Ich bin in Minnesota aufgewachsen, wo die Winter lang und oft extrem kalt und schneereich sind. Ich war gern draußen und liebte es vor allem, in der Natur spazieren zu gehen. So zog ich mich warm an und machte mich mit meiner sehr erwartungsvollen Hündin Betsy auf den Weg. Diese Spaziergänge waren besondere Momente, in denen ich mich Gott nahe fühlen und mehr über Seine große Liebe zu uns allen erfahren konnte. Ich habe die Inspiration, die ich auf meinen Spaziergängen erhielt, immer geliebt.
An einem sehr kalten Tag, als ich noch zur Highschool ging, machte ich mich mit Betsy auf den Weg zu einem Naturschutzgebiet, in dem es Wanderwege inmitten einer wunderschönen Naturlandschaft gab. Im Sommer war es dort sumpfig, aber ich war mir sicher, dass der Teich im Winter zugefroren sein würde.
Als wir uns diesem Gebiet näherten, rannte Betsy voraus, um nach Vögeln Ausschau zu halten. Und ehe ich mich versah, war sie zu nah an den Rand des Teiches gekommen, ins Eis eingebrochen und versuchte nun verzweifelt, sich aus dem eiskalten Wasser zu befreien. Das Eis war viel dünner als ich erwartet hatte, und die Kante brach immer wieder ab. Betsy konnte auf der rutschigen Oberfläche keinen Halt finden.
Ich war viel zu weit von jedem Haus entfernt, um Hilfe zu holen, und es war niemand sonst in der Nähe. Ein Handy hatte ich auch nicht dabei.
Was ich in diesem Moment aber doch hatte, war all das, was ich in der Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft gelernt hatte. Die Bibel berichtet, dass Gott über Seine geliebten Kinder sagt (Jesaja 65:24): „Bevor sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.“ Und ich hatte in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (Mary Baker Eddy, S. 494) gelesen, dass „die göttliche Liebe ... immer jeden menschlichen Bedarf gestillt [hat] und ... ihn immer stillen“ wird.
Das sind nicht nur tröstende Worte. Es sind Verheißungen und sogar Gesetze Gottes. Sie sprechen von einem allmächtigen, allliebenden Gott, der immer bei uns ist, uns leitet, führt, beschützt und versorgt.
Ich hatte in der Bibel auch viele Geschichten über Menschen gelesen, die sich in einer verzweifelten Lage an Gott wandten. Alle hatten genau die richtige Idee, die richtigen nächsten Schritte und die Kraft, den Mut und das Vertrauen, um diese Erfahrung sicher zu meistern. Daniel in der Löwengrube, Jesus bei seiner Kreuzigung – und viele andere. Dasselbe Gesetz der Liebe, das uns die Bibel immer wieder vor Augen führt, gilt auch für uns.
Auch wenn ich mich in einer scheinbar sehr bedrohlichen Lage befand, kann ich mich trotzdem nicht daran erinnern, Angst gehabt zu haben. Ich wusste, dass Gott direkt bei uns war und uns helfen würde. Sofort kam mir ruhig und klar eine Idee: Ich sollte mich auf den Bauch legen, zum Rand des Eises kriechen – gerade nah genug, um Betsys Halsband zu greifen – und mich dann schnell mit ihr wegrollen. Ich gehorchte sofort. Ich legte mich auf den Bauch, kroch, packte ihr Halsband und rollte mich weg.
Wir waren in Sicherheit! Nun ja, wir waren vor dem eiskalten Wasser und dem dünnen Eis in Sicherheit, aber jetzt hatten wir einen langen Heimweg vor uns. Als wir aufbrachen, wusste ich, dass Gott uns den ganzen Weg sicher führen würde und dass ich keine schlimmen Folgen für uns beide zu erwarten hatte.
Als wir nach Hause kamen, war meine Jeans steif gefroren, und jedes Haar von Betsy war zu einem winzigen Eiszapfen geworden. Sie klang wie ein wandelndes Windspiel! Meine Mutter musste mir die vereisten Jeans ausziehen. Wir wurden abgetrocknet und aufgewärmt und hatten keine Probleme wegen dieses Vorfalls.
Ich habe die ganze Zeit keine Angst empfunden, sondern nur ruhig hingehört und die Gewissheit gehabt, dass Gott uns beschützt. Danach habe ich auch nicht ständig über die Brisanz der Lage nachgedacht, sondern nur noch die Erinnerung an die Inspiration und Freude über die unmittelbare, konkrete, praktische und liebevolle Fürsorge gehabt, die Gott uns hat zuteilwerden lassen.
Einige Jahre später hörte ich eine Radiosendung, in der den Zuhörern erklärt wurde, was zu tun ist, wenn man sich plötzlich in der Lage befindet, dass das Eis unter einem einbricht. Die Schritte, die sie aufzählten, waren genau dieselben, die ich an jenem Tag von Gott erhalten hatte.
Wir können ständig mehr darüber lernen, wie Gott, unser Vater-Mutter, uns kennt, uns liebt und uns in jeder Situation stets die nächsten Schritte mitteilt. Was ist erforderlich, um diese Ideen kontinuierlich zu hören und ihnen folgen zu können? Wir müssen mental Platz für die Antworten schaffen, die zu uns kommen. Und je mehr wir uns Gott zuwenden, desto mehr fangen wir an, Gott zu vertrauen. Dann ist unser Herz offener und bereit, die unveränderliche Liebe und Fürsorge der göttlichen Liebe zu empfangen und zu spüren. Sie ist für uns da.
