Als ich vor vielen Jahren am Morgen die wöchentliche Bibellektion aus dem Vierteljahresheft der Christlichen Wissenschaft las, kam mir der Gedanke, dass ich etwas Wichtiges über Jesu Mission übersehen hatte – nicht unbedingt Aussagen und Heilungen von ihm, sondern wo sich die Gelegenheiten zum Heilen ergeben hatten. In den allermeisten Fällen begegneten ihm die entsprechenden Personen, während er auf dem Weg zu etwas ganz anderem war.
Ich dachte, dass dies wie so viele Aspekte des Lebens unseres Meisters eine Botschaft an seine Nachfolgerinnen und Nachfolger war, dass die Gelegenheit, Heilarbeit zu leisten – heilend tätig zu sein – immer direkt vor uns liegt. Je mehr ich darüber nachdachte, desto mehr schien es zuzutreffen. Wo sonst sollte unsere Heilarbeit stattfinden?
Auf der Grundlage dieser Überlegungen kam ich zu dem Schluss, meinen geistigen Weg als heilende Mission zu betrachten. Dieser Weg gab mir Gelegenheiten, andere zu segnen, und stellte alles bereit, was ich für meinen eigenen geistigen Fortschritt brauchte.
Auf mehr als fünfzig Jahre als praktizierender Christlicher Wissenschaftler zurückblickend kann ich klar erkennen, wie wundervoll unser Vater-Mutter-Gott mich dazu geführt hat, mein Leben als Mission zu betrachten, in der ich, dem Vorbild des Meisters folgend, immer dort, wo ich war, auf Gelegenheiten stoßen würde, heilend tätig zu sein. Hier ist eins von vielen Beispielen dafür.
Mir wurde eine Vorstandsassistentin zugewiesen, die für ihr unangenehmes Wesen bekannt war. Ich beschloss von Anfang an, sie durch die Linse der göttlichen Wissenschaft als das vollkommene Bild und Gleichnis Gottes zu betrachten und ehrlichen Herzens das zweite große Gebot zu befolgen, das Jesus hervorgehoben hat (Matthäus 22:39): „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“
In ihrer vorherigen Stellung schien mich diese Assistentin besonders verabscheut zu haben; sie hatte mir große Schwierigkeiten bereitet, indem sie mir falsche oder unvollständige Informationen gegeben hatte. Daher schien ich gute Gründe zu haben, sie nicht zu mögen. Doch stattdessen hieß ich sie freundlich willkommen. Ich ließ sie an den täglichen Besprechungen der Führungsriege teilnehmen und behandelte sie gleichbleibend freundlich.
Mehrere Wochen später bat sie mich um ein Gespräch unter vier Augen. Angesichts der Art und Weise, wie sie mich vorher behandelt hatte, konnte sie es nicht fassen, dass ich so nett zu ihr war, und sie fragte mich nach meiner religiösen Einstellung. Ihr war aufgefallen, dass ich mittwochs immer gegen zwölf Uhr das Büro verließ, um an der wöchentlichen Zeugnisversammlung meiner Zweigkirche der Christlichen Wissenschaft teilzunehmen. Ich erzählte ihr ein wenig über die Lehren der Christlichen Wissenschaft und gab ihr das Lehrbuch der Christlichen Wissenschaft, Wissenschaft und Gesundheit mit Schlüssel zur Heiligen Schrift von Mary Baker Eddy, das ich immer in meinem Schreibtisch hatte.
Einige Wochen später bat sie mich um ein weiteres Gespräch. Sie sagte, dass sich ihr Leben verändert hatte. Ihre Einstellung zu allen Menschen war gänzlich anders. Bei der Arbeit war sie der Ausbund an Wärme und Fröhlichkeit. Sie wurde zur „Mutter“ meiner leitenden Angestellten, und die anderen in der Geschäftsleitung bemerkten diese Veränderung. Als sie in den Ruhestand ging, wurde sie von meiner Abteilung mit einer schönen und liebevollen Feier verabschiedet. Im Kontext dessen, was ich als meine heilende Mission betrachtete, war ich sehr dankbar, dass ich ihr hatte helfen können, ihren eigenen geistigen Weg zu finden.
Gemäß dem Johannesevangelium enthielt Jesu letztes Gebet vor seinem Verrat und seiner Verhaftung die folgenden Worte (17:6): „Ich habe deinen Namen den Menschen offenbart, die du mir aus der Welt gegeben hast. Sie waren dein, und du hast sie mir gegeben, und sie haben dein Wort bewahrt.“ So wie Jesus Gott für diejenigen dankte, die Er ihm gesandt hatte, so können wir ähnliche Gelegenheiten wahrnehmen. Wir können die Beziehungen in unserem Leben als eine Mission betrachten – eine Einladung, das Wesen Gottes in unserem Denken und unserer Beziehung zu anderen manifestiert zu sehen.
