F: Mein Lehrer hat einen Text von mir stark kritisiert. Das hat sich wie ein persönlicher Angriff angefühlt und mich wirklich verletzt. Ich bin nicht sicher, wie ich darauf reagieren soll.
A: Ich bin Autorin. Neulich habe ich einer Freundin etwas gezeigt, das ich geschrieben habe. Ich war nervös, aber weil ich fand, dass der Text gut gelungen war, und weil wir befreundet sind, dachte ich, dass sie nett reagieren würde.
Aber da hatte ich mich geirrt. Sie hat den Text total verrissen.
Ich habe mich richtig aufgeregt. Sie hat nicht mal die Art von Feedback gegeben, um die ich sie gebeten hatte, sondern ihre Kritik ging mir unter die Haut. Ihre Vorschläge fühlten sich unfair an, und sie hat nicht wirklich verstanden, was ich mit dem Text aussagen wollte.
Die Wut hat eine ganze Weile in mir gebrodelt. Ich habe mich gefragt, ob ich überhaupt gut schreiben kann. Wenn meine Freundin meine Texte nicht mochte, dann waren sie nicht gut – und ich kann nicht gut schreiben –, oder? Das war der Grund, warum sich ihre Kritik so persönlich anfühlte: Ich hatte den Eindruck, dass es um mein Selbstwertgefühl ging.
Mir war klar, dass es keine gute Idee war, mit meiner Freundin darüber zu reden, solange ich sauer war. Also beschloss ich zu beten. Ich wollte mich wenigstens besser fühlen.
In der Sonntagsschule der Christlichen Wissenschaft hatte ich gelernt, wie meine Beziehung zu Gott genau aussieht. Die Bibel beschreibt sie so (Apostelgeschichte 17:28): „In ihm leben, weben und sind wir ... ‚Wir sind von seiner Art.‘“
Mary Baker Eddy, die Entdeckerin der Christlichen Wissenschaft, hat diesen Gedanken in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift noch weiter ausgeführt (S. 361): „Wie ein Wassertropfen eins ist mit dem Ozean, wie ein Lichtstrahl eins ist mit der Sonne, so sind Gott und Mensch, Vater und Sohn, eins im Sein.“ Also ist alles Richtige und Produktive, das ich tun kann, einschließlich schreiben, ein Ausdruck von Gott, dem Guten. Gottes Eigenschaften wie Kreativität, Freude und Intelligenz sind von Natur aus in mir und allem enthalten, was ich tue. Ich muss nicht erst darauf hinarbeiten, Gutes und einen Wert zu bekommen oder zu verdienen.
Das hat meine Perspektive von Grund auf geändert. Ich hatte mich so darauf konzentriert, was meine Freundin dachte, dass mir gar nicht aufgefallen war, dass ich meinen Wert als Autorin am falschen Ort gesucht hatte.
Als ich mich an Gott wandte, wurde mir klar, dass ich weiter zufrieden mit dem sein konnte, was ich geschrieben hatte. Meine schriftstellerische Arbeit ist ein Ausdruck des Guten, von Freude, Schönheit, Licht, Humor und Intelligenz. Mit anderen Worten, sie bringt Gott zum Ausdruck. Das ist etwas, das andere weder verkleinern noch mir wegnehmen können, egal was jemand darüber sagt.
Heißt das, dass meine Texte nicht weiter verbessert werden können? Doch, natürlich können sie das. Ich kann immer etwas noch besser machen. Und weil mir das Schreiben Spaß macht, möchte ich auch besser werden.
Als ich mehr über meine Beziehung zu Gott und die Tatsache nachdachte, dass Er der einzige Schöpfer ist, löste sich meine Wut auf. Plötzlich fühlte sich das, was meine Freundin über meine Texte gesagt hatte, nicht mehr so riesig an wie vorher. Gut, ihr hatte mein Text nicht gefallen. Das bedeutete nicht, dass ich kein Schreibtalent habe. Das hieß auch nicht, dass mein Text schlecht war. Sie hatte Vorschläge gemacht, mit denen ich nicht einverstanden war, aber das machte eigentlich nichts.
Und da ich wusste, dass ich eins mit Gott, Liebe, bin, war auch klar, dass das auf meine Freundin genauso zutrifft. Ich musste ihr nichts nachtragen. Sie ist genau wie ich ein Ausdruck von Liebe, und wir spiegeln beide alle Eigenschaften von Gott wider. Ich wusste, dass ich sie in diesem Licht sehen konnte, auch wenn mir ihr Feedback nicht gefallen hatte.
Und dann bin ich ihre Änderungen noch mal ganz vorurteilsfrei durchgegangen. Einige machten Sinn für mich, und ich wusste, dass mein Schreibstil davon profitieren konnte. Alles andere ließ ich einfach los, und damit konnte ich – und auch sie – leben.
Zu lernen, wie man zwischen dem unterscheidet, was wirklich hilfreich ist, und dem, was nur mein eigenes Ego ist oder meine Ängste sind, die mir im Weg stehen, ist mir beim Schreiben eine große Hilfe. Das heißt nicht, dass es mir egal ist, was andere denken. Aber ich suche meinen Wert bei Gott. Jetzt kann ich besser herausfinden und dankbar anerkennen, welches die konstruktiven Kommentare sind, die mir helfen, besser zu schreiben, und von dem Rest lasse ich mich nicht mehr beeindrucken.
Vielleicht kannst du dasselbe tun, wenn du dir die Kommentare deines Lehrers zu deinem Referat noch einmal ansiehst. Was war hilfreich und nützlich für dich? Und auf welche Kritik reagierst du nur, weil du dich in deinem Selbstwertgefühl verletzt fühlst oder weil sie andere Dinge anspricht, die du vielleicht verbessern musst? Das sagt dir, worüber du beten kannst – und wo es dir helfen kann, dich selbst als Ausdruck Gottes zu sehen, der immer gut und fähig ist.
Es spricht nichts dagegen, andere um ihre Sichtweise zu bitten. Ja, das ist eine der besten Möglichkeiten, besser zu werden. Aber wenn wir uns von Gott sagen lassen, wer wir sind, dann wirft uns Kritik nicht aus der Bahn, selbst wenn sie nicht positiv ist. Und zu wissen, dass alles, was wir sind, von Gott ausgeht, ermöglicht uns auch, unser Bestes zu geben, denn wir wissen, dass wir aus der Quelle des unendlich Guten schöpfen. Und das ist absolut gut genug!
