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Original im Internet

Liebe: „Welch ein Wort!“

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 12. Februar 2018


Mary Baker Eddy schreibt in Vermischte Schriften 1883–1896 unter der Überschrift „Liebe“: „Welch ein Wort! In Ehrfurcht stehe ich davor. Über was für Welten und aber Welten waltet und herrscht es! Das ursprüngliche, das unvergleichliche, das unendliche All des Guten, der alleinige Gott ist Liebe“ (S. 249–250).

Für das menschliche Verständnis ist Liebe ein Wunder. Sich selbst findet Liebe absolut normal. Sie ist göttlich – vollkommen, in sich selbst abgeschlossen, ewig, unwandelbar, der Disharmonie, Frustration, Veränderlichkeit oder Instabilität unfähig.

Liebe ist immateriell, frei von Körperlichkeit und persönlichem Sinn. Sie ist erhaben, denn sie steht in ihrer Majestät und Herrlichkeit einzig und unerreicht. Sie ist unendlich, grenzenlos, unermesslich, unbehindert. Liebe offenbart die Natur und Essenz Gottes; daher ihre Macht, Gegenwart und ihr Einfühlungsvermögen. Liebe entstammt aus nichts außer aus sich selbst; sie vereinnahmt ihr Objekt als ihren eigenen unmittelbaren Beweis, denn Liebe ist allumfassend, universell. Sie ist unvergleichlich, denn ihr ist nichts gleichgestellt, sie hat weder Mitbewerber noch Rivalen – „der alleinige Gott ist Liebe“. Daher kommt die Reinheit der Liebe, ihre Kraft und Freude. Liebe beruft sich auf nichts als sich selbst, sie kennt und glaubt nichts als sich selbst, ist nichts als sie selbst. Sie liebt, weil sie Liebe ist. Es gibt nichts außerhalb der Liebe, denn sie ist unbegrenzt. Liebe hat keine Vorlieben und Abneigungen. Sie hat keine Lieblinge; sie ist einfach Eins.

„Das ursprüngliche, das unvergleichliche, das unendliche All des Guten, der alleinige Gott ist Liebe.“ Daher sind Hass, Furcht, Emotionalität, Sinnlichkeit, Lust und Rivalität, Egoismus, Grausamkeit und der irrigerweise Liebe genannte Egotismus das angebliche Gegenteil von Liebe mit ihrer Reinheit, Selbstlosigkeit und Beständigkeit.

Im selben Artikel, wo Mrs. Eddy die Liebe definiert, die das Göttliche widerspiegelt, berichtet sie von den Forderungen, die sie an die Liebe stellt, von den Opfern und großen Errungenschaften, die aus Liebe hervorgehen müssen, denn Liebe ist keine Abstraktion, sondern Güte voller Tätigkeit und Macht. Das Gute ist nicht passiv und Liebe stagniert nicht. Liebe ist Leben; sie ist Tätigkeit, Vitalität, Macht, etwas, über das nicht nur geredet, sondern das gefühlt und gelebt werden muss.

Und was muss geopfert werden? Was sollen wir auf den Altar legen? Oberflächlich betrachtet meinen wir vielleicht, dass alles auf den Altar zu legen bedeutet, unsere Ängste und falschen Ambitionen, unsere Vorlieben und Abneigungen, unsere tiefen menschlichen Hoffnungen und Wünsche zu bringen und auf den Altar der Wissenschaft zu legen, damit sie verbrannt und vernichtet werden, doch das Opfer, das die Wissenschaft von uns fordert, geht viel tiefer.

Das Opfer der Israeliten war ein Lamm ohne Makel. Sie brachten nicht ihre alten, klapprigen, kranken Schafe, um sie auf dem Altar loszuwerden, während sie die jungen, schönen und vielversprechenden Lämmer für sich behielten. Nein! Nur ein makelloses Lamm war für den Altar geeignet. Und als die Mission des Meisters seine Jünger von den jüdischen Ritualen freistellte, wurde er das Lamm Gottes für sie. Sein völliges Entsagen eines von Gott getrennten Selbsts begründete seine Reinheit und Unschuld. Seine unübertroffene Demonstration von Leben war das Opfer. Dieses Opfer war nicht seine Unterwerfung unter den Tod, sondern sein Sieg darüber. Dieser Sieg nahm der Welt die Sünde, denn er widerlegte jede Behauptung von einem Leben in der Materie. Es war Jesu Einssein, seine Demonstration des einen Egos, die Demonstration, die wir alle erbringen müssen – der Beweis, den er für seine Aussage machte (Johannes 10:30): „Ich und der Vater sind eins.“ Sein Opfer war sein überragender Beweis von Liebe.

Die Christliche Wissenschaft demonstriert Liebe als göttliches, universales Prinzip. Thema des Alten Testaments ist die Gerechtigkeit und Unparteilichkeit Gottes, verdeutlicht durch Verse wie: „Ich habe dich je und je geliebt; darum habe ich dich zu mir gezogen aus lauter Güte“ (Jeremia 31:3). Und doch war der Gott des Alten Testaments ein Gott der Strafe. Das Neue Testament, das weitgehend vom Leben des Meisters handelt, offenbart Gott als Liebe. Und der Apostel Jakobus beschreibt Gott als Einen, ohne Veränderung oder Schattenwechsel, als Prinzip.

Die Welt hat es dringend nötig, Liebe als Prinzip zu verstehen. Gleichberechtigung wird nicht durch Glauben an viele Rassen und den Versuch gewonnen, diese zusammenzuschließen. Liebe beginnt nicht mit vielen und vereint diese, sondern mit Einem und zeigt sich selbst als ein harmonisches Ganzes, einen unendlichen, unteilbaren Selbstausdruck. In diesem Einen gibt es weder Überlegenheit noch Unterlegenheit, denn Liebe spiegelt ihre eigene Vollkommenheit und Hochwertigkeit in einer endlosen Vielfalt an Form, Darstellung und Farbe wider. Daher hat nur die Christliche Wissenschaft in ihrer Demonstration von Liebe als Prinzip die Lösung für die Probleme der Welt.

Im Materialismus wird alles in Teile aufgeteilt und vom Menschen erwartet, dass er diese Teile zu einem harmonischen Ganzen verschmilzt. Das Konzept Mensch wird in Milliarden Menschen, wichtigtuerische Fragmente, aufgeteilt; die Menschen werden in Rassen, Rassen in Nationen getrennt; und alle, von Fragmenten über Rassen bis Nationen, bekriegen einander durch Wichtigtuerei und Überleben des Stärkeren.

In der Wissenschaft ist alles eins. Gott ist der Ausgangspunkt, Einer. Er bringt somit Seine eigene Einheit zum Ausdruck, manifestiert Seine eigene Vollkommenheit, macht Seine eigene unendliche Individualität aus und identifiziert sich in zahllosen Formen von Schönheit und Gutem. Identität ist die Mannigfaltigkeit von Form, durch die das eine Ego oder die unendliche Individualität sich selbst identifiziert. Wo der Geist gestaltet, gibt es keine Missgestalt. Wo Prinzip herrscht, gibt es keine Unterordnung.

Alle menschlichen Probleme, ob von einzelnen, Rassen und Nationen, können nur von der Grundlage Gottes als Ausgangspunkt gelöst werden. Sie bedürfen einer metaphysischen Lösung; eine physische haben sie nicht. Durch diese Erkenntnis verstehen die Christlichen Wissenschaftler, wie wichtig es ist, täglich metaphysisch für die Welt zu beten. Sie wissen, dass es keinen unwichtigen Christlichen Wissenschaftler gibt, denn die Christliche Wissenschaft selbst ist von erhabener Wichtigkeit. Ein echter Christlicher Wissenschaftler zu sein ist die größte Mission der Erde. Es bedeutet, jedes Stützen auf die Materie aufzugeben, jeden Gedanken zu prüfen und damit unsere geistige Integrität, unsere Unschuld zu etablieren, damit auch wir das Opfer auf dem Altar der Liebe sein können. Es bedeutet, unser Leben auf die Liebe zu gründen, die Geist ist.

Die Wissenschaft kann nur von der Grundlage des einen Egos aus verstanden werden – nicht ein Ego umgeben von Milliarden kleinen Egos, die es widerspiegeln, sondern eines, das sich selbst in zahllosen geistigen Formen spiegelt, aber immer ein Ego bleibt. Das menschliche Konzept von Familie ist eine Einheit, die aus vielen Egos besteht – Vater, Mutter und jedes Kind als separate Egos –, während die Wissenschaft das eine Ego als Vater, Mutter und Sohn offenbart.

Dieses Verständnis erweckt uns aus dem sterblichen Traum eines materiellen Empfindens und Lebens in der Materie und erhebt unsere Wahrnehmung von der Schönheit der Erde in den Geist. Es befähigt uns, das von Liebe erschaffene Universum zu erkennen. Mrs. Eddy schreibt in ihrer Botschaft an Die Mutterkirche für 1902: „Wird das lateinische Wort omni, alles, im Englischen als Vorsilbe zu den Wörtern potence (Macht), presence (Gegenwart), science (Wissenschaft) gebraucht, dann bedeuten diese Allmacht, Allgegenwart, Allwissenschaft. Verwende diese Wörter, um Gott zu definieren, und nichts bleibt dem Bewusstsein übrig als Liebe, ohne Anfang und ohne Ende, ja als der ewige Ich bin und Alles, außer dem es nichts gibt“ (S. 7).

Die Allgegenwart der Liebe! Egal was der Anschein sein mag, wir können nie von ihr getrennt sein – Liebe, das Ich bin, die funktionierende Gegenwart, die unwiderstehliche Macht, das Unendliche alles Seins! Wo immer Liebe ist, da ist der Christus, denn der Christus ist die Manifestation von Liebe, die mit Heilung in den Flügeln zur Menschheit eilt. Und der Christus ist der unmittelbare Beweis dafür, dass Liebe die Fülle ihrer eigenen Unversiegbarkeit ausgießt, alle mit unendlicher Zärtlichkeit segnet und absolut alles Sein ausmacht. Jesus demonstrierte den Christus. Er war das höchste menschliche körperliche Konzept des Christus, seines vollkommenen Menschen oder der göttlichen Idee von Liebe. Sein Ursprung, sein Leben, sein gesamtes Sein war Liebe.

Mrs. Eddy schreibt in Vermischte Schriften: „Das Gesetz der Liebe sagt: ‚Nicht mein, sondern Dein Wille geschehe‘, und die Christliche Wissenschaft beweist, dass der menschliche Wille im göttlichen untergeht, und Liebe, der makellose Christus, ist der Vergelter“ (S. 212). Der menschliche Wille behauptet, ein Schöpfer zu sein, und jeder Sterbliche ist sein Produkt. Die Wissenschaft bringt menschlichen Willen zum Schweigen. Wenn „der menschliche Wille im göttlichen untergeht, und Liebe, der makellose Christus, ... der Vergelter“ ist, dann gibt es kein Vakuum, keine falsche Hoffnung und kein gebrochenes Versprechen. Gottes Idee entstammt nicht dem menschlichen Willen; sie macht keinen Prozess von Empfängnis, Geburt, Reife und Verfall durch. Von Ewigkeit zu Ewigkeit besteht die Idee der Liebe – der Mensch – völlig ausgereift, sicher und vollständig im Gemüt der Liebe, denn der Mensch ist der vollständige Ausdruck Gottes.

Jesus, unser Wegweiser, versäumte nie, seine wahre Identität zu erklären. Er war nicht das Ergebnis menschlichen Willens; er bestätigte seine Identität als göttliche Idee, und das müssen wir auch tun. Er bezog sich folgendermaßen auf seinen geistigen Status (Johannes 3:13): „Niemand ist in den Himmel hinaufgestiegen außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn, der im Himmel ist.“ Deshalb konnte menschlicher Wille seine Bestimmung nicht beeinflussen. Und an anderer Stelle (Johannes 8:14) sagt er: „Ich weiß, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe.“ Jesus bewies, dass der Mensch unsterblich ist und auf ewig im Himmel verbleibt. Er bewies in jeder Situation, dass die Herrlichkeit des Christus gegenwärtig und demonstrierbar ist.

Jesus wusste, dass das Ego Gemüt ist. Als er sagte: „Ich und der Vater sind eins“, bezog er sich nicht auf zwei – ich und den Vater –, wie man das im menschlichen Sinne tun würde. Wies er damit nicht auf die Tatsache hin, dass das Ich der Vater ist − dass Geist, das göttliche Prinzip und seine Idee, das todlose, unbegrenzte Ego oder die unendliche Individualität ist, die sich auf immer selbst reflektiert und identifiziert? Er bewies, dass die Wahrung der Individualität in der gesamten Schöpfung Gottes so unvermeidbar ist wie die Wahrung von Gemüt. Eins kann genauso wenig verlorengehen wie das andere.

Jesus war so radikal in seinem Gehorsam gegen Prinzip, so radikal in seinem Vertrauen auf Gott, dass sein Leben, das so voller Liebe war, dem sterblichen Gemüt wie Hass erschien. Er widersprach dem Bösen ohne Einschränkung. Als Christliche Wissenschaftler müssen wir seinem Beispiel folgen. Doch die wissenschaftliche Zurechtweisung des Irrtums hat nichts mit der Kritik von einer Person an einer anderen zu tun. Die Aktivität des Christus, die unpersönliche Tätigkeit des göttlichen Prinzips, Liebe, zerstört den Irrtum. Aufgrund Jesu spontaner Widerspiegelung der Liebe heilte er mühelos und augenblicklich. Nur die Geistigkeit, die ihre Essenz in der Liebe hat, kann den Irrtum aufdecken und die Leiden der Materie besiegen.

Die Liebe kennt Zeit nicht. Die Blumen der Liebe verlieren nie ihre Schönheit. Sie leben und blühen in der zeitlosen Herrlichkeit der Ewigkeit. Die Makel der Vernachlässigung und die Narben des Hasses verschwinden unter der Berührung der Liebe. In ihr gibt es weder Verblassung noch Tod. Die Liebe sieht nichts als ihre eigene Schönheit, Frische und Heiligkeit.

Der gesamte sterbliche Anschein besteht aus dem Trugbild Zeit, das seinen Höhepunkt mit dem Tod erreicht, doch der Offenbarer sah den Tag voraus, an dem Zeit nicht mehr bestehen würde (siehe Offenbarung 10:5, 6). Das sterbliche Gemüt behauptet, wir seien alle Zeitobjekte: wir wurden zu einem bestimmten Zeitpunkt geboren, wir werden zu einem Zeitpunkt sterben, und unser Leben wird Tag für Tag, Jahr für Jahr nicht von Prinzip, sondern von Zeit regiert. Die gesamte Geschichte wird in Zeitschubladen aufgeteilt. Dem menschlichen Glauben zufolge erfordert Heilung Zeit; Erfahrung und Weisheit brauchen Zeit; Fortschritt braucht Zeit. Doch was ist Zeit? Ist sie nicht die begrenzte Vorstellung des sterblichen Gemüts von der Ewigkeit? Jesus wies auf die Unmittelbarkeit der Liebe hin, als er sagte (Johannes 4:35): „Sagt ihr nicht: ‚Es sind noch vier Monate, dann kommt die Ernte?‘ Seht, ich sage euch: ‚Macht eure Augen auf und seht auf die Felder! Denn sie sind schon weiß zur Ernte.‘“ Sein erhabenes Verständnis von Liebe demonstrierte ewiges Leben.

Kein Wunder, dass Mrs. Eddy sagte: „Das ursprüngliche, das unvergleichliche, das unendliche All des Guten, der alleinige Gott ist Liebe.“

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Der Herold ermutigt jeden von uns, das geistig Gute zu entdecken — den geistigen Sinn zu betätigen. Wir sehen damit klarer die geistigen Tatsachen unserer Beziehung zu Gott und entdecken gleichermaßen auch Gelegenheiten, sie der Welt zu verkünden und anzuwenden: mit anderen Worten, die Aufgabe des Herolds zu erfüllen.

Michael Pabst, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, Februar 1997 

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