Als Theater- und Drehbuchautorin weiß ich die Kunst des Geschichtenerzählens und der Entwicklung einer gut konzipierten Figur sehr zu schätzen. Eine überzeugende Geschichte erfordert eine Hauptperson, die Entscheidungen trifft, die Dinge in die Hand nimmt und aus ihren Erfahrungen lernt. Wenn eine Geschichte sich nicht bewegt – keine Richtung hat –, bleibt sie stecken.
Diese Erkenntnis mündete in zwei wichtigen Fragen: Spiele ich eine aktive Rolle bei meinem eigenen geistigen Wachstum oder warte ich einfach passiv auf eine Veränderung? Und, vor allem, lasse ich mich bei diesem Wachstum – auf dem Weg und in Bezug auf den Zweck meines Lebens – von Gott führen?
Ich bemühe mich, jeden Tag mit stillem Gebet zu beginnen. Diese stille Kommunion ist eine Art zu lauschen und mein Denken für Gott, das göttliche Gemüt, zu öffnen. Mary Baker Eddy, die Entdeckerin und Gründerin der Christlichen Wissenschaft, schreibt in Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift (S. 4): „Das ständige Ringen, immer gut zu sein, ist Beten ohne Unterlass.“ Dieses Ringen hat für mich nichts mit menschlichem Einsatz zu tun, sondern es geht darum, mich demütig Gottes Willen zu fügen. Ziel ist, meine Ängste zu beruhigen, menschliches Wollen aufzugeben und Raum für göttliche Inspiration zu schaffen.
Als es meiner Familie vor Jahren finanziell nicht gut ging und wir drei kleine Kinder zu versorgen hatten, brauchte ich eine Teilzeitstelle, um etwas hinzuzuverdienen. Ich hatte früher geschauspielert und unterrichtete gern, und so bot ich an einer Grundschule in der Nähe Unterricht in Schauspiel an. Das brachte das benötigte Einkommen und machte mir viel Spaß – und fühlte sich überraschend richtig an. Ich konnte spüren, dass dieser kleine Schritt göttlich geführt worden war. Er war nicht nur eine praktische Lösung, sondern eine Antwort auf mein Gebet.
Nachdem wir mehrere Jahre später mit inzwischen vier Kindern auf die andere Seite des Landes umgezogen waren, mussten wir uns in einem neuen Bundesstaat neu etablieren. Ich hatte keinen Job, und unsere finanzielle Lage wurde von Tag zu Tag unsicherer. Ich durchforstete die Jobangebote und bewarb mich auf mehrere Stellen, erhielt allerdings keine einzige Antwort. Es wurde täglich schwerer, die zunehmende Sorge zu ignorieren, dass wir möglicherweise nicht genug Geld für die Miete haben würden. Doch ich tat, was ich konnte, um die Hoffnung nicht zu verlieren, sondern darauf zu vertrauen, dass sich eine Lösung zeigen würde.
Eines Morgens wandte ich mich im Gebet von ganzem Herzen an Gott. Ich hörte auf zu fragen: „Was soll ich tun?“ und bekräftigte stattdessen, dass die göttliche Liebe ihren Plan bereits entfaltete – und dass ich genau an meinem richtigen Platz war. Diese Änderung meiner Denkweise war genau, was ich brauchte. Ich verstand, dass Gebet nichts damit zu tun hat, meine Umstände zu ändern, sondern dass es um ein Umdenken geht.
An jenem Tag wurde ich daran erinnert, dass Jesus uns mithilfe des Gebets des Herrn das Beten gelehrt hat – und ich dachte besonders an diese Zeile (Lukas 11:3): „Unser nötiges Brot gib uns Tag für Tag.“ Ich stellte meine Sorge zurück und beschloss, ganz und gar bei dem präsent zu sein, was Gott schon bereitgestellt hatte. Wir hatten ein schönes Zuhause gefunden. Unsere drei größeren Kinder mochten ihre Schule. Wir hatten damals genug für den grundlegenden Bedarf. Mit dieser Erkenntnis akzeptierte ich einfach, dass ich heute mit unserem jüngsten, noch nicht schulpflichtigen Kind zu Hause bleiben würde. Wir spielten, ruhten uns aus, lachten. Ich fühlte tiefen Frieden – und war äußerst dankbar.
Am nächsten Morgen klingelte das Telefon. Die Verwaltung einer Highschool hatte meinen Lebenslauf erhalten und lud mich zu einem Vorstellungsgespräch für eine Stelle als Vertretungslehrerin ein. Ich wusste nicht, um welches Fach es ging, sagte aber zu. Bei dem Gespräch erfuhr ich, dass die Leiterin der Theater-AG sich hatte beurlauben lassen und dass jemand für ihre AG gebraucht wurde. Ich nahm an, und ein paar Wochen später wurde ich gebeten, auch ihren sonstigen Unterricht zu übernehmen. In den Frühjahrsferien wurde mir die Leitung des Musicals übertragen, das jedes Jahr aufgeführt wurde. Die ursprünglich vorübergehende Beschäftigung wurde sehr bald zu einer Vollzeitstelle, die genau auf meine Erfahrung und meine Kenntnisse zugeschnitten war und die ich viele Jahre lang ausfüllte. Das war mehr als nur Zufall, es war das Ergebnis meiner Entscheidung, Gottes Führung vollständiger zu folgen und Seiner Versorgung zu vertrauen.
Diese Erfahrung verdeutlichte etwas Wichtiges: Auf Gottes Führung zu lauschen und zu vertrauen gestattet uns, aktive, zuversichtliche Schritte nach vorn zu unternehmen – nicht aus Angst oder Eigenwillen, sondern unter der Führung der göttlichen Liebe. Wir lesen in Wissenschaft und Gesundheit (S. 494): „Die göttliche Liebe hat immer jeden menschlichen Bedarf gestillt und wird ihn immer stillen.“ Ich habe aus erster Hand erlebt, dass das stimmt. Mein Bedarf war nicht nur finanzieller Art – ich brauchte Stabilität, eine Zielrichtung, eine Rückversicherung und ein tieferes Verständnis von Gottes immer vorhandener Fürsorge.
Das Ergebnis war nichts, was ich durch menschliche Planung erreicht hatte; es hatte sich ganz natürlich entfaltet, als ich mich für das göttliche Gemüt öffnete. Die Bibel rät uns (Sprüche 3:5, 6): „Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen, und verlass dich nicht auf deinen Verstand; sondern denke an ihn in allen deinen Wegen, dann wird er dich recht führen.“
Aktiv an Gottes Plan beteiligt zu sein bedeutet nicht, dass man ein Ergebnis erzwingt; es bedeutet, dass man jeden Tag mit geistiger Empfänglichkeit und der Bereitschaft aufwacht, der göttlichen Führung zu folgen. Es bedeutet zu beten, um ein klareres Verständnis zu erlangen und besser zu erkennen, dass Gottes Plan bereits umgesetzt wird. Es bedeutet, selbst in den kleinsten Dingen treu zu sein und zu wissen, dass jeder göttlich inspirierte Schritt ein Schritt voran ist.
An manchen Tagen muss man bei diesem Vertrauen einen Augenblick innehalten und lauschen, bevor man eine Entscheidung trifft. An anderen Tagen sind wir vielleicht inspiriert, uns auf ein Wagnis einzulassen, um eine Gelegenheit wahrzunehmen, die sich richtig anfühlt, selbst wenn es nicht das ist, was wir erwartet haben. Das Wichtigste ist, dass wir uns auf der Grundlage geistiger Zuversicht fortbewegen – in dem Verständnis verankert, dass die göttliche Liebe immer gegenwärtig ist und ihre geliebte Schöpfung beständig regiert.
Diese Praxis, aktiv auf Gott zu vertrauen, kann die Art und Weise verändern, wie wir das Leben erleben. Sie kann unser Denken für neue Ideen, unerwartete Lösungen und einen inneren Frieden öffnen, der nicht von den äußeren Umständen abhängt. Wenn wir uns in jedem Augenblick Gottes Gegenwart bewusst sind, finden wir die Inspiration und den Mut, den nächsten Schritt zu tun – selbst wenn der Weg voran noch nicht vollständig sichtbar ist.
Auch wenn die Umstände unklar erscheinen, können wir beschließen, uns bewusst, freudig und durch inniges Gebet an der Entfaltung des Guten zu beteiligen. Das ist die Essenz geistigen Fortschritts. Es ist ein Leben, in dem wir nicht passiv warten, sondern aktiv lauschen, um unseren göttlich bestimmten Zweck zu erfahren. Und das ist eine Geschichte, die es wert ist, erzählt zu werden.
