Ich habe nicht gerade einen grünen Daumen, weiß aber, dass man bei der Gartenarbeit darauf achten muss, die Wurzel vollständig zu entfernen, wenn man Unkraut loswerden will. Und dann muss man das Beet pflegen und versorgen, um die bestmöglichen Ergebnisse zu erzielen.
Mary Baker Eddy verwendet in ihrem Buch Vermischte Schriften 1883–1896 die Natur als Metapher, um deutlich zu machen, wie wir unser Wohlbefinden pflegen sollen. Erst stellt sie die Frage (S. 343): „Säubern wir die Gefilde des Gedankens, indem wir das schädliche Unkraut der Leidenschaft, der Bosheit, des Neides und Haders ausjäten?“ Und weiter unten fügt sie hinzu: „Das Unkraut des sterblichen Gemüts wird nicht immer beim ersten Ausjäten vernichtet ...“
Als ich das auf mich selbst bezog, erkannte ich, dass das schädliche Unkraut in meinem mentalen Garten einen inneren Kampf repräsentierte, der mich am Fortschritt hinderte und dazu führte, dass ich immer wieder mit Selbstzweifel und Zaghaftigkeit rang. Klarer ausgedrückt, war es nicht einfach für mich, zuversichtlich und selbstsicher zu sein.
Der Tod meines Mannes löste eine Reihe von Ereignissen aus, die meinem Leben eine völlig neue Richtung gaben. Im Verlauf von zwei Jahren war mein Sohn ausgezogen, um zu studieren, und ich hatte unser Haus verkauft und war in mein Elternhaus gezogen, wo ich bei meinem Vater lebte.
In dieser Zeit offenbarten mir meine Gebete und mein Studium der Christlichen Wissenschaft, dass Gott die Quelle meiner Zuversicht und Kraft ist. Ich erkannte, dass mir Zuversicht und Selbstvertrauen nicht persönlich gehörten. Als Teenagerin hatte ich mit einem geringen Selbstwertgefühl gekämpft, und das begleitete mich seither. Ich war überzeugt, dass mein Vater dachte, ich sei nicht fähig genug, um auf eigenen Füßen zu stehen. Wenn er versuchte, mich in eine bestimmte Richtung zu lenken, war ich sicher, dass er glaubte, ich könnte nicht allein zu den richtigen Ergebnissen gelangen. Doch jetzt wurde ich zuversichtlicher, da ich wusste, dass Gott immer hier ist, um mir zu zeigen, was ich tun soll.
Folgende Verse aus Jesaja 30 geben wieder, was ich gelernt habe, als ich darüber nachdachte, dass Zuversicht von Gott kommt. Vers 15: „Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, würde euch geholfen; in Stillsein und Vertrauen würde eure Stärke sein.“ Und in Vers 21 lesen wir: „Deine Ohren werden hinter dir her das Wort hören, wenn ihr nach rechts oder nach links geht: ‚Dies ist der Weg; den geht!‘“ Meine Angst löste sich auf, und ich fühlte, wie ich ganz natürlich und ohne jeden Druck stärker wurde.
Wie ein Garten möglicherweise ein paar Anpassungen benötigt, indem man beispielsweise der Erde Nährstoffe zuführt, so fühlte auch ich den Bedarf, sorgfältig an meinem eigenen Wachstum zu arbeiten. Durch ein besseres Verständnis meiner gottgegebenen Kraft und Zuversicht war ich motiviert, meinen sozialen Horizont zu erweitern und eine neue berufliche Richtung in Erwägung zu ziehen. Die berufliche Veränderung erwies sich allerdings als eine echte Herausforderung. Mein Fortschritt stockte und meine Erwartung des Guten schien sich aufzulösen.
Ich merkte, dass ich mir selbst die Schuld an diesem Dilemma gab, und bekam daraufhin die Inspiration, über das Wort Verurteilung nachzudenken. Ich hatte in einem Artikel im Christian Science Sentinel, einer Schwesterzeitschrift des Herolds, gelesen, dass ich, wenn ich mich verurteile, Gott ebenfalls verurteile! Wenn es wahr ist, dass der Mensch Gottes Ebenbild ist und Ihn widerspiegelt, und ich diese Widerspiegelung dann verurteile, dann sehe ich Gott im selben Licht. Mir wurde schnell klar, dass es in meinem Denken keinen Platz für Verurteilung gab, wenn ich Gott näherkommen wollte.
Wieder bezugnehmend auf das Gärtnern erkannte ich, wie wichtig es ist, immer auf mein Denken zu achten, genau wie ich schnell wachsendes Unkraut immer wieder jäten würde. Wurde ich vom sterblichen Gemüt abgelenkt, der Mentalität, die Gott gegenüber feindlich gesinnt ist? Oder war ich bestrebt, darauf zu vertrauen, dass Gott mich geistig bei meinen Fortschritten unterstützte? Ich wurde hier wachsamer. Das war ein wichtiger Wendepunkt.
Ein weiterer Fortschritt kam, als ich einen Vortrag über die Christliche Wissenschaft besuchte, der in meiner Stadt gehalten wurde. Etwas, das die Vortragende sagte, deckte die alte Lüge auf, dass mangelndes Selbstvertrauen ein Teil von mir war. Ich wusste, dass diese Behauptung nicht wahr war und bis auf die Wurzel aus mir entfernt werden musste – und dann musste sie in meinem Denken durch das ersetzt werden, was der Wahrheit entsprach.
Nach dem Vortrag befasste ich mich zu Hause mit Stellen in Mrs. Eddys Schriften und las insbesondere ihre Worte über das „sterbliche Vorbild“ mit neuen Augen. In Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift schreibt sie (S. 248): „Was für ein Vorbild hat das sterbliche Gemüt? Ist es Unvollkommenheit, Vergnügen, Kummer, Sünde, Leiden? Hast du das sterbliche Vorbild akzeptiert? Bildest du es nach?“
Und weiter unten fügt sie hinzu: „Um dem abzuhelfen, müssen wir zuerst unseren Blick in die richtige Richtung lenken und dann in diese Richtung gehen. Wir müssen vollkommene Vorbilder im Denken formen und ständig auf sie schauen, sonst werden wir sie niemals zu einem großartigen und edlen Leben ausgestalten.“
Diese Stelle führte mich zum Gipfel meiner Beweisführung. Dieser Augenblick kam, als ich meinem Vater meine Entscheidung mitteilte, auszuziehen und eine Wohnung zu mieten. Er äußerte Zweifel, dass das der richtige Schritt für mich sei, und ich fühlte mich mental in eine Ecke gedrängt. Ich war sicher, dass ich die richtige Entscheidung getroffen hatte, allerdings nahm mir die Erinnerung an meine Zeit als verschüchterte Teenagerin ohne Selbstvertrauen die Zuversicht, angemessen zu reagieren. Doch als ob ich eine Engelsbotschaft gehört hätte, wurde mir augenblicklich klar, dass ich meinen persönlichen Sinn der Situation vollständig aufgeben und mich ganz und gar auf Gott verlassen musste.
In dem Moment erkannte ich, dass Angst mich davon abhalten würde, meiner Zuversicht Ausdruck zu verleihen. Sie war ein „schädliches Unkraut“ in meinem Denken. Ich fühlte sofort Gottes Gegenwart und musste an diese Stelle in den Psalmen denken (91:1, 2): „Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt ..., der sagt zu dem Herrn: ‚Meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich vertraue!‘“
Und so schaute ich meinen Vater an und sagte ruhig und klar, dass es an der Zeit war, auszuziehen. Daraufhin nahm er meine Entscheidung respektvoll zur Kenntnis. Die Spannung hatte sich aufgelöst. Ich war sehr dankbar für unsere Liebe zueinander. Im Lauf der Zeit wurde unsere Verbindung immer enger.
Dieser entscheidende Augenblick wurde die Grundlage für meinen weiteren persönlichen, geistigen und beruflichen Weg. Paulus schreibt im 2. Korintherbrief (5:17): „Wenn jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung; das Alte ist vergangen, sieh, es ist alles neu geworden!“ Ich fühlte mich auch wirklich wie neu geworden!
Das Ende der Stagnation zeigte sich in jedem Bereich meines Lebens. Ich bereitete meinen Umzug vor. Kurz darauf erfuhr ich, dass ich die nötigen Qualifikationen erlangt hatte, um als Vertretungslehrerin zu arbeiten. Ich bekam eine Stelle in einem Schulbezirk, der sich als Schrittstein zu weiteren Möglichkeiten erwies. Meine Beziehung zu meinem Sohn wurde entspannter und offener. Ich wurde offen für eine neue Beziehung und heiratete vor ein paar Jahren wieder.
Die Art, wie ein Gärtner den Garten beständig pflegt und versorgt, hat sich für mich als gute Metapher dafür erwiesen, über mein Denken zu wachen, und ich lerne immer weiter dazu. Lied Nr. 3 aus dem Liederbuch der Christlichen Wissenschaft fasst das sehr schön zusammen:
Ein dankbar’ Herz ein Garten ist
mit Blumenbeeten weit,
wo jede Gnade, gottverliehn,
zu holder Blüt’ gedeiht.
(Ethel Wasgatt Dennis, Text und Übers. © CSBD)
