Aufrichtigkeit ist eine wertvolle Qualität; die Wahrheit in Wort und Tat aufrechtzuerhalten ist von großem Wert. Die gesamte Bibel hindurch wird Wahrheit mit Gott assoziiert. Im 5. Buch Mose (32:4) lesen wir beispielsweise, dass Gott wahrhaftig, also ein Gott der Wahrheit, ist. Ein Gott der Wahrheit ist logischerweise die Quelle aller Wahrheit, von allem, das legitim, gut und wirklich ist. Und diese Adjektive beschreiben das Wesen Gottes – der Wahrheit.
Was immer irrig oder unwahr ist, kann somit nicht aus göttlicher Wahrheit entstehen. Mrs. Eddy erklärt in Vermischte Schriften 1883–1896 (S. 49–50): „Dass Gott Wahrheit ist, bezeugt die Heilige Schrift; dass Wahrheit niemals Irrtum oder die Fähigkeit zu irren erschuf, ist selbstverständlich; dass Gott alles gemacht hat, was gemacht ist, ist wiederum biblisch ...“
Das Verständnis in der Christlichen Wissenschaft, dass Gott Alles ist und dass Er alles gut erschaffen und den Menschen nach Seinem Bild und Gleichnis gemacht hat (wie wir in der Genesis lesen), ist ein überzeugender Ausgangspunkt im geistigen Heilen. Es erkennt an, dass der Mensch in der göttlichen Wissenschaft göttliche Wahrheit widerspiegelt und sich somit nur dessen bewusst sein kann, was gut und wahr ist. Das augenscheinliche Gegenteil von Wahrheit – Irrtum, Sünde, Krankheit, Leiden, Tod genannt – hat weder Wirklichkeit noch Macht und keine Grundlage in Geist.
Christus Jesus stellte den Irrtum der materiellen Sinne, die Lüge von Leben und Intelligenz in einem sterblichen Gemüt oder Menschen, konsequent infrage. Er bezeichnete diesen Irrtum als den Teufel und sagte (Johannes 8:44): „Der ist ein Mörder von Anfang an und stand nicht in der Wahrheit; denn die Wahrheit ist nicht in ihm. Wenn er die Lüge redet, dann redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater derselben.“ Dies zu verstehen nimmt dem Irrtum jegliche vermeintliche Legitimität und offenbart ihn als absolut nichts, als ohne Realität.
Irrtum kann in der Allheit der göttlichen Wahrheit nicht existieren, und wir können dies in unserem Alltag demonstrieren und Freiheit von den Lügen des materiellen Sinnes erlangen.
Ich hatte einmal eine Gelegenheit, mich intensiv mit der Allheit der Wahrheit und dem Nichts des Irrtums zu beschäftigen. Dinge, die ich als Leiterin eines Projekts in meiner Stadt getan hatte, wurden von einer anderen Person missverstanden, die daraufhin meine Rolle in diesem Projekt falsch darstellte. Das, was wie ein erfolgreiches Projektergebnis ausgesehen hatte, wurde als Fehler bezeichnet, und mein Vorgehen wurde mir gegenüber als bewusst und persönlich eigenmächtig beschrieben. Da ich wusste, dass ich während des Projekts innig gebetet hatte, um Gottes Führung zu vernehmen und zu folgen, war ich von dieser Beschreibung meines Vorgehens verletzt und ich fühlte mich missverstanden und schikaniert.
Ich dachte, dass ich wusste, wie die Situation wirklich war und dass das, was mir gegenüber beschrieben wurde, nicht der Wahrheit entsprach. Ich rang mehrere Tage lang damit zu verstehen, wie mein Vorgehen so fehlgedeutet werden konnte, und sprach mit Angehörigen und im Freundeskreis darüber. Ich wiederholte die verletzenden Worte, die zu mir gesagt worden waren, und bekam eine allgemein mitfühlende Reaktion. So dankbar ich für diese Unterstützung auch war, so halfen mir diese Unterhaltungen nicht, mich besser zu fühlen oder das Missverständnis auszuräumen. Ich konnte mich nicht von dem Gefühl befreien, zwischen verschiedenen relativen Wahrheiten gefangen zu sein.
Schließlich beschloss ich, hinsichtlich der Situation zu beten, mich ehrlichen Herzens an Gott zu wenden und auf Seine Botschaften der Wahrheit zu lauschen. Schon bald kam mir dieser Satz in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy in den Sinn (S. 153–154): „Weder Mitgefühl noch die Gesellschaft sollten uns jemals in Versuchung führen, Irrtum in irgendeiner Form zu pflegen, und auf keinen Fall sollten wir Fürsprecher des Irrtums sein.“ Aha! War ich auf Mitgefühl aus gewesen und hatte dieses Verlangen dafür gesorgt, dass ich Irrtum pflegte, indem ich ihn im Denken bewahrte? Und, noch viel wichtiger, hatte ich als Fürsprecherin des Irrtums fungiert? Diese Frage brachte alles zum Stillstand. Selbstverständlich würde ich nie wissentlich eine Fürsprecherin des Irrtums sein wollen!
Ich setzte mich mit dem Wort Fürsprecher auseinander. Er wird beispielsweise als jemand definiert, „der sich zugunsten eines andern bei einem Dritten verwendet“ (dwds.de). Ich wusste, dass zu den Strategien eines Fürsprechers gehören kann, andere mithilfe systematischer und ständiger Wiederholungen zu überzeugen und zu beeinflussen. Wow. Wieso sollte ich Zeit und Energie darauf verwenden, den Irrtum zu verteidigen oder andere dazu zu bringen, dies zu tun?
Ich verstand, dass ich, während ich an meiner menschlich gefolgerten Haltung festhielt, unwissentlich auch an dem Irrtum festgehalten hatte, dass ich ein von Gott getrenntes Gemüt hatte, das sterblich, fehlbar und im Streit mit anderen Gemütern war.
Jetzt machte ich mich daran, für die Wahrheit einzutreten. Ich argumentierte, dass es nur ein Gemüt gibt, von dem ausschließlich Wahrheit ausgeht, und dass diese Wahrheit objektiv korrekt und kein menschliches, subjektives Konstrukt ist. Da die Wahrheit göttlichen Ursprungs ist, existiert sie unabhängig von persönlichen Gefühlen, Überzeugungen und Meinungen. Sie kann nicht missverstanden und auch nicht falsch dargestellt werden, da in der Allheit der Wahrheit schlicht und einfach kein Platz für Irrtum ist. Mrs. Eddy schreibt in Wissenschaft und Gesundheit (S. 367 und 368): „Weil Wahrheit allmächtig in Güte ist, hat der Irrtum, das Gegenteil der Wahrheit, keine Macht. ... Das größte Unrecht ist nur ein vermeintliches Gegenteil des höchsten Rechts. Das Vertrauen, das die Wissenschaft einflößt, beruht auf der Tatsache, dass Wahrheit wirklich und Irrtum unwirklich ist.“
Als ich dementsprechend betete, fiel der mentale Aufruhr, der mich belastet hatte, von mir ab. Ich empfand Frieden und die Versicherung, dass Gott die ganze Zeit den Weg vorangeführt hatte und mich und alle anderen Beteiligten auch weiterhin führen würde. Die Worte, die gesprochen worden waren, hatten in meinem Denken kein Gewicht mehr; der Strudel menschlicher Meinungen wurde irrelevant, und ich fühlte mich in dem Wissen sicher, dass nur das wahr und anderen bekannt sein kann, was Gott weiß. Ich hatte von Anfang an gewusst, dass die Heilung nur durch dieses tiefere Verständnis der geistigen Wirklichkeit zustande kommen konnte.
Was das Projekt betraf, so kommen viele Menschen weiterhin in den Genuss des positiven Einflusses, den es auf unsere Stadt hat. Das zu sehen war zwar sehr schön, doch der Friede, den ich aus dieser Erfahrung erlangt habe, war mein wahrer Lohn. Und wenn wir Gott als einen wahrhaftigen Gott, den Gott der Wahrheit, verstehen, können wir alle den großen Wert von Jesu Verheißung verstehen (Johannes 8:32): „[Ihr] werdet die Wahrheit erkennen, und die Wahrheit wird euch frei machen.“
