Nach dem Schulabschluss nahm ich eine Stelle an, die körperlich äußerst anstrengend war. Manchmal verbrachte ich beispielsweise mehrere Stunden am Tag damit, große Bücherkisten mehrere Treppen rauf- und runterzutragen. Ich war diese Art von Aktivität nicht gewöhnt, und doch war ich glücklich. Mir gefiel die Arbeit, ich mochte die Leute, mit denen ich zusammenarbeitete, und ich lernte viel.
Nach mehr als drei Jahren an diesem Arbeitsplatz las ich einen Roman, in dem über Seiten das Leiden der Hauptfigur beschrieben wurde, das durch eine ähnliche Aktivität hervorgerufen worden war, wie ich sie tat. Wie ich war diese Figur – ein Mann – sehr mit der Tätigkeit verbunden und daran interessiert, alles zu tun, was dafür notwendig war. Gewiss hatte der Mann Fehler, aber auch viele bewundernswerte Eigenschaften, und ich fing an, mich mit ihm zu identifizieren.
Bald darauf bekam ich ähnliche Probleme wie er; ich schleppte mich durch den Tag, unfähig, meine Arbeit richtig zu tun. Meine Schwierigkeiten wurden äußerlich sichtbar, und Freunde bei der Arbeit fingen an, sich Sorgen zu machen.
Nach ein paar Tagen erkannte ich, dass ich einen Fehler machte. Mir wurde klar, dass die Schwierigkeiten nicht durch meine Arbeit hervorgerufen wurden. Sie waren dadurch entstanden, wie ich mich selbst sah, indem ich versuchte, so zu sein wie eine Romanfigur. Doch ich war nicht dieser Mann, ich lebte nicht sein Leben und es gab keine Veranlassung, so zu leiden wie er.
Ich hörte bewusst auf, mich mit ihm zu identifizieren. Innerhalb weniger Stunden war ich wieder der Alte, und meine Freunde bemerkten die Veränderung sofort. Ich machte diese Arbeit noch zwei weitere Jahre und hatte nie wieder Probleme dieser Art.
Menschen identifizieren sich seit Jahrhunderten mit den Figuren einer anderen Geschichte: der Allegorie von Adam und Eva. Wie in meinem Fall führt das zu unnötigen Beschränkungen und Leiden. Laut diesem Mythos formte Gott der Herr erst Adam aus Staub bzw. Lehm und dann Eva aus einer Rippe von Adam. Die beiden wurden als leichtgläubig und ungehorsam dargestellt. Die Menschheit stammt angeblich von ihnen ab und ist dauerhaft dazu verdammt, den Ungehorsam dieser beiden zu büßen. Mehr darüber finden Sie in der Bibel: 1. Mose 2:6–3:24.
Die dieswöchige Bibellektion aus dem Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft enthält Auszüge dieser Geschichte und zeigt, dass wir uns weder mit diesen Figuren noch als ihre Nachkommen identifizieren müssen. Sie verdeutlicht stattdessen, dass der Mensch – wir alle unabhängig von Geschlecht, Alter oder Hintergrund – als Gottes geistiges Ebenbild erschaffen ist (siehe 1. Mose 1:26, 27).
An einer Stelle, die ebenfalls in dieser Lektion enthalten ist, erklärt Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 345): „Jeder, der die fehlende Übereinstimmung zwischen der Idee Gottes und der armseligen Menschheit wahrnehmen kann, sollte auch fähig sein, den Unterschied zu erkennen (den die Christliche Wissenschaft macht) zwischen dem Menschen Gottes, der zu Seinem Bild erschaffen ist, und dem sündigen Adamsgeschlecht.“
Und wer die Lehren und das Beispiel von Christus Jesus – die das Herz der Christlichen Wissenschaft ausmachen – befolgt, kann diese Erkenntnis praktisch umsetzen. Wir lernen, uns und andere korrekt als Gottes Kinder zu identifizieren, die nach Seinem Ebenbild erschaffen sind und aufrechterhalten werden. Dann lösen sich die Dinge, die mit der falschen Charakterisierung der Menschen als Nachkommen des mit Fehlern behafteten Paares Adam und Eva einhergehen, ganz natürlich auf, so wie es bei mir war, als ich aufhörte, mich aus einer falschen Sichtweise zu sehen. Das Ergebnis ist immer Befreiung und Heilung.
Wir sind keine Romanfiguren und stammen auch nicht von den Figuren einer Allegorie ab. Unser wahres Erbe ist wundervoll, wie Mrs. Eddy hier beschreibt (ebd., S. 516): „Mann und Frau, die zugleich mit Gott bestehen und mit Ihm ewig sind, spiegeln für immer in verherrlichter Qualität den unendlichen Vater-Mutter-Gott wider.“
Wenn Sie noch nicht mit den wöchentlichen Bibellektionen aus dem Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft vertraut sind, können Sie hier mehr darüber erfahren.
