Haben Sie schon mal jemand sagen hören: „Ich verstehe nicht genug von der Christlichen Wissenschaft, um sie zu praktizieren bzw. eine Heilung zu erleben“ oder „Ich weiß nicht, wie man betet“ oder „Ich glaube nicht, dass ich es verdiene, geheilt zu werden“? Oder vielleicht haben Sie schon einmal die Frage gehört: „Müssen wir eine bestimmte Stufe des Verständnisses erlangen, bevor wir heilen oder geheilt werden können?“ Es hat Zeiten gegeben, in denen es mir nicht leichtgefallen ist, zu heilen, und in denen ich selbst solche Gedanken hatte. Vielleicht kennen Sie das ebenfalls.
Doch ich habe im Bericht über einen gewissen römischen Hauptmann in der Bibel (siehe Matthäus 8:5–13) eine Antwort auf diese kontraproduktiven Vorstellungen von Unzulänglichkeit gefunden. Während der Besetzung Galiläas, der Zeit, um die es hier geht, machten die römischen Soldaten den Juden das Leben schwer, indem sie ihnen ein Leben der Knechtschaft Rom gegenüber aufzwangen. Als Römer waren diese Soldaten vermutlich Heiden oder Ungläubige – das Gegenteil der Juden, über die sie herrschten. Und sie regierten mit eiserner Faust. Jeder Widerstand wurde streng bestraft. Aus diesem Grund waren die Römer allgemein verhasst.
Der Hauptmann, um den es hier geht, war in Kapernaum stationiert, wo es praktisch unmöglich für ihn gewesen sein muss, nicht von Jesus gehört zu haben, dessen Bekanntheit wegen der bemerkenswerten Heilungen, die er vollbrachte, ständig zunahm. In der römischen Hierarchie war es höchst ungewöhnlich für einen Offizier seines Rangs, jemanden wie Jesus um Hilfe zu bitten. Doch genau das tat der Hauptmann, als ein Knecht, der ihm am Herzen lag, todkrank war. Das muss viel Demut erfordert haben – eine Autoritätsperson, die alles Machtgehabe ablegt und einen niedrigen Juden um Hilfe bittet.
Hat Jesus den Hauptmann abgewiesen oder als unwürdigen Römer verachtet? Nein. Er reagierte mitfühlend und ohne zu zögern und behandelte ihn so liebevoll wie alle, die ihn um Hilfe baten. Das führte zu einer bemerkenswerten Äußerung des Hauptmanns. Statt sich auf seinen Rang und seine Autorität zu berufen, sagte er vor allen Anwesenden bescheiden zu Jesus: „Herr, ich bin nicht wert, dass du unter mein Dach kommst; aber sprich nur ein Wort, so wird mein Knecht gesund.“
Stellen Sie sich vor, wie viel Demut für einen Offizier erforderlich war, so etwas öffentlich zu sagen. Und dann erklärte er als Zeichen seines Glaubens und Respekts vor der Autorität, die Jesus in seinen Heilungen zum Ausdruck brachte: „Denn auch ich bin ein Mensch, der Obrigkeit untertan, und habe unter mir Soldaten; und wenn ich zu einem sage: ‚Geh hin!‘, dann geht er; und zum andern: ‚Komm her!‘, dann kommt er; und zu meinem Knecht: ‚Tu das!‘, dann tut er es.“
Der Hauptmann hat Jesu Heilmethode möglicherweise nicht völlig verstanden. Doch das, was er verstand – Jesu göttliche Autorität und die damit verbundenen Heilerfolge –, erwies sich als wirksam. Der schlichte Glaube des Hauptmanns an diese beiden unleugbaren Elemente von Jesu Mission, verbunden mit seiner Demut, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit Jesus gegenüber, war ausreichend. Der Knecht wurde geheilt.
Für mich macht diese Geschichte die universale Zugänglichkeit des Christus deutlich, die selbst für diejenigen bereitsteht, die ihn nicht verstehen, und die Macht demütigen Glaubens, den Weg zu Heilung zu ebnen.
In dieser Demonstration von Gottes Macht zu heilen war nichts Kompliziertes enthalten. Kein fortgeschrittenes Verständnis vonseiten des Hauptmanns war erforderlich, sondern nur die Bereitschaft, ein persönliches Gefühl von Unwürdigkeit und Zweifel zugunsten der Autorität des Christus aufzugeben – eine demütige Bereitschaft, Gott zu vertrauen, und ein Herz, das den Strom des Geistes einließ. Das Wissen des Hauptmanns in diesem Augenblick reichte aus. Es öffnete sein Bewusstsein für Christus, Wahrheit. Ja, die Schlichtheit der Bitte des Hauptmanns reichte aus, um Jesus folgenden bemerkenswerten Satz zu entlocken: „Solchen Glauben habe ich selbst in Israel nicht gefunden!“
Die ehrliche Anerkennung von Gottes Macht, die der Hauptmann zum Ausdruck brachte, war offenkundig ein größeres Anzeichen für den Glauben eines Menschen als alles, was die Israeliten gezeigt hatten, denen Jesus bis dahin begegnet war.
Mir hat dieser Vorfall in meiner Heilpraxis der Christlichen Wissenschaft Mut gemacht. Es hat Fälle gegeben, in denen ich buchstäblich in demütiger Unterwerfung vor Gott niedergekniet bin, ohne zu wissen, wie ich mein Gebet in Worte fassen sollte, und Gott hat mir geantwortet. Manchmal gingen die Antworten mit fühlbarer Kraft einher, manchmal mit einer sanften Intuition, und einmal mit einem Gefühl, vollständig in eine Wolldecke aus Licht eingehüllt zu sein.
Welche Form Gottes Antworten auch annehmen mögen, Mary Baker Eddy, die Gründerin der Christlichen Wissenschaft, ermuntert uns in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. x): „Die Schüler benötigen kein intellektuelles Können, doch eine gesunde Moral ist höchst wünschenswert.“
Wenn Sie sich jemals unzulänglich gefühlt haben in Bezug auf Ihre Kenntnis der Christlichen Wissenschaft oder Ihre Fähigkeit, diese zu praktizieren, fassen Sie Mut. Sie stehen nicht alleine da und sitzen auch nicht fest. Viele Christliche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, selbst erfahrene Praktikerinnen und Praktiker der Christlichen Wissenschaft, müssen gelegentlich solche mentalen Störenfriede – das, was der Apostel Paulus als „Gesinnung des Fleisches“ bezeichnet hat – handhaben. Er sagte (Römer 8:7): „Denn die Gesinnung des Fleisches ist Feindschaft gegen Gott, weil sie dem Gesetz Gottes nicht untertan ist; denn sie kann es auch nicht.“ Die sogenannte Gesinnung des Fleisches – auch fleischliches Gemüt genannt – zielt darauf ab, Ihnen weiszumachen, Sie könnten oder wollten nicht heilen, es gebe eine Macht, die Sie krank machen könnte, und keine geistige Macht sei stark genug, dieses fleischliche Gemüt zu überwinden.
Da diese Suggestionen im fleischlichen Gemüt und nicht im göttlichen Gemüt entstehen, das Sie widerspiegeln, sind das nicht Ihre Gedanken. Und weil sie nicht von Ihnen sind, gibt es keine Veranlassung, sich ihrer zu schämen oder selbstkritisch dafür zu sein, dass sie in Ihrem Bewusstsein auftauchen. Die Bibel berichtet, dass sogar Jesus genauso in Versuchung geführt wurde, wie wir (siehe Hebräer 4:15), doch er hat sich deswegen nicht verurteilt. Es ist keine Sünde, mit einer Versuchung konfrontiert zu werden. Die Sünde entsteht dadurch, dass man der Suggestion nachgibt und ihr entsprechend handelt, und das tat Jesus nie. Stattdessen hat er den Urheber der Versuchung als das bezeichnet, was er war – als Teufel –, und uns dann gezeigt, wie man ihn loswird. Er sagte mit Autorität (Matthäus 4:10, 11): „Geh weg, Satan! Denn es steht geschrieben: Du sollst den Herrn, deinen Gott, anbeten und ihm allein dienen.“
Wenn uns selbstzerstörerische Gedanken kommen, liegt es in unserer Verantwortung, sie als das zu erkennen, was sie sind – unpersönliche, unsinnige Suggestionen –, und sie dann aus unserem Bewusstsein zu entfernen. Wie tun wir das? Indem wir das Gegenteil von dem bekräftigen, was sie uns weismachen wollen. Fleischliche Gedanken sind nichts als falsche Behauptungen, die uns ihre Legitimität einreden wollen, doch sie sind ebenso unwirklich wie die Suggestion, wir könnten unter Wasser in Brand geraten. Sind diese Lügen einmal aufgedeckt, so sind sie unfähig, uns zu beeinflussen.
Es ist außerdem wichtig zu wissen, dass diese Gedanken keinen wirklichen Bezug zu Ihnen haben, da sie ja nicht Ihre Gedanken sind. Das fleischliche Gemüt – der Teufel – kann stundenlang behaupten, Sie wüssten nicht genug, um zu heilen, Sie könnten nicht beten oder verdienten es nicht, geheilt zu werden. Doch das macht die Behauptung deswegen nicht wahr. Wie Jesus über den Teufel sagte (Johannes 8:44): „Wenn er die Lüge redet, dann redet er aus dem Eigenen; denn er ist ein Lügner und der Vater derselben.“ Das fleischliche Gemüt ist keine echte Mentalität, die Kenntnisse über Sie hat oder glaubhafte Aussagen zu Ihrer Person und Ihrer Fähigkeit machen kann, Heilungen zu vollbringen. Gott ist das einzige Gemüt.
Das wahre, geistige Universum und alles darin Enthaltene existiert und bewegt sich auf Anweisung seines Schöpfers, Gottes. Er ist die Quelle aller Tätigkeit, aller Ideen, aller Macht – und unserer Fähigkeit, Hilfe zu leisten und uns und andere zu heilen. Unsere wahre Identität besteht darin, dass wir der Ausdruck dieses all-harmonischen Gottes – Sein Bild und Gleichnis – sind (siehe 1. Mose 1:26). Daher müssen wir uns die Gesundheit und Harmonie unserer wahren Identität nicht verdienen – wir müssen sie anerkennen. Und wenn wir eine persönliche Vorstellung von uns selbst abgelegt haben, können wir Gesundheit und Harmonie bezeugen und erleben. Dann können wir den Christus hören, der schon immer die Wahrheit und das Gute in unserem Bewusstsein ausgesprochen hat.
Wenn der heilende Christus den Hauptmann erreichen konnte, dann kann er auch zu Ihnen und mir kommen. Ja, er ist bereits hier. Er wartet nur darauf, dass wir ihn anerkennen und in Anspruch nehmen. Es gibt noch viel über diese Wissenschaft zu lernen, doch das, was wir heute wissen, reicht aus, um unseren gegenwärtigen Bedarf zu decken. Unsere Führerin, Mary Baker Eddy, versichert uns (Wissenschaft und Gesundheit, S. 449): „Ein Körnchen der Christlichen Wissenschaft tut Wunder für die Sterblichen, so allmächtig ist Wahrheit, man muss sich jedoch mehr von der Christlichen Wissenschaft aneignen, um im Gutestun beharren zu können.“
Wenn Sie heilen oder geheilt werden möchten, sollten Sie sich bewusst machen, dass Ihnen beides jetzt sofort möglich ist (Philipper 2:13): „Gott ist es, der beides in euch wirkt, das Wollen und das Vollbringen, nach seinem Wohlgefallen.“ Es gibt nichts, worauf Sie warten müssen. Sie haben es nie mehr und nie weniger verdient als jetzt und sind nie mehr und nie weniger fähig, ein falsches Verständnis von sich selbst abzulegen, sich so zu sehen, wie Gott Sie sieht, und dementsprechend zu denken und zu handeln – und das führt zu Heilung. Christus ist hier und jetzt bei Ihnen und bereit, Sie mit aller Freude und Frieden im Glauben zu erfüllen, dass Sie überströmen in der Hoffnung durch die Kraft des Heiligen Geistes, wie uns im Römerbrief versichert wird (siehe 15:13).
Brian Webster
