Die Tage im Hochsommer in Colorado können besonders heiß und trocken sein. Und obwohl Regenschauer am späten Nachmittag für eine kurze Atempause sorgen, dauert diese meist nur wenige Minuten – dann kehren der strahlend blaue Himmel und die gleißende Sonne zurück.
Viele Blumen – Akelei, Blauraute und meine Lieblinge, die Mohnblumen – gedeihen hier prächtig.
Vor Jahren war die Haut auf meinen Schultern nach einem langen Tag in der Sonne besonders empfindlich. Doch als ich zuschaute, wie sich eine hübsche Mohnblume im Wind wiegte, sah ich etwas, das meine Wahrnehmung über die Auswirkungen der Sonne für immer verändern sollte.
Da stand die zarteste Blume im Garten und streckte ihr Gesicht der Sonne entgegen. Es war ein heißer, sonniger Tag, doch sie wandte sich nicht ab und versuchte auch nicht, sich im Schatten einer benachbarten Blume zu verstecken. Sie suchte vielmehr die Sonne.
Ihre zarten, blasspfirsichfarbenen Blütenblätter waren weder versengt noch ausgetrocknet von der Hitze. Im Gegenteil, sie waren sogar noch schöner. Noch bezaubernder. Warum sollten meine Schultern da anders sein?
Mir kam dieser Text aus Psalm 121 in den Sinn (Vers 5, 6): „Der Herr behütet dich; ... damit dich weder am Tag die Sonne sticht, noch der Mond des Nachts.“ Ich spürte, welche Verheißung darin lag. Wir alle bestehen aus derselben geistigen Substanz. Mary Baker Eddy schreibt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 70): „Das göttliche Gemüt erhält alle Identitäten vom Grashalm bis zum Stern als deutlich erkennbar und ewig.“ Und auf Seite 331 schreibt sie, dass „alles Geist und alles geistig“ ist. Es gibt nur die Substanz des Geistes, die schön und gut ist.
In Wissenschaft und Gesundheit (S. 326) heißt es außerdem: „Die ganze Natur lehrt Gottes Liebe zum Menschen.“ Ich ließ mich von dieser wunderschönen Mohnblume belehren. Wenn sie Stunde um Stunde in der gleißenden Sonne stehen konnte, ohne dass ihre zarten Blütenblätter verbrannten, dann konnte ich das auch.
Plötzlich erschien es mir lächerlich, dass Licht schädlich, schmerzhaft oder zerstörerisch sein könnte. Das Brennen auf meinen Schultern verschwand vollständig. Ich war frei.
Die Sonne, „das Symbol für Seele, die den Menschen regiert“ (Wissenschaft und Gesundheit, S. 595), kann uns nichts zuleide tun, so wie sie auch den zarten Blütenblättern des Mohns, den ich im Garten beobachtete, nichts anhaben konnte.
Wir können nicht sonnenverbrannt sein, sondern nur „sonnengesegnet“.
