Vor mehr als vierzig Jahren erhielt ich eines späten Abends einen Anruf mit der Mitteilung, dass meine beste Freundin erschossen worden war. Sie war erst einundzwanzig. Der Täter hatte sich selbst ebenfalls getötet.
Damals glaubte ich, mein Verständnis der Christlichen Wissenschaft sei auf das beschränkt, was ich in der Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft gelernt hatte. Ich hatte gerade einen wundervollen Mann geheiratet, der die Christliche Wissenschaft so liebte wie ich. Wir kamen zu dem Schluss, dass es besser war, nicht zur Beerdigung zu fahren, sondern unsere eigene Gedenkfeier zu Hause zu halten, bei der wir tröstliche Stellen aus der Bibel und dem Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, lasen, die die Allheit des ewigen Lebens bekräftigten.
Es war eine schwere Zeit, und ich fühlte mich unzureichend darauf vorbereitet, solch einen Verlust zu begreifen. Da ich mein Denken von Schmerz und Trauer befreien und Frieden finden wollte, fing ich an, regelmäßig die wöchentliche Bibellektion aus dem Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft zu lesen. Es kam mir vor, als sei mein Studium der Christlichen Wissenschaft auf diese Tätigkeit beschränkt. Doch bald merkte ich, dass diese aus Zitaten aus der Bibel und aus Wissenschaft und Gesundheit zusammengestellten Lektionen mein Denken sehr erfolgreich in Richtung Ruhe und Kraft lenkten.
Ich konnte fühlen, wie die geistigen Wahrheitsinhalte dieser Lektionen jede und jeden in der göttlichen Liebe geborgen halten, meine Freundin eingeschlossen. Dieses Studium weckte außerdem den Wunsch in mir, mein Verständnis des geistigen Heilens mithilfe des Elementarunterrichts in der Christlichen Wissenschaft zu vertiefen, und das tat ich im darauffolgenden Jahr.
Christus Jesus bewies, dass der Tod machtlos und Leben ewig ist. Wir müssen in unserem Leben danach streben, seine Lehren zu verstehen und nach bestem Vermögen anzuwenden.
Im Glossar von Wissenschaft und Gesundheit (S. 584) wird der Tod geistig definiert als „eine Illusion, die Lüge vom Leben in Materie; das Unwirkliche und Unwahre; das Gegenteil von Leben“. Das half mir, über den Glauben hinauszuwachsen, dass die Materie Leben haben oder verlieren oder auch nur wirklich sein kann. Ich fing an zu erkennen, dass sich jeder falsche Glaube – einschließlich der Vorstellung, dass Leben in einer physischen Form enthalten gewesen sein könnte – in das Verständnis wandeln kann, dass Leben Gott, Geist, ist und nie in der Materie enthalten, sondern immer ewig ist.
Meine Freundin hatte auf meiner Hochzeit einen Christlichen Wissenschaftler kennengelernt. Die beiden waren in Verbindung geblieben, und so hatte meine Freundin mehr über die Christliche Wissenschaft erfahren. Nur wenige Wochen vor ihrem Tod hatte sie mich gefragt: „Wieso hast du mir nie gesagt, dass Gott Liebe ist?“ Ich hatte geantwortet: „Ich dachte, das wissen alle.“ Dieser unerwartete Austausch hatte ein ausführliches Gespräch über Gott und die Christliche Wissenschaft ermöglicht, wie wir es noch nie geführt hatten.
Nach dem Tod meiner Freundin tröstete es mich zu wissen, dass sie diese grundlegende Wahrheit erfahren hatte. Ich selbst gelangte zu dem Verständnis, dass dieses geliebte Kind Gottes nicht aufhören konnte, Liebe und Leben widerzuspiegeln, da der Mensch nach dem Ebenbild Gottes erschaffen ist, wie die Bibel sagt. Die ewige, unkörperliche Existenz meiner Freundin und eines jeden Menschen als Widerspiegelung Gottes dauert unverändert fort. Die Eigenschaften, die sie zum Ausdruck gebracht hat, sind nicht verschwunden, und sie können mir auch nicht genommen werden.
Die geistigen Qualitäten, die in Gottes gesamter Schöpfung zum Ausdruck kommen, sind wirklich und ewig, und ich betete um ein besseres Verständnis davon, dass das auch auf den Täter zutraf.
Im Verlauf der Jahre habe ich viel Wertvolles aus dieser Erfahrung gelernt. Als Resultat wurde meine Liebe zur Christlichen Wissenschaft intensiviert, und ich werde immer die Freude zu schätzen wissen, die ewige geistige Identität meiner lieben Freundin im Herzen zu haben.
Diese Stelle in Wissenschaft und Gesundheit, die auf alle zutrifft – einschließlich derer, die verstorben sind –, war wie ein Fels für mich und hilft mir weiter jeden Tag zu verstehen, was für uns alle wahr ist (S. 304): „Dies ist die Lehre der Christlichen Wissenschaft: Die göttliche Liebe kann ihrer Manifestation oder ihres Gegenstandes nicht beraubt werden; Freude kann nicht in Leid verwandelt werden, denn Leid ist nicht der Herr über Freude; das Gute kann niemals Böses erzeugen; die Materie kann niemals Gemüt erzeugen noch kann Leben im Tod enden. Der vollkommene Mensch, der von Gott, seinem vollkommenen Prinzip, regiert wird, ist sündlos und ewig.“
Betty Lawrence
Marblehead, Massachusetts, Vereinigte Staaten
