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Original im Internet

Bescheiden und ehrlich auf das Verlangen nach Kirche eingehen

Aus dem Herold der Christlichen Wissenschaft. Online veröffentlicht am 31. Mai 2019


Das Verlangen nach Kirche ist echt. Manche Leute würden dem zustimmen, andere nicht. Doch sinkende Mitgliederzahlen, Sorgen darüber, dass Jugendliche der Kirche den Rücken kehren, tragische Berichte von Missbrauch und der Trend zur Politisierung der Kirchen machen nicht alles aus. „Etwas Neues versucht, zur Welt zu kommen“, sagt Autor und Reformator Brian McClaren („Denominations: Pangs of Death or Pains of Birth“ [Religionsgemeinschaften: Todeskampf oder Geburtswehen], Center Aisle, 7. Juli 2012).

Er spricht über die gegenwärtige große Umkehr im Christentum, nämlich den Wegfall traditioneller Autorität und ein Öffnen für radikales Umdenken und eine Renaissance der Kirche. Mary Baker Eddy schrieb vor über hundert Jahren in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift: „Die Zeit für Denker ist gekommen. Unabhängig von Glaubenslehren und altehrwürdigen Systemen pocht die Wahrheit an die Pforte der Menschheit. Zufriedenheit mit der Vergangenheit und die starre Konventionsgebundenheit des Materialismus sind im Zerfall begriffen. Unwissenheit über Gott ist nicht mehr der Schrittstein zum Glauben“ (S. vii).

Dieses „Neue“ wird durch die Forderung nach etwas Höherem und Heiligerem angetrieben und wächst zu einer treibenden Macht heran. Dieser Antrieb ist kraftvoll und weist ausgehöhlte Traditionen zugunsten einer praktischeren Geistigkeit zurück. Er bringt neue Formen hervor, um die Ideale zu erfüllen, die vorrangig mit Kirche assoziiert werden, heute aber eher bei Sportvereinen und Selbsthilfegruppen zu finden sind, nämlich Lebenszweck, Heilung und Gemeinschaft.

Mrs. Eddy erkannte dieses tiefe Sehnen in der Menschheit und schrieb: „Dieses Zeitalter strebt nach dem vollkommenen Prinzip aller Dinge; es strebt nach Vollkommenheit in der Kunst, der Erfindung und Herstellung. Warum also sollte die Religion sich immer gleich bleiben, und warum sollten wir nicht ein vollkommeneres und praktischeres Christentum erlangen?“ (Vermischte Schriften 1883–1896, S. 232).

Wenn wir alle Vorurteile von Religion als exklusiv, dogmatisch oder polarisierend fallenlassen, haben wir die Gelegenheit, mit neuer Offenheit auf die Kirche zu schauen, die Christus Jesus im Sinn hatte. Eine Kirche, die im ursprünglichen, praktischen Christentum verankert ist und sich auf geistiges Heilen gründet. Jesus fasste die Gebote sehr einfach zusammen: Liebt Gott und einander. Vergebt anderen. Heilt die Kranken, treibt die Dämonen aus, weckt die Toten auf. Jesus erwartete von seinen Nachfolgern, dass sie umsetzen, was sie predigen. Er wusste, dass ritualisierte Anbetung, Beliebtheit und die Beteiligung an religiösen Zeremonien weder schlechtes Verhalten beseitigen noch die Menschheit auch nur annähernd erretten kann. Nicht Äußerlichkeiten wandeln uns um, sondern ein inneres Verlangen, Gott zu verstehen, und die Bereitschaft, das zu tun, was eine Umwandlung bewirkt: täglich gelebte Güte und Selbstlosigkeit, deren kumulierte Taten Kirche als dynamische Kraft offenbaren, die uns zu demonstrieren hilft, wie Gottes Liebe heilt und über Probleme triumphiert.

Die zweigliedrige Definition von Kirche in Wissenschaft und Gesundheit hilft dabei. Der erste Teil erklärt die geistige Substanz von Kirche: „Die Struktur der Wahrheit und der Liebe; alles, was auf dem göttlichen Prinzip beruht und von ihm ausgeht.“ Diese breitgefächerte Definition gründet sich nicht auf menschliche Persönlichkeit oder die Weisheit anderer, sondern auf ein Wissen von Gott als göttliches Prinzip, Liebe – universal, kraftvoll, umfassend, dauerhaft.

Der zweite Teil der Definition legt den Standard für die Handlungen der Kirche fest: „Die Kirche ist diejenige Institution, die den Beweis ihrer Nützlichkeit erbringt und die die Menschheit erhebt, das schlafende Verständnis aus materiellen Annahmen zum Erfassen geistiger Ideen und zur Demonstration der göttlichen Wissenschaft erweckt und dadurch Teufel oder Irrtum austreibt und die Kranken heilt“ (S. 583).

Kirche kann als Struktur verstanden werden, innerhalb welcher Taten durch Christi Lehren inspiriert und angeleitet werden. Sie vermittelt sie in einer Gemeinschaft der Akzeptanz und Offenheit und aufgrund gemeinsamer Anbetung, Verbindung, Berichtigung, Erlösung und Heilung. Bei Kirche, wie bei einem geistigen Fitnesszentrum, geht es nicht darum, lediglich hinzugehen; man muss Kirche als universal, vereinigend und allumfassend leben und wissen, dass unsere guten Taten durch das Gesetz Gottes, der Liebe, untermauert werden – das Gesetz, das alle regiert. Das bedeutet, Kirche als triumphierend zu leben: bestrebt zu sein, so zu heilen, wie Jesus heilte, und somit in gewissem Grad die Macht Gottes zu demonstrieren, die über Sünde, Krankheit und Tod triumphiert.

Wir wissen anhand unseres Verhaltens und dessen Auswirkungen, ob wir „Kirche richtig machen“. Wir können uns fragen: Wachsen wir in der Gnade, in Demut, Akzeptanz und Großzügigkeit? Führen unsere Bemühungen dazu, wenigstens in bescheidenem Rahmen die Menschheit zu erheben und unser Denken zu mitfühlenderen, geistigen Idealen anzuregen? Wir können prüfen, ob wir Heilung bei unseren Kirchenmitgliedern und der Gemeinde aktiv unterstützen, erwarten und wahrnehmen. Wenn das hohe Ziel Heilen und all das transformative Gute ist, das nur eine Kirche bereitstellen kann, dann möchten wir dringend alles loslassen, was uns den Weg zu diesem herrlichen Fortschritt versperrt.

Das erfordert Demut, Selbstprüfung und eine selbstlose Bereitschaft für Zurechtweisung. Das ist nichts Neues. Von frühester Christenheit an wurden destruktive Dinge wie Abkehr, Apathie, Zulassen von Korruption und geistige Selbstgefälligkeit in den wachsenden Kirchen aufgedeckt und ohne Einschränkung zurückgewiesen. Mrs. Eddy schrieb: „In der Offenbarung bezieht sich Johannes auf das, was ‚der Geist den Gemeinden sagt‘. Seine Allegorien sind die höchste Kritik an aller menschlichen Handlung, Prägung und Methode. ... Seine Sinnbilder der Reinheit durchbohren die Verderbtheit wirksamer als das geschriebene Wort. Sie sind kraftvolle Umschreibungen, von der Gottheit auf die Menschheit übertragen ...“ (Botschaft an die Mutterkirche für 1900, S. 11–12).

Die Forderung nach einer ehrlichen Selbstprüfung und Korrektur in uns selbst und unseren Kirchen ist heute ebenso ernst, denn der Bedarf nach Heilung, Bedeutung und Gemeinschaft – nach all dem Guten, für das Kirche angelegt ist – ist heute sogar noch größer.

Wissenschaft und Gesundheit erklärt: „Millionen vorurteilsfreier Gemüter – schlichte Sucher nach Wahrheit, müde Wanderer, durstend in der Wüste – warten und halten Ausschau nach Ruhe und Erquickung. Gib ihnen einen Becher mit kaltem Wasser in Christi Namen und fürchte niemals die Folgen“ (S. 570).

Wenn wir uns darüber einig sind, dass das stimmt, müssen wir uns fragen: „Was leisten wir dafür?“ Wir können bestätigen, dass wir den moralischen Mut haben, alles loszulassen, was uns zurückhält, um Vergebung für vergangene Sünden zu erbitten und die Zukunft mit Verheißung, harter Arbeit und befriedigenden Belohnungen zu ergreifen. Wir können unsere Hingabe zur Kirche erneuern, dazu, vom Geist neu geboren zu werden. Dass wir dafür demütig bereit sind und ehrlich und liebevoll auf das Verlangen nach Kirche mit einem „Becher kalten Wassers“ eingehen, öffnet jedem den Weg, Kirche kraftvoll als universal und triumphierend zu erleben – als uneingeschränkt liebevolle, offene und transformierende heilende und rettende Kraft.

Kim Crooks Korinek
Auf Einladung der Redaktion

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Die Mission des Herold

Mrs. Eddys göttlich inspirierte Erklärung der Mission des Herolds der Christlichen Wissenschaft, der im Jahre 1903 gegründet wurde, ist zu einem Symbol für die weltumfassenden Tätigkeiten der christlich-wissenschaftlichen Bewegung geworden. Ihre Worte erscheinen als Inschrift an der Vorderseite der Christlich-Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft. Sie lauten: „Die allumfassende Wirksamkeit und Verfügbarkeit der Wahrheit zu verkünden.“ Der Herold ist ein greifbarer Ausdruck des Wunsches unserer Führerin, die unschätzbare Kenntnis der Wissenschaft des Lebens an die ganze Menschheit weiterzugeben. Sie erkannte, dass der Tröster „zur Heilung der Völker“ gekommen war.

– Alfred F. Schneider, Der Herold der Christlichen Wissenschaft, September 1977

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