandelt. Wir haben an vielen weiteren Projekten zusammenarbeitet, und als ich ein paar Jahre später in eine andere Stadt umzog, kontaktierte er einige seiner vielen Geschäftskontakte dort, um mich anderen Arbeitgebern zu empfehlen.
Was war geschehen? Meine Situation am Arbeitsplatz hatte sich in einem einzigen Augenblick völlig verändert. Gemüt hatte mich dazu geführt, genau den Humor und die Offenheit zum Ausdruck zu bringen – und sogar genau die Worte zu sagen –, die der Tyrannei ein Ende setzen konnten. Mein Gebet – mein Anerkennen der Wirklichkeit von Gottes Regierung und Harmonie sowie mein Gehorsam gegenüber dieser Wirklichkeit – hatte mein äußerliches Erleben umgewandelt. Ich hatte die Bemerkung an jenem Abend nicht vorgeplant – sie war im passenden Augenblick göttlich inspiriert worden. Und die Situation war eine wichtige Lehre für mich, die mich auch weiterhin stützt, wenn ich mit aggressivem Verhalten konfrontiert bin.
Was befindet sich inwendig in uns? Das Reich Gottes, in dem jeder Gedanke seine Quelle im göttlichen Gemüt hat. Wo leben und handeln wir? Im Reich Gottes, in dem Gottes Gesetz des Guten stets regiert und ein friedvolles Miteinander der Kinder Gottes gesetzlich verankert ist. Es gibt nur ein Reich, das völlig geistig und in dem niemand enthalten ist, der gemein sein und versuchen könnte, uns zu kontrollieren.
Die letzte Zeile des Gebets des Herrn (Matthäus 6:13): „Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit“ wird in Wissenschaft und Gesundheit (S. 17) folgendermaßen geistig ausgelegt: „Denn Gott ist unendlich, die Allmacht, alles Leben, alle Wahrheit, alle Liebe, über allem und Alles.“ Das Gebet des Herrn versichert uns, dass ein Wissen von der Allheit Gottes unlösbar mit der Tatsache verknüpft ist, dass wir das Reich Gottes zunehmend in unserer Gesundheit, unseren Beziehungen, unserer Arbeit, der Politik – ja, überall – wahrnehmen können.
Ob Mobbing in Form von schwierigen Personen am Arbeitsplatz, gesundheitlichen Problemen, unzuverlässigen politischen Figuren, wirtschaftlichem Aufruhr oder unlösbaren kriegerischen Konflikten auftritt, wir können unerschütterlich bestätigen, dass das Himmelreich hier und jetzt inwendig in uns und anderen ist. Wir können akzeptieren, dass Gemüt die Macht hat, unser Leben in Übereinstimmung mit dieser göttlichen Wirklichkeit zu bringen. Wir können darauf bestehen und Schritt für Schritt beweisen, dass „das Reich des unfehlbaren, ewigen und allmächtigen Gemüts“, das Reich Gottes, ewiglich regiert.
